Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Mit 17 Jahren zum GM - die Erfolgsstory des Jan-Christian Schröder

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Mit 17 Jahren zum GM - die Erfolgsstory des Jan-Christian Schröder



    Auch wenn die Glanzzeit des deutschen Schachs rund um Weltklassespieler wie Adolf Anderssen, Siegbert Tarrasch und Emanuel Lasker schon etwas zurückliegt, so ist Deutschland traditionell unter den Titelträgern sehr stark im internationalen Vergleich vertreten. Den zweiten Platz hinter dem unaufholbar scheinenden Rußland unter den GM-Trägern wurde erst in jüngster Zeit an die aufstrebenden USA verloren. Die USA bieten aktuell 89 Großmeister auf, die Deutschen folgen knapp dahinter mit 87 Großmeistern, einen Großmeister dahinter liegt die politisch zerrissene Ukraine. Bei den IM- und FM-Trägern behauptet Deutschland aber Platz 2.

    Quelle: http://de.chessbase.com/post/die-neuen-fide-elozahlen

    Einen frischgebackenen Großmeister gibt es auch in diesen Tagen wieder zu feiern. Jan-Christian Schröder, ein 17jähriger Gymnasiast aus Limburg, erringt diesen Titel, von dem fast jeder Schachspieler nur träumen kann, in einem Alter, an dem nicht wenige Schachspieler eher am Anfang ihrer schachlichen Entwicklung stehen. Chess24, hier vertreten durch Florian Hahn, hat den jungen Himmelstürmer, der in diesem Jahr bereits mit der deutschen Jugendmannschaft den Jugendeuropatitel in Karpacz feiern konnte, zu einem Interview gebeten, auf das ich an dieser Stelle aufmerksam machen möchte.

    Eine der vielen Fragen, die ambitionierte Schachspieler interessieren, wie sie ebenfalls ihre Spielstärke drastisch steigern können, erhalten aus dem Munde eines Schachspielers, der es geschafft hat, natürlich einen besonderen Wert. Vielleicht dürfte hier Schröders Fokus auf die Eröffnungsvorbereitung für die große Schar der Taktik-Taktik-Taktik-Anhänger wie eine kalte Dusche wirken. Schröder begründet aber seine Herangehensweise:

    Das Eröffnungstraining zahlt sich oftmals schnell aus. Beispielsweise hatte ich in Karpacz in einer Partie mit Schwarz im Philidor mächtig Eröffnungsprobleme. Vor dem Politiken Cup habe ich meine Variante zu Hause dann in die Werkstatt gebracht, noch einmal tief analysiert und in Kopenhagen erfolgreich gegen die Schachlegende Jan Timman in der 5.Runde eingesetzt. In der Partie kam ich problemlos mit Ausgleich aus der Eröffnung.
    Wir hatten auf Schachburg einmal die Diskussion, ob ein schmales oder ein breites Eröffnungsrepertoire besser sei, und was diese Fragestellung angeht, so spricht sich der Limburger klar für ein schmales Eröffnungsrepertoire aus, denn:

    Einen großen Fehler, den ich bei vielen Spielern immer wieder sehe, ist ein häufiges Wechseln zwischen Eröffnungen. Auf dem Schachmarkt findet heutzutage sehr viel Werbung für die verschiedensten Eröffnungsbücher oder DVDs statt. Das macht es natürlich verlockend, sich in der Eröffnung sehr breit aufzustellen. In meinen Augen ist das jedoch ein Fehler, da es wirklich von großer Bedeutung ist, dass man seine Systeme versteht. Das schafft man normalerweise nicht, wenn man drei oder vier verschiedene Systeme spielt.
    Für die obengenannte Taktik-Taktik-Taktik-Gemeinde dürfte aber wieder versöhnlich stimmen, daß die Taktik auch für Schröder selbst weiterhin einen hohen Wert besitzt. Für ihn ist sie aber nicht das Allheilmittel, sondern eben, richtig eingeordnet, „nur“ eines von vielen, um ein kompletter Schachspieler zu werden.

    Bei Schachbüchern empfiehlt Jan-Christian Schröders Gulkos Lessons with a grandmaster und davon „insbesondere“ das erste Buch der Reihe, sowie Chess Structures von Mauricio Flores Rios. Außerdem nutzt der junge Großmeister die Musik als emotionales Stimuli vor einem Schachkampf und den Sport als Ausgleich, um eben stundenlang konzentriert am Brett sitzen zu können. Einen zweiten Teil wird es noch geben, wo Schröder u. a. zu dem Föderationswechsel von Arkadij Naiditsch Stellung nimmt.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

    #2
    AW: Mit 17 Jahren zum GM - die Erfolgsstory des Jan-Christian Schröder

    Auf Chess24 ist nun auch der 2. Teil des Interviews mit Schröder erschienen. Wie angekündigt äußert sich Schröder zu Arkadij Naiditschs Föderationswechsel nach Aserbaidschan, wo er zu Naiditschs Kritik an der nach Naiditsch lauen Förderung des Spitzenschachs durch den DSB Stellung nimmt. Schröder sagt hier, er habe sehr wohl Spitzenförderung vom DSB genossen, hier bezieht er sich als Beispiel auf das Trainingslager in Baden-Baden, wo er 8-9 mal im Jahr ein Wochenende trainieren konnte. Man solle nicht den Fehler machen, Schach mit Fußball zu vergleichen. Im Vergleich zu anderen Sportarten stehe das Schach, was die Förderung angeht, nicht schlecht da, so Schröder. Wegen weiterer Förderung möchte Schröder nach dem Abitur wie schon Blübaum und Wagner ein Schachjahr einlegen. Er sagt allerdings auch, er habe sich die letzten Monate so sehr mit Schach beschäftigt, daß bei ihm Ermüdungserscheinungen eingetreten seien. Um ein Schachprofi zu werden, müsse man das Schach lieben und sich acht Stunden am Tag nur mit Schach beschäftigen. Das könne er sich im Moment noch "beim besten Willen" nicht vorstellen. So plant Schröder nach Abitur und Schachjahr zweigleisig. Er möchte neben dem Schach studieren und schwankt derzeit zwischen Psychologie und Jura.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

    Kommentar

    Lädt...
    X