Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Wann sind im Endspiel Läufer und wann Springer besser?

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Wann sind im Endspiel Läufer und wann Springer besser?

    Die Frage, ob ein Läufer im Endspiel besser ist oder ein Springer, ist von großer praktischer Bedeutung. Auch wenn grundsätzlich die konkrete Stellung darüber entscheidet, so gibt es doch ein paar Richtlinien, um dieser Frage besser auf die Spur kommen zu können. Herman Grooten unterscheidet drei Merkmale, in denen die Läufer den Springer im Endspiel überlegen sind:

    1. Spiel auf zwei Flügeln
    2. Keine verschachtelten Bauern
    3. Keine Zentrumsbauern
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

    #2
    AW: Wann sind im Endspiel Läufer und wann Springer besser?

    Ein aktuelles Beispiel, das Grootens Feststellungen (und nicht nur seine) beleuchtet:


    Die Bundesligapartie vom 10.11.12 (R3) zwischen Klaus Bischoff und Lubomir Ftacnik ist der Kampf eines Springers gegen den Läufer bei Bauern auf einem Flügel und einem Mehrbauern für die Läuferpartei.
    Nachdem sich Bischoff vorher in Unannehmlichkeiten brachte, leistete er im Endspiel hartnäckigen Widerstand. So gelang es ihm, die Türme zu tauschen und mit obiger Konstellation zu verbleiben, was angesichts seiner Bauernschwächen f3 und insbesondere h4 immer noch ziemlich verdächtig aussah.
    Vielleicht war der 52. Zug e7-e5 von Ftacnik dann doch zu direkt und das bescheidenere e7-e6 angesagt. Die Idee ist bei beiden den L auf die Diagonale d8-h4 zu überführen und h4 zu attackieren. In der Folge findet Bischoff eine Aufstellung, die zwar einen weiteren bauern opfert, jedoch eine Blockade der Stellung mit festungsähnlichem Charakter nahezu erzwingt. Das Endspiel scheint mir in der Folge ab 56. ... gxh5 (Partiezug - führt zu falschem Randbauern) aber auch bei der Alternative 56. .. Kxh5 nicht mehr gewinnbar. Mal sehen, ob jemand hier noch Verbesserungen findet oder ob man doch früher ansetzen muß.
    In der Folge zeigte sich die Widerstandskraft des S beim Spiel auf einem Flügel und blockierter Stellung und die Ohnmächtigkeit der Läuferpartei wegen der "Einfarbigkeit".

    Kommentar


      #3
      AW: Wann sind im Endspiel Läufer und wann Springer besser?

      http://www.chessmail.de/game/a65e5192600f43c2
      auch in meiner partie ( ab ca 40zigster zug) ein nettes endspiel wo ich dachte das der leufer (von meinem gegner) besser ist als mein lahmer gaul
      gruss und ein tolles 2016
      dat maTTmonster

      Kommentar


        #4
        AW: Wann sind im Endspiel Läufer und wann Springer besser?

        Dieses so wichtige Thema möchte ich anhand bekannter Partien etwas vertiefen; dabei will ich die ganzen Partien wiedergeben, da es vielleicht User interessiert, wie diese Endspiele überhaupt entstanden sind. Darin liegt ja die Kunst: vorteilhafte Endspiele herbeiführen und dann auch verwerten.

        Ein einfaches Beispiel für einen überlegenen Läufer:

        [Event "Santa Monica"]
        [Site "Santa Monica"]
        [Round "8"]
        [Date "1966.7.??"]
        [White "Spassky, Boris V."]
        [Black "Fischer, Robert J"]
        [WhiteElo "2690"]
        [BlackElo "2690"]
        [Result "1-0"]

        1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.Nc3 d5 4.cxd5 Nxd5 5.e4 Nxc3 6.bxc3 Bg7 7.Bc4 c5 8.Ne2 Nc6 9.Be3 O-O 10.O-O Qc7 11.Rc1 Rd8 12.Qe1 e6 13.f4 Na5 14.Bd3 f5 15.Rd1 b6 16.Qf2 cxd4 17.Bxd4 Bxd4 18.cxd4 Bb7 19.Ng3 Qf7 20.d5 fxe4 21.dxe6 Qxe6 22.f5 Qf7 23.Bxe4 Rxd1 24.Rxd1 Rf8 25.Bb1 Qf6 26.Qc2 Kh8 27.fxg6 hxg6 28.Qd2 Kg7 29.Rf1 Qe7 30.Qd4+ Rf6 31.Ne4 Bxe4 32.Bxe4 Qc5 33.Qxc5 Rxf1+ 34.Kxf1 bxc5 35.h4 Nc4 36.Ke2 Ne5 37.Ke3 Kf6 38.Kf4 Nf7 39.Ke3 { Obwohl das Material ausgeglichen ist und sich nur noch wenige Bauern auf dem Brett befinden, steht Weiß auf Gewinn. Der Läufer ist dem Springer klar überlegen und visiert außerdem die Schwäche g6 an. } g5 40.h5 { ! } Nh6 { Der Versuch, sich des schwachen g-Bauern zu entledigen, hat keine Erleichterung gebracht: Nun muss der Springer den h-Bauern beaufsichtigen und ist daher in seiner Beweglichkeit sehr eingeschränkt. Freie Randbauern sind für Springer besonders problematisch, da diese Figuren nur eine kurze Reichweite haben. Weiß gewinnt, indem er mit König und Läufer den schwarzen Damenflügel angreift, den Schwarz mit seinem König allein nicht schützen kann. } 41.Kd3 Ke5 42.Ba8 Kd6 43.Kc4 g4 44.a4 Ng8 45.a5 Nh6 46.Be4 g3 47.Kb5 Ng8 48.Bb1 Nh6 49.Ka6 Kc6 50.Ba2 { ! Weiß vervollständigt erst die Blockade, bevor er sich den a-Bauern holt. } 1-0


