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Vincent Keymer - "unser Magnus"

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    Vincent Keymer - "unser Magnus"

    Besser als Magnus Carlsen in dessen jeweiligem Alter ist übrigens noch ein weiterer Schachspieler, nämlich der Deutsche Vincent Keymer. Nur wird es naturgemäß länger dauern, bis sich dieser Spieler mit Carlsen bei einer WM messen kann. Vielleicht wird sein Gegner auch besagter Wei Yi sein. Alles ist möglich.

    Abgetrennt aus https://www.schachburg.de/showthread...em-Schachbrett , wo sich die Diskussion entwickelte, Kiffing
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    #2
    AW: Krieg auf dem Schachbrett

    Der Ex-Chemnitzer Großmeister Mathias Womacka, der 2002 in Gausdal auch schon gg. den damals 11-jährigen Magnus Carlsen spielte (und gewann), traf beim diesjährigen Pfalz-Open in Neustadt in der 4. Runde auf Vincent Keymer und schaffte mit Weiß nur mit einiger Mühe ein Remis gg. den 10-jährigen.

    Kürzlich äußerte sich GM Womacka wie folgt über die beiden Wunderknaben: “ Ich wurde in Neustadt unwillkürlich an Gausdal 2002 erinnert, als ich auf einen 11-jährigen Norweger traf. Damals war ich sehr verwundert über meine großen Probleme, den Knirps zu besiegen. Gegen Vincent ist mir das nun nicht mehr gelungen. Auch sonst zeigte der junge Norweger anno 2002 zwar beachtliche Ansätze, war aber meilenweit von einer Keymerschen Performance um die 2500 entfernt. Für sein vergleichsweise bescheidenes Talent hat er sich jedoch nicht schlecht entwickelt. Es handelt sich um einen gewissen Magnus Carlsen... Natürlich hinkt der Vergleich, zeigt aber dennoch Vincents Potenzial. Hoffentlich ist der Standort Deutschland (Stichwort >Bildungsystem<) kein zu großes Handicap für seine Entwicklung. “

    In der 9. Runde unterlag, ebenso wie in Runde 3 der Großmeister A. Karpatschew, schließlich auch der griechische Großmeister Spyridon Skembris gegen den 10-jährigen und sagte dazu: “ Vincent ist definitiv das größte Talent, das ich je gesehen habe. Und ich arbeite schon sehr lange als Trainer. Er versteht sehr genau, was er tut! Dabei guckt er gar nicht aufs Brett. Und wenn er mich einmal ansah, hatte ich das Gefühl, daß er durch mich hindurch blickte. Das war etwas seltsam. Aber mein Eindruck von ihm ist sehr positiv. Ich hoffe, daß sein Umfeld dafür sorgt, daß er auf dem Teppich bleibt. Wenn mir jemand gesagt hätte, daß ich einmal gegen einen Zehnjährigen verlieren werde, hätte ich es nicht geglaubt! Er spielte wie eine kleine Maschine. Sehr schnell und sehr genau. So etwas hatte ich zuvor noch nicht gesehen.“

    Im Artikel “ Wie stark ist Vincent Keymer? “ in der Schachzeitung SCHACH 4/2015 könnt Ihr mehr über den 10-jährigen deutschen Wunderknaben nachlesen.
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      #3
      AW: Krieg auf dem Schachbrett

      Danke für die interessanten Einschätzungen zweier GMs, deren schachliches Urteil natürlich eine gewisse Aussagekraft hat, zu Vincent Keymer. Beide Großmeister beurteilen das einzigartige Potential von Keymer korrekt, trotzdem hätte ich zu beiden Großmeistern jeweils eine kritische Anmerkung:

      Zu GM Womacka:
      Hoffentlich ist der Standort Deutschland (Stichwort >Bildungsystem<) kein zu großes Handicap für seine Entwicklung.
      Das sehe ich weniger problematisch. Schließlich stimmen in diesem Land die Strukturen soweit, daß Keymer entdeckt und entsprechend gefördert werden konnte (was in diversen Drittweltländern nicht unbedingt gegeben sein muß). Und Weltklassespieler gibt es in Deutschland genug, und die Anzahl an Turnieren soll, wie ich einmal gelesen habe, die höchste der Welt sein. Wer hier Schach lernen kann, kann das also tun, und ich kann mir angesichts des neuen Schwerpunkts des DSBs auf die Eliteförderung (Stichwort: "Prinzengruppe") durchaus vorstellen, daß der Verband, was die Förderung von Keymer angeht, durchaus etwas springen läßt. Die Aussicht, einmal einen Weltmeister zu stellen, ist doch attraktiv.

      Zu GM Skembris:
      Ich hoffe, daß sein Umfeld dafür sorgt, daß er auf dem Teppich bleibt.
      Ehrlich gesagt, sähe ich an Keymers Stelle dafür keinen Anlaß, wenn ich mit 10 Jahren in Turnieren bereits auf GM-Niveau performen würde. Da zöge ich einen Höhenflug einem langweiligen Auf-dem-Boden-Bleiben doch lieber vor.
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        #4
        AW: Krieg auf dem Schachbrett

        Mit “ auf dem Teppich bleiben “ meinte GM Skembris sicher die Gefahr von Überheblichkeit, die sich irgendwann einschleichen könnte und die wirklich Gift wäre, für die weitere Entwicklung des Jungen. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler scheint aber auch hier erst einmal das richtige Rezept zu haben, denn er hält sich bedeckt, wenn ihn die Medien auf sein Nachwuchstalent Vincent Keymer ansprechen und sagt, daß er es gern noch ein bißchen “ vor der Welt verstecken “ möchte. Gut so, finde ich.

        Gegen einen Höhenflug ( ), im Sinne von maximaler schachlicher Entwicklung oder von Sieg zu Sieg zu eilen oder auch die Aussicht, einmal einen Weltmeister zu stellen - ich denke, dagegen hat erst mal niemand etwas einzuwenden.

        Im Moment scheinen die Weichen erst einmal richtig gestellt. Im März weilte Vincent Keymer bei einem dreitägigen Lehrgang mit dem russischen GM Romanow an der Karpow-Schachakademie in Hockenheim. Die Schule stellte den Jungen für diesen Trainingslehrgang frei. Aber die verpasste Klassenarbeit muß er nachschreiben.

        Was konkret GM Womacka meinte mit “Hoffentlich ist der Standort Deutschland (Stichwort >Bildungssystem<) kein zu großes Handicap für seine Entwicklung.“ kann ich nicht genau beantworten, bin mir aber sicher, daß es gute Gründe sind. Da ist ja zunächst erst einmal die Schule, später das Gymnasium, dann das Studium u.sw. – also schlicht die Mehrgleisigkeit.

        Ich bin nicht sicher, ob ich mich richtig ausdrücke, aber wenn sagen wir mal 50% der eigenen Energien für nichtschachliche Dinge verwendet werden müssen, dann werden die verbleibenden 50% Energien mit Sicherheit NICHT reichen, um einmal in die absolute Weltspitze vorzudringen, geschweige denn einmal Weltmeister zu werden.

        Es ist also nicht allein damit getan, ein Ausnahmetalent zu entdecken und zu fördern. Eine ganz andere Sache ist es, es OPTIMAL zu fördern.
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          #5
          AW: Krieg auf dem Schachbrett

          Hier auch ein Vergleich der Elo-Entwicklung der vier Prinzen zu den Elo-Entwicklungen der Weltspitze ihrer Altersklasse:


          --------------------------Juli----Aug----Sept----Okt----Nov 2014----aktuell: März 2015

          Matthias Blübaum---------2510---2519---2521---2530------------------------2586
          *1997

          Dennis Wagner-----------2485---2499---2499---2490---2484-----------------2544
          *1997

