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DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

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    DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

    In diesen Tagen hat es beim Deutschen Schachbund ein Erdbeben gegeben. Vier Mitglieder des fünfköpfigen Präsidiums des DSB erklärten, bei dem Bundeskonkreß in Halberstadt am 16. Mai aus ihren Ämtern scheiden zu wollen. Es handelt sich dabei um Michael S. Langer, Prof. Dr. Christian Warneke, Joachim Gries und Michael Woltmann. Gründe für den Massen-Exodus des DSB-Präsidiums sind Unstimmigkeiten mit dem DSB-Präsidenten und Vizepräsidenten der FIDE, Herbert Bastian, in entscheidenden Punkten, dem im Präsidium damit sämtliche Kollegen abhanden gekommen sind. Der Konflikt hat offenbar schon länger im Präsidium geschwelt.

    Daß es im DSB-Präsidium gekriselt hatte, war zum ersten Mal bei den FIDE-Präsidentschaftswahlen in Tromsö 2014 in der Öffentlichkeit bekanntgeworden. Während das DSB-Präsidium seiner Tradition treu bleiben und nach Bessel Kok und Anatoli Karpov mit Garri Kasparov erneut den Gegenkandidaten Iljumschinovs unterstützen wollte, hatte Herbert Bastian dazu eine andere Meinung. Gegenüber Schach-Welt äußerte er sich negativ über Kasparov und positiv über Iljumschinov. Zum Vergleich:

    Zu Kirsan Ilyumzhinow kann ich sagen, dass wegen seiner Kapriolen in Deutschland ein sehr schiefes Bild von ihm krampfhaft aufrechterhalten wird. Seine positiven Leistungen werden verschwiegen oder kleingeredet. Ilyumzhinow hat stets die Hand ausgestreckt und Kooperation im Interesse des Schachsports gesucht.
    Darauf fällt mir die Antwort leicht: Wir haben als DSB nicht die Aufgabe, Garri Kasparow seine Karrierewünsche zu erfüllen, sondern wir müssen sorgfältig abwägen, unter welchen Bedingungen die FIDE als Ganzes am besten funktioniert. Nach der Wahl geht die Arbeit doch erst richtig los! Bevor man ein gut funktionierendes System für eine ungewisse Zukunft zerschlägt, denkt man lieber zweimal nach. Darin sehe ich den Hauptgrund für den hohen Sieg Ilyumzhinows. In Gesprächen wurde immer wieder darauf hingewiesen, was Kasparow schon alles angefangen hat und dass es immer mit seiner „Flucht“ endete. Und die von ihm herbeigeführte Spaltung der FIDE ist unvergessen. Um als Präsident für alle überzeugen zu können, muss er noch an seinem diplomatischen Geschick arbeiten.
    Der in den Präsidentschaftswahlen unterlegene Kasparov hatte dem nach den Wahlen zum FIDE-Vizepräsidenten aufgestiegenen Herbert Bastian daraufhin mit kaum verhohlener Unterschwelligkeit Bestechung (ebd.) vorgeworfen und sich vor allem darüber empört, daß Bastian mit seiner Position im DSB-Team alleine stünde:

    Jeder Posten, egal welchen Ranges, gewählt oder bestätigt, ging an einen Iljumschinow-Loyalisten, oft unabhängig vom Grad der Erfahrung oder Kompetenz. Die Kandidaten, die aktiv von Iljumschhinows Team unterstützt wurden, erhielten jeden Posten und in jedem Fall hatten sie Iljumschinow unterstützt.

