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Thema: Werkzeugkiste auf der Schachburg

  1. #1
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    Werkzeugkiste auf der Schachburg

    In diesem Thread sollen markante Muster und Verfahren aus Schachpartien dargestellt und gesammelt werden.
    Hinweis auf folgende Gedanken http://www.schachburg.de/threads/115...ll=1#post18650

    Einprägsame Muster gibt es vor allem auf dem Gebiet der Schachtaktik in jeder Partiephase. Ich will diese Muster und Motive nach Praxishäufigkeit aber auch nach reinem Gefallen zusammenstellen und dabei Beispiele bündeln, die sich ähneln.
    Damit ergibt sich dann eine Werkschau, wie man mit dem Werkzeug umgehen und welche "Produkte" man herstellen kann.

    Die Kiste wird nach und nach gefüllt.

  2. #2
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Eigentlich wollte ich ja erst piano mit einem Alltagswerkzeug anfangen, aber da aktuell um das Herausforderungsrecht zur Schach-WM gestritten wird, können wir uns diesem Niveau ganz vorsichtig und immer noch aus großer Entfernung etwas dichter nähern.

    Im Thread für tolle Matts

    http://www.schachburg.de/threads/404...Cr-tolle-Matts

    ist ja eine gewisse Schwärmerei für das Libellenmatt nachzulesen.

    Was kann man mit diesem Werkzeug und seinen verschiedenen Formen alles so anstellen?

    Als Einstieg eine meiner Lieblingskombis - von Boris Spassky in der Bundesliga 1988 gegen Gilles Andruet gewonnen.



    In dieser Stellung spielte Spassky mit Schwarz c6-c5 und hatte dabei mit Sicherheit schon diese Stellung und ihre wunderbare Lösung vor Augen:



    Läßt sich eine derartige Kombination nur mit Esprit und Genialität erklären?

    Ich denke nicht. Hinzukommt die Kenntnis von zahlreichen Mustern und Verfahren, die ein Weltmeister des Schachs wie Spassky genial zusammenzufügen und einzusetzen weiß.

    In der Mustersammlung, die solche Kreationen möglich werden lassen finden sich vielleicht solche Stücke:



    Rabinovich-Goglidze 1939 - Schwarz zog nicht mehr!



    New York 1933: Mr. Tenner machte es Rabinovich hier mit Schwarz gegen Field vor.

    Auf diese Vorarbeit konnte sich Vassilios Kotronias mit Weiß 1990 gegen Danny King stützen, wenn er es nicht selber herausfand:



    Und besonders schön gelang die Musteranwendung in dieser Korrespondenzpartie von 1967:



    Larsson mit Weiß am Zug steht bereits hoffnungslos, versuchte das plausible d2-d4 und wurde von Calle Erlandsson stilvoll ausgezählt.

    Anmerkung: Es kann durchaus sein, daß die Nachfolger aufgrund eigener Kreativität und Kopfarbeit die Lösungen fanden. Doch wird auch offenbar, um wieviel einfacher der richtige Weg gefunden werden kann, wenn Muster bekannt und verstanden sind.
    dann fällt es auch leichter mit Abweichungen, Variationen und Nuancen umzugehen und letztlich wie Spassky ganz neue Stücke zu "handwerken", zu malen oder zu komponieren.

  3. #3
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Ich könnte mir vorstellen, dass man Angriffsmuster gegen die Rochadestellung gut zu einem Werkzeug zusammenfassen könnte. Leider fehlen mir geeignete Stellungen, um sie jetzt hier zu posten. Denke aber, dass da schnell ein Fundus an unterschiedlichen Motiven zusammenkommt, wenn man mal drauf achtet und sich die Partien ablegt.

  4. #4
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Kampfkeks, Du hast völlig recht. Gerade der Kampf gegen die Rochadestellung läßt sich sehr gut systematisieren. Ein Klassiker wäre z. B. Der Rochade-Angriff von Vladimir Vukovic. Aber auch der anerkannte sowjetische Spieler und Trainer Alexej Suetin hat hier wahre Pionierarbeit geleistet.