        Die folgende Partie zeigt einen überlegenen Springer. Das Zentrum ist geschlossen, die Bauernstruktur ist verschachtelt und Weiß wird das ganze Endspiel über unter seinem schlechten (weißfeldrigen) Läufer leiden, während Schwarz seine Läufer im richtigen Moment abtauscht bzw. abtauschen lässt, darunter einen für einen Springer. Auf das lange, subtile Manövrieren, das typisch für den Geschlossenen Spanier ist, will ich hier nicht näher eingehen, sondern mich auf Aspekte beschränken, die für das Endspiel wichtig sind.
        Hier ist meine Quelle Emanuel Lasker Volume 1 von Forster, Negele und Tischbierek.

        [Event "Match 2"]
        [Site "Berlin GER"]
        [Round "5"]
        [Date "1916.??.??"]
        [White "Tarrasch, Siegbert"]
        [Black "Lasker, Emanuel"]
        [WhiteElo "2610"]
        [BlackElo "2720"]
        [Result "0-1"]

        1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 d6 7.c3 O-O 8.h3 b5 9.Bb3 Na5 10.Bc2 c5 11.d4 Qc7 12.Nbd2 Nd7 13.Nf1 Nb6 14.b3 Nc6 15.d5 Nd8 16.g4 f6 17.Ng3 Nf7 18.Kh2 g6 19.Be3 Kh8 20.Rg1 Rg8 21.Qd2 Bd7 22.Rg2 a5 23.Rf1 b4 24.c4 a4 25.Bb1 axb3 26.axb3 Ra3 27.Qd1 Bc8 28.Bc1 Ra8 29.Ng1 Nd7 30.Bb2 Bf8 31.N1e2 Bg7 32.f3 Qd8 33.Rh1 Bh6 34.Qd3 Bg5 35.Kg1 Bh4 36.Kh2 Qe7 37.Rf1 Re8 38.Rgg1 Qf8 39.Kg2 Qh6 40.Rh1 Kg8 41.Bc1 Ng5 42.Bd2 Kf7 43.Qe3 Ke7 44.Bc2 Kd8 45.Qd3 Kc7 46.Be3 Rg8 47.Qd2 Ra6 48.Ra1 Qg7 49.Rxa6 Bxa6 50.Ra1 Bb7 51.Bd3 Nf7 52.Ra5 h5 53.Qb2 Bg5 54.Bxg5 Nxg5 55.Ra1 hxg4 56.hxg4 Rh8 57.Rh1 Rxh1 58.Nxh1 f5 59.Nf2 { Nach einem langen, "spanischen" Manövrierkampf steht Schwarz aufgrund der weißen Schwächen auf f4 und f3 besser, doch kann Weiß ums Remis kämpfen. } fxg4 60.Nxg4 Qf8 61.Nh2 Bc8 62.Qa1 Nf6 63.Qa5+ Kd7 { ! Schwarz will sich mit ...Ke7 und ...Bd7 umgruppieren. } 64.Qa1 { 64.Qa7+? Kd8 65.Qa5+ Ke7 66.Qa7+ Bd7 67.Qa2 Qh6 -+ } Nh5 65.Qe1 Ke7 66.Qh4 Qf6 67.Kf1 Kf7 { ! Der König strebt nach g7, um nach dem geplanten ...Nf4 der weißen Dame Einbruchsfelder zu nehmen. } 68.Ng1 { Verliert einen Bauern, wie fast alle anderen Züge. 68.Kg2 Kg7 gefolgt von ... Nf4+ } Nxe4 69.Qxf6+ Nexf6 70.Kf2 Nf4 71.Bc2 Bf5 72.Bd1 { Weiß behält seinen schlechten Läufer, doch nach 72.Bf5 gf5 muss Weiß die Drohung ...Nd3-c1-b3 mit 73.Ke3 verhindern, wonach 73...Kg6 74.Nf1 Nh7 75.Nd2 Ng5 folgt und Weiß schrecklich passiv steht. } Kg7 73.Nf1 Kh6 74.Ng3 Kg5 75.Nxf5 gxf5 76.Bc2 Ng8 { Der Springer strebt nach a5! } 77.Bb1 Nh6 78.Kg3 Nf7 79.Bc2 Nd8 80.Bb1 Nb7 81.Bc2 Na5 82.Bd1 e4 83.fxe4 fxe4 84.Bc2 Kf5 85.Kf2 Ke5 86.Ke3 Ng2+ 87.Kf2 Nh4 88.Ne2 Nf5 { Schwarz dominiert nach Belieben. } 89.Bd1 Nd4 90.Nc1 Kf4 91.Ne2+ Ke5 { Schwarz überstürzt nichts, doch 91...Ne2 92.Ke2 e3 93.Bc2 erlaubt 93...Nb3! 94.Bb3 Ke4 95.Bc2+ Kd4 96.Bb3 Kc3, zeigt deutlich, was ein schlechter Läufer ist, und gewinnt ebenfalls. } 92.Nc1 Nb7 93.Bh5 Kf4 94.Be8 Na5 95.Ba4 e3+ 96.Kg2 Kg4 { Spielt auf Zugzwang. } 97.Bd7+ Kg5 { Startet ein Dreiecksmanöver. } 98.Ba4 Kh4 99.Kf1 Kg3 100.Ne2+ Nxe2 101.Kxe2 Kf4 102.Ke1 Kf3 { Weiß gibt auf. Nach 103.Kf1 e2+ 104.Ke1 Ke3 muss der Läufer ziehen und der b3-Bauer fällt. } 0-1