    (Eine bemerkenswerte Ausnahme zu dieser Regel, sie mag letztendlich überhaupt keine Ausnahme sein, kommt aus Europa. Das Präsidium des Deutschen Schachbunds entschied sich, mich zu unterstützen, mit der einzigen Gegenstimme vom Präsidenten selbst, Herbert Bastian, der später einige Hebel in Bewegung setzte, um statt des deutschen Delegierten selbst in Tromso abzustimmen. Er bestand auch darauf, dass die „Deutsche Entscheidung“ mich zu unterstützen, nicht öffentlich gemacht wird. Bastian, ein relativ Unbekannter, erhielt einen Posten als FIDE-Vizepräsident in Tromsø mit voller Unterstützung von Makropoulos, während Bastians Vize, Michael Langer, einen Posten in der Kommission für Wirtschaftsprüfung erhielt. Es ist eigenartig, gelinde gesagt, dass Deutschland so eine wenig charakteristische und exklusive Großzügigkeit von Iljumschinows Seite zuteil wurde.)
    Chessbase hat mit Michael Woltmann und Michael S. Langer zwei der zurückgetretenen DSB-Vizepräsidenten nach den Gründen für den Rücktritt befragt, die sich beide sehr offenherzig über dieses Thema auslassen. Für Michael S. Langer sind die Vorgänge in Tromsö für seine Entscheidung tatsächlich ein gewichtiger Grund, die für ihn für einen globalen und vom DSB-Präsidenten Herbert Bastian "ohne Abstimmung in unseren Gremien" alleine getragenen globalen Strategiewechsel stehen, und den Langer nicht bereit ist, weiter zu "verantworten". Als mögliche direkte Konsequenz aus diesem Strategiewechsel macht Langer eine Isolierung in der "westlichen Welt" aus, Langer:

    Dafür reden jetzt einige Verbände nicht mehr mit uns und es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis deutsche Spieler für manche Turniere im Ausland wieder Einladungen erhalten.
    Als weitere Gründe für den gemeinsamen Rücktritt nennt Langer einen undemokratischen Führungsstil Bastians, die vom DSB-Präsidenten geplante Erweiterung des Präsidiums, und eine "Ignoranz des Präsidiums [Präsidenten?] gegenüber unseren Referenten, die in eklatanter Weise ausgeprägt" sei. Nun sei Bastian "alleine im Hause". Ähnlich wie Langer äußerte sich Michael Woltmann, der dem DSB-Präsidenten zudem vorwirft, seine Wahl zum FIDE-Vizepräsidenten nicht mit dem Präsidium abgestimmt zu haben. Woltmann wirft Bastian darüberhinaus eine Politik der abgehobenen Phantastereien vor. Die Vorschläge des DSB-Präsidenten zu möglichen Feiern im Lasker-Jahr oder zur Durchführung eines Superturniers mit Kasparov, Karpov, Carlsen und Yifan Hou seien in Zeiten knapper Kassen nicht finanzierbar. Stattdessen solle sich der DSB-Präsident lieber für eine "vernünftige Lösung der Deutschen Meisterschaft" einsetzen. Woltmann wirft Bastian vor, die bereits angesprochene "außenpolitische Tradition des DSB für einen Posten verkauft" zu haben. Er spricht Bastian "jedwede Kompetenz in der Personalführung" ab und gibt an, der DSB-Präsident sei nicht in der Lage, "wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und mit entsprechenden Schwerpunkten Lösungen zu erarbeiten."
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    #2
    AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

    Der amtierende DSB-Präsident weilt derzeit in China, was nach Ansicht von Franz Jittenmeier vom Schachticker möglicherweise ein Grund sei, daß die "Aussteiger" sich jetzt zu diesem öffentlichen Schritt bewogen gefühlt haben (ein anderer Grund könnte der anrückende DSB-Bundeskongreß sein). Der China-Aufenthalt von Herbert Bastian erklärt natürlich, warum sich der DSB-Präsident in diesen Tagen noch nicht zu den Vorwürfen und Rücktritten seiner ehemaligen Kollegen geäußert hat. Natürlich wird er zu den Gegenpositionen, etwa von Langer und Woltmann, eine andere Meinung haben. Eine dürfte die folgende sein, geäußert zu dem Vorwurf Langers, der wohlwollende Iljumschinov-Kurs Bastians führe zu einer Isolation in der "westlichen Welt":

    Zitat von Michael S. Langer
    Dafür reden jetzt einige Verbände nicht mehr mit uns und es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis deutsche Spieler für manche Turniere im Ausland wieder Einladungen erhalten.
    In einem Interview mit der Zeit, vertreten übrigens durch den heutigen Chess24-Aktivisten Ilja Schneider, stellte Bastian schon kurz nach den FIDE-Wahlen in Tromsö die späteren Befürchtungen Langers verschiedene Vorteile entgegen, die sich durch eine Mitarbeit in der FIDE unter Iljumschinov anstatt einer dezidierten Antiposition ergeben würden:

    Zitat von Herbert Bastian
    Zuallererst hoffe ich, dass sich das Verhältnis zur Fide etwas verbessert. Da ist einiges zu tun, zum Beispiel wurden bei den letzten zwei Olympiaden keine deutschen Schiedsrichter eingesetzt, als Strafe, weil der Deutsche Schachbund zuvor zusammen mit anderen Landesverbänden die Fide verklagt hatte. Solche Streitigkeiten müssen endlich ein Ende nehmen. Ein möglicher Vorteil für den Schachbund aus der engeren Zusammenarbeit könnte zum Beispiel ein Spitzenturnier der Fide sein, das in Deutschland stattfinden könnte. Auch für das Senioren- und das Frauenschach erhoffe ich mir starke Impulse.
    Direkt der erste Kommentar des Organs weist auf die Probleme einer solchen Position hin:

    Dieses Inverview gehört zum Peinlichsten, was ich je von den Lippen eines Vorsitzenden des Deutschen Schachbundes gehört habe.

    Die FIDE wird unter Ilyumshinov und Makropoulos seit vielen Jahren mit denselben verabscheungswürdigen oligarchischen Methoden geführt, mit denen Präsident Putin russchische Politik macht. Unvergessen sind die russischen Gangstermethoden beim Wahlkampf um die Karpov-Kanditatur gegen Ilyumshinov, die nun beim letzten Wahlkampf wieder fröhliche Urständ gefeiert haben. NICHTS an dieser FIDE Wahl entspricht seriösen demokratischen Standards.

    Allerdings wird in dem Interview deutlich, mit welchen Mitteln es die jetzige FIDE-Gang es mal wieder geschafft hat, wenn selbst ein europäischer Bund, der aus einer demokratischen Gesellschaft kommt, alle entsprechenden Standards vergisst und den FIDE-Oligarchen auf den klebrigen Leim geht. Herr Bastian sollte sich dafür jeden Tag eine Stunde in die Ecke stellen und sich schämen.

    Denn wenn jemand wie er das alles weiß und sogar selbst zum besten gibt, wie verstörend die Ilumshinov-Besuche bei Gaddhafi als und Assad als “Putins Sonderbotschafter” waren, würde man wohl alles andere erwarten, außer
    - a) dem Bedürfnis, einem solchen lausigen, von Rußland vereinnahmten und missbrauchten FIDE Regime mit “Neutralität” zu begegnen.
    - b) diese angebliche “Neutralität” dann fröhlich so zu interpretieren, dass man sich schon im Vorfeld der FIDE-Wahl unter der Hand zum Teil des widerwärtigen Filzes machen und zum Vizepräsidenten wählen lässt, während man nicht etwa die sich an keinerlei Spielregeln haltenden Oligarchen, sondern Kasparov als “polarisierend” abwertet. Unglaublich!

    Angesichts eines solchen rückgradlosen Schleimer-Verhaltens gegeüber einer ununterbrochen oligarchisch handelnden Willkür- und Vetternwirtschaft kann es einen nur schaudern. Und ein Schachbund, der sich einen derartig anpassungsfähigen (um es höflich auszudrücken) Vorsitzenden leisten kann, kann man angesichts der Tatsache, dass diese FIDE weltweites öffentliches Interesse für Schach zugunsten ihrer russchischen Seilschaften völlig den Bach runtergehen ließ, nur fassungslos bestaunen.

    Mit solchen Einknickern an Bord hat Europa wohl auch seinen nicht weniger unsäglichen nächsten Vorsitzen gewählt. Wir sind also wohl gerüstet für die in Angriff genomme Verlängerung der bereits Jahrzehnte dauernden Schach-Steinzeit durch Menschen dieser moralischen Klasse! :-)))
    Wie dem auch sei, wie Herbert Bastian selbst immer betont (und bedauert) hatte, ist Iljumschinov in Deutschland nicht wohl gelitten, und auch das aggressive Vorgehen Wladimir Putins in der Ukraine, das immerhin zu einem Bürgerkrieg, Flüchtlingsströmen und einer Angst vor einem Dritten Weltkrieg geführt hat, ist nicht losgelöst von den FIDE-Präsidentschaftswahlen in Tromsö zu sehen. Schließlich gilt Iljumschinov als Protegé von Putin, und es ist ein offenes Geheimnis, daß Kasparov seine politischen Ambitionen in einem immer reaktionärer werdenden Rußland, wo ihm heute nicht mehr fünf Tage, sondern fünf Jahre Haft drohen, deswegen aufgegeben hat, um Putin auf der Schachbühne zu schlagen.