    Auf die Schnelle hilft Dir vielleicht noch die Grundregel, daß man Bauernzüge aus der Rochadestellung immer genau abwägen sollte, weil die vorgerückten Bauern die eigene Rochadestellung schwächen und vor allem Angriffsmarken für den Gegner darstellen können. Bspw. verliert bei kleiner Rochade bei gegnerischer großer Rochade ...h6 oft schnell. Der Gegner prescht einfach seine Bauern vor (h4, g4-g5, erzwingt die Öffnung der h-Linie, stellt seine Dame auf h2 (der eigene Turm steht natürlich auf h1) und dann ist Schwarz schon mehr oder weniger tot.
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  5. #5
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Zitat Zitat von Kampfkeks Beitrag anzeigen
    Ich könnte mir vorstellen, dass man Angriffsmuster gegen die Rochadestellung gut zu einem Werkzeug zusammenfassen könnte. Leider fehlen mir geeignete Stellungen, um sie jetzt hier zu posten. Denke aber, dass da schnell ein Fundus an unterschiedlichen Motiven zusammenkommt, wenn man mal drauf achtet und sich die Partien ablegt.
    Genau dazu dient die Werkzeugkiste.
    Und jeder kann sie individuell gestalten, verfeinern, straffen, unterteilen, erweitern usw.

    Für den Rochadeangriff benötigst Du viele Werkzeuge - eine ganze Kiste, einen Koffer.
    Das von Kiffing empfohlene Buch ist ein Klassiker.
    Heutzutage kann man sich aus Datenbanken vieles selbst ganz neu selbst zusammenstellen.
    Rainer Knaak (so glaube ich) hat vor Jahren in einem "Firmen"-Produkt das Thema "Matt gegen 0-0" umfangreich und kompetent dargestellt.

    Ich werde hier mit einzelnen Werkzeug(grupp)en auch das umfangreiche Thema "Mattangriff gegen die Rochadestellung" ansprechen. Bleibt bei den Werkzeugen gar nicht aus.
    Das Libellenmatt zeigte ja schon den "Dosenöffner" Damenopfer, damit Läufer und Springer an den gegnerischen König herankommen. Dieses Libellenmatt und seine Verwandten ist schon deutlich höhere Kunst. Demnächst werden wir hier die Bedeutung halboffener und offener Linien anschauen. Das ist in der Praxis ja wesentlich häufiger von Bedeutung.

    Zum Thema Kombinationen mit Motiv Libellenmatt hier noch eine kleine Bilderserie:

    vukovic_nn2.jpggudju_bogdanovski2.jpgtaimanov_kuzminich.jpgurusov_kalinovsky2.jpgwesterinen_miyasaki2.jpgekström_bergmann2.jpgvaganian_planinc2.jpgmagalotti_pantaleoni2.jpgpavlovic_cabrilo2.jpgsveshnikov_ivanov2.jpg

  6. #6
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Im Kandidatenturnier von London stellte Peter Svidler mit seinem (Verlust)zug 33. Dh5 zwei Mattdrohungen gegen den schwarzen König auf.

    Die eine ist 34. Df5+ und die andere beruht auf einem bekannten Muster, das als Werkzeug hier vorgestellt wird.
    Magnus Carlsen wehrte mit De4 nicht nur beide Drohungen ab, sondern schritt gleichzeitig zu einem unparierbaren Gegenangriff.

    Die etwas verstecktere Drohung, die Peter Svidler aufstellte, findet sich in diesem alten Spielausschnitt von Aaron Nimzowitsch wieder:



    van Vliet-Nimzowitsch Ostende 1907 - Schwarz zieht und gewinnt.

    Diese Gewinnidee wurde in späteren Partien, teilweise verfeinert, angewandt.
    Etliche Beispiele dürften aus "Kombibüchern" bekannt sein.

    Bei Hans Müllers "Lerne kombinieren" findet sich Bruc-Gandolfi Mailand 1939 - Schwarz am Zug:

    22_bruc_gandolfi.jpg

    Vielfach abgebildet ist Uhlmanns Ausführung von 1963 (Schwarz zieht) - CIM 1-358, CIM 2-534.

