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Thema: Praktische Turmendspiele

  1. #1
    Candidate Beginner (CB)
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    Praktische Turmendspiele

    Die wichtigsten Endspielarten sind zweifellos Bauernendspiele und Turmendspiele.
    Erstere wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung für alle Endspielarten und zweite wegen ihrer Häufigkeit.

    Beim Turnier in Stavanger tauchte in den Partien Svidler-Hammer und Carlsen-Wang Hao ein geradezu klassischer Typus auf.
    Die Bauernverteilung 4:3 bei einem a-Freibauern und einer 3:3-Situation am Königsflügel ist ein immer noch offenes Thema unter Meistern und Gegenstand langer Analysen.

    Das berühmteste Beispiel stammt aus der entscheidenden Gewinnpartie zwischen Aljechin und Capablanca von 1927.
    Für Aljechin war es noch realtiv komfortabel, weil er die Situation "Turm hinter den eigenen Bauern herbeiführen konnte.
    Kommentare und Analysen zeigen, wieviel Technik trotzdem noch erforderlich war, um diesen Vorteil zu verwandeln. Und hätte Capablanca nicht mit h6-h5 freiwillig seine Bauernformation am Königsflügel geschwächt, dann wäre noch viel mehr Anstrengung erforderlich gewesen.

    In einer Partie zwischen Aronjan und Iwantschuk zeigte Letzterer eine mustergültige Verteidigung gegen den b-Bauern in dieser konstellation.
    Es wirkt spielerisch leicht, wie er sich verteidigt.

    [Event "Corus"]
    [Site "Wijk aan Zee NED"]
    [Date "2008.01.25"]
    [Round "12"]
    [Result "1/2-1/2"]
    [White "Levon Aronian"]
    [Black "Vassily Ivanchuk"]
    [ECO "D27"]

    1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Nf3 e6 4.e3 Nf6 5.Bxc4 c5 6.O-O a6 7.Bb3
    cxd4 8.exd4 Be7 9.Nc3 O-O 10.Re1 Nc6 11.Bg5 b5 12.h4 h6
    13.Bxf6 Bxf6 14.d5 Bxc3 15.bxc3 exd5 16.Bxd5 Bb7 17.a4 Qd7
    18.axb5 axb5 19.Rb1 Ra5 20.Rb2 b4 21.Be4 Rd8 22.Qb1 Rb5
    23.cxb4 Nd4 24.Nxd4 Qxd4 25.Bxb7 Rxb7 26.g3 Rb5 27.Rbe2 g6
    28.Re4 Qf6 29.Qc1 h5 30.Qh6 Qc6 31.Qe3 Rbd5 32.Kh2 Rd1 33.Qf4
    Rxe1 34.Rxe1 Rd5 35.Rc1 Qb6 36.Rc8+ Kg7 37.Rc5 Rd1 38.Qf3 Rb1
    39.Rc6 Qd4 40.Rc7 Qf6 41.Qxf6+ Kxf6 42.Rb7 Ke6 43.b5 Rb2
    44.Kg2 Rb3 45.Kf1 Rb2 46.Ke1 f6 47.Kf1 Kf5 48.b6 Ke6 49.f3
    Rb1+ 50.Kf2 Rb3 51.Ke2 g5 52.hxg5 fxg5 53.Rb8 Kf7 54.b7 Kg7
    55.f4 h4 56.f5 h3 57.f6+ Kf7 58.Rh8 h2 59.Rxh2 Kxf6 60.Rh7 Kf5
    61.Kd2 Kg4 62.Rd7 Kh3 1/2-1/2


    Wieviel Wissen und Berechnung dahintersteckt, wird einem erst bewußt, wenn man die Analysen zur Fernpartie Hollis-Florian anschaut.
    Dieses Modellendspiel wird in vielen Endspielwerken besprochen.
    Die ausführlichsten Analysen finden sich aber bei chesspublishing.com:

    http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb...num=1321345446

    http://www.chesspub.com/cgi-bin/yabb...num=1286625627

    Überhaupt ist der Endspielbereich im Forum dieser Website eine Schatzkiste.

