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Thema: Eine sowjetische Karriere - das Leben des Michail Botwinniks

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    Eine sowjetische Karriere - das Leben des Michail Botwinniks



    Michail Botwinnik hat wie Alexander Aljechin diesem so fürchterlichen Jahrhundert auf den Grund geblickt. Auch er befand sich im Herzen des Zweiten Dreißigjährigen Krieges, war aber nicht wie Aljechin ein Getriebener und Zerrissener zwischen den Fronten, sondern ein Teilhaber eines Machtblocks, nämlich des Kolosses im Osten. Da, wo der Terror am stärksten wütete, machte er Karriere und wurde einer der größten und bedeutendsten Schach-Weltmeister aller Zeiten, auf den sich später noch ganze Generationen beriefen.

    Wie praktisch jeder in der noch jungen Sowjetunion, hatte auch der 1911 geborene Michail Botwinnik eine schwere Kindheit. Einer reichen, großbürgerlichen Familie entstammend, wuchs er nach der Oktoberrevolution nun in bescheidenen Verhältnissen auf. 1920 verließ der Vater die Familie, leistete aber Unterhaltszahlungen, so daß Botwinnik es in seiner Kindheit sicher hatte und auch intellektuell gefördert wurde.

    Sein Staat setzte in diesen Zeiten sehr stark auf das Schach und schuf in diesen Zeiten die Strukturen, auf denen die spätere Sowjetische Schachschule gedeihen konnte. So stieg die Anzahl organisierter Schachspieler von 1000 (1923) auf schwindelerregende 2 Millionen (1960). Botwinnik selbst erinnerte sich:

    Das Schachspiel wurde allen Werktätigen zugänglich gemacht, auch unerfahrenen, jungen Menschen. Schachbücher und -journale erschienen, die großen Massenorganisationen - Schulen des Kommunismus - begannen, dem Schachspiel große Aufmerksamkeit zu schenken. In den Betrieben, in den Schulen, bei den Militäreinheiten - überall entstanden Schachzirkel“ (Schacherinnerungen, S.18-19).
    Michail Botwinnik selbst kam mit 12 Jahren zwar erst vergleichsweise spät mit dem Schachspiel in Berührung, aber durch sein Talent und seine geradezu fanatische Selbstdisziplin konnte er schon bald in den Wettbewerben durch große Erfolge auf sich aufmerksam machen. Im Prinzip war er für die sowjetischen Machthaber ein ungeheurer Glücksfall. Der alten noch unter dem Zaren großgewordenen Schachgarde wurde nicht vertraut, andere wie Boguljubow oder Aljechin hatten das Land verlassen, während Botwinnik Bolschewist und damit ein würdiger Repräsentant der Sowjetunion war. Botwinnik selbst verstand es geschickt, seine Beziehungen zur eng mit dem Schach in Verbindung stehenden Macht für seine Zwecke zu nutzen. Wie schon Alexander Aljechin während der deutschen Besatzung Frankreichs mit dem Generalgouverneur von Warschau, Hans Frank, eine makabre Freundschaft pflegte, so war auch Michail Botwinnik mit einem absoluten Henker der Macht befreundet. Die Rede ist von Nikolai Krilenko, wie später der berüchtigte Wischinski Chefankläger der sowjetischen Staatsanwaltschaft in politischen Prozessen, ab 1931 Justizkommissar und in dieser Eigenschaft an den Großen Säuberungen im Land beteiligt.

