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Königsangriff!

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    Königsangriff!

    Ein entscheidendes Kriterium bei Angriffen gegen den König ist dessen Sicherheit. Können seine Figuren ihm zur Seite stehen? Schützt ihn ein fester Bauernschild oder weist die Struktur Schwächen auf?
    Die Fähigkeit, ein lokales Übergewicht an Angriffskräften zu erzielen, ist der eine Weg zum Erfolg.
    Der andere besteht darin, Schwächen zu erzwingen. Und wenn man beides verbinden kann...

    Die folgende Partie demonstriert sehr schön, wie man das erreichen kann. Mit einer Reihe von genauen Zügen, die „kleine“ Drohungen darstellen und bei denen jedes Tempo zählt, schwächt Schwarz die weiße Königsstellung und erreicht außerdem ein lokales Übergewicht, was schließlich einen spektakulären Mattangriff ermöglicht.

    [Event "Hastings"]
    [Site "Hastings ENG"]
    [Date "1892.??.??"]
    [EventDate "?"]
    [Round "?"]
    [Result "0-1"]
    [White "John George Colborne"]
    [Black "Joseph Henry Blackburne"]
    [ECO "C22"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "34"]

    1.e4 e5 2.d4 exd4 3.Qxd4 Nc6 4.Qe3 g6 5.Bd2 Bg7 6.Nc3 Nge7 7.O-O-O O-O 8.f4 {? Dieser "natürliche" Zug ist schlecht (besser 8.Bc4), da jetzt Schwarz ganz klassisch mit} d5 {! im Zentrum kontern kann. } 9.exd5 Nb4 10.Bc4 Bf5 {greift c2 an, oder anders ausgedrückt, Entwicklung mit Tempogewinn} 11.Bb3 Nexd5 12.Nxd5 Nxd5 13.Qf3 {? Blackburne empfiehlt 13.Qc5} Qf6 {! Droht mit Matt und erzwingt eine verhängnisvolle Schwächung.} 14.c3 {Dieser Zug öffnet die Diagonale b1-h7 und macht aus dem Bf5 ein "Tier".} Nb4 {! Noch ein starker Zug: Schwarz zieht mit Hilfe der Drohung 15...Nd3+, gefolgt von einem tödlichen Abzugsschach, immer mehr Kräfte gegen den weißen König zusammen.} 15.Bc4 {15.cb4 Qb2#} Qa6 {! Die Pointe!} 16.g4 {16.Ba6 Na2#} Qxa2 {! Die weiße Königsstellung wird zerstört.} 17.Be3 Bxc3 {Schwarz greift mit 4 Figuren den kaum geschützten weißen Monarchen an; das Matt ist nicht mehr zu parieren.} 0-1

    #2
    AW: Königsangriff!

    Hi Blunder,

    was ist das für eine Eröffnung in dieser Beispielspartie? Bin neugierig...

    Babylonia

    Kommentar


      #3
      AW: Königsangriff!

      Hi Babylonia,

      die Eröffnung 1.e4 e5 2.d4 exd4 3.Dxd4 (ECO-Code: C22) heißt auf Deutsch etwas widersprüchlich "Mittelgambit", obwohl Weiß keinen Bauern opfert; das englische Center Game klingt logischer.

      Nach 3...Sc6 4.De3 (4.Da4 gibt es auch) ist 4...g6 eine Nebenvariante. Die Hauptvariante: 4...Sf6 5.Sc3 Lb4 (5...Le7).

      Kommentar


        #4
        AW: Königsangriff!

        Der Fortschritt schreitet voran, auch im Schach. Die modernen Spieler können auf viel mehr Kenntnisse, die auf den Erfahrungen ihrer Vorgänger aufbauen, und auf die EDV zurückgreifen.

        Grundsätzlich hat sich das Schach allerdings nicht verändert und das betrifft auch Königsangriffe: Für eine erfolgreiche Attacke spielen Schwächen im gegnerischen Lager und die „Feuerkraft“, d.h. eine lokale Überlegenheit an Angriffskräften, immer noch eine entscheidende Rolle.

        Lyon 1990. Nach 19 Partien des WM-Wettkampfs Kasparow-Karpow liegt letzterer mit einem Punkt zurück und muss daher auch mit Schwarz auf Gewinn spielen. Er wählt eine sehr scharfe Variante der Spanischen Partie: Schwarz hat gute Chancen im Zentrum und am Damenflügel, doch dafür nimmt er Schwächen am Königsflügel in Kauf, wo sich sein Monarch befindet.