          Rasmus Svane-----------2494---2497---2506---2506---2509-----------------2513
          *1997

          Alexander Donchenko----2499---2506---2501---2501---2523-----------------2567
          *1998



          Jan Krzysztof Duda------------------------------------2599-----------------2608
          (Polen) *1998

          Wei Yi------------------------------------------------2641-----------------2703
          (China) *1999

          Wladislaw Artemjew-----------------------------------2666-----------------2671
          (Rus) *1998



          Nun können Zahlen in diesem Entwicklungsstadium durchaus relativ sein, dennoch ist zu sehen, daß es noch ein weiter Weg der deutschen Prinzen bis zur Weltspitze in ihrem Altersbereich ist.

          Es könnte sich also auch hier die Frage stellen, ob der Standort Deutschland für die schachliche Entwicklung nicht vielleicht doch Defizite aufweist, die es aufzuspüren, zu benennen und abzubauen gilt.
          Zuletzt geändert von Birliban; 12.04.2015, 22:24. Grund: verrutschte Darstellung
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            #6
            AW: Vincent Keymer - &quot;unser Carlsen&quot;

            Hier ein ausführlicher Bericht von Hartmut Metz über Vincent Keymer: http://www.rochade-kuppenheim.de/wei...leichen-alter/ Das Wunderkind wird ein wenig vorgestellt, es wird auch auf "sein" Turnier eingegangen, dem Pfalz-Open, und wie der 10jährige es schaffte, an dieser Stelle gleich zwei Großmeister zu bezwingen. Bundestrainer GM Dorian Rogozenko: "Ich hoffe allerdings sehr, daß er ´unser Magnus´ wird."
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              #7
              AW: Vincent Keymer - &quot;unser Carlsen&quot;

              Bei den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften 2015 startete Vincent Keymer in der U16 und war damit 4-5 Jahre jünger als seine Kontrahenten in dieser Altersklasse. In der Setzliste auf Platz 5, schaffte er am Ende einen großartigen 2. Platz, noch vor dem Favoriten Roven Vogel, der, auf Platz 1 in der Setzliste, am Ende “nur“ den undankbaren 4. Platz belegte.

              http://www.deutsche-schachjugend.de/...u16/tabelle/9/
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                #8
                AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                Der Focus hat sich nun auch dem Phänomen Vincent Keymer gewidmet, was interessant ist, denn hier könnte sich eine Entwicklung Bahn brechen wie in Estland, Lettland, den Niederlanden, den USA und aktuell natürlich Norwegen, wo ein einzelner Weltstar für einen Schachboom in deren Heimatländern sorgt. Chessbase hat auf den Focus-Artikel aufmerksam gemacht und ein paar Aspekte des Artikels vorgestellt, was schon deswegen wichtig ist, weil der Focus-Artikel über Vincent Keymer der Öffentlichkeit auch im Internet nicht frei zugänglich ist. Dort erfahren wir neben Keymers legendärem Pfalz-Open weitere Neuigkeiten über das Wunderkind, die vielleicht noch nicht so bekannt sind:

                - Vincent Keymer hat Schachaufgaben, die Carlsens Trainer Jewgeni Anatoljewitsch Romanow dem norwegischen Weltmeister noch vor einem Monat gestellt hatte, genauso schnell gelöst wie er.