    Die Zahl der Opfer, welche die bisher in der Geschichte ohne Beispiel gebliebenen Säuberungen erforderten, liegt bislang noch eher im Dunkeln. Es ist jedoch davon auszugehen, daß während der schärfsten Welle dieser Säuberungen von 1936-1938 viele Millionen Menschen ihr Leben verloren. Die Säuberungen, die jeden hätten treffen können, hatten vermutlich zwei zentrale Ziele. Auf der einen Seite sollte dem Zwangsarbeitersystem des GULAGs weitere Millionen Zwangsarbeiter zugespült werden, deren Arbeitskraft schlimmer ausgebeutet werden konnte als in jedem kapitalistischen Land. Auf der anderen Seite, sollte die Bevölkerung in einem stetigen Zustand der Furcht versetzt werden, damit sie ja nie an Rebellion denkt und das Regime die totale Kontrolle über das noch nicht im GULAG befindliche Volk erlangt, das ständig befürchten muß, in diese Mühlen hineinzugeraten. Stalin selbst soll in einem Interview mit einer westlichen Zeitung einmal auf die Frage geantwortet haben, ob ihm ein Volk lieber sei, das ihm aus Furcht oder eins, das ihm aus Überzeugung folgen würde: „Aus Furcht, denn Überzeugungen können sich ändern, die Furcht aber bleibt.“ In diesem Sinne steht auch die Begründung von Krylenko, der 1938 selbst weggesäubert wird, für den Großen Terror: „Es genügt nicht die Schuldigen zu erschießen, erst wenn man ein paar Unschuldige liquidiert, sind die Leute beeindruckt“. Die Große Säuberung wurde dabei ähnlich penibel geplant und industriell organisiert wie der Holocaust der Nazis. In jedem Verwaltungsbereich der Sowjetunion mußten die Staatsorgane ein bestimmtes Plansoll erfüllen wie etwa die Verhaftung von 40.000 „Staatsfeinden“. Um das Soll zu erfüllen, wurden die Menschen dann buchstäblich von der Straße genommen, um sie der Tötungsmaschine des GULAGs zu überführen. Gelegentlich werden die Säuberungen Stalins auch mit einer Paranoia des Diktators erklärt, aber dieser Erklärungsansatz erscheint mir zu reduziert. Ist dies auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

    Für Garri Kasparov, für den die Weltmeister auch immer Kinder ihrer Zeit waren, war Michail Botwinnik ein Symbol des Stalinismus ähnlich wie Anatoli Karpov für ihn ein Symbol der Breschnew-Periode gewesen ist. Michail Botwinnik spielte mit maschineller Präzision, kalter Berechnung und Unnachgiebigkeit. Und auch sein Auftreten am Brett konnte seine Gegner schon einmal einschüchtern. Garri Kasparov etwa schildert dazu:

    Viel später las ich die Schilderung, die der Engländer Alexander von seiner ersten Partie mit Botwinnik gab. Wie Michail Moissejewitsch ihn anschaute, seine Frisur richtete, die Brille zurechtrückte, den Zug c4 spielte und den Stift nahm, um dieses Kampfsignal zu fixieren... All das weckte in Alexander, einem erfahrenen Schachspieler, den Wunsch, auf der Stelle aufzugeben. So bedeutsam erschienen ihm die Handlungen Botwinniks. Und in der Tat... er verlor die Partie ohne Widerstand!
    Garri Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 3, Edition Olms 2006, S. 103

    Auch sein ständiges Mißtrauen, ein Wesenszug der sowjetischen Gesellschaft unter Stalin, das gespeist war von dem Gedanken, jeder könne Dein Feind sein, macht Botwinnik zu einem Kind des Systems. Garri Kasparov etwa erläutert Botwinniks Mißtrauen anhand einer Anekdote bei der Abbruchstellung der 23. Partie aus seinem WM-Match gegen David Bronstein 1951:

    Aber am Brett sah Michail Moissejewitsch den Gewinn nicht. Gemäß einem Augenzeugen sagte er beim Verlassen der Bühne mit erstickter Stimme: „Es ist alles vorbei...“
    Die erstaunliche Geschichte, die sich danach zutrug, erzählte mir Mark Taimanow.
    Als Botwinnik den Saal verließ, lief sein anderer Sekundant, Salo Flohr, auf ihn zu und verkündete freudestrahlend, daß er sich die Abbruchsstellung bereits angeschaut habe und daß 42. Lb1 der Gewinnzug sei. Michail Moissejewitsch nickte: „Gut“.
    Sie fuhren zu Botwinnik nach Hause. Dort begann Flohr sogleich, irgendwelche Varianten vorzuführen. Botwinnik entgegnete: „Gut, ich schaue mir das an. Fahr nach Hause und tue dasselbe...“