    23_maedler_uhlmann.jpg

    Weniger bekannt, aber umso kunstvoller setzte der bedeutende deutsche Problemkomponist Fritz Giegold 1928 das Motiv in einer praktischen Partie ein (Schwarz zieht).

    24_schatz_giegold.jpg

    Für den Damenflügel gibt es ein feines Beispiel, das zunächst das schwarze Eindringen auf die Grundreihe forciert, um danach den bekannten Mechanismus anzubringen (Sameh-Hamed - wo?, wann? - gefunden in Europa-Rochade Sachsen-Anhalt 10/99).

    25_sameh_hamed.jpg

    Die schwierigste Gestaltung in dieser Beispielsreihe gelang 1969 in der UdSSR zwischen Sacharov und Cherepkov mit Weiß am Zug - CIM 2-1060

    26_sacharov_cherepkov.jpg

    CIM 1 = Chess Informant Encyclopaedia of Middlegames/Combinations (1980)
    CIM 2 = Chess Informant Anthology of Chess Combinations (1995)
    CIM 3 = Chess Informant Anthology of Chess Combinations (2005)
    Geändert von zugzwang (30.03.2013 um 22:45 Uhr)

  7. #7
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Bin zwar noch nicht mit allen Stellungen durch, aber an der Stelle auf jeden Fall mal ein großes Dankeschön für die Mühe, zugzwang!
    (hier löst jeder für sich allein, dh du erwartest keine Lösungen, oder?)

  8. #8
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Zitat Zitat von Kampfkeks Beitrag anzeigen
    ...(hier löst jeder für sich allein, dh du erwartest keine Lösungen, oder?)
    Das bietet sich hier an. Jeder überprüft für sich, ob er mit den Werkzeugen und Motiven zurechtkommt und in sein Arsenal aufnimmt.
    Die Antworten kann jeder, der schachlich üben/arbeiten will, selbst herausfinden und mit den engines prüfen.

    Fragen und Anregungen bleiben natürlich gern gesehen, Antworten zu den Kombis sind nicht vorgesehen.

    Irgendwann mal, wenn genügend Material da ist, werde ich eine datenbankfähige Zusammenstellung (PGN, cbv) einstellen.

  9. #9
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Nach dem teilweise recht komplexen Werkzeug der Läufer-Springer-Zusammenarbeit (Butterfly/Schmetterling) ein recht einfaches Werkzeug, das auf Ablenkung in Zusammenspiel mit Schach auf der Grundreihe basiert.

    Meine eigene Erfahrung damit stammt aus A-Jugend-Vorrundenzeiten gegen einen späteren Berliner Meister (SBM).

    Die kritische Stellung wird mit dem 20. bzw. 21.Zug erreicht, nachdem ZZ dem Trittkomplex folgend mit 19. b4? bereits seine Stellung weiter kompromittiert hat und bei 20. Tec1? das einfache taktische Motiv übersah, dem er mit dem 21. Zug gerade noch entrann, um die Partie letztlich doch kla(n)glos zu verlieren.
    Das übersehene Motiv und seine psychischen Auswirkungen sowie die offene weiße Königsstellung lassen mich heute noch frösteln.
    Die Partie ist ein typisches Beispiel für einen sich fortsetzenden negativen Trend, der durch einen gerade noch entdeckten Einsteller eher noch verstärkt wird.

    [Event "A-Jgd Vorrunde"]
    [Date "19??.??.??"]
    [White "ZZ"]
    [Black "SBM"]
    [Result "0-1"]
    [ECO "B31"]

    1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 g6 4. O-O Bg7 5. Re1 Nf6 6. c3 O-O 7. d4 cxd4 8.
    cxd4 d5 9. e5 Ne4 10. Nc3 Bg4 ? (10... Nxc3 11. bxc3) 11. Nxe4 Bxf3 12. gxf3 dxe4 13. Bxc6 bxc6 14. fxe4 c5 ! 15. dxc5 Qc7 16. f4 16... Qxc5+ 17. Be3 Qb4 18. Qd4 Qa5 19. b4 ? (19. Bd2) 19... Qa3 20. Rec1 ? (20. Rab1 Qxa2 21. Ra1 Qe6 22.
    Rxa7 Rxa7 23. Qxa7 Qg4+) 20... Rfd8 21. Qc5 (21. Qc3 ?? Rd1+) 21... Rd3 22. Bf2 e6
    23. Qc2 Rf3 24. Qc6 Rf8 25. Bc5 Rxf4 26. Rf1 Bxe5 27. Rxf4 Bxf4 28. Bxf8 Qb2
    29. Qc8 ? (29. Bc5) 29... Be3+ 30. Kh1 Qxa1+ 31. Kg2 Qg1+ 32.
    Kh3 Qf1+ 33. Kg3 Qf2+ 0-1