                - Vincent Keymer hat schon jetzt eine Elo-Zahl von 2338

                Der letzte Punkt ist auch interessant bei der Fragestellung, ob Keymer den Rekord des jüngsten Großmeisters aller Zeiten bricht. Den Rekord hält momentan Sergei Karjakin mit 12 Jahren, sieben Monaten und 0 Tagen.
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                  #9
                  AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                  Chessbase, und damit ist die englischsprachige Sektion gemeint, hat der Familie Keymer einen Besuch abgestattet und, was auch nicht unwichtig ist, ein Treffen zwischen Garri Kasparov und womöglich einem seiner großen Nachfolger arrangiert. Garri Kasparov und Vincent Keymer trafen sich also. Natürlich spielten sie auch Schach miteinander. Um an dieser Stelle auf ein anderes Schach-Wunderkind themengerecht aufmerksam zu machen, so sollte an das Schnellschachturnier gedacht werden, an dem der noch aktive, damals unumstritten stärkste Spieler der Welt, Kasparov, auf den 13jährigen Magnus Carlsen traf und dort remisierte. Für den immer vor Ehrgeiz brennenden Kasparov muß dieses Spiel wie eine kalte Dusche gewirkt haben. Nun traf er also auf ein weiteres Wunderkind, und dieses ist nochmal drei Jahre jünger. Was passierte nun?

                  Spätestens hier sollte daran erinnert werden, daß Garri Kasparov seit seiner damaligen Begegnung mit dem jungen Magnus Carlsen weiter an Persönlichkeit dazugewonnen hat. Er beendete seine Schachkarriere 2005, um sich in der russischen Politik Diktator Wladimir Putin und später in der Schachpolitik dem ähnlich verrufenen FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinov, ein Protegé des Kremls, entgegenzustellen. Garri Kasparov hat auf dem Schachbrett, aber auch neben dem Schachbrett viele Kämpfe ausgefochten, die an Bedeutung fast die Himmelssphären bedecken; der Mann sieht alt aus, verbraucht und vom Leben gezeichnet; aber er ist nun weise, an Erfahrung reich und weiß um seinen Wert. Sein Gegner ist ein Kind, ein Genie, jung, unverbraucht; ihm gehört die Zukunft; was ihn erwartet, können momentan nur die Götter wissen. Noch umgibt ihn die kindliche Unschuld, aber auch die Hoffnung. Niemand weiß heute, ob er später in Kasparovs heutigem Alter Kasparov schachlich erreicht oder sogar übertreffen wird. Und niemand weiß heute, ob, und wenn ja, welche Werte ihn zu welchen Kämpfen später führen werden, und ob er später, wenn er diese Kämpfe führen wird, an den Erfahrungen zerbrechen wird, oder ob er die Welt verändern wird. Niemand weiß, wenn das alles geschieht, in welche Richtung hin er die Welt verändern wird. Der eine wuchs in der schrecklichen Sowjetunion in ihrer Endphase auf, der andere wird in einem zerbrechenden Europa aufwachsen und sich mit den bösen Geistern auseinandersetzen müssen, die an dessen Stelle treten werden. In seinen erst 10 Jahren hat Vincent Keymer schachlich mehr geleistet als nahezu jeder Erdenbürger in seinem gesamten Leben, aber in Relation zu seinem Lebensalter ist er fast ein unbeschriebenes Blatt. Beide gehören sie zu den Giganten, denen das Schicksal keine Zaungastrolle wie die der allermeisten Menschen zugedacht hat, sondern die der Kämpfer und Gestalter.

                  Nun saßen sich beide also gegenüber, der Koloß der Vergangenheit und der Koloß der Zukunft. Noch ist der eine der Lehrer und der andere der Schüler. Was dann geschah, und zu welchen Schlußfolgerungen der unsterbliche Garri Kasparov gekommen ist, das lest bitte hier: http://en.chessbase.com/post/chess-t...nt-meets-garry Kommentare und Analysen sind natürlich gern gesehen.
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                    #10
                    AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                    Um noch einmal auf die Diskussion zurückzukommen, in wieweit die Strukturen in Deutschland im Vergleich zu vergleichbaren Ländern stimmen, so hatte und hat Wei Yi den Vorteil, daß er in China nach Johannes Fischer offenbar mit 8 Jahren in ein Schachinternat aufgenommen wurde und mit 12 Jahren die Schule verlassen durfte, um sich voll und ganz dem Schach zu widmen. So etwas ist in Deutschland bekanntlich nicht möglich, denn in Deutschland herrscht bekanntlich eine zehnjährige Schulpflicht, und es gibt auch nicht die Möglichkeit eines Home-Schoolings (was bspw. in den USA möglich wäre).