        Eine zwar lange, aber auch hervorragende Partie: Tarrasch wehrt sich heldenhaft, doch Lasker führt das bessere, komplizierte Endspiel erst herbei und bricht dann den hartnäckigen Widerstand.

        Zum Abschluss möchte ich Euch eine weitere Partie des Endspielkünstlers Lasker vorstellen; gegen den „Löwen von Kentucky“, Jackson Showalter, erreicht er mit Schwarz mit dem 29. Zug eine Stellung, die ausgeglichen ist. Wie auch heutzutage Magnus Carlsen immer wieder demonstriert, heißt eine ausgeglichene Stellung noch nicht remis. Hier ist meine Quelle John Nunn’s Chess Course von John Nunn.

        [Event "London"]
        [Site "London"]
        [Round "8"]
        [Date "1899.??.??"]
        [White "Showalter, Jackson"]
        [Black "Lasker, Emanuel"]
        [WhiteElo "2470"]
        [BlackElo "2720"]
        [Result "0-1"]

        1.d4 d5 2.e3 Nf6 3.Bd3 Nc6 4.f4 Nb4 5.Bd2 Bg4 6.Nf3 e6 7.Bxb4 Bxb4+ 8.c3 Bd6 9.Nbd2 O-O 10.Qb1 c5 11.Ne5 Bh5 12.O-O Rc8 13.Ndf3 Qe7 14.h3 Bxf3 15.Rxf3 g6 16.g4 Rc7 17.g5 Nh5 18.Ng4 Kh8 19.Qe1 f6 20.gxf6 Nxf6 21.Qh4 Nh5 22.Qxe7 Rxe7 23.Raf1 Kg7 24.Ne5 cxd4 25.exd4 Rc7 26.R1f2 Bxe5 27.fxe5 Rxf3 28.Rxf3 Rf7 29.Rxf7+ Kxf7 { Die Stellung ist ausgeglichen. Normalerweise ist in einer solchen Position der Läufer etwas stärker als der Springer, doch hier ergibt das starke Feld f4 für den Springer gleiche Chancen. } 30.Kf2 { ?! Die erste Ungenauigkeit. Weiß sollte Schwarz daran hindern,...g5 und...Kg6 zu ziehen. Daher 30.Kh2! Nf4 31.Bc2 } Nf4 31.Bf1 g5 32.Kf3 Kg6 33.h4 h5 34.b3 { ?! Weiß muss mit der Möglichkeit rechnen, dass Schwarz seinen h-Bauern opfert, um den weißen König abzulenken und dann mit dem König über e4 einzudringen. Der Weg zu der Basis der weißen Bauernkette wäre deutlich länger mit dem Bauern auf b2. 34.hg5 Kg5 35.a4 = } Kf5 35.hxg5 Kxg5 36.c4 { ? Verliert. 36.a4! h4 37.a5 Kf5 38.b4 h3 39.Kg3 Ke4 40.Kh2 Ke3 41.Kg3 h2 (anders kommt Schwarz nicht weiter) 42.Kh2 Kd2 43.Kg3 Ng6 44.c4 dc4 45.Bc4 Kc3 46.Be6 Kd4 47.Bc8 = } dxc4 37.bxc4 Kf5 38.Kg3 Ke4 39.d5 exd5 40.e6 Nxe6 41.cxd5 Nc5 42.Bg2+ Ke5 43.Kh4 a5 44.Kxh5 b5 45.Kg4 b4 46.Kf3 a4 0-1


        Die Partie zeigt deutlich, wie ausgeglichene Stellungen verloren gehen können: totremis, dann ein "?!", dann noch ein "?!", die Stellung ist noch zu retten, verlangt aber genaues Spiel, und dann ein echter Fehler, der verliert.

        Kommentar

        Lädt...
        X