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Zapp.Brannigan vs Kiffing

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    Zapp.Brannigan vs Kiffing

    Ich habe ja unter dem Nick LestatCH unzählige partien gauf chessmail egen Kiffing gespielt. Diese haben zwar oft spass gemacht, strotzten aber nur so von fehlern. Der grund war, dass ich mir nie die zeit nahm, ernsthaft zu analysieren. Oft schaute ich 2 sekunden auf das brett, entschied mich für einen zug und führte ihn aus. Das resultat waren hängende figuren, zum teil auch die dame, oder zumindest übersehen möglichkeiten.

    Als ich von meinem 3-monate urlaub zurück kam habe ich mir vorgenommen, 2 sachen auf chessmail zu ändern.
    (1) Nur noch maximal 10 partien parallel, 20 partien parallel ist einfach zu viel
    (2) Jede stellung wird analysiert, und zwar in einer datenbank (natürlich ohne engine), so dass ich am ende der partie auch meine analysen mit der engine testen kann.

    Um dem ganzen noch etwas mehr wirkung zu geben habe ich den Nick geändert. In diesem thema möchte ich nicht alle partien, sondern die meiner meinung nach interessantesten vorstellen. Ich vertrete die meinung dass varianten viel mehr wert sind als worte, werde aber trotzdem versuchen auch verbal zu erklären was passiert.
    Zitat von Sam Collins
    I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

    #2
    AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

    Diese partie fand ich spannend wegen der gespielten eröffnung, welche ich in details analysiere. Die partie hat es sehr viele nette taktische möglichkeiten, welche wir natürlich nicht alle gesehen haben. So haben weder Kiffing noch ich den taktischen schlag 18...Rd5 gesehen, welcher sehr nett ist.

    [Event "?"]
    [Site "chessmail"]
    [Date "2015.11.30"]
    [Round "?"]
    [White "Kiffing"]
    [Black "Zapp.Brannigan"]
    [Result "0-1"]
    [EventDate "2015.11.30"]
    [FlipB "1"]

    1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O
    9.h3 Na5 10.Bc2 d5
    {Das gajewski gambit. Dies ist momentan meine hauptverteidigung gegen
    spanisch, nachdem ich mit vielen anderen systemen nicht glücklich
    wurde...}
    11.d4
    {Diese antwort ist nicht zu unterschätzen. Anstatt auf materialgewinn
    zu gehen spielt weiss auf schnelle entwicklung und gegen den springer
    auf a5.}
    ( 11.exd5 {Die annahme des Gambits ist kritisch} 11...e4 12.Bxe4 {
    Weiss muss das läuferpaar geben}
    ( 12.Ng5 {Sieht vernünftig aus, gibt schwarz aber eine
    riesen-initiative} 12...Nxd5 13.Nxe4
    ( 13.Nxh7 Kxh7 14.Bxe4+ Kg8 15.Bxd5 Qxd5 16.Rxe7 Bxh3
    ( 16...Be6 17.Rxe6 Qxe6 )
    17.Qf3
    ( 17.gxh3 Qg5+ )
    17...Qxf3 18.gxf3 Rae8 19.Rxe8 Rxe8 20.Kh2 Re1 21.Kxh3 Rxc1 {
    schwarz hat einen (verdoppelten) mehrbauern, kann aber seine
    figuren nie entwickeln} )
    13...f5 14.Ng3 f4 15.Ne4 f3 16.d4 fxg2 17.Ng3 g6 {Dank der
    halb-offenen f-line, der geschwächten königsstellung und den gut
    entwickelten schwarzen figuren steht hier schwarz bereits deutlich
    besser} 18.a3 )
    12...Nxe4 13.Rxe4 Bb7 14.d3 {nimmt dem springer das feld c4 weg und
    wird als bester "widerlegungsversuch" angeschaut}
    ( 14.d4 Re8 15.Bf4
    ( 15.Nbd2 Qxd5 )
    15...Nc4 16.b3 Nb6 17.c4 bxc4 18.bxc4 Nxc4 {das schwarze
    läuferpaar wiegt den mehrbauern auf} )
    14...Bxd5 15.Re1 Qd6
    ( 15...c5 16.Bf4 )
    16.Nbd2 f5 )
    11...dxe4
    {Eine unternehmende fortsetzung, aber bei bestem weissen spiel
    wahrscheinlich nicht gut genug.}
    ( 11...Nxe4 12.Nxe5 f6 13.Nd3
    ( 13.Nf3 f5
    ( 13...Nc4 {Bietet wieder ein bauernopfer fürs läuferpaar an
    } 14.Bxe4 dxe4 15.Rxe4 Bb7 16.Re1 Bd6 {schwarz hat gute
    kompensation} )
    14.Nbd2 Bd6 )
    13...Bd6 14.Bf4
    ( 14.Nd2 f5 15.Nf3 Nc4 16.Nfe5 Qh4 )
    14...Nc4 15.b3 Nb6 16.Bxd6 Qxd6 {so wird der schlechte weisse läufer
    getauscht} )
    12.Nxe5 c5 13.Bg5
    {dieser logische zug scored in der praxis sehr schlecht für weiss}
    ( 13.Be3 Bb7 14.Nd2 Qc7 15.Qb1 $1 {Dieser zug macht die ganze
    11...dxe4-variante sehr schwierig} 15...cxd4 16.Bxd4 Bd6 17.Ng4 Nxg4
    18.hxg4 Bh2+ 19.Kh1 Bf4 20.Nxe4 Rfe8 21.g5 {weiss hat einen bauern
    mehr und das läuferpaar behalten} )
    13...Bb7 14.dxc5 $6
    {jetzt gewinnt schwarz jede menge tempi}
    ( 14.Nd2 cxd4 15.cxd4 Re8 16.Nb3 Nxb3 17.Bxb3 Nd5 18.Bxe7 Rxe7 19.Rc1
    )
    14...Qc7
    {die damen bleiben auf dem brett}
    15.Bxf6
    ( 15.Bf4 Bxc5 16.Nd3
    ( 16.Ng6 Qc6 17.Nxf8 e3 {mit gewinn} )
    16...Bd6 17.Bxd6 Qxd6 18.Nb4 Qxd1 19.Bxd1 Nc4 20.b3 Ne5 {wenn schwarz
    den bauern halten kann steht er wegen der besseren entwicklung klar
    besser} )
    15...Rad8
    {tempo auf die dame}
    16.Qh5
    ( 16.Qe2 Bxf6 17.Ng4 Bg5 18.Ne3 f5 {so wurde bereits 2x von
    weisspielern über 2500 elo gespielt, beide verloren} )
    16...Bxf6
    {tempo auf den springer}
    17.Ng4
    ( 17.Bxe4 {dies musste berechnet werden} 17...g6
    ( 17...Bxe4 18.Rxe4 Rd5
    ( 18...g6 19.Qe2 )
    )
    18.Qf3 Bxe5
    ( 18...Qxe5 19.Na3 Bxe4 {schwarz gewinnt} )
    19.Bxb7 Nxb7
    ( 19...Bh2+ 20.Kh1 Nxb7 21.g3 )
    )
    17...Be7
    {die weissen figuren um den schwarzen könig herum sehen gefährlich
    aus, aber dank der schlechten weissen entwicklung droht nichts}
    18.Na3 $2
    ( 18.Bxe4 Bxe4 19.Rxe4 Rd1+ 20.Re1 Rxe1# )
    ( 18.Qe5 Qxe5 19.Nxe5 Bxc5 20.b4 Bd6 )
    ( 18.Qf5 Nc4 19.b3 g6 20.Nf6+ Kg7 21.Nh5+ Kh8 22.Qf4 )
    18...f5 $2
    ( 18...Rd5 $1 {dieser taktische schlag hätte sofort gewonnen, die
    weisse dame hat keine felder mehr} )
    19.Ne3 Bxc5
    ( 19...Nc6 $2 20.Nxf5 {schwarz kann immer noch fehl greiffen} )
    ( 19...f4 $1 20.Nf5 Bxc5 21.b4 Bxf2+ 22.Kxf2 g6 )
    20.Rad1
    ( 20.b4 Bxe3
    ( 20...Be7 21.Nxf5
    ( 21.bxa5 Bxa3 )
    )
    21.Rxe3 Nc4
    ( 21...g6 22.Qh4 Nc6 23.Bb3+ Kh8 )
    22.Nxc4 bxc4
    ( 22...Qxc4 $4 23.Rg3
    ( 23.Bb3 )
    23...Rd2 24.Qg5 g6 )
    )
    ( 20.Nxf5 g6 21.Nh6+ Kg7 )
    20...Bxa3 21.bxa3 g6 22.Qe2 Qxc3 0-1
    Zitat von Sam Collins
    I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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      #3
      AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

      Vielen Dank für die Analyse dieser Partie, @Lestat. Im Prinzip habe ich nach diversen Ungenauigkeiten in der Eröffnungsphase leicht schlechter gestanden, dann kam der Fehler und Du hast schnell gewonnen. Ich werde aus Deiner Analyse jedenfalls mitnehmen, daß ich im 13. Zug nun die Idee mit 13. Le3 Lb7 14. Sd2 Dc7 15. Db1 spielen werde. Diese Zugfolge gefällt mir sehr gut.
      Alles wartet auf das Licht
      Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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        #4
        AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

        Heute abend wieder mal eine sehr spannende partie beendet, leider diesmal nicht zu meinen gunsten. Die eröffnung (karpov-variante im geschlossenen spanier) ist noch für beide ausbaubahr, taktisch haben wir je ein paar kleinigkeiten übersehen und die partie beweist wieder mal, dass ich endlich mal seriös endspiele trainieren muss...


        [Event "Wertungsspiel e70dfe9d7fde45aa"]
        [Site "http://www.chessmail.de"]
        [Date "2015.12.22"]
        [Round "-"]
        [White "Kiffing"]
        [Black "Zapp.Brannigan"]
        [Result "1-0"]
        [FlipB "1"]

        1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O
        9.h3 Nd7
        {Die "vergessene" Variante. Heute spielen alle Chigorin, Zaizev oder
        Breyer, aber Karpov hat diese Variante sogar auf höchstem niveau beim
        1990 WM-Kampf gegen Kasparov gespielt!