    Das Thema der Partie zwischen Carlsen und Wang Hao findet sich auch häufiger wieder.
    2 der besten Endspielkenner brachten dies anläßlich der Schacholympiade in Dresden aufs Brett.
    Viktor Kortschnoi gelang es auch nicht, dieses Endspiel gegen Peter Leko zu verteidigen.
    Berücksichtigen muß man dabei jedoch den langen Kampf und die relativ kurze Bedenkzeit in modernen Zeiten. Ein Kortschnoi in jüngeren Jahren hätte vermutlich eine andere, hartnäckigere Verteidigung gezeigt.

    [Event "2008 Olympiad"]
    [Site "Dresden GER"]
    [Date "2008.11.23"]
    [Round "10"]
    [Result "1-0"]
    [White "Peter Leko"]
    [Black "Viktor Korchnoi"]
    [ECO "C92"]
    [WhiteElo "2747"]
    [BlackElo "2584"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O Be7 6. Re1 b5
    7. Bb3 d6 8. c3 O-O 9. h3 Be6 10. d4 Bxb3 11. Qxb3 d5 12. exd5
    Na5 13. Qc2 exd4 14. cxd4 Nxd5 15. Nc3 Nxc3 16. Qxc3 Nc4
    17. Bf4 Bd6 18. Bxd6 cxd6 19. d5 Rc8 20. Qd4 Rc5 21. b4 Rc8
    22. a4 Qd7 23. axb5 Qxb5 24. Re7 Qxb4 25. Rxa6 Qb5 26. Raa7
    Ne5 27. Nxe5 dxe5 28. Rxe5 Rc1+ 29. Kh2 Rc4 30. Qd3 Qc5
    31. Rd7 Qd4 32. Qe3 g6 33. Qe2 Rc2 34. Qxc2 Qxe5+ 35. g3 Rb8
    36. Rb7 Rd8 37. Rd7 Rb8 38. Qd3 Kg7 39. Kg2 Rb4 40. Qf3 Qf6
    41. Qe3 Qd4 42. h4 h6 43. Qe7 Qe4+ 44. Qxe4 Rxe4 45. Kf3 Re5
    46. Kf4 Re2 47. Kf3 Re5 48. Kf4 Re2 49. f3 Kf6 50. Rd6+ Ke7
    51. Ra6 Rd2 52. Ra7+ Kf6 53. Ra6+ Ke7 54. Ke4 Re2+ 55. Kd3 Rg2
    56. g4 Rh2 57. Ke4 Re2+ 58. Kf4 g5+ 59. Kf5 Re3 60. Rxh6 gxh4
    61. Kf4

    Auf der Dresdner Olympiade demonstrierte Peter Leko in einer weiteren
    Partie seine große Endspieltechnik:

    [Event "2008 Olympiad"]
    [Site "Dresden GER"]
    [Date "2008.11.21"]
    [Round "8"]
    [Result "1-0"]
    [White "Peter Leko"]
    [Black "Fabiano Caruana"]
    [ECO "B67"]
    [WhiteElo "2747"]
    [BlackElo "2640"]

    1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 Nf6 4. Nc3 cxd4 5. Nxd4 Nc6 6. Bg5 e6
    7. Qd2 a6 8. O-O-O Bd7 9. f3 h6 10. Be3 b5 11. Nxc6 Bxc6
    12. Ne2 Qc7 13. Kb1 Be7 14. h4 Bb7 15. Rh3 h5 16. Bg5 Rd8
    17. Rh1 g6 18. Nf4 e5 19. Bxf6 Bxf6 20. Nd5 Bxd5 21. Qxd5 Qc5
    22. c3 Kf8 23. a4 bxa4 24. Qxc5 dxc5 25. Rxd8+ Bxd8 26. Bxa6
    g5 27. hxg5 Bxg5 28. Bb5 Ke7 29. Bxa4 h4 30. Bb3 Rd8 31. Rh3
    Rd3 32. Ka2 Rd2 33. g3 Rg2 34. gxh4 Bc1 35. Bc2 Rxc2 36. Kb1
    Rxb2+ 37. Kxc1 Rf2 38. h5 Kf8 39. h6 Kg8 40. h7+ Kh8 41. c4
    Ra2 42. Rh5 Ra4 43. Rf5 Rxc4+ 44. Kd2 Rd4+ 45. Ke3 Rd7
    46. Rxe5 Rc7 47. Rh5 c4 48. Rh2 c3 49. Kd3 c2 50. Rxc2 Rd7+
    51. Ke3 Kxh7 52. Rg2 Ra7 53. Kf4 Ra5 54. Rg5 Ra3 55. Rg3 Ra5
    56. Ke3 Ra4 57. Rg1 Ra3+ 58. Kf4 Ra5 59. Rg2 Rb5 60. Rg5 Rb3
    61. Rg3 Rb5 62. Ke3 Rb4 63. Rg4 Ra4 64. Rg2 Rb4 65. f4 Ra4
    66. e5 f6 67. Kf3 fxe5 68. fxe5 Rb4 69. Ke3 Ra4 70. Kd3 Rb4
    71. e6 Rb6 72. Re2 Rb8 73. e7 Re8 74. Kd4 Kg6 75. Kd5 Kf7
    76. Kd6 Ra8 77. Rf2+ Kg7 78. Ra2 Rxa2 79. e8=Q Rd2+ 80. Kc5
    Kf6 81. Qe4 Rd7 82. Qc6+ Ke7 83. Qg6 Rc7+ 84. Kd5 Kd7 85. Qf7+
    Kd8 86. Qf8+ Kd7 87. Qf4 Rb7 88. Qf7+ Kc8 89. Qe8+ Kc7 90. Kc5
    Ra7 91. Qe7+ Kb8 92. Qd8+ Kb7 93. Kb5 1-0