    Die Schachburg wird jedenfalls die Stellungnahme von Herbert Bastian, der sich nach seinem China-Aufenthalt sicherlich zu den, gemessen an der Geschichte des Deutschen Schachbundes, beispiellosen Geschehnissen im DSB-Präsidium äußern wird, einspielen und darauf, genauso wie bei Langer und Woltmann, verweisen.
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      #3
      AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

      Die Rücktrittswelle beim Deutschen Schachbund nimmt allmählich groteske Züge an. Neben Michael S. Langer hatte sich Michael Woltmann mit einer öffentlichen Erklärung an die Schachwelt gewandt und dargelegt, warum eine Zusammenarbeit mit DSB-Präsident Herbert Bastian nicht mehr möglich sei (wir berichteten). Während der DSB-Präsident weiterhin schweigt und sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, legt Michael Woltmann auf seiner eigenen Homepage nun nach und veröffentlicht drei anonymisierte (!) Zuschriften von Personen, die ihn selbst zu seinem Verhalten beglückwünschen und sich auffällig geifernd über den DSB-Präsidenten äußern. Dieser Schritt Woltmanns mutet, auch angesichts seiner hohen Position in den Hierarchien des Deutschen Schachbundes, überraschend an. Denn weder ist die Art und Weise, seine Sichtweise dergestalt zu untermauern, besonders professionell, noch sind die Zuschriften, betrachtet in Form und Inhalt, dafür geeignet, Sympathien für die Sichtweise von Woltmann zu erwecken. Ich selbst wage zu prognostizieren, daß Woltmann seine Position vor dem Bundeskongreß in Halberstadt geschwächt hat und jetzt leicht vom Jäger zum Gejagten werden kann. Es ist gut möglich, daß auch die Kritiker von Herbert Bastian sich nun als Personen der Mitte präsentieren müssen, die sich nicht nur vom DSB-Präsidenten, sondern auch von Woltmann distanzieren müssen. Wir sind gespannt auf die Ereignisse beim DSB-Bundeskongreß und warten ebenso gespannt auf die erste Reaktion von Herbert Bastian. Was meinen die anderen?

      Hier die "Vorwürfe" von Woltmanns drei "Claqueuren": http://michaelwoltmann.de/schach/neb...-r%C3%BCckzug/

      Edit: Da an der Webseite von Herrn Woltmann derzeit "mit Hochdruck gearbeitet" wird, hier der Text der von den drei Zuschriften längsten, die bereits auf dem Schachticker veröffentlicht wurde und damit für die Nachwelt gerettet werden konnte: http://www.chess-international.de/Ar...080#more-38080
      Zuletzt geändert von Kiffing; 01.05.2015, 13:13. Grund: Edit
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        #4
        AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

        Der DSB-Präsident hat sich nun zu den Vorwürfen in einem Chessbase-Interview geäußert und die gegen ihn anliegenden Vorwürfe sachlich entkräftet. Den Kritikern wirft Herbert Bastian vor, selbst zum Präsidentenamt greifen zu wollen und ihn zu diesem Zweck zu diskreditieren. Bastian selbst denkt nicht an Rücktritt und freut sich bei einer Wiederwahl schon auf die Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Präsidium in Halberstedt. Der DSB-Präsident steht des weiteren zu seiner Eingliederungspolitik in die FIDE und betont die Vorteile, die sich für das deutsche Schach daraus ergeben würden. Eine Hiobsbotschaft bietet das Interview allerdings in anderer Hinsicht, Arkadij Naiditsch wird die deutsche Nationalmannschaft aufgrund eines Föderationswechsels womöglich verlassen:

        Arkadij will nicht wegen der Streitigkeiten gehen, sondern weil ihm ein Angebot gemacht wurde, bei dem wir nicht mithalten können. Der Wechsel fällt ihm nicht leicht, ist aber angesichts der bestehenden Dauerkonflikte wohl für ihn die beste Lösung. Persönlich würde ich diesen Schritt, wenn es wirklich dazu kommt, jedoch sehr bedauern.
        Generell wirkt der DSB-Präsident auf mich überzeugender als seine Kritiker. Was meinen die anderen dazu, wenngleich zugegebenermaßen die internen Meinungskämpfe nur Insidern wirklich bekannt sein dürften?
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          #5
          AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

          " Indem an mir kein gutes Haar gelassen wird, wird doch jedem Leser suggeriert, dass ich als Präsident eigentlich unwählbar bin. Dass dies in Wirklichkeit mit einem Sammelsurium von Lügen, Halbwahrheiten und Verzerrungen erreicht werden soll, kann nur ein Insider erkennen. " Herbert Bastian

          Auch auf mich wirken die Aussagen des DSB-Präsidenten glaubwürdiger als die Aussagen seiner "Kritiker". Kritiker in Anführungsstrichen deshalb, weil ich selber unter Kritik verstehe, das man eben NICHT mit Lügen, Halbwahrheiten und Verzerrungen argumentieren sollte, um damit die Öffentlichkeit irre zu führen und zu verdummen.

          Begrüßen würde ich es, wenn sich noch ein paar Befürworter des DSB-Präsidenten öffentlich zu Wort melden. Es kann doch nicht sein, daß Herr Bastian all die Jahre nur mit "Kritikern" zu tun hatte, die ihm nun den "Tritt in den Hintern" versetzen.

          Ich glaube, das Interview beinhaltet die richtigen Fragen zur richtigen Zeit. Zumal auch sehr unbequeme Fragen. Mir scheint, Herr Bastian hat es gut verstanden, einiges wieder ins rechte Licht zu setzen und dabei glaubwürdig zu bleiben.
          „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

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            #6
            AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

            Der DSB-Präsident hatte ja geäußert, er habe auch mit Woltmann lange Zeit im Präsidium „kameradschaftlich kommuniziert und erfolgreich zusammengearbeitet“ und sei deswegen überrascht über diese abrupt erscheinende Kehrtwende (warum erinnert mich das nur an die Geschichte mit Caesar und Brutus?). Ich selbst hatte geglaubt, Woltmann selbst habe bezüglich der Veröffentlichung der ihn unterstützenden Leserbriefe unter dem Druck der interessierten Schachöffentlichkeit seinen „Fehler“ eingestanden und sich von dieser Aktion distanziert. Der mehrtägige Ausfall seiner eigenen Internetpräsenz hatte aber einen anderen Grund. Denn Woltmann gibt kaum einen Fußbreit von seiner harten Position preis und legt weiterhin nach.

            Michael Woltmann hatte sich durchaus mit den Kritiken ob seines Stils der Veröffentlichung der bekannten drei Leserbriefe auf seiner eigenen Homepage auseinandergesetzt. Unter der Rubrik: „Reaktionen auf Rücktritt/Update“ schildert er die Motivation zu seinem Verhalten. Es ging ihm darum, den falschen Eindruck der Schachöffentlichkeit, wo „viele“ Herbert Bastian für einen „netten und engagierten Funktionär“ halten, zu korrigieren. Stattdessen wird folgendes Bild über Bastian transportiert, indem Woltmann sich vor allem über den „nicht zeitgemäßen Führungsstil“ des DSB-Präsidenten äußert:

            Zitat von Michael Woltmann
            Arbeitet man aber plötzlich lange und intensiv mit ihm zusammen muss man eben feststellen, dass sein Führungsstil "streng am Organigramm orientiert ist" (Zitat Langer). Das mag manchmal nützlich sein, ist aber schlicht nicht zeitgemäß. Und Spitzenfunktionäre sind eben keine Rekruten und können dann auch nicht so geführt werden. Wenn dann einer nach dem anderen mit ähnlichen Begründungen von Bord geht, wird das wohl nicht nur daran liegen, dass sie alle Fehler machen und nur einer nicht, oder!?
            Wegen der schon vorher bekannten Kritik der DSB-Vizepräsidenten an Bastians Führungsstil hatte der DSB-Präsident auf seiner auf Chessbase veröffentlichten Reaktion übrigens zum Gegenangriff ausgeholt (#4). Von dieser Seite hieß es:

            Zitat von Herbert Bastian
            Die inhaltlichen Ursachen der atmosphärischen Störungen hat Michael S. Langer zum Teil öffentlich benannt. Sind die es wirklich wert, eine solche öffentliche Schlammschlacht zu eröffnen?