        Sie hat einen sehr remislichen ruf, was ich nicht ganz verstehe, die
        hauptvarianten sehen total scharf aus für mich...}
        10.d4 Bf6
        {Verhindert den standard-aufbau mit 11.Nbd2}
        11.d5
        {schliesst das zentrum sofort, was halt immer ein gewisses
        zugeständnis ist. auf der anderen seite habe ich in diesen
        geschlossenen "königsindischen" stellungen so ein schlechtes gefühl
        dass es sich schon nur deshalb lohnt.}
        ( 11.a4 Bb7 12.d5
        ( 12.Na3 exd4 13.cxd4 Re8 14.axb5 axb5 15.Bf4 Na5 16.Bc2 b4 17.Nb5
        Bc6 18.Qd3 b3 19.Bb1 Qb8 20.e5 g6 21.Nxd6 cxd6 22.exf6 Rxe1+ 23.
        Nxe1 Nxf6 {ich habe zwar keinen schimmer was da genau passiert ist
        aber alle spielen das so :-D} )
        12...Ne7 13.axb5 axb5 14.Rxa8 Qxa8 15.Na3 Ba6 16.Nh2 Ng6 17.Ng4 Be7
        18.Ne3 {so in etwa sieht die haptvariante aus. Der läufer auf a6 ist
        nicht ideal, aber der springer auf a3 auch nicht} )
        11...Ne7 12.Nbd2
        ( 12.a4 Bb7 {transponiert} )
        12...Ng6
        ( 12...Nc5 13.Bc2 a5 14.Nf1 c6 15.dxc6 Qc7 16.Ne3 Qxc6 {gefällt mir
        besser als meine fortsetzung. die bauernstruktur entspricht jetzt
        einem boleslavski- oder najdorf-sizilianer} )
        ( 12...a5 13.Nf1 Nb6 14.Bc2 c6 15.dxc6 Nxc6 16.Ne3 Be6 {auch dies
        gefällt mir einiges besser} )
        13.Nf1 Nh4 14.Ng3 g6 $6
        {die felder h5 und f5 sind gar nicht so wichtig im moment}
        ( 14...Nc5 15.Bc2 a5 16.Nxh4 Bxh4 17.Be3
        ( 17.Nf5 Bxf5 18.exf5 Bg5 {mit solider struktur für schwarz} )
        17...Bxg3 18.fxg3 Bd7 )
        15.Bh6 Nxf3+ 16.Qxf3 Bg7 17.Bxg7
        {den schlechten läufer von schwraz sollte man aber nicht tauschen}
        ( 17.Be3 $5 )
        17...Kxg7 18.Qe2 Rb8
        {sehr gekünstelt}
        ( 18...f5 $6 {zu direkt} 19.exf5 gxf5 20.Nh5+
        ( 20.Bc2 f4 21.Qg4+ Kh8 22.Nh5 Rg8 )
        20...Kh8 )
        ( 18...Nc5 19.Bc2 Bd7
        ( 19...a5 20.Qxb5 Bd7 21.Qe2 )
        ( 19...c6 20.b4 Na4 21.Bxa4 bxa4 )
        20.b4 Nb7 21.a4 {mit überlegener struktur} )
        ( 18...c6 19.dxc6 Nc5 20.Bd5
        ( 20.Bc2 Qb6 21.b4 Ne6 )
        )
        ( 18...Qh4 $5 19.Bc2 {wohl am besten} )
        ( 18...a5 $5 19.Qxb5 Ba6 20.Qxa5 Bd3 21.Qb4 Rb8 {mit
        dauer-damenangriff} )
        19.Bd1
        ( 19.Rad1 a5 20.Bc2 b4 )
        19...a5 20.Qd2 a4
        {will das figurenfeld c5 sichern}
        ( 20...Nc5 21.b4 axb4 22.cxb4 Nb7 {dies ist eine alptraum-stellung
        für schwarz} )
        21.Bg4 Qh4
        ( 21...Nc5 $1 22.Bxc8 Rxc8 {den guten läufer wollte ich nicht
        tauschen, aber die stellung ist eigentlich sehr angenehm für schwarz}
        )
        22.Rf1 $6
        {da bringt der turm nichts, der f-bauer muss ja immer den springer auf
        g3 decken und kann von daher nicht vorgehen}
        ( 22.b3 Nf6 23.Bxc8 Rfxc8 )
        22...h5
        {sieht wie ein fehler aus, und ich war während der partie überzeug
        dass es einer ist, aber der computer zeigt eine schöne variante.}
        23.Bxh5 $6
        {Den hatte ich total verpeilt, die gabel auf f5 ist ja eigentlich
        offensichtlich}
        23...Nf6 $2
        {versucht das beste daraus zu machen, immerhin hat schwarz die offene
        h-linie und ein paar figuren die in die richtige richtung zielen}
        ( 23...gxh5 24.Nf5+ )
        ( 23...f5 $3 {tja, schachcomputer müsste man sein, stockfish sieht
        die variante nach 2s rechnen.} 24.Bf3 f4 25.Ne2 Nf6 26.Rfe1 g5 {
        gleiche idee wie nach 23...Nf6, aber durch den starken bauern auf f4
        viel besser. Das ist eine traumstellung für jeden königsindisch
        spieler} )
        24.Bf3 Rh8 25.Rfe1
        {und so einfach geht es. der könig bekommt ein ausweichfeld und kein
        matt ist mehr möglich...}
        ( 25.Rad1 Bxh3 26.gxh3 Qxh3 27.Rfe1 {sogar dies ist ungefährlich,
        weiss deckt alle felder} )
        25...Bd7
        {tja, was soll ich machen? ich habe zwar eine tolle h-linie, aber das
        opfer auf h3 wird nie klappen. also mal alles entwickeln und danach
        weiter schauen}
        26.b3 Ra8 27.Rab1 Nh7
        {"droht" nach g5 zu kommen und doch noch etwas ärger am
        königsflügel zu bereiten, aber Kiffing hat alles unter kontrolle}
        28.Qe2 Ng5 29.Bg4 Bxg4 30.Qxg4
        ( 30.hxg4 $4 {natürlich nicht so!} 30...Qh2+ 31.Kf1 Qh1+ 32.Nxh1
        Rxh1# )
        30...Qxg4 31.hxg4 axb3 32.axb3 Ra3
        {der erste schritt in die falsche richtung. nicht der b3-ist schwach,
        der c7 ist grausam schwach.}
        ( 32...c5 {durchaus eine option!} 33.dxc6 Rhc8 34.f3 Rxc6 )
        ( 32...Ra2 {hier wäre der turm viel aktiver} 33.Ra1 Rb2 34.Reb1 Rc2
        35.Rc1 Rb2 36.Rab1 Ra2 )
        33.Rec1 f6
        {übersieht die weisse drohung total}
        ( 33...c5 34.b4 c4 35.Ra1 Rha8 {der weisse mehrbauer ist hier nicht
        allzuviel wert} )
        ( 33...c6 34.c4
        ( 34.dxc6 Rc8 )
        34...bxc4 35.bxc4 cxd5 36.cxd5 {dies zu gewinnen würde weiss sehr
        schwer fallen} )
        34.c4 bxc4 35.Rxc4
        ( 35.bxc4 {nur damit habe ich gerechnet} )
        35...Rc8
        {so ein passiver turm kann schwarz nicht überleben. der könig ist
        meilenweit von dieser schwäche entfernt}
        36.Nf1 Nf7 37.Ra4 Ra8 38.Rxa8 Rxa8 39.Ne3 Rb8 40.Kf1 Kf8 41.Ke2 Ke7 42.Kd3
        Rb4 43.f3 Kd7 44.Nc2 Rb8 45.b4 Rh8 46.b5 Rb8 47.Kc4
        {bis hier kann nicht viel gesagt werden, weiss hat seinen könig
        verbessert, während schwarz nur passiv abwarten kann}
        47...Nd8
        ( 47...Ra8 48.Nb4 Ra4 49.Rh1 Ke7 50.Kb3 Ra8 51.Na6 Ra7 {auch das ist
        verloren} )
        48.Rh1
        {schön gesehen. Jetzt kommen lästige pins von hinten}
        48...Nf7 49.Rh7 Ke7 50.Nb4
        ( 50.Rg7 {noch stärker} 50...g5 51.Ne3 Rh8 52.Nf5+ Ke8 53.b6 )
        50...Kf8 51.Rh1 Ra8 52.Na6 Ra7 53.Kb4 Ke7 54.Rc1 Kd7 55.Ka5
        {gut genug}
        ( 55.b6 {kleiner taktischer trick} 55...Rxa6
        ( 55...cxb6 56.Nb8+ Ke8 57.Rc8+ Ke7 58.Nc6+ )
        56.Rxc7+ Ke8 57.b7 Rb6+ 58.Ka5 Rb1 59.Rc8+ )
        55...Nd8 56.Rh1 Nf7 57.b6 cxb6+ 58.Kxb6 Ra8 59.Rc1 Rh8 60.Rc7+ Ke8 61.Rc8+
        Nd8 62.Nb8 Ke7 63.Nc6+
        {weiss nimmt 2x auf d8 und gewinnt elementar das bauernendspiel dank
        des viel besseren königs.}
        1-0
        Zuletzt geändert von Zapp Brannigan; 02.01.2016, 22:22.
        Zitat von Sam Collins
        I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

        Kommentar


          #5
          AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

          Danke für die Partieanalyse. Ich selbst bin froh, diese Partie letztendlich im Endspiel gewonnen zu haben. Mit den Feinheiten dieser Variante kannte ich mich nicht aus, und so habe ich nach Gefühl und meinen allgemeinen Kenntnissen im Spanier gespielt. Wegen Deinen Anmerkungen zu 11. d5, so habe ich auf Shredder und Fritz14 nachgeguckt und gesehen, daß hier tatsächlich zumeist 11. a4 gespielt wird, wohl weil flexibler. Allerdings habe ich im Spanier gegen die Schließung des Zentrums selten etwas einzuwenden, denn ist das Zentrum geschlossen kann ich nach dem üblichen Springermanöver Sb1-d2-f1-g3 auf dem Königsflügel aktiv werden, z. B. durch Tf1-f4 oder erst g4, dann Sg3 und später evtl. ein Springeropfer auf f5. Ich denke auch, daß 14. ...g6 leicht ungenau war, allerdings hätte ich das laut Fritz 14 mit 15. Sxh4 Lxh4 16. Lh6 noch besser ausnutzen können. Denn im Unterschied zur in der Partie gespielten Variante bleibt der Lh6 auf seinem Posten. Deine Kritik an meinem 17. Zug verstehe ich nicht ganz. Von schlechtem Läufer kann m. E. nicht die Rede sein. Erstens hält der Königsfianchettoläufer doch den ganzen Laden zusammen, und zweitens droht Schwarz doch hier immer ein gefährliches ...f5 mit gefährlicher Zentralöffnung. Sehr stark fand ich das strategische 19. Ld1!, weil so der vormals eher schlechte Läufer über den anderen Flügel ins Spiel eingreifen kann. Was m. E. zudem für mein Spiel sprach, war, daß Du am Damenflügel sehr viele Tempi investiert hast, ohne auf dem Damenflügel wirklich voranzukommen (später gewann ich auf diesem Flügel sogar die Oberhand). Dieser Gedanke erklärt u. a., warum ich im Spanier kein Freund des typischen Manövers a4 bin. Zwar wird so direkt die Lage am Damenflügel geklärt, aber warum soll ich Schwarz nicht seine Bauern dort ziehen lassen, solange ich dort immer noch alles unter Kontrolle habe? So kann ich in Ruhe auf dem wichtigeren Königsflügel vorankommen. 22. Tf1? ist natürlich eine diese Partie störende Disharmonie. Gut für mich war dann, daß Du meinen taktischen Bauerngewinn nicht ausnutzen konntest, aber wie Du zu Recht anmerktest, müßte man dafür ein Computer (oder ein Großmeister) sein, um die tiefe Widerlegung zu erkennen. Mit dem Mehrbauern hatte ich nun Rückenwind. Als ich Deine Drohungen am Königsflügel neutralisieren konnte, konnte ich nun am Damenflügel kontern und so das Spiel bestimmen, während Deine Figuren zunehmend passiv wurden und an Verteidigungsaufgaben gebunden waren. So konnte ich meine Figuren aktivieren und im Lavierstil gewinnen. Ich bin froh, nicht nur taktisch aus dem Mittelspiel heraus, sondern auch technisch im Endspiel gewinnen zu können. Letzte Saison agierte ich zwar solider, aber in den Saisons zuvor habe ich viele Partien im Endspiel unnötig verloren. Für Schwarz muß diese Partie fürchterlich zu spielen gewesen zu sein, denn im Prinzip kann er nur in Verluststellung abwarten, was der Gegner macht. Deswegen versuche ich selbst, möglich nicht in solche Klammersituationen zu kommen, sondern vorher alles oder nichts zu spielen. Das ist besser, als sich stundenlang in einem schlechten Endspiel zu quälen, um dann am Ende doch zu verlieren.
          Alles wartet auf das Licht
          Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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            #6
            AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

            Deine Kritik an meinem 17. Zug verstehe ich nicht ganz. Von schlechtem Läufer kann m. E. nicht die Rede sein. Erstens hält der Königsfianchettoläufer doch den ganzen Laden zusammen, und zweitens droht Schwarz doch hier immer ein gefährliches ...f5 mit gefährlicher Zentralöffnung. Sehr stark fand ich das strategische 19. Ld1!, weil so der vormals eher schlechte Läufer über den anderen Flügel ins Spiel eingreifen kann.
            Der läufer ist durchaus schlecht, wie auch im Königsinder. Klar, erleichtert er einen königsangriff durch f5, weil er den könig deckt, aber wenn der läufer weg ist sind halt alle endspiele besser für schwarz. Das heisst durch den abtausch des läufers nimmst du das gift von f5 weg, bist aber selber in einer strategisch gefährlichen lage weil die schlechteste schwarze figur abgetauscht ist. Das sieht man ja oft im Zürich-System des Nimzo-Inders oder auch im Bogo-inder wo schwarz zuerst den schwarz-feldrigen läufer abtauscht und sich dann mit d6-e5 aufstellt.