                    Wer sich hier angesichts des Vergleichs erschrecken sollte - schließlich dürfte Vincent Keymer früher oder später mit Wei Yi die Klingeln kreuzen (das braucht erst einmal kein WM-Kampf zu sein) -, dem rate ich zur Gelassenheit. Erstens bieten gute Schulen Talenten die Möglichkeit, sich für wichtige Sportwettkämpfe beurlauben zu lassen. Zweitens wirkt eine gute Allgemeinbildung auch indirekt auf Schach wegen des vernetzten Denkens und der besser geschulten didaktischen Aufnahme auch von Schachstoff. Und drittens könnte bei einer solchen Einseitigkeit der Beschäftigung früher oder später ein Abnutzungseffekt auftreten, der sich selbst dann, wenn der Chinese sich noch äußerlich diszipliniert zeigt, negativ auf sein Spiel auswirken dürfte. Noch ist das letzte Wort also nicht gesprochen, wer mit der Zeit im Schach die Oberhand behalten wird. Ich bin gespannt auf die Zukunft, sollte die Welt, so wie wir sie kennen, bis dahin noch bestehen bleiben.
                    Zuletzt geändert von Kiffing; 27.12.2015, 19:57. Grund: Wortfehler ausgemerzt
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                      #11
                      Schachtalent Vincent Keymer - Momentaufnahme Ende 2015

                      Vincent Keymer hat nach der unglücklichen Jugendweltmeisterschaft 2015 auch an 2 deutschen Meisterschaften teilgenommen. Im Blitz und der Einzelmeisterschaft.
                      Für einen 11-jährigen sind Teilnahme und Ergebnisse herausragend und sind national vermutlich einmalig (Robert Hübner spielte z.B. 1961 als 12-Jähriger um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft an Brett 8 mit 5 aus 7 in der Endrunde).
                      Nigel Short trat mit 12 Jahren zum ersten Mal bei der britischen Meisterschaft an.

                      Allerdings haben sich die Zeiten geändert und damit auch die Konkurrenz und die Maßstäbe.
                      Riesentalente tauchen verstärkt auf, wie man auch gerade bei den Quatar Open sieht.
                      Bessere Schachinformation und bessere Schachausbildung machen dies möglich.
                      Statt singulärer Talente in Abständen von zig Jahren tauchen heutzutage Talentgruppen auf.
                      Sich da durchzusetzen und daraus abzuheben ist eine ganz andere Aufgabe als zu Hübners, Pflegers Zeiten, um nur die deutsche Ebene der Jungtalente anzusprechen.

                      Eine Beurteilung von Vincents Leistungen fällt mir s(ch)achlich schwer. Ich kann nur meine Eindrücke und mein Gefühl sprechen lassen.

                      Die Blitzmeisterschaft mit 12 aus 31 ist kein Fingerzeig für spätere engere Weltspitze.
                      Blitzleistungen gerade junger Spieler zeigen ihr "angeborenes" Gefühl für das Spiel und die Harmonie der Figuren.
                      Taktisch scheint Vincent in den letzten klassischen Turnierpartien einiges übersehen und zugelassen haben, was man von einem schachlichen Riesentalent in der Teildisziplin Taktik (Mustererkennung, Fantasie, Gespür, Rechenkraft, Konzentration, Selbstvertrauen) eigentlich weniger erwartet.

                      Das Riesentalent Wei Yi, ein Taktikmonster, steht in Quatar bei für einen 2700er unbefriedigenden 1,5 aus 4.
                      Man sieht: Auch bei anderen Talenten gibt es Rückschläge und Formkurven.

