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Statistiken zu Eröffnungen - Erfolge, Mißerfolge und Remisverhältnis

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    Statistiken zu Eröffnungen - Erfolge, Mißerfolge und Remisverhältnis

    Gleichsam wichtige wie interessante, und zugegeben auch unterhaltsame Statistiken liefert die Schachseite thechessworld.com. Dort erfahren wir, welches für Weiß und Schwarz jeweils die erfolgversprechendsten und erfolglosesten bzw. die, um es weniger exakt zu sagen, besten und schlechtesten Eröffnungen sind, und in welchen Eröffnungen das Remis am wahrscheinlichsten oder am unwahrscheinlichsten ist: http://www.thechessworld.com/learn-c...hite-and-black

    Die für Weiß vielversprechendste Eröffnung ist hier das ultrasolide, aber eben gerade nicht defensive Damengambit, in denen Weiß in 40% aller Spiele gewinnt und in 36% aller Spiele remisiert. Das macht insgesamt eine Ausbeute von 58% Mit dem Blackmar-Diemer-Gambit stellt sich Schwarz eher selbst ein Bein (49/16/57), während die Nr. 3 der besten Weißeröffnungen, die Spanische Partie auf ähnliche Werte kommt wie das Damengambit (40/33/56.5). Ein Geheimtip ist wohl das heute eher selten aufzufindende Läuferspiel (41/30/56). Platz 5 erreicht das Königsfianchetto („Benkö-Eröffnung) 1. g3 (38/35/55.5), gleichauf mit dem Reti-System (37/37/55,5) und der Wiener Partie (41/29/55,5). Mit dem extravaganten Mittelgambit 1. e4 e5 2. d4 findet sich auf Platz 8 ein Überraschungsgast (44/22/55), die Englische Partie (38/34/55) und die Schottische Partie (40/30/55) kommen auf denselben Wert.

    Wer dagegen eher masochistisch veranlagt ist, der wähle mit Weiß die Van´t Kruijs Eröffnung (1. e3), mit der Weiß nur in 28% aller Partien gewinnt, in 25% aller Partien remisiert und so insgesamt nur auf 40,5% gelangt. Mit 1. e3 stellt Weiß Schwarz also offensichtlich vor wenige Probleme, gibt nicht nur seinen Anzugsvorteil, sondern steht bereits im 1. Zug schlechter. Mit der Anderssen-Eröffnung 1. a3 (30/27/43,5) tat sich Anderssen in seinem berühmten Zweikampf gegen Morphy offensichtlich keinen Gefallen. Interessanterweise punktet sie schlechter als das offensichtlich inkorrekte Grob-System 1. g4 (36/18/45) oder die Saragossa-Eröffnung 1. c3 (34/23/45,5). Die fünfterfolgloseste Weißeröffnung ist die Bird-Eröffnung (34/25/46,5). Auf Platz 6 (38/23/49,5) findet sich mit der Polnischen Verteidigung (1. d4 b5) eine Überraschung und ein Hinweis darauf, daß Weiß auf diese ebenfalls überraschende Erwiderung noch kein ausreichendes Rezept zur Hand hat. Auf Nummer 7 kommt die Van-Geet-Eröffnung (36/28/50), die mit 1. Sc3 d5 2. e4 dxe4 3. d3 eingeleitet wird. Offenbar darf man nicht einfach straflos mal eben einen wertvollen Mittelbauern geben. Mit dem Colle-System kommt Weiß endlich wieder auf einen positiven Wert (35/31/50,5), steht aber immer noch auf Platz 9 der schlechtesten Weiß-Eröffnungen. Nummer 10 ist die Mieses-Eröffnung 1. d3 (39/24/51).