            Dieser Gedanke erklärt u. a., warum ich im Spanier kein Freund des typischen Manövers a4 bin. Zwar wird so direkt die Lage am Damenflügel geklärt, aber warum soll ich Schwarz nicht seine Bauern dort ziehen lassen, solange ich dort immer noch alles unter Kontrolle habe? So kann ich in Ruhe auf dem wichtigeren Königsflügel vorankommen.
            Was den spanier halt so spannend macht aus weisser sicht ist, dass man nicht unur am Königsflügel spielt sondern auf dem ganzen brett. Weiss hat einen raumvorteil und kann seine figuren sehr schnell von einem flügel zum anderen transportieren, während schwarz es viel schwieriger hat. Das sieht man meiner meinung nach noch fast besser in Carlsens partien im spanier mit d3, wo er einmal ein wenig am damenflügel angreifft mit a4, dann auf einmal am königsflügel was macht, um dann am schluss im richtigen moment mit d3-d4 das zentrum zu übernehmen. So ein spiel braucht unglaubliches schachverständnis und rechenfähigkeit, ist aber unglaublich unangenehm als schwarzer weil man nie weiss, wo der entscheidende angriff passieren wird.
            Zitat von Sam Collins
            I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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              #7
              AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

              Mit weiss spiele ich normalerweise 1.e4 gegen Kiffing, was zu einem Alapin-Sizilianer führt. Es ist aber auch möglich, Kiffing in einen abtausch-franzosen zu locken. Das ist nicht unbedingt ein Fehler in Kiffings repertoir, sondern eher ein notwendiges übel welches im repertoir von vielen schachspielern ist.

              Ich habe mit dem abtauschfranzosen eine spezielle beziehung. Ursprünglich, als ich vor ein paar jahren auf 1.e4 umgestiegen bin, war es wegen dem abtausch-franzosen und dem panov-caro-kann. Den Panov mag ich immer noch sehr, aber an den abtausch-franzosen glaube ich eigentlich nicht so ganz, wenn schwarz weiss was er tut hat man es mit den weissen steinen schwer, was zu machen. Objektiv betrachtet halte ich 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3, 3.Nd2 und vor allem auch 3.e5 als stärker. Aber subjektiv betrachtet habe ich halt in turnierpartien sehr viel erfolg mit 3.exd5 exd5 4.c4, die französisch-spieler kommen mit so offenen stellungen einfach nicht zu schlag.

              Hier eine interessante partie zwischen Kiffing und mir in dieser eröffnung.
              [Event "?"]
              [Site "chessmail"]
              [Date "2015.12.12"]
              [Round "?"]
              [White "Zapp.Brannigan"]
              [Black "Kiffing"]
              [Result "1-0"]
              [EventDate "2015.12.12"]

              1.c4
              {da ich Kiffings repertoir gut kenne, trickse ich ihn ab und zu in
              diese variante}
              ( 1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5 4.c4 Nf6
              ( 4...Bb4+ 5.Nc3 Ne7 6.Nf3 O-O 7.Be2 dxc4 8.Bxc4 Bg4 9.Be3 Nbc6
              10.O-O Nf5 11.Qd3 {Dies wird von gewissen autoren als die
              stärkste variante angesehen. Das mag objektiv betrachtet stimmen,
              aber schwarz muss schon genau wissen was er tut in so einer
              taktischen variante!} )
              5.Nc3 {so spiel ich das in wirklichkeit} )
              1...Nf6
              ( 1...e6 2.e4 d5 3.exd5 exd5 4.d4 {auch so kommt man per 1.c4 zum
              abtausch-franzosen. GM Miezis hat seinen GM-titel dank dieser zugfolge
              erreicht und über 200 partien in dieser variante gespielt mit
              unglaublich gutem resultat.} )
              ( 1...e5 2.Nc3 Nf6 3.Nf3
              ( 3.g3 {Miezis spielt so} )
              3...Nc6 4.e3 Bb4 5.d4 exd4 6.exd4 d5 {sogar so könnte man in den
              abtausch-franzosen umleiten, wenn auch zu einer variante die ich nicht
              spielen möchte, da ich in der variante den königsspringer nach e2
              spielen würde} )
              2.Nc3 e6
              ( 2...e5 {als 1.e4 spieler welcher den offenen sizilianer spielt
              würde ich das da empfehlen...} )
              3.e4 d5 4.exd5
              {GM Normunds Miezis ist der spezialist dieser variante}
              ( 4.e5 d4 5.exf6 dxc3 6.bxc3 Qxf6 7.d4 {so wird das in der regel
              gespielt} )
              4...exd5 5.d4
              {somit ist der abtausch-franzose mit 4.c4 erreicht, wenn auch eine
              variante ausgeschlossen ist (siehe kommentar zu 1.e4)}
              5...c6 $6
              {Dies wird oft gespielt, ist aber nicht so gut. Nach c6 gehört in
              dieser stellung der springer}
              ( 5...Be7 6.Nf3 O-O 7.cxd5 Nxd5 8.Bd3 )
              ( 5...Bb4 {am stärksten da es cxd5 verhindert und somit ein tempo mit
              dxc4 gewinnen wird} 6.Bd3
              ( 6.Nf3 O-O 7.Bd3 Bg4 8.Be3 dxc4 9.Bxc4 Nc6 10.O-O Rb8 {Dieser
              harmlose zug greift indirekt den bauern d4 an und macht die ganze
              variante eher unangenehm für weiss} )
              6...O-O 7.Ne2 {geht dem pin aus dem weg und sichert von daher den
              d4-bauern besser} )
              6.Nf3 Be7 7.Bd3 O-O
              {Diese stellung hatte ich vor ein paar wochen gegen einen starken
              spieler mit 2150 elo bei einem mannschaftskampf. nach dem unpräzisen
              8.0-0 konnte er mich pinnen und machte mir das leben unnötig schwer.
              Die partie konnte ich trotzdem gewinnen, weil er später
              grosszügigerweise die qualle 2-zügig einstellte}
              8.h3 $5
              {dies ist stärker als die direkte rochade, verhindert Bg4 und
              schützt dadurch den bauern d4}
              ( 8.O-O Bg4 9.Be3 dxc4 10.Bxc4 Nbd7 11.h3 Bh5 12.Bb3 Nb6 13.g4 Bg6 14.
              Ne5 Nfd5 {So ging die mannschaftspartie weiter, hier ist die stellung
              in etwa ausgeglichen} )
              8...Re8
              {leicht gefährlich wegen dem bauern f7}
              ( 8...dxc4 9.Bxc4 Nbd7 10.O-O Nb6 11.Bb3 Nbd5 12.Re1 Re8 13.Bg5 )
              9.O-O Nbd7 $6
              {Jetzt ist das nehmen auf c4 ein zug zu lange unterlassen worden}
              ( 9...dxc4 10.Bxc4 Nbd7
              ( 10...Rf8 {wohl am sichersten} )
              11.Bxf7+ {hoppla!} 11...Kxf7 12.Ng5+ Kg8 13.Qb3+ Nd5 14.Nxd5 Bxg5 15.
              Bxg5 Qxg5 16.Nf6+ )
              10.cxd5 cxd5
              {jetzt steht der springer auf d7 falsch, er sollte auf c6 sein}
              11.Qb3 Nf8 12.Bf4 a6 13.Be5 Be6
              {deckt den "wichtigeren" bauern}
              ( 13...b5 14.a4
              ( 14.Bxf6 Bxf6 15.Nxd5 Bb7 16.Nxf6+ Qxf6 )
              14...b4 15.Bxf6 Bxf6 16.Nxd5 Bb7 17.Nxf6+ Qxf6 18.Bc4 {so hat weiss
              das feld c4} )
              ( 13...Ne6 14.Rad1 {die stellung ist so stark, weiss "muss" gar nicht
              sofort auf d5 nehmen und kann sich erst stärken} )
              14.Qxb7 N8d7
              ( 14...Ng6 15.Ng5 Nxe5 16.dxe5 Qd7 17.Qxd7 Nxd7 18.Bxh7+ Kh8 19.Nxe6
              fxe6 20.Bg6 )
              15.Bc7
              {jetzt werden mit mehrbauer und besseren figuren damen getauscht}
              ( 15.Qc7 {das hat ein taktisches problem} 15...Nxe5 16.Qxd8
              ( 16.Qxe5 )
              16...Nxf3+ 17.gxf3 Raxd8 )
              ( 15.Ng5 {auch das ist stark} 15...Nxe5 16.dxe5
              ( 16.Nxe6 $2 {aufgepasst!} 16...fxe6
              ( 16...Nf3+ 17.gxf3 fxe6 )
              17.dxe5 Nd7 18.Qb3 )
              16...Nd7 17.Bxh7+ )
              15...Qc8 16.Qxc8 Rexc8
              ( 16...Raxc8 17.Bh2 )
              17.Bh2 Nb6 18.Rfe1
              ( 18.Ng5 Bd7 )
              ( 18.Rfc1 {das ist stärker, das spiel konzentriert sich am
              damenflügel wo weiss stärker ist} )
              18...Nc4
              {lässt den folgenden, lästigen springerzug zu}
              ( 18...a5 19.Ng5 )
              ( 18...Bb4 {das könnte noch ein paar mühsamkeiten mit sich bringen}
              19.Rac1 Nc4 )
              19.Na4 Nd7
              {b6 muss gedeckt werden}
              20.Rac1 Bd6
              {tauscht die falsche figur ab}
              21.Bxd6 Nxd6 22.Rxc8+ Nxc8
              ( 22...Rxc8 {wäre besser, der a6 hängt nicht wirklich} 23.Bxa6
              ( 23.b4 $5 )
              23...Ra8 24.Nc5 Nxc5 25.dxc5 Rxa6 26.cxd6 Rxa2 {das ist noch nicht
              gewonnen} )
              23.Ng5 Nf8 24.Nc5
              {auf e6 fällt nochmals ein bauer}
              1-0
              Zitat von Sam Collins
              I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                #8
                AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                In dieser partie habe ich wieder meine hauptwaffe gegen spanisch gespielt, das Gajewski-gambit. Nach 11.d4 spielte ich diesmal das gesündere 11...Nxd4, da ich ja in einer vorherigen partien-analyse gezeigt habe, wo weiss meiner meinung nach vorteil holen kann nach 11...exd4.

                Kiffing zog den springer nach f3 zurück, was ungewöhnlich ist, die meisten weiss-spieler ziehen das feld d3 vor, um den anderen springer nach f3 zu bringen. Ich bot ein bauernopfer für das läuferpaar an, welches kiffing auch angenommen hat. Mit einer interessanten kombination, welche aber eigentlich falsch ist, konnte Kiffing mein läuferpaar halbieren und hatte nach ein paar ungeschickten zügen meinerseits einen doch grossen vorteil, welchen er sehr gut verwertet hat.

                [Event ""]
                [Site "chessmail"]
                [Date "2016.01.04"]
                [Round ""]
                [White "Kiffing"]
                [Black "Zapp.Brannigan"]
                [Result "1-0"]
                [ECO "C96b"]
                [EventDate "2016.01.04"]
                [FlipB "1"]

                1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O
                9.h3 Na5 10.Bc2 d5 11.d4 Nxe4
                ( 11...dxe4 {Die andere grosse variante, welche aber wegen den
                folgenden zügen einen schlechteren ruf hat} 12.Nxe5 c5 13.Be3 Bb7 14.
                Nd2 Qc7 15.Qb1 )
                12.Nxe5 f6 13.Nf3
                ( 13.Nd3 Bd6 14.Nd2 f5 15.Nf3 Re8 16.Nfe5 {so wird öfters gespielt.
                Das feld e4 ist schwach, dafür kommt schwarz aber zum zug c5} )
                13...Nc4 14.b3 Nb6 15.Bxe4
                ( 15.Bd3 Bb7 16.Qc2 f5 )
                15...dxe4 16.Rxe4 Bb7
                ( 16...Qd5 17.Rxe7 )
                ( 16...Re8 17.Nbd2 Qd5
                ( 17...Bb7 18.Re1 Qd7 )
                18.Ba3 )
                17.Rxe7 $6
                {Interessantes opfer, welches aber letzendlich nicht gut ist}
                ( 17.Re1 Re8
                ( 17...c5 18.dxc5 Qxd1
                ( 18...Bxc5 19.Qxd8 Raxd8 20.Nbd2 )
                19.Rxd1 Bxf3 20.gxf3 Bxc5 )
                ( 17...Qd6 18.Nbd2 Nd5 19.Bb2 Rfe8 20.Nf1 c5 21.dxc5 Qxc5 )
                18.Nbd2 Qd7 )
                17...Qxe7 18.Ba3 Qe6 $6
                ( 18...Bxf3 $1 19.gxf3 Qd7 {Angriff auf h3} 20.Bxf8 Kxf8 21.Kg2 Nd5
                22.Nd2 Re8 {Schwarz ist unglaublich aktiv für einen minusbauern. Die
                engine gibt hier bereits -1. für schwarz} )
                19.Bxf8 Rxf8 20.Nbd2 Nd5
                ( 20...Re8 21.Qf1 Qd7 22.c4 bxc4 23.bxc4 {Auch hier macht sich der
                mehrbauer sehr spührbar} )
                21.c4 bxc4 $6
                {Bauern tauschen ist in der regel gut für die seite mit
                minus-material, aber die weissen zentrumsbauern werden zu stark}
                ( 21...Nc3 22.Qf1
                ( 22.Qc2 Ne2+ 23.Kf1 Nxd4 24.Nxd4 Qe5 $1 {Den habe ich übersehen}
                )
                22...Ne2+ 23.Kh1 Re8 24.Re1 c6 {Der computer mag die variante für
                schwarz, aber ich hätte die nerven nicht auf diesen pin einzugehen} )
                22.bxc4 Nc3 23.Qb3 $1
                {jetzt muss schwarz, bei minusbauer, figuren tauschen, wonach die
                stellung wohl gewonnen ist für weiss}
                ( 23.Qc2 Bxf3 24.Qxc3 $1
                ( 24.Nxf3 Qxc4 25.Rc1 Ne2+ )
                )
                ( 23.Qf1 Ne2+
                ( 23...Bxf3 24.Nxf3 Ne2+ 25.Kh1 Qxc4 26.Re1 Re8 27.Ng1 )
                24.Kh1 Bxf3 25.Nxf3 Re8 26.Re1 Qe4 27.a4 h5 {und wieder dieser
                schreckliche pin, wo der computer meint, das sei kein problem für
                schwarz...} )
                23...Ne2+ 24.Kf1 Bxf3 25.Nxf3 Nf4
                ( 25...Rd8 26.Re1 Nxd4 27.Nxd4 )
                ( 25...Re8 26.Re1 Nxd4 27.Rxe6 Nxb3 28.Rxe8+ Kf7 29.Re1 )
                26.Re1 Qf5 27.d5 Qg6 28.g3
                ( 28.Nh4 Qg5 29.g3 Nxh3 )
                28...Nxh3
                {der bauer ist zurück gewonnen, aber die stellung im eimer. der
                d-bauer wird die partie entscheiden}
                29.Nd4 Ng5 30.c5 Kh8 31.d6 cxd6 32.cxd6 Qh5 33.Qb7 Qh3+ 34.Qg2 Qd7 35.Qc6
                Qh3+ 36.Kg1 Qh5 37.d7 1-0
                Zitat von Sam Collins
                I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