                      Auf die Entwicklung von Vincent Keymer darf man gespannt sein. Heutzutage kann man die öffentliche geführten Diskussionen "Wie stark wird er? Hat er das Potential für den WM-Titel?" noch weniger aussparen als früher.
                      Ich denke aber, daß öffentlich geäußerte Entwicklungsprognosen und Erwartungen für Kinder im Alter von 8-14 Jahren eher hinderlich sind und mehr der Glaskugelguckerei der Schach-Voyeure geschuldet sind, als sich mit Ursachen und Wirkungen auseinanderzusetzen.

                      Somit habe ich mit meinen Beiträgen dem Jungen Vincent auch ein (hoffentlich kleines) Hindernis für seine Karriere in Weg gelegt.
                      Wenn er jetzt und in den nächsten Jahren nicht liest, was man von ihm erwartet wird und wie er eingeschätzt wird, dann umso besser!

                      Ich wünsche ihm, daß er alle Hindernisse bewältigt und schachlich den Weg beschreitet, der seinem Talent und seinen (sich noch entwickelnden) Interessen im Leben entspricht.

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                        #12
                        AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                        Vincent Keymer selbst hat gegen Medienpräsenz nichts einzuwenden, und vielleicht ist diese für ihn eine weitere Motivationsspritze für weitere herausragende Leistungen (stellen wir uns einmal vor, welche Motivation es für ihn wäre, eine Riesentat nach der anderen auf dem Schachbrett zu leisten, um dann von den wohlmeinenden Medien völlig ignoriert zu werden). Bei Terra X: Supertalent Mensch tritt er jedenfalls zusammen mit Blindsimultanweltrekordler Marc Lang auf. In der Reihe werden Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten vorgestellt. Die Sendung gibt es am 3.1.2016 um 19:30 im ZDF. Hier ein wenig Einstimmung: http://de.chessbase.com/post/terra-x-supertalent-mensch
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                          #13
                          AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                          http://de.chessbase.com/post/bluebau...-young-masters

                          Beim Accentus Young Masters in Bad Ragez (5.-14. April 2016), einem GM-Rundenturnier mit Eloschnitt 2475, verlor Vincent Keymer alle 9 Partien. Für die einen eine Hiobsbotschaft, für die anderen ein klarer Fingerzeig dafür, daß es keine gute Idee war, den Jungen bei diesem starken Turnier starten zu lassen.

                          „ Nachdem Roven Vogel aus schulischen Gründen leider nicht spielen konnte, fiel ein zweiter Startplatz für Deutschland an Vincent Keymer. Für den Elfjährigen aus Saulheim ist dieses Rundenturnier seine wohl größte Prüfung in der bisherigen Schachkarriere. “ - hieß es dazu auf der Website des DSB: http://www.schachbund.de/news/grossm...enturnier.html

                          War es für den 11-Jährigen aus Saulheim seine wohl größte Prüfung - oder seine wohl größte Überforderung in seiner bisherigen Schachkarriere? Wie denkt Ihr darüber?
                          „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

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                            #14
                            AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                            Hinterher ist man natürlich immer klüger. Soviel wie ich gehört habe, hatte er am Anfang des Turniers durchaus seine Chancen gehabt, als diese Partien aber verlorengingen, konnte er auch spielerisch nicht mehr mithalten, es kam zu einem Einbruch. Ein Fehler war dieses Turnier aber m. E. nicht, denn die Erfahrung wird ihm helfen, seine Schwächen zu erkennen, und an ihnen wird er wachsen. Gerade bei diesem Talentpotential bringen einem Spiele gegen stärkere Gegner weiter, der Trainer des jungen Kasparovs, Botwinnik, wollte z. B., daß sein Schützling nicht zu der Junioren-WM 1980 in Dortmund fährt - dieses war ein Schweizer-System-Turnier -, sondern in starken Gruppenturnieren weiter gefordert wird. Ich denke, daß Keymer so etwas in Zukunft nicht mehr passieren wird.
                            Alles wartet auf das Licht
                            Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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                              #15
                              AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                              Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
                              Ich denke, daß Keymer so etwas in Zukunft nicht mehr passieren wird.
                              Der Härtetest beim Accentus Young Masters, scheint gut einen Monat später also doch keine negativen Spuren bei ihm hinterlassen zu haben: Im A - Turnier der 31. Internationalen Hasslocher Schachtage hat er nun den 3. Platz erspielt ( http://www.schachclub-1926-hassloch....ll_ranking.php ) und satte 45 Wertungspunkte dazugewonnen ( http://www.schachclub-1926-hassloch....20-800-HSA.pdf ).