            Nachdem der Ausgang der FIDE- und ECU-Wahlen in Tromsø meinen Kurs nicht widerlegt hatte, nahmen die Spannungen zu. Drei der genannten Vizepräsidenten hatten meinen Kurs massiv bekämpft und sich teilweise sogar über einen 80%-Mehrheitsbeschluss des Hauptausschusses in Frankfurt, Ende Mai 2014,*hinwegsetzen wollen. Ob man mein Vorgehen in dieser Frage nun „mangelnde Dialog- und Kompromissbereitschaft“ oder „Durchsetzungsvermögen“ nennt, ist eine Frage der Perspektive.

            Richtig ist, dass mein Führungsstil sich besonders in der Frage der Transparenz und Fairness von dem meiner Kritiker unterscheidet. Vielleicht haben wir gerade deswegen in der FIDE und beim DOSB wieder Fuß gefasst!?
            Ansonsten liegt der Schwerpunkt der Arbeit Woltmanns auf seiner Seite, auf der während der Nichtaufrufbarkeit der Seite wohl tatsächlich „unter Hochdruck gearbeitet“ wurde, auf der Begründung nicht nur seines eigenen Verhaltens bezüglich der drei Leserbriefe, die nun wieder, allerdings um die brisantesten Stellen gekürzt, aufrufbar sind, sondern auf der Begründung für seinen Rücktritt vom DSB-Präsidium. Neben den bekannten Vorwürfen von Langer und ihm selbst, dringen nun neue Vorwürfe an die Öffentlichkeit. So beschreibt Woltmann, wie während den FIDE-Wahlen in Tromsö nicht nur die deutsche Schachöffentlichkeit von der Wahl Bastians zum FIDE-Vize-Präsidenten (Woltmann: Bastian habe die "außenpolitische Tradition des DSB für einen Posten verkauft"), sondern auch das DSB-Präsidium völlig überrascht und vor vollendeten Tatsachen gestellt worden sei. Mehr noch, so habe Bastian Michael Langer in Tromsö für das „Verification Committee“ [Kommission für Wirtschaftsprüfung, siehe #1] gegen dessen Wissen nominiert, schließlich gegen dessen Willen dort belassen und trotzdem weiterhin von Langer Loyalität verlangt. Diese Darstellung ist sicherlich interessant, weil schließlich in der deutschen Schachöffentlichkeit bekannt ist, daß außer Herbert Bastian im DSB-Präsidium niemand mit der FIDE unter Kirsan Iljumschinov zusammenarbeiten wollte.

            Wie Woltmann selbst beschreibt, sind Fortsetzungen in diesem Fall „wahrscheinlich“. Nun ist wieder der DSB-Präsident am Zug. Die Waffen der Protagonisten im DSB-Präsidium sind ihre Worte. Es wird spannend in Halberstedt.
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              #7
              AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

              Es gab tatsächlich eine Kampfabstimmung. Herbert Bastian mußte sich in Halberstedt mit dem zurückgetretenen Joachim Gries messen. Es war heiß in Halberstedt. Die erste Abstimmung mußte wegen zuviel abgegebenen Stimmen wiederholt werden. Im 2. Wahlgang setzte sich der DSB-Präsident dann denkbar knapp mit 109 zu 76 bei 29 Enthaltungen und 2 ungültigen Stimmzetteln gegen Joachim Gries durch. Damit bleibt Herbert Bastian DSB-Präsident und geht als Sieger aus einem harten Wahlkampf hervor, der offen war wie noch nie in der Geschichte des DSB.

              Neue Vizepräsidenten im DSB sind Ralf Chadt-Rausch, Klaus Deventer und Uwe Pfenning. Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, daß ein Vizepräsident fehlt. Das liegt daran, daß es keinen Kandidaten für das Ressort für Leistungsschach und Öffentlichkeitsarbeit gab. Zum ersten Mal wurde ein DSB-Kongreß im Internet live übertragen.