                Kommentar


                  #9
                  AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                  In meiner Weiss-partie haben wir nochmals Französisch-abtausch mit c4 geübt. Kiffing hat sich ähnlich passiv aufgestellt wie in der ersten partie, wonach viele taktische möglichkeiten entstanden sind.

                  [Event ""]
                  [Site "chessmail"]
                  [Date "2016.01.04"]
                  [Round ""]
                  [White "Zapp.Brannigan"]
                  [Black "Kiffing"]
                  [Result "1-0"]
                  [ECO "C01e"]
                  [EventDate "2016.01.04"]

                  1.c4
                  {Nochmals 1.c4}
                  1...Nf6 2.Nc3 e6 3.e4 d5 4.exd5 exd5 5.d4 c6 $6
                  {Wie gesagt halte ich den zug für ungenau, nach c6 gehört der
                  springer}
                  ( 5...Bb4 $1 6.Bd3 O-O 7.Ne2 dxc4 8.Bxc4 )
                  ( 5...Nc6 $5 6.Nf3
                  ( 6.cxd5 Nxd5 7.Nf3 Bb4 8.Bd2 O-O 9.Be2 Bg4 10.O-O )
                  6...Bb4 7.Bd3 O-O 8.O-O dxc4 9.Bxc4 Bg4 {diese variante will ich
                  eigentlich verhindern} )
                  6.Nf3 Be7 7.Bd3 O-O 8.h3 Re8 9.O-O b6
                  ( 9...h6 10.Bf4 Be6 11.c5 b6 12.b4 b5 13.a4 Bd7 )
                  ( 9...Be6 10.Ng5 )
                  ( 9...Nbd7 10.cxd5 cxd5 )
                  ( 9...dxc4 10.Bxc4 Nd5 {wohl noch am besten} )
                  10.Ne5
                  ( 10.cxd5 cxd5 11.Bf4
                  ( 11.Ne5 Ba6 12.Bxa6 Nxa6 13.Re1 )
                  11...Ba6 12.Nb5 Bxb5
                  ( 12...Nbd7 13.Nc7 Bxd3 14.Qxd3 )
                  13.Bxb5 )
                  ( 10.Bf4 dxc4 11.Bxc4 )
                  10...Bb7
                  ( 10...Ba6 11.b3 Bb4 12.Bb2 )
                  ( 10...Nbd7 11.Nxc6 )
                  11.cxd5
                  {jetzt wo der läufer passiv auf b7 steht kann man auf d5 nehmen.}
                  ( 11.Bg5 Nbd7 12.Re1
                  ( 12.Bxf6 Nxf6 13.cxd5 cxd5 )
                  12...Nxe5 13.dxe5 Nd7 14.Bxe7 Qxe7 15.e6 fxe6 )
                  11...cxd5 12.Bg5 Ne4
                  ( 12...Nbd7 13.Bb5 a6 14.Bxf6 Bxf6
                  ( 14...axb5 15.Bxg7 Kxg7 16.Qg4+ Bg5
                  ( 16...Kf8 17.Nxd7+ )
                  ( 16...Kh8 17.Nxf7# )
                  17.f4 f5 18.Qg3 )
                  15.Bxd7 )
                  ( 12...Nc6 13.Bxf6 Bxf6 14.Bxh7+ {mit dem ungedeckten f7 sind solche
                  kombinationen oft möglich} 14...Kxh7 15.Qh5+ Kg8 16.Qxf7+ Kh7 17.Qxb7
                  )
                  ( 12...h6 13.Bf4 Nbd7 14.Bb5 a6 15.Nc6 Qc8 16.Nxe7+ Rxe7 17.Bd3 )
                  13.Bf4
                  ( 13.Nxe4 dxe4
                  ( 13...Bxg5 14.Nxf7 Kxf7 15.Qh5+ g6 16.Nxg5+ )
                  14.Bc4 Rf8 15.Qh5 Qe8
                  ( 15...g6 16.Nxf7 Rxf7 17.Bxf7+ Kxf7 18.Qxh7+ )
                  16.f3 )
                  ( 13.Bxe7 Qxe7 14.Nxe4
                  ( 14.Bxe4 dxe4 15.Re1 Nd7 )
                  ( 14.Re1 Nxc3 15.Bxh7+ Kxh7 16.Qh5+ Kg8 17.Ng6 Qxe1+ 18.Rxe1 Rxe1+
                  19.Kh2 fxg6 )
                  14...dxe4 15.Bc4 Rf8 )
                  ( 13.Qh5 g6
                  ( 13...Bxg5 14.Qxf7+ Kh8 15.Qxb7 )
                  )
                  13...Nd7
                  ( 13...Nxc3 14.Bxh7+ $5 Kxh7 15.Qh5+ Kg8 16.Qxf7+ Kh7 17.bxc3 )
                  14.Rc1
                  {droht auf e4 und d7 zu nehmen mit folgender läufergabel auf b5. Ist
                  aber zu langsam}
                  ( 14.Nxd7 Qxd7 15.Bb5 Bc6 {das geht noch nicht} )
                  ( 14.Nxf7 $1 {ein schöner schlag den ich übersehen habe} 14...Kxf7
                  15.Nxe4 dxe4 16.Bc4+ Kg6
                  ( 16...Kf8 17.Qh5 g6 18.Bh6# )
                  17.Qg4+ )
                  14...Nxe5
                  ( 14...Nxc3 15.Bxh7+ Kxh7 16.Qh5+ Kg8 17.Qxf7+ Kh7 18.Rxc3 )
                  ( 14...Rc8 15.Nb5 Rxc1 16.Qxc1 Nxe5 17.Bxe5 Ba6 18.Qc2 )
                  15.Bxe5
                  ( 15.dxe5 Nxc3 16.Rxc3 )
                  15...Bd6
                  ( 15...Bf6 {das wäre am sichersten} )
                  16.Bxe4
                  ( 16.Bxd6 Nxd6
                  ( 16...Qxd6 17.Nb5 Qb4 18.Nc7 )
                  17.Qh5 g6 )
                  16...dxe4
                  ( 16...Bxe5 {verhindert den qualitätsverlust, verliert aber einen
                  bauern} 17.Bxd5 Bh2+ 18.Kxh2 Bxd5 19.Qd3 )
                  17.Bxd6 Qxd6 18.Nb5 Qg6 19.Nc7 e3
                  {Der letzte schwarze trick}
                  20.Qg4
                  ( 20.f3 e2 )
                  ( 20.d5 e2 )
                  20...e2
                  ( 20...exf2+ {Am trickreichsten, schwarz hat noch angriffs-chancen
                  gegen den weissen könig} 21.Kxf2
                  ( 21.Kh1 $2 Re3 22.Nxa8 Qxg4 23.hxg4 Rh3# )
                  ( 21.Rxf2 Rac8 )
                  )
                  21.Rfe1 Qxg4 22.hxg4 Rad8 23.Nxe8 Rxe8 24.Rc7 1-0
                  Zitat von Sam Collins
                  I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

                  Kommentar


                    #10
                    AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                    Auf jeden Fall lerne ich Deine Kritik wegen ...c6 jetzt allmählich zu schätzen. Solche Partien aber sollte ich vermeiden, sie sind keine Werbung.
                    Alles wartet auf das Licht
                    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

                    Kommentar


                      #11
                      AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                      So, kommentare sind auch von anderen mitgliedern erlaubt

                      Hier mal eine partie im sizilianer, wo ich nach ungenauem spiel von Kiffing einen netten angriff bekam. Diesen vollstreckte ich dann aber alles andere als obtimal...

                      [Event ""]
                      [Site "chessmail"]
                      [Date "2016.01.17"]
                      [Round ""]
                      [White "Zapp.Brannigan"]
                      [Black "Kiffing"]
                      [Result "1-0"]
                      [ECO "B22j"]
                      [EventDate "2016.01.17"]