    Doch nun weiter zu weiteren Anwendungsbeispielen für dieses Ablenkungswerkzeug:

    T3.1 Alatorzev-Konstantinopolsky (SU 1937)
    Weiß erging es hier vielleicht ähnlich. Trotz Mehrbauern kam er nicht so recht voran und stellte mit dem letzten Zug Le2-c4 grauenhaft die Partie weg.
    Schwarz ließ sich nicht bitten, gebrauchte kein Spezialwerkzeug und zwei kurze Schläge mit dem Hämmerchen reichten:



    T3.2 Bei "Win at Chess" findet man in #36 folgendes kleine Beispiel zum Werkzeuggebrauch - wieder für Schwarz:



    T3.3 Vor 20 Jahren unterlief vermutlich in Zeitnot und mit Erscheinen von Schachgespenstern einem gestandenen Großmeister folgender Lapsus:

    Warum ist ... Dc3?? keine besonders erquickliche Idee für Schwarz?



    T3.4 Genau nach einfacher Arbeitsanweisung verfährt man in Gusztszone(?)-Hajlova (Riga 1980) - keine Gewähr für die Schreibweise der Namen!



    Es folgen nun etwas fortgeschrittene Anwendungen.

    T3.5 Zunächst Igor Glek mit Schwarz gegen U. Lau (1990)



    T3.6 Tunik gegen Weingold (1984) ist nur eine Wiederholung des Akts von 1937:




    T3.7 Barczay am Zug gegen Erdelyi (1975) zeigt nur eine kleine Nuance und ist somit für jeden guten Heimhandwerker ein Kinderspiel:



    T3.8 Eine kleine Erweiterung mit dem Motiv der Verstellung bietet Zhuravliov-Semeniuk (1976) - Weiß zieht:



    T3.9 Etwas versteckter bereits im Jahr 1912 bei Wiszniewetzki-Auerbach.
    Schwarz verstellt und lenkt ab. Wie gehts?



    Für Meisterkandidaten der Werkzeuganwendung folgende Aufgabe.
    Oder ist es eher ein Gesellenstück?
    Zumindest die Protagonisten von 1958 wurden spätere Großmeister (sicherlich mit prall gefüllter ideeller und nicht nur taktischer Werkzeugkiste).

    T3.10 Gurgenidse als Weißer nutzte die Bindung bei Bagirov handwerklich sauber aus:



    T3.11 Weltmeister, selbst mit dem Zusatz "Ex-", haben ihren eigenen Werkzeugumgang.
    Wie zeigte Achill Smyslov mit Weiß dem kampfgestählten Hector (Rossetto), daß dieser einen Rückstoß beim Werkzeug-/Waffeneinsatz übersehen hat?
    Nun, Hector wurde auch im "richtigen Sagenleben" erst durch eine kleine List besiegt



    T3.12 Und zum Abschluß eine kleine Erweiterung des Themas. Es werden nicht nur Türme abgelenkt.
    Von Konstantin Lerner kann man immer noch lernen, auch wenn er nicht mehr unter uns weilt
    https://en.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Lerner.
    Wie zeigte er 1979 Sideif-Sade gewisse technische Überlastungen der schwarzen Haushaltsführung auf?



    Randbemerkung:

    Die Transskription verschiedener Namen in diesem Beitrag dürfte wild durcheinandergehen und teilweise (stark) fehlerbehaftet sein. Eine Nachforschung, Korrektur und Vereinheitlichung
    ist mir jedoch zuviel (außerschachliche) Arbeit.
    Wer will, kann dieses aber gerne korrigierenund richtigstellen.
    Geändert von zugzwang (29.04.2013 um 19:09 Uhr) Grund: peu a peu erstellt, Nummerierung nachgetragen

  10. #10
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Schöne 12 Apostel!