    Kommen wir zu Schwarz, wo statistisch Schwarz mit einem Sizilianer die beste Wahl trifft. Er gewinnt in 34% aller Partien, remisiert in 29% aller Partien und kommt insgesamt auf einen Erfolgswert von 48,5%. Nimzoindisch ist übrigens genauso gut (30/37/48,5). Überraschend auf Platz 3 kommt dabei die Robatsch-Verteidigung 1. ...g6, wo Schwarz zeigt, daß seine Idee absolut spielbar ist (33/29/47,5). Nicht totzukriegen ist offenbar mit der Aljechin-Verteidigung die hypermodernste aller Eröffnungen (32/30/47), während auf Platz 5 mit der Nimzowitsch-Verteidigung (1. e4 Sc6) ebenfalls eine Kreation der Hypermodernen gelangt (34/25/46,5). Gleichauf kommt eine Eröffnung, die in der Quelle den eher gewöhnungsbedürftigen Namen „rat“ (=Ratte (!)) besitzt (30/33/46,5). Gemeint ist dabei die im englischen Sprachraum liebevoll als Ratten-Verteidigung (rat opening) Idee, mit 1. d4 d6 2. c4 e5 einen Damentausch unter günstigen Bedingungen (freie Läufer) anzubieten. Platz 7-9 belegen das Benkö-Gambit (32/28/46), die Moderne Verteidigung (31/30/46) sowie das grundsolide und „bombensichere“ Damenindisch (25/42/46). Platz 10 bekleidet schließlich ein sogenanntes „Pseudo-Königsindisch“ (29/33/45,5), womit die Zugfolge 1. d4 Sf6 2. Sf3 g6 gemeint ist, wo Schwarz also trotz der weißen Abweichung auf seine königsindische Figurenaufstellung beharrt.

    Will Schwarz dagegen unbedingt verlieren, so wähle er (25/25/37,5) die nach Gerhard Gunderam benannte Gunderam Verteidigung und damit die Idee, nach 1. e4 e5 2. Sf3 den Be5 mit der Dame durch 2. ...De7 zu decken. Bei Platz 2, der Polnischen Eröffnung, bei uns besser bekannt als Sokolski oder Orang Utan (28/23/39,5) vermute ich einen Fehler von der betreffenden Seite (es geht hier um die schlechtesten Schwarz- und nicht Weißeröffnungen). Bei Platz 3 und der St. Georgs Verteidigung (1. e4 a6) hat es aber wieder den Richtigen erwischt (30/20/40). Platz 4 ist für mich persönlich eine Hiobsbotschaft, denn dort findet sich die Budapester Verteidigung (27/27/40,5), gleichauf übrigens mit der wohl zu passiven Philidorverteidigung (27/27/40,5) mit laut Seite also den exakt gleichen Werten wie das vom Grundcharakter her völlig verschiedene Budapester Gambit. Platz 6 wiederum teilen sich das Lettische Gambit (33/17/41,5), die Russische Verteidigung (22/39/41,5) und das Damenfianchetto (29/25/41,5). Platz 9-11 geht an Bogo-Indisch (22/42/43), was mich persönlich wieder trifft, Holländisch (28/30/43) und, eine Hiobsbotschaft diesmal für die enthusiastische Gemeinde dieser Kulteröffnung, das Königsindisch (28/30/41,5).

    Dann zu den remislastigsten Eröffnungen. Freunde des Friedens wie ich selbst tun sich hier mit dem Bogoinder (42% Remis) einen Gefallen, das sich mit Dameninder den ersten Platz teilt. Vom Dameninder hätte ich nichts anderes erwartet, aber Bogo-Indisch? Platz 3 und 4 mit jeweils 39% gehen mit Russisch und dem Vierspringerspiel an weitere Favoriten. Platz 5 und 37% erhalten das Reti-System, Grünfeldindisch und Nimzoindisch. Das Damengambit erhält 36%, während das Benkö-System und das Dreispringerspiel mit 35,5% folgen.

    Bei den Eröffnungen mit den meisten Entscheidungen kommt wenig überraschend das „nationalsozialistische“ Blackmar-Diemer-Gambit mit 16% an Remispartien, übrigens ebenso wie das verzögerte, auf Platz 1. Das ist auch kein Wunder, denn in dieser Eröffnungswahl von Emil Joseph Diemer war ein Remis gar nicht vorgesehen. Platz 3 und 4 gehen an die Lettische Verteidigung (17) und die Grobeeröffnung (18). Auf 20% und Platz 5 kommen das Königsgambit und die wohl allzu passive St. Georgs Verteidigung. Platz 7 geht an das Mittelgambit (22%), während sich mit 23% die Polnische Verteidigung, die Polnische Eröffnung und die Saragossa-Eröffnung Platz 10 teilen.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht
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