                      1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Qxd5 4.d4 Nf6 5.Nf3 e6 6.a3
                      {Mein abwarte-zug, inspiriert von David Howell.
                      }
                      ( 6.Be3 cxd4 7.cxd4 Bb4+ 8.Nc3 O-O 9.Bd3 b6 10.O-O Bxc3 11.bxc3 Ba6 {
                      Diese variante löst einiges an probleme für schwarz, weshalb ich sie
                      verhindern möchte
                      } )
                      ( 6.Be2 cxd4 7.cxd4 Nc6 8.O-O {weiss bekommt eine isolani-stellung,
                      aber mit läufer auf e2 anstatt aktiver auf d3 oder c4
                      } )
                      ( 6.Na3 Nc6 7.Nb5 Qd8 8.dxc5 {das ist modern, aber die entstehenden
                      damenlosen mittelspiele haben mir zu wenig kraft
                      } )
                      6...Nc6
                      ( 6...Be7 7.Be3 O-O {Dies könnte ein mühsamer abwartezug sein. die
                      idee c4-d5 ist ohne springer auf c6 sinnlos
                      } 8.Be2 cxd4 9.cxd4 Nc6 10.Nc3 Qd8 {Man vergleiche diese stellung mit
                      der partie-stellung bei zug 10, hier steht der weissfedrige läufer
                      auf e2 anstatt d3, was dem schwarze zu gute kommt} )
                      7.Be3 cxd4 8.cxd4 Be7 9.Nc3 Qd8 10.Bd3 O-O 11.O-O Bd7 12.Qe2 Rc8 13.Rad1
                      {weiss steht meiner meinung nach sehr gut, alle figuren ausser dem
                      f-turm entwickelt, kein druck gegen den isolierten bauern auf d4, er
                      kann einfach langsam eine angriffsstellung aufbauen mit zügen wie
                      Ne5, Bb1, Qd3, Ne4, ...
                      }
                      13...Nd5
                      {Das ist eine neuerung, aber wohl nicht sonderlich gut}
                      ( 13...Re8 14.Ne5 )
                      ( 13...a6 14.Bb1 Qa5 15.Qd3 g6 16.Ne5 Rfd8 )
                      14.Nxd5
                      ( 14.Bb1 Nxc3 15.bxc3 Bxa3 {Davor hatte ich angst, aber hier hat weiss
                      einen starken schlag} 16.d5 exd5 17.Rxd5 Qc7 {sonst geht der läufer
                      verlohren} 18.Bxh7+ Kxh7 19.Ng5+ Kg6 20.Ne6 Bxe6 21.Qh5+ )
                      ( 14.Ne4 f5 {behält figuren auf dem brett, ist aber nicht sonderlich
                      gut} 15.Nc5 )
                      14...exd5
                      {Der einzige weisse nachteil, der isolierte bauer auf d5, ist nicht
                      mehr angreiffbar. die weissen figuren sind allesamt viel aktiver,
                      weiss steht klar besser
                      }
                      15.Ne5
                      ( 15.Bb1 Bf6 16.Qd3 g6 17.Bh6 Re8 {so hat weiss nichts} )
                      15...Nxe5
                      ( 15...Bf6 16.f4 {der weisse springer steht sehr gut auf e4, der
                      springer auf c6 wird nie auf e4 landen}
                      ( 16.Qh5 {dies ermöglicht eine amüsante, aber nicht so gute
                      taktische wendung} 16...g6 17.Qf3 Nxe5 18.dxe5 Bxe5 19.Bxg6 hxg6
                      20.Qxd5 Bg4 21.f3 Qc7
                      ( 21...Qxd5 22.Rxd5 Rfe8 23.fxg4 Bxb2 )
                      22.fxg4 )
                      )
                      16.dxe5 Bc6 17.f4
                      ( 17.Bxa7 b6 {das sollte weiss verhindern} )
                      ( 17.Bd4 {etwas subtiler und wohl noch stärker} 17...g6 18.f4 b6 19.
                      b4 Ba4 20.Rb1 Bd7 21.g4 )
                      17...g6
                      {da f5 eh geht ist das wohl ein fehler}
                      ( 17...d4 18.Bf5
                      ( 18.Kh1 dxe3 19.Bxh7+ Kxh7 20.Rxd8 Rcxd8 )
                      18...Rc7 19.Rxd4 )
                      ( 17...a6 18.f5 f6 19.e6 Bd6 20.Bd4 {Das ist noch das beste für
                      schwarz, aber dass man darauf keine lust hat ist klar} )
                      18.f5 d4
                      ( 18...gxf5 {dies verliert sofort} 19.Qh5 Bd7 20.Rxf5 Bxf5
                      ( 20...h6 21.Qxh6 Rc6 22.Rg5+ Rg6 23.Rxg6+ fxg6 24.Qxg6+ )
                      21.Bxf5 )
                      19.Bh6 Re8 20.fxg6
                      ( 20.e6 {das ist stärker} 20...fxe6
                      ( 20...Bf6 21.exf7+ Kxf7 22.fxg6+ hxg6 23.Bc4+ Bd5 24.Rxf6+ Qxf6
                      25.Bxd5+ Re6 26.Bxe6+ Qxe6 27.Qf3+ )
                      21.Qxe6+ Kh8 22.fxg6 hxg6 23.Qxg6 )
                      20...fxg6
                      ( 20...hxg6 21.Rxf7
                      ( 21.e6 f6
                      ( 21...fxe6 22.Qxe6+ Kh8 23.Qxg6 )
                      22.Bxg6 )
                      21...Kxf7 22.Bc4+
                      ( 22.e6+ Kg8 23.Bxg6 d3 24.Bf7+ )
                      22...Bd5 )
                      21.e6
                      {mit einer inkorrekten idee von mir, stärkere wäre:}
                      ( 21.Qg4 Bf8 22.Bxg6 Bxh6
                      ( 22...hxg6 23.Qxg6+ Kh8 24.Rxf8+ )
                      23.Bxe8+ )
                      21...Qd5 22.Rf7
                      ( 22.Qg4 {das wäre immer noch viel durchschlagender} 22...Bf8 23.Bxg6
                      Bxh6 24.Bxe8+ )
                      22...Bf8
                      ( 22...Bg5 {das hält den laden zusammen} )
                      23.Rxf8+ Rxf8 24.Bxf8
                      {Ein schwacher zug, wenn schwarz richtig zurück nimmt, was mir
                      bewusst war. Aber ich sah den starken zug e7 nicht}
                      ( 24.Bc4 {Das war meine ursprüngliche idee und ich dachte, schwarz
                      kann aufgeben, bis ich zum glück noch die folgende, sehr starke
                      antwort sah:} 24...d3 {und schwarz ist wieder im spiel, mit der
                      mattdrohung auf g2} 25.Bxd3 Rfe8 26.Bc4 Qxg2+ 27.Qxg2 Bxg2 28.Bb3 )
                      ( 24.e7 Rf7 {hier dachte ich, Bc4 sei wieder wegen d3 nicht möglich,
                      aber diesmal gewinnt es!}
                      ( 24...Rfe8 25.Bc4 {gewinnt sofort} )
                      25.Bc4 d3 26.e8=Q+ $3 {Das ist der trick!} 26...Bxe8 27.Qxe8+ Rxe8 28.
                      Bxd5 d2 29.Rf1 Re1 30.Bxf7+ Kh8 31.Bxd2 )
                      24...Rxf8
                      {Jetzt ist das spiel verloren}
                      ( 24...Kxf8 25.Qf2+ Kg7
                      ( 25...Ke7 26.Qf7+ Kd6 27.Bf1 )
                      26.Rf1 {Weiss steht besser, aber das spiel ist noch lange nicht fertig
                      } )
                      25.e7 Re8 26.Bc4 1-0
                      Zitat von Sam Collins
                      I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

                      Kommentar


                        #12
                        AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                        Eine nicht sehr korrekte, aber taktisch sehr interessant partie haben wir kürzlich beendet.

                        [Event "Wertungsspiel a8fb069c0f684992"]
                        [Site "http://www.chessmail.de"]
                        [Date "2016.02.15"]
                        [Round "-"]
                        [White "Zapp.Brannigan"]
                        [Black "Kiffing"]
                        [Result "1-0"]

                        1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Qxd4
                        {Eine interessante nebenvariante. Weiss setzt auf schnelle entwicklung
                        }
                        4...Nc6 5.Bb5 Bd7 6.Bxc6
                        ( 6.Qd3 {Die moderne interpretation, weiss lässt c4 folgen} )
                        6...Bxc6
                        {Weiss hat das läuferpaar abgegeben, aber es handelt sich um den
                        schlechten läufer und er hat einen ernsthaften entwicklungsvorteil}
                        7.Nc3 e6 8.Bg5 f6
                        {Das kann ehrlich geagt nicht gut sein}
                        ( 8...Nf6 9.Qd3 Be7 10.Nd4 O-O 11.O-O-O Qa5 12.f4 {So sieht die
                        hauptvariante aus. Weiss behandelt die stellung ähnlich wie ein
                        richter-rauzer-angriff} )
                        9.Be3 d5 10.exd5 exd5 11.O-O-O Ne7 12.Rhe1
                        {Man vergleiche die weiss und schwarze entwicklung. Dazu hat weiss
                        auch noch die bessere bauernstruktur}
                        12...Kf7 13.Qg4
                        ( 13.g4 Qd7 14.g5 Qh3 15.Ng1 Qf5 16.f4 )
                        13...Ng6 14.Ng5+
                        {Etwas übertrieben.}
                        ( 14.Bxa7 Qd7
                        ( 14...Rxa7 15.Qe6# )
                        15.Qxd7+ Bxd7 16.Bc5 Bxc5 17.Rxd5 Bxf2
                        ( 17...Bc6 18.Rxc5 )
                        18.Rxd7+ Kg8 19.Re2 )
                        14...fxg5 15.Bxg5
                        {Das ist die falsche art diese stellung zu spielen}
                        ( 15.Nxd5 Bxd5 16.Qf5+ Kg8 17.Rxd5 Qf6 18.Qd7 )
                        15...Be7
                        {Dies verliert jetzt aber}
                        ( 15...Qd7 16.Qf3+ Kg8 17.Nxd5 )
                        16.Qe6+ Ke8
                        ( 16...Kf8 17.Qf5+ Kg8 18.Bxe7 Nxe7 19.Qe6+ Kf8 20.Rd3 Qd7 21.Rf3+ Ke8
                        22.Rfe3 Qxe6 23.Rxe6 )
                        17.Nxd5 Bxd5 18.Rxd5 Qc7 19.Bxe7 Nxe7 20.Rde5 1-0
                        Zitat von Sam Collins
                        I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                          #13
                          AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                          GM David Smerdon ist ein sehr starker amateur. In diesem Video erklärt er, wieso er als nicht-schachprofi keine hauptvarianten spielt:
                          https://www.youtube.com/watch?v=7l5EVd3d4Wk
                          Das portugiesische gambit hat mich dann doch sehr interessiert, vor allem auch weil ich mit schwarz in turnierpartien viel schlechter punkte als mit weiss. Die variante werde ich sicher mal in einer turnierpartie versuchen. Hier eine partie gegen Kiffing, nachdem ich den vergifteten (?) bauern auf b2 gegessen habe wird es ziemlich scharf.

                          [Event "Wertungsspiel 1861e4a038cb4a89"]
                          [Site "http://www.chessmail.de"]
                          [Date "2016.02.18"]
                          [Round "-"]
                          [White "Kiffing"]
                          [Black "Zapp.Brannigan"]
                          [Result "0-1"]

                          1.e4 d5 2.exd5 Nf6 3.d4
                          ( 3.Nf3 Bg4 4.Bb5+ Nbd7 5.h3 Bh5 6.c4 e6 7.dxe6 fxe6 {Eine der vielen
                          "widerlegungen" des portugiesischen gambits. GM Smerdon konnte aber
                          von dieser stellung aus doch noch GM Emms besiegen} )
                          3...Bg4
                          {Das portugiesische gambit, eine spezialität von GM Smerdon}
                          4.Nf3
                          ( 4.f3 Bf5 5.c4 e6 6.dxe6 Nc6 7.exf7+ Kxf7 {Dies ist eine der
                          hauptvarianten. Schwarz lässt das schach zu und hat 2 bauern weniger.
                          Trotzdem sieht die engine in dieser stellung leichten vorteil für
                          schwarz mit -0.44! Besser entwiecklung, offene linien auf den
                          unverteidigten könig, und weisse schwächung dank des zuges f3. aus
                          praktischer sicht ist die stellung für weiss schon fast nicht mehr
                          haltbar.} )
                          ( 4.Be2 Bxe2 5.Qxe2 Qxd5 6.Nf3 e6 7.c4 Qf5 {Eine einfache methode um
                          den komplikationene aus dem weg zu gehen. Objektiv gesehen ist diese
                          stellung ok für schwarz, er hat eine caro-kann resp.
                          rubistein-französisch stellung die weissfeldrigen läufer
                          abgetauscht, aber das ist nicht unbedingt was schwarz sich erwünscht.
                          } )
                          4...Qxd5 5.Be2 Nc6 6.Nc3
                          {Das stellt keine allzugrossen probleme, weiss sollte hier genauer
                          spielen}
                          ( 6.h3 Bxf3 7.Bxf3 Qd7 8.c3 e5 {warscheinlich der beste weisse versuch
                          in der variante} )
                          ( 6.c4 Qf5 7.Be3 O-O-O 8.O-O e5 {immer wieder dieser vorstoss!} )
                          6...Qh5 7.Be3 O-O-O 8.h3 e5 9.O-O Nxd4
                          {Dies führt zu einer ausgeglichenen stellung, stärker war das
                          schlagen mit dem bauern}
                          ( 9...exd4 10.Nxd4
                          ( 10.hxg4 Nxg4 11.Bg5 f6 12.Ne4 fxg5 13.Nexg5 )
                          10...Bxe2 11.Ncxe2 Bc5 12.c3 Rhe8 )
                          10.Nxd4
                          ( 10.Bxd4 Bxf3 11.Bxf3 Qf5 12.Ne2 exd4 13.Nxd4 {Sollte in etwa
                          ausgeglichen sein} )
                          10...Bxe2 11.Ncxe2 exd4
                          ( 11...Qg6 {Das halten des pins ist mühsamer} 12.Qb1 exd4 13.Nxd4 Nd5
                          )
                          ( 11...Bc5 12.c3 exd4 13.Nxd4 Qxd1 14.Raxd1 Rhe8 {die schwarzen
                          figuren sind sehr aktiv, aber das ganze sollte ausgeglichen sein} )
                          12.Nxd4 Qe5 13.Nf3 Qxb2
                          {etwas übermütig}
                          ( 13...Qf5 14.Qe2 Nd5 15.Rfe1 Nxe3 16.Qxe3 Bc5 {Das sieht doch
                          sensibler aus} )
                          14.Qe2 Bd6
                          ( 14...Qc3 {Das sieht vernünftiger aus mit der idee Bc5} 15.Rfb1 Bc5
                          )
                          15.Rfb1 Qc3 16.Bxa7 Rhe8 17.Qb5 b6
                          {So, jetzt sind die fronten geklärt. Kommt der weisse angriff durch,
                          sollte er gewinnen, falls nicht, ist der läufer auf a7 futsch}
                          18.Qa6+
                          {zwingt den könig auf wanderung, aber das will er sowieso}
                          ( 18.a4 {Dies sieht viel gefährlicher aus} 18...Qc5 19.a5 Qxb5 20.
                          Rxb5 Kb7 21.axb6 c6 22.Rf5 )
                          18...Kd7 19.Qb7 Qc6
                          {übersieht eine einfachte taktik.}
                          ( 19...Ne4 20.a4 Qxc2 21.Rf1 Qc6 22.Qa6 Ra8 )
                          20.Qa6
                          {Kffing übersieht sie auch}
                          ( 20.Rxb6 Qxb7 21.Rxb7 Ra8 22.a4 )
                          20...Be5
                          ( 20...Ne4 21.Re1 Nc5 {bringt den springer zur verteidigung, die
                          engine sieht schwarz bereits auf gewinn} )
                          21.Nxe5+
                          {Das ist schlecht weil es das turm-manöver e5-a5 zulässt.}
                          ( 21.Rd1+ Bd6 22.a4 {das ist ziemlich stark. Wahrscheinlich kommt der
                          angriff nicht ganz durch, aber der läufer auf a7 wird auf jeden fall
                          befreit} )
                          21...Rxe5
                          {droht Ra5}
                          22.Rd1+ Ke7 23.Qa3+ Qc5 24.Qf3 Red5 25.Re1+
                          ( 25.Rxd5 Qxd5 26.Qg3 Qc6
                          ( 26...Qb7 {schwarz kann immer noch fehl gehen} 27.Qxg7 Rg8 28.
                          Re1+ Kd7 29.Qxf7+ )
                          27.Qa3+ Qd6 )
                          25...Kf8
                          {Jetzt hat schwarz von hand rochiert, von c8 nach f8, und ist in
                          sicherheit. Der läufer auf a5 ist verloren, weshalb Kiffing
                          aufgegeben hat}
                          0-1
                          Zitat von Sam Collins
                          I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

