Joseph Henry Blackburne (1841-1924) galt als Spätromantiker, d.h. als ein Spieler, der auch nach der Verwissenschaftlichung des Schachs durch Steinitz noch eine scharfe Klinge fuhr. Seinen Sptznamen, the black death, verdankte er, laut dem Schachhistoriker Harold C. Schonberg „gleichermaßen seinem schwarzen Bart, seinem furchteinflößendem Äußeren, seinen mörderischen Angriffen auf dem Schachbrett und dem „black“ in seinem Familiennamen“. (Harold C. Schonberg, Die Großmeister des Schach, Fischer Taschenbuch Verlag, 1976, S. 65). „Der schwarze Tod“ machte seinem Namen auch alle Ehre, als er in einer Rauferei den ersten modernen Schachweltmeister der Schachgeschichte, Wilhelm Steinitz, mit dem Kopf voran durch eine Fensterscheibe eines Etablissement schleuderte. Um die Jahrhundertwende sorgte er für einen Skandal, als er maßvolles Alkoholtrinken für Schachspieler während ihrer Partien propagierte. Noch 1935 hatte dies, allerdings erfolglos, Alexander Aljechin in seinem WM-Match gegen Max Euwe versucht. Das Ergebnis war, daß Aljechin sensationell seinen Titel gegen den niederländischen Underdog einbüßte, was für einen nachhaltigen Schachboom in den Niederlanden führte, von dem das Land heute noch zehrt.

1889 gelang Blackburne mit Schwarz ein glänzender Sieg gegen Amos Burn. Bereits 10. Lf3 war ein Fehler, worauf Blackburne hinwies, weil es stärker gewesen wäre, das Zentrum vor dem Läuferzug mit 10. f4 zu stärken. Auch 15. Dd1 war bereits eine Ungenauigkeit. Dadurch, daß Weiß seine Dame im 18. Zug auf das Feld d3 setzte, vergeudete er gegenüber einem 15. Dd3 ein Tempo. Trotzdem hätte Burn immer noch seine Stellung nach einem Springermanöver Blackburnes halten können, aber seine Erwiderung 20. f3? erwies sich geradezu als fatal und erneut als eine ernsthafte Ungenauigkeit. Es ist klar, daß der Springer nach e5 will, also braucht er nicht durch ein zudem schwächendes Tempo vertrieben werden. 20. Sd5 dürfte die Stellung noch im Gleichgewicht halten. Mit Damenopfer und starken die Brettmitte öffnenden Hebeln reitet Blackburne einen seiner gefürchteten Angriffe (24. Txd7 hilft nicht weiter wegen 24. ...fxg2 nepst ...Sf3+ oder ...fxg2+ bei gewonnener Stellung). Das glänzende Springeropfer im 24. Zug war ein weiterer glänzender Geniestreich, der das Aus Burns besiegelte. Der weitere Partieverlauf bestätigt, daß Blackburne richtig gerechnet hatte und über eine außergewöhnliche Intuition verfügte.


[Event "USA-06.Congress New York (38-2)"]
[Site "USA-06.Congress New York (38-2"]
[Date "1889.??.??"]
[Round "?"]
[White "Amos Burn"]
[Black "Joseph Henry Blackburne"]
[Result "0-1"]
[ECO "C66"]
[PlyCount "66"]
[EventDate "1889.??.??"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nf6 4. O-O d6 5. d4 exd4 6. Nxd4 Bd7 7. Nc3 Be7 8.
Be3 O-O 9. Be2 Re8 10. Bf3 Bf8 11. Bg5 h6 12. Bc1 g5 13. g3 Nxd4 14. Qxd4 Bg7
15. Qd1 Bc6 16. Re1 Qd7 17. Bg2 Re7 18. Qd3 Rae8 19. Bd2 Ng4 20. f3 Ne5 21. Qf1 d5 22. Rad1 dxe4 23. Bxg5 exf3 24. Bh1 Nd3 25. Rxe7 Bd4+ 26. Be3 Rxe7 27. Qxd3 Rxe3 28. Qxd4 Re1+ 29. Kf2 Qxd4+ 30. Rxd4 Rxh1 31. h4 Rc1 32. Ne4 Rxc2+ 33. Kxf3 f5 0-1