                              " Ein kleiner Fehler von Zeit zu Zeit / Versöhnt mit der Unsterblichkeit. "
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                                #16
                                AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                                Das zeigt Kampfstärke, dass er die 0/9 so gut weggesteckt hat. Ist sicher für jeden, erst recht einen 11-jährigen schwer jeden Tag nur zu verlieren... Da zweifelt man irgendwann an sich selbst.

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                                  #17
                                  AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                                  Vincent Keymer ist bei der morgen beginnenden Kadetten-WM übrigens auf Platz drei gesetzt, hinter Praggnanandhaa R und Sindarov Javokhir.

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                                    #18
                                    AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                                    Es war in letzter Zeit etwas ruhiger geworden, um das wohl größte deutsche Talent Vincent Keymer. Artur Jussupow, sein neuer Trainer, gab in SCHACH 4/2017, in einem Interview mit Dirk Poldauf, einen Einblick zum Stand der Dinge.

                                    Sie fungieren heute selbst als Trainer und haben einen guten Einblick. Inzwischen arbeiten Sie auch mit dem wahrscheinlich größten deutschen Talent, mit Vincent Keymer.

                                    Unsere Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen, wir wollen sie ausbauen. Er geht ja auch zur Schule und muß noch andere Dinge tun. Normalerweise haben wir zwei, drei Einheiten pro Woche. Nicht sehr lange. Das läuft über Internet, da wir an verschiedenen Orten leben. Drei bis fünf Stunden pro Woche sind natürlich eigentlich zu wenig.
                                    Ein Problem für Vincent war, dass er zuvor mit sehr vielen verschiedenen Trainern gearbeitet hat. Das war wahrscheinlich zu viel für ihn, er hatte ein bisschen den Überblick verloren.
                                    Es gibt noch sehr viele Baustellen, an denen wir arbeiten müssen.. Er ist noch sehr jung, gerade mal zwölf Jahre. Wir müssen behutsam vorgehen. Seine Eltern legen auch wert darauf, dass er die Schule nicht vernachlässigt.

                                    Wie würden Sie Vincents Potenzial einschätzen? Seine Gegner, darunter Großmeister, äußern sich teils euphorisch.

                                    Er hat für sein Alter eine sehr gute Elozahl, aktuell 2401. Das spricht für seine Stärke. Ich sehe jedoch auch, dass er noch viele Probleme hat. Aber trotz all der Baustellen eine so hohe Zahl – das allein zeigt schon das große Potenzial. Wenn hier vernünftige Arbeit ansetzt, kann er sehr stark werden. Allerdings muss man ihm Zeit geben. Er steckt ja mitten in seiner Entwicklung. Bis er etwa sechzehn ist, ist es schwer, verlässliche Prognosen darüber anzustellen, was er wirklich erreichen kann. Man muss ihm Zeit geben.. Ein Problem ist, dass bereits Druck auf ihn ausgeübt wird.

                                    Sind die Erwartungen schon so hoch?

                                    Sie selbst fragen mich doch gerade nach ihm! (lacht) Das ist es, was ich meine. Man muss ihm Zeit lassen, sich in Ruhe zu entwickeln. Nicht zu sehr forcieren, kein Druck, sondern Kontinuität.

                                    Beim >Young Masters< in Bad Ragaz hat er im April vorigen Jahres alle neun Partien verloren...