                          Kommentar


                            #14
                            AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                            Eine sehr interessante partie haben wir kürzlich beendet. Normalerweise gehe ich mit weiss hauptvarianten aus dem weg, aber diesmal habe ich Kiffing's Najdorf zugelassen. Die variante 6.f4 sagt mir gut zu, weiss bekommt oft auch einen isolierten bauern, ausnahmsweise aber auf e4 und nicht auf d4. Ich hatte lange zeit sehr starken angriff mit klar gewonnener stellung, die engine zeigte zum teil +5 an. Ich habe aber durchgehend den entscheidenden zug Nxg7 nicht gesehen, welchen ich 4x übersehen habe. Aber auch mein angriff wäre stark genug gewesen, hätte ich eine wirklich einfache taktische wendung gesehen hätte. Das war dann aber ein überseher zu viel, und auf einmal bekam Kiffing sehr starken gegenangriff, welchen ich zuerst noch einigermassen verteidigen konnte, dann aber zu viele schwächen baute.

                            [Event "Wertungsspiel 424cc4ce2a23499a"]
                            [Site "http://www.chessmail.de"]
                            [Date "2016.04.11"]
                            [Round "-"]
                            [White "Zapp.Brannigan"]
                            [Black "Kiffing"]
                            [Result "0-1"]

                            1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.f4 e5 7.Nf3 Nbd7 8.a4
                            b6
                            ( 8...Be7 9.Bd3 O-O 10.O-O exf4 11.Bxf4
                            ( 11.Kh1 Nc5 12.Bxf4 )
                            11...Qb6+ 12.Kh1 Qxb2 )
                            9.Bd3 Bb7 10.O-O Be7 11.Qe1 O-O 12.Kh1 Qc7 13.Nh4 Rfe8
                            ( 13...g6 14.f5 d5 15.Bh6 d4
                            ( 15...Rfe8 16.fxg6 hxg6 17.Nxg6 fxg6 18.Qg3 )
                            16.Bxf8 Rxf8 17.Nd5 Bxd5 18.exd5 Nxd5 )
                            14.Nf5 Bf8 15.fxe5 dxe5
                            ( 15...Nxe5 16.Nh6+ gxh6 17.Rxf6 Bg7 )
                            16.Qh4 Rac8 17.Bg5 Bb4 18.Nd5
                            ( 18.Nxg7 Kxg7 19.Bxf6+ Nxf6 20.Qxf6+ Kg8 21.Rf5 Re6 22.Rg5+ Kf8
                            23.Qg7+ Ke8 24.Nd5 Bxd5 25.exd5 Re7 26.Qh8+ Kd7 27.Bf5+ Kd6 28.
                            Bxc8 )
                            18...Bxd5 19.exd5
                            ( 19.Nxg7 )
                            19...e4 20.Bxa6 Ra8 21.Bb5
                            ( 21.Nxg7 )
                            21...Nxd5 22.Nh6+
                            ( 22.Nxg7 )
                            22...gxh6 23.Bxh6 Re6 24.Qg5+
                            ( 24.Bxd7 Rxh6
                            ( 24...Qxd7 25.Qg4+ Rg6 26.Qxd7 )
                            25.Qxh6 Qxd7 26.Qg5+ Kh8 27.Rad1 Ra5 28.Rf5 )
                            24...Rg6 25.Qxd5 Rxh6 26.Qxa8+ Kg7
                            ( 26...Nf8 27.h3 Qg3 28.Ra3 Bxa3 29.bxa3 Rxh3+ 30.gxh3 Qxh3+ 31.
                            Kg1 Qg3+ )
                            27.h3 Qg3 28.Bxd7
                            ( 28.Rxf7+ Kxf7 29.Qd5+ Kf8 30.Qxd7 Rf6 )
                            28...Bd6 29.Rxf7+ Kxf7 30.Qd5+ Kg7
                            ( 30...Ke7 31.Qxe4+ Kxd7 )
                            31.Qd4+ Be5 32.Qg1 Kh8 33.Re1 Rd6 34.Bb5
                            ( 34.Bf5 Bd4 35.Qf1 Be5 36.Qg1 )
                            34...Rd2
                            ( 34...Bd4 35.Qf1 Rf6 )
                            35.Re3 Qf4 36.g3
                            ( 36.Re1 Qg3 37.Re3 )
                            36...Qh6
                            ( 36...Qf5 37.Bf1 Rd1 38.Kg2 Bd4 )
                            37.h4
                            ( 37.Qf1 Bd4 38.Re2 Rxe2 39.Bxe2 Bxb2 )
                            37...Bd4 38.Qf1 Bxe3 39.Qf7 Bc5 40.Qe8+ Bf8 41.Qxe4 Rd1+ 42.Kh2 Rd2+
                            43.Kh1 Qd6 44.Qf3 Rxc2 45.Qf7 Qe7 46.Qf5 Qb7+ 0-1
                            Zitat von Sam Collins
                            I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                              #15
                              AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                              Ich bin froh, Deine Angriffsphase überlebt zu haben. Zum Erfolg kam ich dann wohl durch die Methode der aktiven Verteidigung, womit gemeint ist, daß die verteidigende Seite sich nicht nur damit begnügen sollte, sich eben zu verteidigen, sondern auch nach Kontern Ausschau halten sollte, die den Angreifer stören und die dieser, ganz auf seinen Angriff versteift, womöglich nicht auf dem Radar hat. Najdorf mit 6. f4 kenne ich ein bißchen, wobei mein 8. ...b6 eher selten gespielt wird. Doch spiele ich das nicht ohne Grund, weil ich Varianten nicht mag, wo ich mich an einen Mehrbauern klammere, dafür aber einen gefährlichen Angriff über mich ergehen lassen muß wie nach dem von Dir angezeigten 8. ...Le7 9. Ld3 0-0 10. 0-0 exf4 11. Lxf4 Db6+ 12. Kh1 Dxb2. Das von Dir angezeigte 13. ...g6 habe ich nicht gespielt, weil mir 14. f5 nicht ganz geheuer war, Du öffnest die f-Linie gegen meinen König und gewinnst Raum. Dies war mein Fehler, weil ich nicht einen Schritt weitergedacht hatte, womit mir dann aufgefallen sein sollte, daß ich nach 13. ...g6 14. f5 d5 eben den schematischen Gegenschlag im Zentrum durchsetzen kann, was meine Stellung absolut spielbar macht. Ab dem 15. Zug konnte ich die Stellung nicht mehr kontrollieren, weil ich eben mit dem Bauern und damit mit der falschen Figur wiedergenommen hatte. Den Springer auf e5 hätte ich am Königsflügel natürlich benötigt. Nach 17. ...Lb4?? hätte eigentlich alles vorbei sein müssen (richtig ist 17. ...Te6 bei allerdings unangenehmer Stellung). Danach hatte ich wie eine Katze sieben Leben.
                              Alles wartet auf das Licht
                              Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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                                #16
                                AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                So, ich stell mal wieder mal eine Partie von rein.

                                Vorneweg, ich bin ja bekanntlich ein "grosser" kritiker von Najdorf als eröffnung für club-spieler. Nicht weil es eine schlechte eröffnung ist, im gegenteil, ich denke es ist einer wenn nicht der beste sizilianer, wie man auch schon sieht welche grossartigen spieler diese eröffnung mit erfolg benutz(t)en, z.bsp. Fischer, Kasparov, Topalov, Gelfand, MVL, ... Das problem an Najdorf als cluberöffnung ist, dass sie (a) wohl am meisten theoriekenntnisse erfordert von allen eröffnungen überhaupt und (b) man ganz verschiedenen sizilianisch-strukturen spielen kennen muss.
                                Zu (b): Nach 6.Be2, 6.Be3 und 6.f3 spielt man e5, was zu stellungen mit rückständigem bauern auf d6 und loch auf d5 führt. Kann ein club-spieler wirklich beweisen, dass diese stellungen besser sind als nach dem kalashnikov oder sveshnikov sizilianer? Nach 6.Bc4 und 6.Bg5 muss weiss mit e6 spielen. 6.Bc4 wird heutzutage nicht wirklich als problem angeschaut, aber kann ein clubspieler wirklich beweisen, dass 5...a6 6.Bg5 besser ist als der Richter-Rauzer nach 5...Nc6 6.Bg5?
                                Denn, und das ist halt mein (subjektiver) punkt, wenn man sizilaner mit e5 mag sollte man doch eher kalashnikov resp. sveshnikov spielen, weil man dann NUR diese strukturen kennen muss, und wenn man so stellungen wie nach Bg5 mag dann sollte man eher den klasischen sizilianer spielen, denn da ist NUR Bg5 kritisch und alles andere harmlos.

                                Nun zur partie:

                                6.Bg5 ist die schärfste variante gegen najdorf, welche auch am meisten theoriewissen verlangt. Normalerweise schäue ich davor zurück mit weiss, denn ich will ja schach und nicht memory spielen, aber ich habe sie doch mal versucht.

                                6...e6 ist nicht der einzige zug, 6...Nc6 würde zum Richter-Rauzer transponieren (dann macht es aber wirklich nicht viel sinn per najdorf-zugfolge zu spielen), und 6...Nbd7 ist eine interessante variante die evtl. etwas theorie abkürz. Vor allem wenn wir unsere partie anschauen ist 6...Nbd7 7.f4 Qc7 8.0-0-0 b5 wohl wirklich eine alternative, weil die gleiche stellung erreicht wird, nur ohne verdoppelter bauer auf f6.

                                9...Nbd7 wird von der engine als fehler angegeben, wonach weiss bereits sehr gut steht, als besser wird 9...Nc6 (das sieht dann stark wie ein rauzer aus) und 9...b5

                                12...Kd8 zieht den könig aus der diagonale der dame, kommt aber in die schusslinie des turms, die engine sieht michda klar besser. 12...b4 13.Nce2 exf5 14.Nxf5 Bb7 wird von der engine als leicht besser für weiss gegeben.

                                13.a3 ist schwächend, besser ist 13.Kb1, z.bsp. 13...Qb7 14.Qh4 Be7 15.Nce2 und weiss steht klar besser

                                13...Nc4 dritter fehler in folge, so ist das halt bei so taktischen stellunge. Man bemerkte doch, dass weiss, wenn er einen fehler macht einfach ein wenig initiative verliert, schwarz aber bei fehlern einfach kaputt geht. Die weisse stellung ist daher einfacher zu spielen. Die engine empfielt 13...Rb8, aber man schaue sich mal die schwarzen figuren an, der springer auf e5 steht sehr gut (weshalb man ihn nicht nach c4 stellen sollte!), die dame ist auf c7 auch gut, aber beide läufer sind noch unentwickelt!