    1. 1...Lxc4 2. Dxc4 Td1+ 3. Kg2 Dxc4 mit Turmgewinn
    2. 1. ...Te1+ 2. Kf2 Dxc6 mit Turmgewinn
    3. 1. ...Dxc3?? 2. Td8+ Kg7 3. Dxc3 mit Turmgewinn
    4. 1. Td8+ Lf8 2. Dxc4 mit Turmgewinn
    5. 1. ...Txd3 2. Dxe3 Tf1+ 3. Txf1 (3. Dg1 Dxg1#) Dxe3 -+
    6. 1. ...Txd4 2. Dxd4 Te1+ 3. Kf2 Dxd4 -+
    7. 1. Tg8+!! Kxg8 (1. ...Txg8 2. Dg3+ Kf8 3. Dg7+ Ke8 4. Dg7/g8#) 2. Dxc1 +-
    8. 1. Td8+!! Txd8+ (1. ...Lxd8 2. De8#) 2. Dxb7 +-
    9. 1. ...Tf1+!! 2. Txf1 (2. Lxf1 Dg1#) Dxd5 -+
    10. 1. Te8+ Kh7 2. Th8+!! Txh8 3. Dxd5 +-
    11. 1. cxb6 Dxb5 2. Txb5 axb6 3. a7 Te8 4. Tb8 +-
    12. 1. Lb2!! Dxb2 2. Td8+!! Lxd8 3. Dxb2 +-

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  11. #11
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Alle einverstanden mit dem Werkzeuggebrauch durch Kiffing?

    Alle Schönheitsreparaturen ordnungsgemäß ausgeführt oder mal der Routine verfallen?

  12. #12
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Der lernende Schachspieler eignet sich viele "Muster" an.
    Das beginnt mit einfachen Bauern- und Springergabeln oder Fesselungen auf der e-Linie.

    Die Muster beginnen bereits bei der Aneignung der Eröffnungstheorie.
    Hier zeigt sich teilweise schnell, daß Musteraneignung, Mustererkennung und Musterverständnis nicht unbedingt auf einem Niveau sind.

    Beim 1. Turnier meines Lebens in der Schule "gelang" es mir 3x ein bekanntes (Eröffnungs-)Muster aufs Brett zu bekommen. Irgendein Einsteiger-Lehrbuch hatte mich auf die Zugfolge gebracht und ein erstes kleines Verständnis bestimmter Zusammenhänge im Zusammenspiel der Figuren entstand.
    Wie sich zeigte, allerdings nicht vollständig genug und auf keinem soliden Fundament gebaut.

    Was damals geschah, reißt keinen Schachschüler vom Hocker:


    [Event "Schulschach"]
    [White "ZZ"]
    [Black "NN"]
    [Result "*"]
    [ECO "C57"]
    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Nf6 4. Ng5 d5 5. exd5 Nxd5 6. Nxf7 Kxf7 7. Qf3+ Ke6


    Zu meiner nicht gelinden Überraschung (2 Vorgängerpartien liefen "plangemäßer" mit 7. ... Ke8 und 1-0 nach weiterem Fehlerwechselspiel beider Seiten ab) fand mein damaliger Gegner hier 7. ... Ke6 und mir wurde klar, daß mein Wissen und Verständnis nicht nur außerschachlich noch stark begrenzt und erheblich ausbaufähig ist.
    Nach beiderseitigen weiteren Irrungen und Wirrungen, die weit jenseits der schachwissenschaftlich empfohlenen Ideen für die nach 7. ... Ke6 entstandene Stellung abliefen, ergab sich sich ausgekämpftes Remis - Ende mit Schrecken.
    Erst später lernte ich, welcher "Wust" hinter dieser harmlosen Anfängerzugfolge steckt
    (siehe z.B. Estrin Theorie und Praxis des Zweispringerspiels).

