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Thema: Garri Kasparov * 13.04.1963

  1. #1
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    Garri Kasparov * 13.04.1963

    Heute feiert Garri Kasparov seinen 50. Geburtstag!

    Es gibt neben Fischer wahrscheinlich keinen weiteren Schachspieler, über den weltweit in den verschiedensten Medien so umfangreich und kontrovers diskutiert wird wie über den Schachgiganten aus Baku.

    Man kann daraus auswählen, seine eigene Meinung bilden und sich damit doch irgendwie neben anderen wiederholen.

    An diesem besonderen Tag heißt es für mich einfach:

    Herzlichen Glückwünsch, Garri Kasparov, alles Gute für die Zukunft und vielen Dank für die zahllosen Inspirationen auf den 64 Feldern und einigen außerhalb der Brettbegrenzungen!

    Geändert von zugzwang (13.04.2013 um 09:39 Uhr) Grund: tipp ex

  2. #2
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    AW: Garri Kasparov * 13.04.1963

    Die Schachwelt hat Garri Kasparov sehr viel zu verdanken. Vor allem füllte er das Vakuum aus, das Robert Fischer hinterließ. Denn unabhängig wie man zu ihm steht, hatte Fischer ja besonders im Westen für einen regelrechten Schachboom gesorgt. Die Schachwelt verdankt Garri Kasparov brillante Partien, ungeheure Bereicherungen, was Spielverständnis, Spieltiefe und Theorie angeht, und mit seiner Vorkämpfer-Reihe auch wertvollste schachhistorische Darlegungen. Die Matches K&K haben niemanden kalt gelassen und schafften es in jede Tageszeitung.

    Garri Kasparov ist ein Mensch, der sich nie verbiegt und der auch zu kämpfen bereit ist, was er sein ganzes Leben unter Beweis gestellt hat. Er liebte das Schachspiel und hat sich diesem Spiel mit einem gigantischen Arbeitseifer hingegeben. Im Gegensatz zu manch anderen Spielern hat er dabei auch über den Tellerrand geschaut. Das gab ihm die Möglichkeit, sich nach dem Schach ein anderes Betätigungsfeld zu suchen, wo er fühlte, daß er dort ebenso gebraucht wird.

    Garri Kasparov, ein wundervoller Schachspieler, ein wundervoller Mensch. Daher auch von mir alles Gute!
    Alles wartet auf das Licht
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  3. #3
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    AW: Garri Kasparov * 13.04.1963

    Vorallem sollte man - wenn man ihm als Mensch gratuliert - auch sein politisches Engagement erwähnen.

    Es gehört schon einiges dazu, sich in Russland gegen die herrschende Ordnung zu stellen. Sein logisch und taktisch denkendes Hirn hilft ihm dabei sehr.
    Sein gewaltfreier Einsatz für die Menschenrechte wird genau wie sein hervorragendes Spiel lange in Erinnerung bleiben!

  4. #4
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    AW: Garri Kasparov * 13.04.1963

    Sein politisches Wirken hatte ich ja angedeutet, aber wir können natürlich gerne noch näher darauf eingehen. Vor allem bin ich der Ansicht, daß die Lage in Rußland und auch der politische Kampf Kasparovs sehr kompliziert sind, so daß sich, auch wenn hierzulande gerne eine Art Legendenbildung aufkommt, eine einseitige Heldenverehrung in diesem Punkt eigentlich verbietet.

    Vor allem die Wirkung des Westens bringt es mit sich, daß sich in Rußland derzeit politische Kräfte bekriegen, die entweder als prowestlich oder traditionell bezeichnet werden, die in ihrer Konsequenz somit nicht das widerspiegeln, was zumindest Ansatzpunkte einer Lösung darstellen könnten.

    Nach der Transformation des Landes in der Wendezeit standen der Westen und allen voran die USA hoch im Kurs. Gerade die russische Jugend schmückte sich gerne mit Emblemen der USA auf ihrer Kleidung. Und das schien auch angemessen, verkörperten die USA doch geradezu die in der Sowjetphase ungelösten Sehnsüchte der Menschen nach Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung und Menschenrechten. Die Regierungszeit Boris Jelzins, der damals ein Volksheld der demokratischen Bewegung war, brachte aber schwerste soziale Verwerfungen mit sich, die darin gipfelten, daß selbst die Löhne allenfalls noch in Naturalien ausgezahlt werden konnten. Überall brachen die städtischen und staatlichen Funktionen in sich zusammen, die Menschen mußten um ihr Überleben kämpfen und die Lebenserwartung der Männer sank auf 58 Jahre, auch wegen exzessiven Wodka-Konsums, der aufgrund eines allgemein einsetzenden Gefühls der Perspektivlosigkeit einsetzte. Schon 1996 hätte der Kommunist Gennadi Sjuganow beinahe die Präsidentenwahl gegen Boris Jelzin gewonnen. Er lag kurz vor den Wahlen in Führung, und Boris Jelzin konnte nur durch eine konzertierte Aktion des Westens gerettet werden, der alles gebrauchen konnte als ein erneutes Abgleiten des Landes in ein sozialistisches System.