                                14.Ndxb5!? ist flashy und auch ok, aber viel stärker wäre das weniger schöne aber effiziente 14.Bxc4, nach 14...Qxc4 15.Qxf7 ist schwarz total kaputt, und nach 14...bxc4 15.Rf1 ist weiss total entwickelt und schwarz hat gerade mal die dame entwickelt, die engine sieht auch bereits +4

                                18.Rxd6? ist dann aber nicht die richtige vortsetzung, wonach auf einmal schwarz nicht nur zurück ins spiel kommt sogar besser steht. Besser wäre 18.Qxf7 mit der idee auf f6 zu nehmen und dann auf h8, es hängt einfach zu viel von schwraz und weiss steht besser.

                                21...Rhc8?? lässt matt in 2 zu, nach dem coolen 21...Ke8 hällt die stellung aber zusammen! Weiss hat 3 bauern für eine figur und solltes es zum endspiel kommen steht er wohl besser, aber mit der gut mobilisierten dame auf e4 und dem läufer auf e6 kommt der a-turm schnell nach c8 und schwarz hat einen starken angriff.

                                Fazit:
                                Wenn man unbedingt najdorf spielen will, dann muss man die Bg5-varianten kennen! Evtl. ist 6...Nbd7 eine bessere alternative, entwickelt zumindest eine figur.


                                [Event "Wertungsspiel d6d92d8073174614"]
                                [Site "http://www.chessmail.de"]
                                [Date "2016.09.15"]
                                [Round "-"]
                                [White "Zapp.Brannigan"]
                                [Black "Kiffing"]
                                [Result "1-0"]

                                1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.Bg5 e6 7.f4 Qc7 8.Bxf6 gxf6
                                9.Qf3 Nd7 10.O-O-O b5 11.f5 Ne5 12.Qh5 Kd8 13.a3 Nc4 14.Ndxb5 axb5 15.Nxb5 Qc5
                                16.Bxc4 Qxc4 17.Nxd6+ Bxd6 18.Rxd6+ Ke7 19.Rhd1 Qxe4 20.fxe6 Bxe6 21.Qc5 Rhc8
                                22.Rd7+ 1-0
                                Zitat von Sam Collins
                                I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                                  #17
                                  AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                  Zitat von Zapp Brannigan Beitrag anzeigen
                                  13...Nc4 dritter fehler in folge, so ist das halt bei so taktischen stellunge. Man bemerkte doch, dass weiss, wenn er einen fehler macht einfach ein wenig initiative verliert, schwarz aber bei fehlern einfach kaputt geht.
                                  Ja, das stimmt schon. Wenn Weiß Najdorf mit 6. Lg5 gut behandelt, kriege ich immer Probleme. Ich stehe da sehr gedrückt, hoffe aber auf das typische Gegenspiel auf Damenflügel und c-Linie.

                                  Die Partie hast Du natürlich stark behandelt und es war in der Tat verblüffend, wie schnell mich wirklich kleine Ungenauigkeiten auf die Verliererstraße brachten. An der Partie habe ich gemerkt, daß ich generell etwas an meiner Verteidigungskunst arbeiten sollte, auch wenn mein Hauptaugenmerk weiterhin darauf liegt, solche Stellungen zu vermeiden.
                                  Alles wartet auf das Licht
                                  Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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                                    #18
                                    AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                    Das argument der Najdorf-spieler ist ja eigentlich, dass
                                    1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cd4 4. Nd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. Bg5
                                    "besser" ist als
                                    1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cd4 4. Nd4 Nf6 5. Nc3 Nc6 6. Bg5
                                    weil a6 auch im richter-rauzer fast immer kommt, aber der springer auf c6 nicht ideal steht. Von daher finde ich halt deine variante mit 6...e6 7.f4 Qc7 eher merkwürdig, weil nach 8. Bxf6 gxf6 9. Qd2 (das ist wohl besser als "mein" 9.Qf3) die hauptvariante doch 9...Nc6 kommt, und nach 10. O-O-O Bd7 11. Kb1 O-O-O sehe nicht wie das "besser" sein soll als ein Richter-Rauzer.

                                    Interessanterweise wird ja im Scheveningen
                                    1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 e6 6. Bg5
                                    gar nicht gespielt, weil nach Be7 7. f4 h6 weiss das läuferpaar auf f6 abgeben muss ohne die schwarze bauernstruktur zu zerstören, denn auf 8. Bh4 folt 8...Nxe4. Das heisst 5...a6 ist durchaus ein verlorenes tempo in den varianten.

                                    Auf allerhöchstem niveau wird laut Gustafsson vor allem 8...h6 8. Bh4 Qb6 gespielt, der "verspätete" vergiftete Bauer mit guten Resultaten für schwarz, aber wer will sich das schon antun?

                                    Ich würde wohl zuallererst mal versuchen, meine entwicklungsrückstand zu minimieren, 6...Nbd7 finde ich interessant, odre auch 6...e6 7.f4 Nbd7 oder 7...Be7. In beiden variante kommt später die schwarze dame doch noch nach c7, aber weiss hat nicht mehr die option, auf f6 zu nehmen. Nach 7...Qc7 kann weiss halt entscheiden ob er auf f6 nehmen will oder nicht, und du musst lernen, mit dem typschen Richter-Rauzer doppelbauer auf f6 zu spielen (vorteil: gutes endspiel, nachteil: schlechtes mittelspiel)
                                    Zitat von Sam Collins
                                    I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                                      #19
                                      AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                      Danke für die ausführliche Antwort. Harter Stoff, muß mich da mal reinarbeiten.
                                      Alles wartet auf das Licht
                                      Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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                                        #20
                                        AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                        Diesmal musste ich gegen Kiffing das berüchtigte Dame gegen Turm endspiel spielen. Berüchtigt dadurch, weil es eigentlich gewonnen ist, aber auch viele grossmeister es nicht schaffen, es zu gewinnen. Kiffing machte mir die arbeit leicht, indem er sich ziemlich leicht in die philidor-stellung treiben liess, welche danach eher einfach zu gewinnen ist.

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                                        [Site "https://lichess.org/me4koPt4"]
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                                        [White "Kiffing"]
                                        [Black "Zapp.Brannigan"]
                                        [Result "0-1"]
                                        [WhiteElo "?"]
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                                        [Annotator "Zapp_Brannigan @ https://lichess.org"]

                                        1. e4 d5 (1... c6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. Nxe4 Nf6 5. Nxf6+ gxf6) 2. exd5 Qxd5 3. Nc3 Qa5 4. d4 Nf6 5. Bd2 c6 6. Bc4 Bf5 7. Nf3 e6 8. Nd5 Qd8 9. Nxf6+ gxf6 { Interessanterweise entsteht in dieser variante die gleiche Bauernstruktur wie im Bronstein caro-kann } 10. Qe2 { Dieses Bauernopfer ist wahrscheinlich nicht sehr gut, der d-bauer wird auch sehr schwach dadurch } 10... Bxc2 11. O-O Bg6 12. Rfe1 Be7 13. Rad1 O-O 14. Nh4 Nd7 15. Nxg6 hxg6 16. d5 cxd5 17. Bxd5 exd5 (17... Qb6 18. Bc3 Rad8 19. Bf3 Bb4 { Der mehrbauer macht sich langsam merkbar }) 18. Qxe7 Re8 19. Qd6 (19. Qxe8+ Qxe8 20. Rxe8+ Rxe8 21. Bc3 f5 22. Rxd5 { Weiss sollte wegen dem "Fischer-Endspiel" leicht besser sehen. }) 19... Ne5 20. Qxd8 Raxd8 21. Bc3 Kg7 (21... d4 22. Bxd4 Nf3+ 23. gxf3 Rxe1+ 24. Rxe1 Rxd4 { Das endspiel sollte remis sein, aber schwarz hat die leicht bessere bauernstruktur }) 22. f4 d4 23. fxe5 (23. Ba5 b6 24. fxe5 bxa5 25. exf6+ Kxf6 26. Rxe8 Rxe8 27. Rxd4 Re2 28. Rd5 Rxb2 29. Rxa5 Rb7 { mit ausgleich }) 23... dxc3 24. exf6+ Kxf6 25. bxc3 Rxe1+ 26. Rxe1 Rd2 27. Rf1+ Ke6 28. Re1+ Kd6 29. Rb1 b6 30. a3 Rc2 31. Rd1+ Kc6 32. Rd3 f5? { übersieht die weisse antwort. } (32... a5 33. Rf3 Ra2 34. Rxf7 Rxa3 35. Rf6+ Kc5 36. Rxg6 Rxc3 { Die schwarzen bauern sind schneller }) 33. Rg3 Kd5 34. Rxg6 Rxc3 (34... Rc1+ { Das zwischenschach entfernt den König vom h1-feld } 35. Kf2 Rxc3 36. h4 Rxa3 37. h5 Ra1 { Der turm kommt hinter den h-bauern }) 35. h4 Rxa3 36. h5 Ra4 37. g3 Re4 (37... Rc4 { Die gleiche idee (turm nach h8 bringen), die richtige ausführung }) 38. Rg7 (38. Rg5 Ke5 39. h6 Re1+ { Schwarz muss dauerschach geben } 40. Kg2 Re2+ 41. Kg1 Re1+) 38... a5 39. h6 (39. Rg5 { Letzte chance! }) 39... Re6 { Jetzt kommt der turm hinter den bauern und dann ists es aus } 40. h7 Rh6 41. Kf2 a4 42. Ke3 b5 43. Kf4 a3 44. Kxf5 b4 45. Kg5? { Das verliert } 45... Rxh7 46. Rxh7 a2 47. Ra7 b3 48. Kf6 b2 49. Rxa2 b1=Q 50. Ra5+ Kc4 { Falsche richtung, der könig sollte zum weissen könig } (50... Ke4) 51. Rf5 Qd1 52. Kg5 Kd4? (52... Qd2+) 53. g4! { Das wäre laut tablebase remis, weiss kann eine festung bauen } 53... Ke4 54. Rf4+ Ke5 55. Rf5+ Ke6 56. Rf6+ Ke7 57. Rf4? { Jetzt ist es wieder verloren } (57. Rf5 { bauer deckt turm, könig deckt bauer scheint die beste verteidigung zu sein }) 57... Qd2 58. Kf5 Kf7 59. Ke5+ Kg6 60. Ke4 Kg5 61. Rf5+ Kxg4 { Somit ist der bauer weg, jetzt ist es das berühmte dame vs turm endspiel } 62. Rd5 Qf4+ 63. Kd3 Kf3 64. Rd4 Qe5 65. Kc4 Ke3 66. Rd3+ Ke4 67. Rc3 Qd5+ 68. Kb4 Kd4 { Schwarz macht fortschritt, der könig wird an den rand gedrängt } 69. Rc2 Qb7+ 70. Ka3 { Das ist die "dritte-reihe" verteidigung. Schwarz sollte möglichst lange den turm auf der dritten reihe behalten. } 70... Kd3 71. Rb2 (71. Rc1) 71... Qa6+ 72. Kb3 Qb5+ 73. Ka3 Qa5+ 74. Kb3 Qc3+ 75. Ka2 Qc4+ 76. Kb1 Qa4 77. Kc1 Kc3 78. Kb1 { Dies ist die philidor-stellung, welche man mit schwarz anstreben will. } 78... Qe4+ { Schwarz braucht die philidor-stellung mit weiss am zug. Deshalb wird mit damenzügen trianguliert. } 79. Ka2 Qa8+ 80. Kb1 Qa4 { Jetzt ist es so weit. Diese stellung ist bekannt, jeder turm- oder königszug führt zu turmverlust oder matt. } 81. Kc1 Qa3 0-1
                                        Zitat von Sam Collins
                                        I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                                          #21
                                          AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                          Gute Gewinnführung. Weil mir die Philidorstellung nur im Turmendspiel etwas sagt, war es leicht für Dich, mich in eine solche zu bekommen. Ich wußte ja nicht, was ich verhindern sollte.
                                          Alles wartet auf das Licht
                                          Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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                                            #22
                                            AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                            Es gibt eröffnungen, die ich nie ausprobiert habe. Die gründe sind verschieden, zum teil gerechtfertigt (z.bsp. ist mir KID zu geschlossen und najdorf zu flexibel), zum teil aber auch nur wegen dem ruf der eröffnung. So hat Petroff einen sehr langweiligen ruf, weshalb ich es nie angeschaut habe, bis ich es vor 2 jahren entdeckt habe und gemerkt habe, dass die eröffnung alles andere als langweilig ist. Seit dem habe ich die variante im repertoir.