                                    Ja, das ist eine Geschichte, in deren Vorfeld viele Fehler passiert waren. Er war damals wohl noch nicht bereit, für ein Turnier dieser Qualität (Elodurchschnitt 2475). Diese Sache war dann aber auch der Beginn unserer Zusammenarbeit.
                                    Hans-Walter Schmitt hatte mich kontaktiert und meinen Rat gesucht. Bis dahin glaubte ich den Jungen gut aufgehoben, aber das war vielleicht doch nicht der Fall. Er hatte zu viele Trainer gleichzeitig, das führte zu gewissen Problemen. Und dann kam dieses Turnier dabei heraus. Aber das war kein Beinbruch, er hat die verlorenen Elopunkte schnell wieder zurückgewonnen (lacht), hat den Misserfolg also gut weggesteckt. Das zeugt von Charakter. Aber, wie gesagt, wir müssen ihm Zeit geben und vor allem die Erwartungen nicht zu hoch schrauben.

                                    Haben Sie weitere Schüler?

                                    Ja, ich trainiere einige Junioren unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Stärke.

                                    Die Trainertätigkeit steht bei Ihnen heute also an erster Stelle?

                                    So kann man es sagen. Alle Schüler sind mir wichtig. Wenn Vincent zum Beispiel ein Turnier spielt, versuche ich, Kontakt zu ihm zu halten. Im Moment spielt er in Cannes und es läuft nicht gut. Wir versuchen trotzdem, jeden Tag über Skype miteinander zu sprechen. Manchmal fahre ich auch mit zu den Turnieren, mit den Schweizern war ich bei Welt- und Europameisterschaften. Nun werde ich versuchen, Vincent zu ein paar Turnieren zu begleiten. Das ist sehr wichtig für junge Spieler. Wahrscheinlich werde ich Vincent bei der Deutschen Meisterschaft im Juni in Apolda betreuen.
                                    „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

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                                      #19
                                      AW: Vincent Keymer - &quot;unser Magnus&quot;

                                      Es ist auch mein Eindruck, daß sein Altersgenosse, der Inder R Praggnanandhaa, ihm ein wenig den Rang abgelaufen hat. An guten Tagen kann Vincent Keymer einen GM-Skalp erbeuten, bei Praggnanandhaa gehört das schon zur Routine. Und der Usbeke Nodirbek Abdussattorov ist auch nicht zu verachten.

                                      Aber kein Grund zur Beunruhigung, er hat noch so viele Jahre, sich signifikant weiterzuentwickeln und große Sprünge zu machen. Er hat mit Artur Jussupov den perfekten Trainer, zu dessen Philosophie es u. a. gehört, seinen Schülern nicht seinen eigenen Stil und das dazugehörige Eröffnungsrepertoire aufzuzwingen, sondern sie hinsichtlich ihres eigenen Stils zu unterstützen, den er sehr gut erkennen kann. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber wie Jussupovs ehemaliger Mentor und langjähriger Weggefährte Mark Dworetzki meinte, sei eine solche Vorgehensweise bei Schachtrainern gar nicht so selten.

                                      Das vorgestellte Trainingspensum mag im Vergleich zur Spitzenförderung etwas wenig erscheinen. Das könnte sicherlich verbessert werden. Andererseits bin ich davon überzeugt, daß eine hohe allgemeine Bildung für eine Schachkarriere durchaus förderlich ist, weil die erworbenen Kompetenzen Rückkopplungseffekte auch für das Schach bedeuten und allgemein Techniken des Lernens erworben werden, die auch für das Schachspiel angewandt werden können. Eine intelligente und gebildete Person geht mit seinem vernetzten Denken einfach anders mit Lehrstoff um, egal aus welchem Gebiet dieses kommt, als eine Art "Fachidiot", der sein ganzes Leben nur für eine Sache getrimmt wurde und zudem leicht in Gefahr gerät, die fürs Spitzenschach notwendige Begeisterung zu verlieren.
                                      Alles wartet auf das Licht
                                      Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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