    Die Zeit der Wirren unter Jelzin führte dazu, daß viele Menschen die neuen westlichen Werte mit Zerfall, Unordnung und Chaos assoziierten und ihren Halt in ihren traditionellen russischen Werten suchten wie auch der orthodoxen Religion. Ein demokratisches staatsbürgerliches Bewußtsein hatte sich ohnehin in der russischen Gesellschaft nicht bilden können, zu schwer wog die Zeit des Sowjetsystems. Dabei waren die Voraussetzungen für eine Hinwendung Rußlands zur Demokratie eigentlich sehr günstig gewesen. Freiheitsliebe war ein traditioneller Wert in der russischen Bevölkerung, und die aufklärerischen Werte wurden gerade von der kritischen Intelligenz leidenschaftlich verarbeitet. Im späten russischen Zarenreich gab es die unterschiedlichsten politischen Strömungen, die von radikalen Demokraten, Sozialisten, Anarchisten bishin zu Nihilisten reichten, die Druck auf die Zaren ausübten, die sich politischen Reformen im aufklärerischen Sinne nicht verweigern konnten oder diese geradezu zu einem Ziel ihrer Politik erklärten. Das gesellschaftliche Klima gerade an den Universitäten des Landes war progressiv.

    In der Februarrevolution 1917 verwandelte sich die semikonstitutionelle Monarchie in eine parlamentarische Demokratie, dessen Ministerpräsident der Liberale Alexander Kerenski wurde. Hier hätte endgültig eine schon viele Jahrzehnte währende Entwicklung zu ihrem Abschluß kommen können. Aber es kam bekanntlich anders mit dem Staatsstreich der Bolschewisten und der gewaltsamen Transformation der jungen russischen Demokratie in ein totalitäres Land. Daß die Russen nie die Demokratie gehabt hätten und folglich nie zur Demokratie finden könnten, ist ein im Westen weit verbreiteter Topos, der aber so nicht stimmt.

    Als Boris Jelzin Silvester 1999 abtrat und seinem Nachfolger Wladimir Putin die Bühne überließ, schien er den meisten Russen ein guter Kompromiß zu sein. Er legte den Oligarchen Zügel an, die Wirtschaft erholte sich spürbar, und ideologisch kam es wieder zu einer Hinwendung traditioneller Werte. Gleichzeitig wurde das Klima im Lande wieder repressiver, was allerdings viele Russen begrüßten, die darin einen Versuch sahen, aus dem Chaos Jelzinscher Prägung wieder Ordnung zu schaffen.

    Das im Westen bekannte politische Koordinatensystem mit der Links-Rechts-Achse taugt in Rußland nur sehr bedingt. Rechte und Linke stellen in Rußland keine unversöhnlichen Gegensätze dar, sondern sind sich sehr ähnlich. Beide streben an, die Wirtschaft zu kontrollieren, den Nationalstolz der Russen zu bedienen, verabscheuen die USA und glorifizieren die Vergangenheit des Landes. Das beste Beispiel dafür sind die Nationalbolschewisten in Rußland, die sich sowohl an der Stalinzeit im eigenen Land als auch an der NS-Zeit Adolf Hitlers in Deutschland orientieren. Ihre Embleme sind eine Mischung aus Stalinismus und Nationalsozialismus.

    Daraus folgt eine komplizierte Situation in Rußland, daß es politisch nun die beiden Lager der Prowestlichen und der Prorussischen gibt, die beide ein starr festgelegtes Netz an Konnotationen ideologischer, ökonomischer und gesellschaftspolitischer Art haben. Garri Kasparov bspw. ist ein Prowestler mit aller Konsequenz. Vorwürfe, er sei in den USA Mitglied einer Denkfabrik der Neocons konnte er nur mit Mühe entkräften. Tatsächlich wollte Kasparov schon vor 2002 den Irakkrieg und arbeitete strategisch auf eine kriegerische Lösung des Nahen Ostens hin, wo er neben dem Irak bereits Syrien und Iran im Visier hatte. Damit sind die Interessen Kasparovs den Interessen der russischen Regierung und dem Großteil der russischen Bevölkerung geradezu diametral gegenübergestellt. Sowohl Regierung als auch das Volk wollen mehrheitlich kein Anhängsel US-Amerikanischer Politik sein, geschweige denn US-Interessen vertreten. Ihr Ziel ist vielmehr eine Stärkung der außenpolitischen Potenz Rußlands, wo die USA eher als Konkurrent denn als Partner wahrgenommen werden. Kasparov gilt in Rußland gar als fünfte Kolonne der USA und ist in Rußland unpopulär. Auch, was seine Bündnispolitik angeht, zu denen gar die Nationalbolschewisten gehören, macht es für mich sehr fraglich, ob die Ziele Kasparovs für die Menschen in Rußland erstrebenswert wären. Grundsätzlich besteht das Dilemma für die russische Politik gerade darin, einen Ausweg zu finden aus lakaienhafter Anlehnung an das US-Modell und einem bornierten und repressiven Großrussentum. Die Blockbildung in der russischen Gesellschaft und eine weit verbreitete Intoleranz gegenüber unkonventionellen Konzepten macht es alternativen Ansätzen allerdings schwer, in Rußland Fuß zu fassen.
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  5. #5
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    AW: Garri Kasparov * 13.04.1963

    Garri Kasparow "Politische Partie" - Droemer-Knaur 1987
    Original Garry Kasparov "Child of Change"

    (Schach)Politik schon vor einem Vierteljahrhundert.

    Ich frage mich, ob das Buch inzwischen auch eine russische Ausgabe erhielt.

    Vor Kasparovs persönlichem Einsatz in Sachen Politik in Russland habe ich großen Respekt.
    Ob seine Ideale/Ziele und seine Verbündeten/Unterstützer tatsächlich so ehrbar sind, weiß ich nicht. Hier muß man genauer suchen, wenn man aus widersprüchlichen Quellen und Hinweisen sein eigenes Bild malen will und nicht die Bilder anderer nur ansieht.

    Generell mal lesenswert im Paket:

    Garri wie oben, Botwinnik "Schacherinnerungen" (Rau), Kortschoj "Ein Leben für das Schach" und Karpow/Rosal "Schach mit Karpov".

    In allen Büchern etwas mehr als nur die Partien.

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