                                            Der sizilianische drachen ist auch so eine eröffnung. Ich habe früher mal den beschl. drachen gespielt, aber den "richtigen" nie. Sie gilt (a) alle 2 jahre mal wieder als widerlegt, hat (b) den ruf, jede menge theorie zu besitzen und hat (c) eine gruppe von fast religiösen anhängern. Alles punkte welchen ich normalerweise aus dem weg gehe. Ich habe sie jetzt trotzdem mal etwas genauer angeschaut, zu (a) gibt es doch profesionelle schachspieler welche die variante spielen, so schlimm kann es also nicht sein, zu (b) mag zwar stimmen aber in der regel gewinne sowieso immer ich das eröffnungsduell, das könnte sogar ein vorteil sein und zu (c). Was den drachen aber sympatisch macht ist, dass es nur eine kritische variante gibt (den yugoslavischen angriff) und dass schwarz viel figuren-spiel hat im gegensatz zum weissen bauernspiel. Da ich normalerweise figurenspiel dem bauernspiel vorziehe könnte mir die variante liegen.

                                            Kiffing spielt ja sozusagen gegen alles immer die abs. hauptvariante, was mir natürlich ermöglicht, gleich mal das worst-case scenario einer eröffnung zu testen. Unsere erste Drachen-partie war sehr interessant und zeigt, dass nicht nur weiss einen schönen königsangriff hat (Bobby sagte ja die berühmten worte "sac-sac-mate" zum drachen), sondern eben auch schwarz.

                                            [Event "Import"]
                                            [Site "https://lichess.org/meopd1vD"]
                                            [Date "2016.12.16"]
                                            [White "Kiffing"]
                                            [Black "Zapp.Brannigan"]
                                            [Result "0-1"]
                                            [WhiteElo "?"]
                                            [BlackElo "?"]
                                            [PlyCount "56"]
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                                            [TimeControl "-"]
                                            [ECO "B78"]
                                            [Opening "Sicilian Defense: Dragon Variation, Yugoslav Attack, Old Line"]
                                            [Termination "Normal"]
                                            [Annotator "Zapp_Brannigan @ https://lichess.org"]

                                            1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 g6 { Der Drachen. Von der idee her sehr logisch, schwarz will ja dank der halb-offenen c-linie am Damenflügel spielen, also wird der schwarzfeldrige läufer so platziert, dass er ebenfalls zum damenflügel zielt. Auch hat schwarz keinen schwachen d6-bauer wie bei den e6-d6-sizlianern und das feld d5 ist weniger schwach als in den e5-d6-sizlianer. Der nachteil ist natürlich, dass der schwarze könig durch das finachetto geschwächt wird. } 6. Be3 Bg7 7. f3 { Der yogoslavische angriff. Weiss bereitet die lange rochade vor und will dann mit h4-g4 am königsflügel angreiffen } 7... O-O 8. Bc4 { Eine der 2 hauptvarianben. Weiss verhindert d6-d5, verliert aber viel zeit mit seinem läufer, welcher weiter nach b3 geht, nur um oft einen springer auf c4 zu schlagen. } (8. Qd2 Nc6 9. O-O-O { Dies ist die zweite hauptvariante. Die idee ist es, auf das manöver Bc4-b3 zu verzichten. Sollte schwarz den gleichen plan wählen würde weiss daher 2 tempo wählen. } 9... d5 { Der prinzipielle hauptzug } (9... Nxd4 10. Bxd4 Be6 11. Kb1! { Ein wichtiges detail. } (11. h4 Qa5! { Und schwarz steht gut }) 11... Qc7 (11... Qa5? 12. Nd5! { Deshalb musste der könig nach b1, damit Qxd2 nicht mit schach kommt }) 12. h4 Rfc8 13. h5 Qa5 { Objektiv gesehen ist der weisse angriff schneller, aber da die position so scharf ist gibt es immer noch GMs die diese stellung spielen. }) 10. exd5 Nxd5 11. Nxc6 bxc6 12. Bd4 Bxd4 13. Qxd4 Qb6 { Weiss steht strukturell etwas besser, dafür ist aber der weiss angriff wegen dem getauschten materiel abgewehrt. Das spiel ist positioenell }) 8... Nc6 9. Qd2 Bd7 10. O-O-O { Auf dem weissen programm stehen 0-0-0, h4 und Bb3. Je nach zugfolge kann weiss immer eine schwarze variante verhindern muss dafür aber eine andere zulassen. Mit der rochade anzufangen scheint am intuitivsten } (10. Bb3 { Dies ist wahrscheinlich die ungenauste zugfolge } 10... Nxd4 11. Bxd4 b5 { Die gleiche idee wie in der partie, aber sogar verstärkt } 12. h4 a5 13. h5 a4) (10. h4 { Dies wird auf hohem GM-nivea öfter gespielt, weil es die von mir gewählte "topalov-variante" verhindert. } 10... Rc8 11. Bb3 h5 (11... Nxd4 { Dies ist jetzt weniger stark, der weisse könig ist sicherer im zentrum } 12. Bxd4 b5 13. h5 a5 14. hxg6 { und der weisse angriff greifft durch }) 12. O-O-O) 10... Rc8 (10... Rb8 { Der chinesiche drachen ist auch sehr beliebt. Wie die von mir gespielt variante wurde sie "ausgegraben", weil das weisse 12.Kb1 zu stark wurde (siehe partie) }) 11. Bb3 Nxd4 (11... Ne5 { Das ist die ultimative hauptvariante } 12. h4 (12. Kb1! { Dieser zug hat dem schwarzen das abspiel mit 11...Ne5 verleidet. Dieser simple zug verhindert Qa5 wegen Nd5, und stellt die einfache fragen an schwarz: "was willst du eigentlich spielen? } 12... a6 { Das ist zu langsam, im drachen wird b5 ohne a6 gespielt und dann direkt a5 } (12... Re8 { Deckt e7 und bereitet Qa5 vor, ist aber auch sehr langsam. Auch dient der turm keine wirklichen ziel } 13. h4 h5 14. Bh6 (14. g4 { vielleicht noch stärker? }) 14... Nc4 15. Bxc4 Rxc4 16. Bxg7 Kxg7 17. Nd5) (12... Nc4 13. Bxc4 Rxc4 14. g4 b5 15. b3 Rc8 16. Ndxb5 Qa5 17. a4 { Die weisse königsstellung hällt, er hat einen bauern mehr und aussichten auf angriff. }) 13. h4 h5 14. g4) 12... h5 { Die "berüchtigte" Soltis-variante. Sie führt zu unglaublich kompliziertem spiel. Die schwarzen chancen scheinen den weissen aber ebenbürtig zu sein. }) 12. Bxd4 { Die topalov-variante. Der "im weg stehende" springer c6 wird "nur" gegen den springer auf d4 getauscht und nicht den läufer auf b3, dafür braucht es viel weniger zeit und schwarz kann soft seine eigene offensive am königsflügel lancieren. } 12... b5 13. h4 { Jetzt gibt es ein wettrennen wo schwarz gute chancen hat. Man beachte dass der läufer auf b3 viel lieber auf e2 wäre } (13. Nd5 { Dies ist evtl. kritisch } 13... Nxd5 14. Bxg7 Kxg7 15. exd5 a5 16. a3 { Weiss verzichtete auf den königsangriff und spielt gegen den e7-bauern }) 13... a5 14. a4? { Das ist bereits ein verlustzug, stockfish sieht hier bereits -1.2 } (14. h5 { Wenn schon denn schon! } 14... a4 15. Bxf6 exf6 (15... Bxf6 { Dies scheint spielbar zu sein! } 16. hxg6 e6 (16... hxg6? 17. Qh6 { und aus }) 17. e5 Bg7 18. Rxh7 Bxe5 19. Rdh1 fxg6 20. Rh8+ Bxh8 21. Rxh8+ Kxh8 22. Qh6+ { und wie es sich gehört endet diese scharfe variante im dauerschach! }) 16. Bd5 f5 { Mit sehr kompliziertem spiel }) 14... bxa4 15. Nxa4 Bxa4 16. Bxa4 Rc4! 17. Bb3 Nxe4! { Der trick der gschichte. Schwarz gewinnt einen bauern und hat offene linie gegen den weissen könig. Der weisse angriff hingegen kommt nicht vorwärts } 18. fxe4 Rxd4 19. Qe2 Rb4 { Der schwarze angriff geht weiter, es droht a4 } 20. Qa6 Qc7 { droht Rxb3 } 21. Rh3 Rfb8 { erneuert die drohnung } 22. Rdd3 Rxe4 { etwas ungenau, aber schwarz gewinnt immer noch } (22... d5! { sofort die stellung öffnen }) 23. Rhf3 d5 { Jetzt aber. } 24. Rxd5 Rxb3 { Auf den zug bin ich ziemlich stolz, da musste man doch ein paar varianten berechnen. Stockfish braucht auch ein paar sekunden um einzusehen wie gut der zug ist. } 25. Rxb3 Qf4+ 26. Kb1 { Das führt forciert zu matt } (26. Kd1 Bh6 { Ich sah keine möglichkeit für weiss, das matt zu verhindern, aber es gäbe einen zug } 27. Rg5 Qxh4 28. Qa8+ Kg7 29. Qxe4 { Natürlich gewinnt auch das für schwarz }) 26... Re1+ 27. Ka2 Qa4+ 28. Ra3 Ra1+ { Den zug musste man bei 25...Qf4+ natürlich schon sehen, ist aber ein typisches motiv und war von daher nicht so schwer zu finden } 0-1
                                            Zitat von Sam Collins
                                            I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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                                              AW: Zapp.Brannigan vs Kiffing

                                              Nochmals Gratulation zu dieser wirklich ausgezeichneten Partie. Ich habe mich sicherlich nicht unter Wert geschlagen, trotzdem warst Du der stärkere Spieler. Wegen der Verzweigung im 8. Zug hatte ich im Forum einmal eine Umfrage gestartet, ob 8. Dd2 oder 8. Lc4 besser sei. Wahrscheinlich kann man für beide Zugfolgen eine Legitimation herleiten. Gefühlsmäßig würde ich sagen, 8. Lc4 ist direkter, 8. Dd2 ist nachhaltiger.

                                              Wenn der Gegner schlecht spielt, kann man gegen den Drachen nach Fischers Muster wunderbare Siege einfahren. Oft reicht es auch schon aus, wenn der Schwarze nicht einmal besonders schlecht spielt, sondern einfach zu passiv. Dann kann Weiß seinen Angriff bis zum entscheidenden Schlag ungestört verdichten. Deswegen ist 11. ...b5! ein ausgezeichneter Zug, bei dem Schwarz mit Berechtigung um die Initiative kämpfen kann und Weiß zweifellos stört. Ich spiele gegen den Drachen auch deshalb so gern, weil die wenigsten den Zug kennen oder am Brett finden. Und da im heterogenen Drachen bei gutem beidseitigen Spiel das Spiel auf des Messers Schneide hängt, kann eine kleine Ungenauigkeit bereits entscheiden. Bei mir trat sie mit 13. a4? sehr schnell auf. Ich hatte die Kombination 15. ...Sxe4 ebenso übersehen wie das bildhübsche Mattmotiv am Ende der Partie, das ein wenig an den schönen Schluß Magnus Carlsens erinnert, welcher seinem Erfolg in NYC damit auch stilistisch die Krone aufsetzte und seine für seine Klasse nicht immer herausragend geführten klassischen Partien zumindest partiell überdecken konnte. 24. ...Txb3!! hatte in seiner Tiefe und Klasse natürlich Meisterniveau, das ist klar.

                                              Übrigens empfinde ich den Drachen nicht einmal als besonders theorielastig. Die Theorie mag stark in die Tiefe gehen, aber nicht so sehr in die Breite, wie dies etwa beim Najdorf der Fall ist, den ich ungleich theorieintensiver empfinde als die Drachenvariante. Die Motive ähneln sich doch in allen Drachenvarianten sehr, während nur der Najdorf mit 6. Le3 an den klassischen Drachen erinnert, allein jede weitere Abzweigung nach 5. ...a6 der Partie und den mit ihr verbundenen Ideen und Strategien ein völlig verändertes Gesicht gibt. Es gibt nur ein Drachengesicht, bei der Najdorfvariante kann man sich oft nicht vorstellen, daß zwei Najdorf-Partien aus der gleichen Eröffnung stammen.
                                              Alles wartet auf das Licht
                                              Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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