              Ausführlicher Bericht: http://de.chessbase.com/post/herbert...wiedergewaehlt

              Vorstellung der neuen Vizepräsidenten: http://www.schachbund.de/news/wahlen...lberstadt.html
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                #8
                AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

                Aus meiner Sicht, hat der Ausgang der Wahl doch wieder einiges ins rechte Licht gesetzt: Eine klare Mehrheit hat sich hinter die bislang geleistete Arbeit von Herbert Bastian gestellt und ihm als alten und neuen DSB-Präsidenten das Vertrauen ausgesprochen für seine künftigen Aufgaben.

                Was immer Herr Bastian falsch gemacht haben mag und ihm Herr Gries & Co vorzuwerfen hatten – auf mich wirkte die Vorgehensweise dieser Herren im Vorfeld dieser Wahl doch sehr anrüchig und hinterhältig: Mal schnell als Vizepräsidenten zurücktreten und die Dreckschleuder anwerfen, während der DSB-Präsident selber in China weilte und keine Chance hatte, sich zu den Vorwürfen zu äußern oder doch erst einige Zeit später.

                Die Vorgehensweise dieser Herren hatte für mich doch eher den Anstrich eines gescheiterten Putschversuches. Gentlemans sind sie jedenfalls nicht. Ich bin jedenfalls froh, daß ihnen der Coup nicht geglückt ist: Mal schnell als Vizepräsidenten zurücktreten, die Öffentlichkeit aufwiegeln, um schließlich Herrn Gries als DSB-Präsidenten zu installieren.

                Ich wünsche Herrn Bastian, dem alten und neuen DSB-Präsidenten, Erfolg bei seiner weiteren Arbeit, zum Wohle des DSB und seiner Mitglieder. Und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen neuen Vizepräsidenten. Fehler, die er in der Vergangenheit begangen haben mag, wird er, ich bin sicher, schonungslos analysieren und, ich hoffe, vor allem – daraus lernen. Viel Erfolg!
                „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

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                  #9
                  AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

                  nur am Rande zum Thema: Kasparov nicht zu unterstützen war sicher die richtige Wahl. Seine Meriten als Schachspieler sind natürlich unbestritten, aber ansonsten hat er, egal was er begonnen hat, wirklich nur verbrannte Erde hinterlassen.

                  "Um als Präsident für alle überzeugen zu können, muss er noch an seinem diplomatischen Geschick arbeiten." - das ist wirklich noch sehr höflich ausgedrückt...

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                    #10
                    AW: DSB-Präsidium bricht mit dem DSB-Präsidenten

                    Die Kritik an Garri Kasparov bezüglich der "verbrannten Erde" seiner Politik ist natürlich vertretbar. Deswegen wird als Problem weniger die dezidierte Abgrenzung Herbert Bastians gegenüber dem Kasparov-Lager gesehen als vielmehr seine offenbar auch nicht mit den DSB-Gremien abgesprochene Annäherung an Iljumschinov, die wohl mit dem Amt der FIDE-Vizepräsidentschaft belohnt wurde und die außer Bastian selbst im DSB-Präsidium niemand wollte. Damit brach Herbert Bastian mit der Tradition des DSB, sich von der offiziellen FIDE zu distanzieren und eine eigene Politik zu vertreten, weil die Politik Iljumschinovs, was Bestechung, Zusammenarbeit mit Diktatoren wie Saddam Hussein oder Muammar al Gaddafi, oder verfehlte Konzepte rund um Bedenkzeitkürzung und mißratenes WM-Format in der Zeit der KO-Wettkämpfe angeht, fundamental den Werten und Normen gegenübersteht, die eine Zusammenarbeit erst möglich machen. Insofern wäre für mich die Kritik an Kasparov glaubwürdiger gewesen, wenn diese mit einer ebenso klaren Äquidistanz gegenüber Iljumschinov verbunden wäre. Ich gebe aber zu, daß die deutschen Kollegen vom Fußball da schon weiter sind, was die Zusammenarbeit mit ominösen Weltorganisationen in der betreffenden Sportart angeht.
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