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Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

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    Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

    Irgendwann hatte ich hier im Forum bereits die drei Hauptkriterien von Mark Dworetzki zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires genannt, die da wären: objektive Stärke, Stil/Vorlieben und Abhängigkeit vom Gedächtnis. Fast schon grobschlächtig wirken diese drei Kriterien im Vergleich zu einer wesentlich feiner gegliederten Kriteriensammlung, die ich auf Chesspub fand: http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb...num=1254154718

    Der Autor, Phil Adams, machte in #2 gleich dreizehn Kriterien für die Wahl von Eröffnungen geltend:

    a) previous chess experience
    b) general intelligence
    c) level of education
    d) strength of memory
    e) willingness to study
    f) available study time
    g) availability of opportunities to put learning into practice
    h) ability to calculate accurately 2-3 moves ahead
    i) arsenal of tactical motifs
    j) degree of positional understanding and familiarity with position-types and associated plans
    k) arsenal of basic endgame knowledge
    l) any stylistic preference exhibited/expressed, often related to personality traits
    m) current opening repertoire written out [then matched against a)-l) for congruence].
    Zwei der drei Kriterien von Mark Dworetzki sind hier unter d) und l) zu finden. Das Kriterium der objektiven Stärke wurde offenbar "vergessen". Dafür sind elf andere Kriterien dazugekommen. Wie denkt ihr darüber? Ist diese Auflistung für euch hilfreich?
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    #2
    AW: Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

    wo is die übersetzung ins deutsche!!

    Kommentar


      #3
      AW: Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

      Ich sehe das etwas weniger wissenschaftlich, wobei ich durchaus darauf achte dass mein repertoir eine gewisse logik hat. Allgemein kann man wohl sagen dass man mit schwarz viel weniger freiheiten hat als mit weiss. Mit schwarz ist man fast gezwungen, eine der hauptvarianten zu spielen (die "grossen 4" gegen 1.e4, QGD, slavisch, NI, GI oder KID gegen 1.d4), weil man sonst einfach einen mehr oder weniger grossen eröffnungs-nachteil in kauf nimmt. Mit weiss ist man viel freier, da kann man auch gut eine nebenvariante spielen, insofern diese zumindest nicht zu nachteil führt (z.bsp. alapin, torre, trompowsky, etc).

      Für das repertoir sehe ich 3 vorgehensweisen:
      (a) Man folgt einer repertoir-empfehlung (buch, video, ...)
      (b) Man kopiert einen starken spieler
      (c) Marke eigenbau

      Bei mir sieht das so aus:
      Gegen 1.d4 (QGD) folge ich dem buch von Jon Cox welches auf dem repertoir von Uwe Boensch aufbaut. Gegen 1.e4 (1...e5) folge ich gegen alles ausser spanisch dem vorschlag von katar auf chessvideos, was wiederum fast komplet auf dem buch von John Emms aufbaut, was wiederum mehr oder weniger eine kopie des repertoirs von Mark Hebden ist. Gegen spanisch (berliner) folge ich dem dem repertoir von Aleksandrov und habe das allgemeine buch von John Cox.

      Mit weiss ist es hingegen anders: Nachdem ich zuerst dem repertoirbuch von Summerscale folge (colle-zukertort, e3-QID, e3-slavisch, barry-angriff, 150-angriff), danach diese so umgebaut habe dass es dem repertoir von yusupov folgte (colle-zukertort, e3-QID, e3-slavisch, e3-GI, Smyslov-KID), habe ich das glück gehabt, gegen 3 stärkere gegner in typische IQP position reinzurutschen (2x gewollt, 1x eher ungewollt), und habe all 3 partien gewonnen. Danach habe ich mein repertoir radikal auf 1.e4 umgestellt, so dass ich ein maximum von IQP-positionen erreichen kann (alapin, panov, abtausch-franz). Im nachhinein hat sich lustigerweise herausgestellt, dass das somit entstandenen 1.e4-repertoir dem repertoirbuch von Sam Collins sehr ähnlich ist.
      Zitat von Sam Collins
      I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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        #4
        AW: Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

        Ich finde den Beitrag bei chesspub nicht, habe aber auch nicht alle 18 Threadseiten Wort für Wort gelesen. :zerknirscht: Ansonsten halte ich die Punkte b) und c) für überflüssig:

        b) general intelligence = Die Intelligenzfrage dürfte mit d) strength of memory und h) ability to calculate accurately 2-3 moves ahead doch ausreichend geklärt sein, oder nicht?

        c) level of education = Den Punkt kann ich nicht ganz nachvollziehen. Inwiefern hängt die Eröffnungsvariante von der Allgemeinbildung ab? Oder meint er den schachlichen education level (was ich aber nicht glaube)?

        @Kiffing: Meinst du mit "objektiver Stärke" eine Wertungszahl?

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          #5
          AW: Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

          @Kampfkeks: #2 ist Forensprache und meint der 2. Beitrag in dem Thread. Denn mit diesem Symbol werden auch in Foren die Beiträge geordnet.