    Flohr tat wie ihm geheißen, analysierte die ganze Nacht die Stellung nach 42. Lb1 und kam zu dem Ergebnis, daß es für Weiß in allen Varianten einen klaren Gewinn gibt. Am Morgen fuhr er erneut zu Botwinnik. Dieser hatte ebenfalls die ganze Nacht durchgearbeitet und sagte ihm: „Weißt Du, Salomontschik, ich bin etwas müde. Ich muß mich erholen. Zeig Ganotschka die Varianten.“
    Flohr war verblüfft. Natürlich war Gajaneh Dawidowna, die Gattin des Champions, eine nette und ehrenwerte Frau, aber wozu sollte er ihr Schachvarianten vorführen?! Dennoch versuchte er ihr irgendwie zu erklären, wie Mischa heute die Hängepartie gewinnen müsse... Danach aßen sie zu Mittag, setzten sich ins Auto und fuhren zur Wiederaufnahme der Partie.
    Unterwegs warf Flohr weiter mit Varianten um sich und Botwinnik schüttelte nur den Kopf. Und erst unmittelbar bevor sie den Spielsaal betraten, murmelte er mit der für ihn charakteristischen mechanischen Intonation: „Weißt Du, Salomontschik, ich habe einen anderen Zug abgegeben.“ Flohr konnte nicht an sich halten und fing an zu weinen...

    Eine furchtbare Geschichte. Welche markante Illustration eines Charakters, welche Schulung durch die Stalinsche Epoche: Man darf niemandem trauen, selbst dem ergebensten Freunde nicht!
    Kasparov, S. 117f.

    Der 1974 nach Israel und 1976 in die USA emigrierte ehemalige sowjetische Großmeister Leonid Schamkowitsch erinnerte sich jedenfalls noch gut an seine Begegnungen mit Michail Botwinnik. Und er charakterisierte ihn so:

    Er war immer so, [...] ein trockener Typ, Asket und Pedant, der sich im Leben selbst nichts erlaubt hat und sich zur völligen Erschöpfung treiben konnte, wenn es das Ziel erforderte. Genauso hart war er auch gegenüber anderen... Charakteristisch waren seine kalten, undurchdringlichen Augen. Wenn Botwinnik etwas wollte oder forderte, war es unmöglich, ihn von dieser Forderung abzubringen. Es war nicht so, daß er irgendeine unwiderlegbare Argumentation vorbrachte, nein, er verfügte einfach über die Fähigkeit, eisern auf seinem Standpunkt zu beharren
    Ebd. S. 118

    Generell neigte Michail Botwinnik stark dazu, anderen Spielern schlechte Charaktereigenschaften anzudichten, wenn diese etwas taten, womit er selbst nicht einverstanden war. So äußerte er sich über Wassili Smyslow bei der Schach-Olympiade 1972 in Skopje:

    Wassili Wassiljewitsch war leider ... ziemlich faul. Vielleicht schätzte er die Freuden des Lebens mehr als die Verpflichtungen. [...] Nach dem Frühstück holte mich O´Kelly ab, und wir stiegen auf den Wodno, jeden Tag immer höher... Einmal schloß sich uns Smyslow an... aber sein Charakter zeigte sich, und Wassja blieb dann weg
    Pfleger/Treppner, Brett vorm Kopf, Leben und Züge der Schachweltmeister, Beck´sche Reihe, München 1994, S. 170

    In diesem Punkt ähnelte er dem Prototypen des Wilhelminischen Deutschen, dem praeceptor germaniae Siegbert Tarrasch. Botwinniks Schilderungen von Namen großer Spieler, die er nicht mochte, von denen er sich hintergangen fühlte oder die sich als seine Feinde herausstellten, sind eine große Liste. So beschwerte sich Botwinnik in seinem Lebensabend in einem Gespräch mit Sosonko, sein bewegtes Leben Revue passierend lassend, über Romanowski, Löwenfisch, Bogatyrtschuk, Euwe, Bronstein, Wainstein, Petrosjan, Smyslow, Karpov und Kasparov, denen er eine lange Liste an Anklagepunkten entgegenbrachte (Kasparov, S. 118).