    Natürlich gibt es auch gelungenre Beispiele der Mustererkennung und -anwendung.
    In einer Trainingssession mit dem Organisten der Kirchengemeinde, in der eine Zeit lang 2 Autodidakten durch learning by doing versuchten, ein etwas solideres Schachniveau zu erreichen, konnte ich zum ersten Mal ein aufgeschnapptes Schema anwenden, das über Bauern- und Springergabel oder simple LPDO-Abholer hinausging.

    Die Partie selbst zeigte bereits Ansätze einer pseudo-soliden Spielanlage beiderseits.


    [Event "casual"]
    [White "ZZ"]
    [Black "Organist"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "A40"]

    1. d4 g6 2. c4 c6 3. e3 Bg7 4. Bd2 Nf6 5. Nc3 O-O 6. Nf3 a6 7. Be2 d5 8. cxd5
    cxd5 9. Qc1 Bf5 10. h4 Nh5 11. Ne5 Nf6 12. g4 Be4 13. f3 Nxg4 14. Nxg4 Bf5 15.
    e4 dxe4 16. fxe4 Bxg4 17. Bxg4 Bxd4 18. h5 e5 19. hxg6 fxg6 20. Be6+ Kh8 21.
    Bg5 Bf2+ 22. Ke2 Qd6 23. Rxh7+ Kxh7 24. Qh1+
    Kg7 25. Qh6# 1-0


    Damit wären wir bei der nächsten Werkzeuggruppe in der Tooltime der Schachburg angelangt:

    Angriffsmotive und Angriffsverfahren entlang der h-Linie.
    Spiegelbildlich ist dies auch für die a-Linie möglich, kommt aber etwas seltener zur Anwendung...

    Als Muster könnte mir folgendes Lehrbeispiel gedient haben:



    Dieses alte Beispiel von Damiano (1512?) ließe sich, da nebenlösig usw., nach etwas verbessern, wenn man einen schwarzen Te6 dazugibt.

    In einer alten Fernpartie zweier deutscher Städte (vermutlich eher 2er Schachclubs aus diesen Städten) ergab sich folgendes geringfügig erweitertes "Muster":



    Die Mannheimer mit Weiß am Zug ließen sich nicht groß bitten.
    Es ist nicht bekannt, ob sie zuerst jahrhunderalte Quellen studierten, um auf die Lösung zu kommen, ob sie das Muster parat hatten oder durch eigenes Nachdenken "neu" erfanden.

    Der umfangreichste mir bekannte Werkzeugeinsatz findet sich in dieseralten Stellung diesmal für die schwarze Seite wieder. Es besteht natürlich der Verdacht, daß alles nachträglich komponiert wurde. Eine vollständige Partienotation ist mir nicht bekannt.


    [Event "London"]
    [Date "1883.??.??"]
    [Round "?"]
    [White "NN"]
    [Black "Mason, E."]
    [Result "0-1"]
    [Annotator "Müller #425, Teschner #160"]
    [FEN "k1q1bbrr/1p3pp1/p7/5n1n/PP2N2p/1NP5/1BB1Q1PP/2R2R1K b - - 0 1"]

    1... Bb5 {raeumt die achte Reihe fuer Dh8} 2. axb5 Nhg3+ 3.
    Nxg3 Nxg3+ 4. hxg3 hxg3+ 5. Kg1 Rh1+ 6. Kxh1 Rh8+ 7. Kg1 Bc5+ 8. bxc5 (8. Rf2 {
    Fluchtfeld f1} 8... Rh1+ 9. Kxh1 Qh8+ 10. Bh7 (10. Kg1 Qh2+ 11. Kf1 Qh1#) (10.
    Qh5 Qxh5+ 11. Kg1 Bxf2+ 12. Kf1 Qxb5+ 13. c4 (13. Bd3 Qxd3#) 13... Qxc4+ 14.
    Bd3 Qxd3#) 10... Qxh7+ 11. Qh5 (11. Kg1 Qh2+ 12. Kf1 Qh1#) 11... Qxh5+ 12. Kg1
    gxf2+ 13. Kf1 Be3 $19) 8... Rh1+ 9. Kxh1 Qh8+ 10. Kg1 Qh2# 0-1


    Welche Produkte man mit den Werkzeugen rund um die h-Linie noch so schaffen kann, folgt demnächst bei "Tooltime Schachburg".