          Aber ansonsten finde ich Deine kritischen Fragen richtig und gut. Grundsätzlich bestehen selbstverständlich Korrelationen zwischen schachlichen Fähigkeiten und allgemeiner Intelligenz, doch sind beides trotzdem getrennte Bereiche. Daß der Autor hier von einer allgemeinen Intelligenz als Kriterium ausgeht, ist wohl kulturhistorisch zu verstehen. Die Intelligenztests waren eine US-amerikanische Erfindung, und besonders in den Zeiten, als diese erfunden worden sind, ist in den USA ein regelrechter Hype um diese Intelligenztests ausgebrochen. Plötzlich wollte jeder seinen IQ wissen (oder auch nicht). Anderswo mag eine solche IQ-Fixiertheit als anrüchig gelten...

          Wegen des Bildungsstandes meint der Autor vermutlich im holistischen Sinne eine Abstraktionsfähigkeit, die in bestimmten Eröffnungen zum Zwecke eines tieferen Verständnisses genutzt werden kann. Um ein Beispiel zu geben, in Eröffnungen, die einen langen und schwerblütigen, möglicherweise zweischneidigen Positionskampf verlangen, könnten einem philosophische Grundlagen nützlich sein. Auch wenn im Schach sozusagen "Fachidioten" reüssieren können, so gibt es auch Gegenbeispiele von extrem gebildeten Schachmeistern, die ihre allgemein sehr hohen Kenntnisse auch fürs Schachspiel zu nutzen wußten. Für Aufklärer war das Schach etwa ein wunderbares Spielzeug zur Erprobung des menschlichen Intellektes, und ein Emanuel Lasker hat sein hohes philosophisches und psychologisches Verständnis genutzt. Mit seinem Relativismus (ein Zug muß nicht gut sein, das Wichtigste ist, er ist unangenehm für den Gegner mit dessen bestimmten Art zu denken) hat er sogar die Theorien Einsteins mit seiner Relativitätstheorie nutzbringend für sein Schach verwendet, worauf ein Garri Kasparov aufmerksam gemacht hat. Lasker war mit Einstein befreundet, auch wenn Einstein ihn "komisch" gefunden haben soll... Einsteins Entdeckungen haben das bis dato selbstverständliche statische Weltbild aus den Angeln gehoben so wie Lasker die Statik der Modernen.

          Mit objektiver Stärke meine ich einfach, wie stark eine Variante jetzt objektiv ist, wobei "objektiv" natürlich auch in gewisser Hinsicht relativ zu begreifen ist, weil wir das nicht genau wissen können. Mit unseren wissenschaftlichen Methoden, auf denen der aktuelle Kenntnisstand im Schach und den gegebenen Varianten beruht, können wir uns der Wahrheit bzw. der Objektivität aber annähern.
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            #6
            AW: Kriterien zur Erstellung eines Eröffnungsrepertoires

            Sogar auf Wikipedia gibt es Kriterien zur Wahl von Eröffnungssystemen. Dort heißt es:

            Am besten kommt der Spieler zurecht, der ein System wählt, das seinen spezifischen Stärken besonders entspricht. Dazu sollte man sich die folgenden Fragen stellen:

            Ist der Spieler eher ein Taktiker, der in komplizierten Situationen präzise rechnen kann, oder ist er ein Stratege, der langfristige Pläne schmiedet und ein ruhiges Spiel bevorzugt?
            Liegt seine Stärke eher in der Kunst der Bauernführung, oder weiß er die besonderen Eigenarten der Figuren gut zu nutzen?
            Ist er eher Angreifer oder Verteidiger?
            Will er lieber risikobereit auf Gewinn spielen oder aber das Verlustrisiko minimieren?
            Will er den Gegner mit einer gut vorbereiteten, genau analysierten Variante bereits in der Eröffnung überspielen, oder sucht er den Vorteil eher im Mittel- oder Endspiel?
            Im Prinzip ist das typische, natürlich auch von Dworetzki genannte Kriterium mit dem eigenen Stil bzw. den persönlichen Vorlieben noch einmal ein wenig aufgedröselt worden. Die Punkte mit Strategie/Taktik, Vorliebe für Bauern oder Figuren, Angreifer oder Verteidiger und der Risikobereitschaft können unter den eigenen Stil subsumiert werden. Der letzte Punkt, d. h. die Kunst den Gegner durch Wissen zu bezwingen, sollte natürlich mit den Kapazitäten des eigenen Gedächtnisses in Einklang gebracht werden. Das heißt, hat man diese Fähigkeit, sich ganze Variantenzüge leicht merken zu können, kann man den Gegner durch Wissen bezwingen. Hat man diese Fähigkeit nicht, wäre das ein Punkt, der für die sogenannten "Fühleröffnungen" (Taylor) sprechen würde. Natürlich hat auch die Theorieintensivität einer Variante und die mögliche Zahl an Antworten mit den eigenen Gedächtniskapazitäten zu tun. Zum letzten Punkt gibt es auch ein prominentes Beispiel: Magnus Carlsen strebt offensichtlich nach Vorteilen im Endspiel und/oder Mittelspiel. Garri Kasparov wollte schon in der Eröffnung gewinnen bzw. die Weichen auf Sieg stellen. Die Objektivität von Eröffnungen sollte natürlich auch immer in Betracht gezogen werden, wenn man sich ein Eröffnungsrepertoire aufbauen möchte.
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