    Ganz als Vertreter der Staatsmacht äußerte sich Michail Botwinnik auch gegenüber Max Euwe kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Sosonko berichtet:

    Euwe war kein großer Freund der Kommunisten. Bereits beim Moskauer Part des Matchturniers von 1948 erfuhr er viel aus vertraulichen Gesprächen mit seinen alten Freunden Flohr und Keres und persönlich auch aus einer Unterhaltung mit Botwinnik. Sosonko schrieb: „Euwe erzählte mir, daß er damals Botwinnik fragte: ´Und wo sind X und Y?´ Er kannte die beiden noch von seinen Reisen in die Sowjetunion vor dem Krieg. Botwinnik antwortete: ´Sie haben sich als Volksverräter erwiesen´. ´Und Z?´ ´Der auch´, murmelte der große russische Patriarch
    Kasparov, Band 2, S. 383

    Wie schon erwähnt, genoß Michail Botwinnik als Vorzeigeathlet der Sowjetischen Schachschule beträchtliche staatliche Unterstützung, und er wußte diese auch für seine eigenen Interessen zu benutzen. Botwinnik selbst gab ganz unverblümt zu:

    “Ich hatte Glück im Leben“, schrieb er an seinem Lebensabend. „In der Regel fielen meine persönlichen Interessen mit den gesellschaftlichen Interessen zusammen. Darin besteht wahrscheinlich das wahre Glück. Und ich war nicht allein. Im Kampf für die gesellschaftlichen Interessen hatte ich Unterstützung. Aber nicht allen, mit denen ich verkehrte, war das Glück so hold wie mir.
    Kasparov, Band 3, S. 23f.

    Und in der Tat. Schon 1928 und 1931 konnte Botwinnik bei den Sowjetischen Landesmeisterschaften mit Peter Ismailov ein Spieler bezwingen und ihn für die Finalrunden ausschalten. Die Machthaber änderten aber eigenmächtig die Turnierverläufe zugunsten Botwinniks, und Peter Ismailov wurde später erschossen.
    Ein anderer Vorfall der Begünstigung war, als Botwinnik, der wegen seiner Dissertation zwei Jahre mit dem Schach ausgesetzt hatte, 1937 den UdSSR-Champion Grigori Löwenfisch forderte, aber nur ein 5:5-Unentschieden erreichte, womit Löwenfisch seinen Titel verteidigte und damit das sportliche Recht besaß, an einem Auslandsturnier teilzunehmen. Doch daraus wurde nichts, denn 1938 beim AVRO-Turnier in den Niederlanden war es Botwinnik, der die UdSSR vertrat. (Kasparov, S. 23)

    Eine ähnliche Geschichte war dann 1940, als Michail Botwinnik bei der UdSSR-Meisterschaft nur 5. wurde, während Bondarewski und Lilienthal das Turnier gewannen. Ein Brief von Botwinnik sorgte für Abhilfe:

    Da diese Meisterschaft eigentlich darüber entscheiden sollte, wer das Recht hatte, Aljechin herauszufordern, schrieb Botwinnik einen Brief an Wladimir Snegirjow, der nach dem Tod von Krylenko eine wichtige Rolle im Sowjetschach übernommen hatte, und meinte, es wäre „ironisch“, wenn Bondarewski - ein Kosake - und Lilienthal - ein ungarischer Immigrant - um die nationale Meisterschaft spielen dürften. Daraufhin kam es zur „Absoluten Sowjetischen Meisterschaft“ - der ersten und einzigen der Geschichte - in der sechs der besten sowjetischen Spieler jeweils vier Partien gegeneinander spielen mussten. Botwinnik gewann das Turnier mit 13,5 Punkten aus zwanzig Partien vor Keres, Smyslow und Boleslawski. Die beiden Sieger der weniger absoluten Meisterschaft, Lilienthal und Bondarewski, belegten den vorletzten und letzten Platz.
    Und auch das Revancherecht der FIDE (bei der die Sowjets bereits sehr einflußreich waren), von dem Botwinnik bei den Weltmeisterschaften bekanntlich stark profitierte, gilt gemeinhin als eine Art Lex Botwinnik.

    Allerdings muß man Botwinnik hoch anrechnen, daß er trotz aller Seilschaften mit dem skrupellosen stalinistischen Regime ein solch sportliches Ehrgefühl hatte, daß er mehrmalige Manipulationsangebote der sowjetischen Machthaber, andere sowjetische Teilnehmer bei Turnieren absichtlich gegen ihn verlieren zu lassen, damit er, Botwinnik, die Turniere gewinnt, ausschlug wie bspw. beim Weltmeisterturnier von 1948.