        [Event "World Championship 35th-KK5"]
        [Site "Lyon/New York"]
        [Round "20"]
        [Date "1990.12.15"]
        [White "Kasparov, Garry"]
        [Black "Karpov, Anatoly"]
        [WhiteElo "2800"]
        [BlackElo "2730"]
        [Result "1-0"]

        1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Be7 6.Re1 b5 7.Bb3 d6 8.c3 O-O 9.h3 Bb7 10.d4 Re8 11.Nbd2 Bf8 12.a4 h6 13.Bc2 exd4 14.cxd4 Nb4 15.Bb1 c5 16.d5 Nd7 17.Ra3 f5 18.Rae3 Nf6 { Hier ist die schwarze Königsstellung - aufgrund der Variantenwahl - bereits geschwächt; dafür hat der Nachziehende Chancen am Damenflügel und der Bauer d5 ist dem Untergang geweiht. } 19.Nh2 Kh8 {?! Dieser neutrale Zug ist nicht der beste, da nicht feststeht, ob der König besser auf g8 oder h8 steht; 19...Qd7 } 20.b3 {! Weiß wird mit Bb2 eine weitere Figur auf den schwarzen König richten. } bxa4 21.bxa4 c4 22.Bb2 fxe4 23.Nxe4 Nfxd5 24.Rg3 {!? Immer mehr "Feuerkraft" gegen den schwarzen Monarchen. } Re6 {!} 25.Ng4 { dito } Qe8 {? Verliert. Die Stellung ist so scharf, dass äußerste Genauigkeit von Nöten ist; 25...Nd3! blockiert die Diagonale des Bb1. } 26.Nxh6 {! Kasparow ist ganz in seinem Element. } c3 { 26...Rh6 27.Nd6 +- } 27.Nf5 cxb2 28.Qg4 {!} Bc8 29.Qh4+ { 29.Ng7? Rg6! mit unklarer Stellung. } Rh6 30.Nxh6 gxh6 31.Kh2 {! Dieser ruhige Zug ist entscheidend; 31.Nd6? Qe1+ 32.Kh2 Qe6! Jetzt hängt der Re1 nicht mehr mit Schach und Schwarz ist gegen die zahlreichen Springerzüge wehrlos. } Qe5 { 31...Ra7 32.Nf6 Qf7 33.Re8 +-; 31...Bg7 32.Nd6 +- } 32.Ng5 Qf6 33.Re8 {! Die lokale weiße Überlegenheit an Angriffskräften entscheidet. } Bf5 34.Qxh6+ { Das Damenopfer gewinnt, doch auch das prosaische 34.Nf7+ Qf7 35.Qh6+ Bh7 36.Ra8 hätte zum Ziel geführt. } Qxh6 35.Nf7+ Kh7 36.Bxf5+ Qg6 37.Bxg6+ { Verdirbt nichts, doch 37.Rg6! b1=Q 38.Bb1 Nf4 hätte noch schneller gewonnen. } Kg7 38.Rxa8 Be7 39.Rb8 a5 40.Be4+ Kxf7 41.Bxd5+ 1-0

        Quelle: Igor Stohl Garri Kasparows beste Schachpartien (Band 1)

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          #5
          AW: Königsangriff!

          Nimzowitsch-Indisch (1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4) ist eine der beliebtesten Verteidigungen gegen 1.d4; oft weicht Weiß ihr mit 3.Sf3 (3.g3) aus.
          Ende der 80er hat Garri Kasparow, dessen Eröffnungsvorbereitung legendär war, die Klassische Variante (4.Dc2) wieder populär gemacht. Weiß stellt eine langfristige strategische Drohung auf: mit 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 das Läuferpaar zu erobern, ohne eine kompromittierte Bauernstruktur zuzulassen.
          Allerdings nimmt er dafür einen gewissen Entwicklungsrückstand in Kauf und muss dem sehr genau Rechnung tragen. Wenn nicht...

          2006 trafen im Rahmen der Schacholympiade in Turin bei der Begegnung Niederlande-Armenien am 1. Brett die beiden Großmeister Ivan Sokolov (Elo 2676) und Lewon Aronjan (Elo 2756) aufeinander. Allein schon die Schlussstellung macht die Partie berühmt:

          [Event "37th Olympiad"]
          [Site "Turin ITA"]
          [Round "7"]
          [Date "2006.5.28"]
          [White "Sokolov, Ivan"]
          [Black "Aronian, Levon"]
          [WhiteElo "2676"]
          [BlackElo "2756"]
          [Result "0-1"]

          1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nc3 Bb4 4.Qc2 d5 5.cxd5 exd5 6.Bg5 c5 7.dxc5 h6 { 7...d4? 8.0-0-0! } 8.Bh4 g5 9.Bg3 Ne4 10.Bxb8 {!?} Qf6 {! 10...Rb8?? 11.Qa4+ und Schwarz verliert den Bb4.} 11.Bg3 Nxc3 12.a3 Bf5 { Schnelle Entwicklung mit Tempogewinn. } 13.Qd2 Ba5 14.b4 {? "Natürlich", aber zu langsam. } Ne4 15.Qc1 { Deckt den Ra1 und verhindert 15...Qc3+. } Rc8 {! Der Ba5 ist zwar angegriffen, doch fesselt er gleichzeitig den Bauern b4; Schwarz droht einfach mit 16...Rc5. } 16.Ra2 Rxc5 17.Qa1 Qc6 {! Weiß wird an seinem Entwicklungsrückstand und seiner Grundreihenschwäche zugrunde gehen. } 18.Qe5+ Kd8 19.Qxh8+ Kd7 { Weiß gibt auf, da das Matt nicht mehr zu parieren ist: 20.e3 Rc1+ 21.Ke2 Bg4+ nimmt dem weißen König das Feld f3, gefolgt von 22...Qc4#. Die Schlussstellung mit dem "jungfräulichen" weißen Königsflügel ist wirklich sehenswert. } 0-1

          Für die ganze Partie hat Aronjan gerade einmal 10,5 Minuten gebraucht.

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