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Das Prokes-Manöver

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    Das Prokes-Manöver

    Im Endspiel sind viele taktische Motive einem bestimmten Stellungstyp zugeordnet. So hilft die Philidorstellung im Endspiel Turm gegen Turm und Bauer der schwächeren Seite, während die auch als Brückenbau bekannte Lucena-Stellung in demselben Endspieltyp ein Gewinnverfahren für die stärkere Seite darstellt. Auch das hier vorgestellte Prokesmanöver ist einem bestimmten Stellungstyp zugeordnet, denn es hilft der Seite, die sich allein mit dem Turm gegen zwei weit vorgerückte verbundene Freibauern, die sich sonst aber der drittletzten Umwandlungsreihe gegen den Turm durchsetzen, sich mit eben diesem zu behaupten. Im Prinzip geht es um ein Turmopfer mit gleichzeitigem Schach zu Räumungszwecken. Gefunden hat dieses Manöver der tschechische Schachkomponist und Meisterspieler des frühen 20. Jahrhunderts Ladislav Prokes. Nach ihm ist also das Motiv benannt. Übrigens kann diese Idee auch im Mittelspiel hilfreich sein. Und sie kann nicht nur zu Verteidigungszwecken, sondern auch für den Angriff verwendet werden. Dazu später mehr.



    Das ist die Urvariante von Prokes von 1939 in einer Studie. Weiß spielt 1. Kg4! und remisiert in allen Varianten. Geht der schwarze Bauer direkt nach d2 kann Weiß sich mit dem bekannten Schach über die lange Seite retten:

    A) 1. ...d2
    2. Kf3 Kd3
    3. Ta1 e2
    4. Ta3+ Kc2
    5. Ta2+ Kc1
    6. Ta1+ Kb2
    7. Kxe2 =

    Nach 1. ...e2 dagegen sorgt das Prokesmanöver für Abhilfe:

    B) 1. ...e2
    2. Tc1+ Td4
    3. Kf3 d2
    4. Tc4+! Kd3
    5. Td4+! Kxd4
    6. Kxe2! =

    Es folgen zwei Beispiele aus der Praxis:



    Vor heimischer Kulisse in Amsterdam 1971 wollte der Ästhet Jan Timman gegen Borislav Ivkov nicht nur gewinnen, sondern auch schön. Dafür setzte er auf eine komplizierte Kombination, die allerdings ein Loch hatte. Er spielte 1. e7? Ta8 2. f6 a3 3. Tg8?? Txg8 4. f7 und gewann die Partie am Ende, weil sein Gegner an seiner Rettung vorbeilief. Hier hätte ihm das Prokes-Manöver nämlich den Sieg beschert. Es gewinnt einfach 4. ...Txg2+! 5. Kxg2 Ke7 und der Ba2 läuft durch, während bei Weiß auch der Bf7 gestoppt ist und fällt.



    In der Partie Koz gegen Workul, Saratow 1982, spielte Schwarz mit 1. ...f4?? auf eine taktische Abwicklung, die diesmal von seinem Gegner durch das Prokes-Manöver widerlegt werden konnte. Nach 2. La3 fxe3 gewann Schwarz nicht beide Türme für die Dame, sondern nach 3. Td8+! nur einen, und das war zuwenig.



    Bei Schachar vs. Aloni, Israel 1962, war 1. ...c3 der natürliche Zug. Doch gewinnt Weiß einfach mit 2. Tb5+!! +-

    Nun seid ihr mit Weiß am Zug. Findet die Lösung aus der Studie von Hans Peter Rehm aus dem Jahr 1959, dem ersten deutschen Großmeister für Schachkomposition. Der Titel wird von der FIDE erst seit 1972 vergeben. Mit dem Hintergrundwissen dürfte euch die Lösung nun leicht fallen:



    Zur Vertiefung gibt es ein ganzes Set an Aufgaben zu dem Thema, eine Kompilation von Jan Timman: https://timkr.home.xs4all.nl/chess/prokdia.htm
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht
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