    In diesem Kontext soll sich Michail Botwinnik laut Schamkowitsch auch zeit seines Lebens eine gewisse Unabhängigkeit (vgl. Kasparov, S. 22) bewahrt haben. So verweigerte sich Botwinnik zweier denunziatorischen Unterschriftenaktionen des sowjetischen Regimes, und zwar sowohl der Unterschriftenaktion 1976 gegenüber dem geflüchteten Kortschnoi (neben Spasski, Bronstein und Gulko), was laut Kasparov zu der zeitweiligen Schließung seiner Botwinnik-Schachschule führte (vgl. Kasparov, S. 172), und sogar 1953, noch zu Lebzeiten Stalins, während der ominösen Ärzte-Kampagne.

    1995 starb die größte Identifikationsfigur der Sowjetischen Schachschule unter großer Anteilnahme der russischen Schachspieler. Praktisch jeder von ihnen war irgendwie mit ihm verbunden. Wie sollte er es auch anders sein, denn niemand anderes als er hat die sagenumwobene Sowjetische Schachschule nachhaltiger als er geschweißt.
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  2. #2
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    AW: Eine sowjetische Karriere - das Leben des Michail Botwinniks

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    [IMG]... Michail Botwinnik spielte mit maschineller Präzision, kalter Berechnung und Unnachgiebigkeit. Und auch sein Auftreten am Brett konnte seine Gegner schon einmal einschüchtern...
    Erstaunlich.
    Auf Bildern wirkt Botwinnik wie der liebe Onkel Professor mit Nickelbrille.
    ich kann mir bei ihm keine einschüchterung aufgrund des äußeren Auftretens vorstellen. Sein Spiel war dazu besser geeignet.

    Man kann auch nachlesen, was Botwinnik selbst so schreibt und vielleicht auch meint.
    Es wurde ja recht viel über ihn geschrieben, durchaus auch negativ.

    Empfehlung: Michail Botwinnik "Schach-Erinnerungen" (Rau 1981, Übersetzung aus dem Russischen, Original 1978).

    Botwinnik 1964 in Israel auf die Frage: "Zu welcher Nation fühlen sie sich zugehörig?"

    "Ja, meine Lage ist kompliziert: ich bin Jude nach dem Blut, Russe nach der Kultur, sowjetisch nach der Erziehung."
    (a.a.O. S.232)

  3. #3
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    AW: Eine sowjetische Karriere - das Leben des Michail Botwinniks

    Zitat Zitat von zugzwang Beitrag anzeigen
    Erstaunlich.
    Auf Bildern wirkt Botwinnik wie der liebe Onkel Professor mit Nickelbrille.
    Vorsicht, das kann täuschen! Botwinnik wußte genau um seinen Wert. In praktisch allen schachhistorischen Büchern (vergleiche Schonberg, Kasparov, Treppner/Pfleger, Bruns) wird ihm ein gewisser in der Stalin-Zeit anerzogener Zynismus bescheinigt. Um Dir das verständlich zu machen, er konnte durchaus ausdruckslos, ja teilnahmslos gucken, aber ihm entging nichts. Er war laut Kasparov ein "todernster" Mann, der sich selbst alles abverlangte, dies aber auch von seinen sowjetischen Kollegen erwartete. Diese Ausstrahlung blieb natürlich auch seinen ausländischen Gegnern nicht verborgen. Lew Alburt etwa benutzte in diesen Zeiten die Formulierung, daß an Brett 1 der Sowjetunion (Botwinniks Brett) "immer die Staatsmacht" sitze (vgl. Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 3, S. 67).

    Die Aussage von Kasparov, auf die Du Dich beziehst, geht übrigens noch weiter. Kasparovs Schlußfolgerung ist durchaus bemerkenswert. Hier das Zitat in Gänze:

    Viel später las ich die Schilderung, die der Engländer Alexander von seiner ersten Partie mit Botwinnik gab. Wie Michail Moissejewitsch ihn anschaute, seine Frisur richtete, die Brille zurechtrückte, den Zug c4 spielte und den Stift nahm, um dieses Kampfsignal zu fixieren... All das weckte in Alexander, einem erfahrenen Schachspieler, den Wunsch, auf der Stelle aufzugeben. So bedeutsam erschienen ihm die Handlungen Botwinniks. Und in der Tat... er verlor die Partie ohne Widerstand! Somit waren nicht Tal, nicht Karpow oder Kasparow die Pioniere auf dem Gebiet der psychologischen Kriegsführung im Schach...
    Kasparov, S. 103
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