    Ein allseites bekanntes Werkstück von großer Eleganz wurde von einem zeitweise blinden Schachkünstler gestaltet. "Handwerker" kann man diesen Spieler nun wirklich nicht nennen,weil er mit jedem Handwerkszeug künstlerisch umzugehen verstand:



    Weiß am Zug führte rund um die h-Linie die Mattentscheidung herbei.

    Hinweis: Die Handhabung des Werkzeugs erfolgt hier schon anders als in den Eingangsbeispielen!
    Geändert von zugzwang (12.05.2013 um 12:21 Uhr)

  13. #13
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Zitat Zitat von zugzwang Beitrag anzeigen
    Weiß am Zug führte rund um die h-Linie die Mattentscheidung herbei.

    Hinweis: Die Handhabung des Werkzeugs erfolgt hier schon anders als in den Eingangsbeispielen!
    Das ist knifflig! Meine Überlegung...



    1.g6
    Damit droht Th8 Matt, so dass
    1...Dxg6
    erzwungen ist. Sieht aus, als wäre der Angriff damit erledigt, aber nach einigem Überlegen bin ich auf
    2.Se5
    gestossen - Doppelangriff! (Dame wird angegriffen und es droht wieder Matt, weil der Springer das Fluchtfeld f7 abdeckt). Mit 2...dxe5 kann Schwarz das Matt nicht verhindern: 3.Dc4+ usw.
    Bleibt also eigentlich nur
    2...Dxh5
    3.Txh5 dxe5

    womit Schwarz die Dame gegen Turm und Springer tauscht, dh eine ordentliche Kompensation bekommt...

    Naja, richtig glücklich bin ich nicht mit meiner "Lösung", aber vielleicht geht es hier ja nur um das Motiv an sich (Springer übernimmt f7, anstelle des Bauern g6).



  14. #14
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    @ Kampfkeks:

    Die Motive und Ideen stimmen. Nun geht es darum, sie in der richtigen Reihenfolge auszuführen. Wenn manmal nicht so richtig weiterkommt (= nicht wirklich glücklich mit der Lösung ist), dann rate ich eines der 3 "Z" zu versuchen und die Züge in der reihenfolge umzustellen. Nicht selten lassen sich erkannte Motive und Ideen in anderer Reihenfolge verwirklichen.
    Diese Kombination von Aljechin aus einem Blindsimultan ist ein Beispiel für perfektes Teamwork.
    Jede weiße Figur mit Ausnahme des Königs spielt zusammen mit dem Bauern g5 eine wichtige Rolle bei der Kombination.
    Es gibt hierbei "Türöffner" und Zuspieler/Anspieler als Vorbereiter und man verrät kein verstecktes Geheimnis, wenn man die weiße Turmbatterie auf der h-Linie als die Torschützen oder so bezeichnet.

    Wie verhilft Weiß den Türmen zu einem "Korbleger". Für einen "Dreier" steht der Th5 bereits in der Zone!

  15. #15
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    AW: Werkzeugkiste auf der Schachburg

    Ich glaub, jetzt hab ich´s..



    1.Se5
    Nimmt das Fluchtfeld f7, es droht Th8 Matt.
    Schwarz muss Th8 verhindern, oder für Fluchtfelder sorgen:

    1...dxe5 2.g6 (droht wieder Th8#) 2...Dxg6 (erzwungen) 3.Dc4+ nebst Matt

    1...Dxe5 2.g6 (droht wieder Th8#) Schwarz kann zwar noch Schach sagen, kommt aber letztlich nicht an den g6 ran, wenn ich das richtig sehe, dh Matt oder Damenverlust.

    1...g6 2.Th8+ Kg7 3.Th7#

    1...Dh6 verliert die Dame, ist angesichts der Alternative (Matt) die einzige Option.

    Du hast völlig Recht, zugzwang! Es kommt total auf die Reihenfolge an.
    Wenn man erst Se5 spielt, dann funktioniert es!



    Was meinst du eigentlich mit den 3 "Z"?

    lg keks

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