    Fabiano Caruana, der junge Mann auf dem Weg in Richtung 2800 Elo, hat übrigens
    Lospech gegen Peter Leko. Von 8 Partien spielte er 7x Schwarz.
    Dies erklärt auch etwas, daß sein Score +0, -3, =5 lautet.
    Geändert von zugzwang (23.05.2013 um 23:16 Uhr)

  2. #2
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    AW: Praktische Turmendspiele

    In einer Partie zwischen Aronjan und Iwantschuk zeigte Letzterer eine mustergültige Verteidigung gegen den b-Bauern in dieser konstellation.
    Es wirkt spielerisch leicht, wie er sich verteidigt.
    Genau, der verteidigende König muß auf g7 bleiben (und darf höchstens von g7 nach h7 pendeln), weil der taktische Trick der Angreifers hier immer die Umgehung Th8! ist. Dann schlägt der Verteidiger den Bauern und verliert nach Th7+ den Turm.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  3. #3
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    AW: Praktische Turmendspiele

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Genau, der verteidigende König muß auf g7 bleiben (und darf höchstens von g7 nach h7 pendeln), weil der taktische Trick der Angreifers hier immer die Umgehung Th8! ist...
    Dieses wichtige Motiv ist nur ein Baustein in diesen Endspieltypen.

    Chucky, der heute übrigens leider wieder einmal eine Gewinnstellung ......, demonstriert in dieser Partie den neuesten Stand der "Forschung" beim 4:3 mit b-Bauern, indem er den König wesentlich aktiver einsetzt, als nur um das Feld g7 herumzuspielen.
    Das reicht bei diesen komplexeren Endspielen mit weiteren Bauern nicht aus.
    Der Generalplan der Verteidigung lautet:
    Gegenangriff mit könig und Bauern am Königsflügel, Turmopfer für den Freibauern am Damenflügel, Erzwingung des Gegenopfersgegen einen eigenen Freibauern am königsflügel, Remis.(Es gibt einzelne Partien, in denen die stärkere Seite überzog und gegen 2 verbundene Freibauern sogar noch verlor.)
    Üblicherweise geht der sK vor die eigenen Bauern und ist damit auch vor dem von Kiffing skizzierten Manöver geschützt. Beachtet werden muß dieses Motiv bei jedem Zug - ganz klar!

    Die zig Seiten Analyse im Forum von chesspublishing.com und die umfangreichen Analysen von Dworetzki und Karsten Müller bei chesscafe zeigen, welche Vielfalt von Manövern und Motiven in diesem Endspieltyp stecken.

  4. #4
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    Praktische Turmendspiele - Schachschutzfaktor > 2400

    Hellhäutig im Endspiel? Da kann man sich leicht verbrennen!

    Schachtherapeuten und Schachersthelfer empfehlen das vorbeugende Auftragen eines Schachschutzfaktors von 2400.
    In den allermeisten Fällen kommen die hellhäutigen Endspieler damit zurecht.
    Es gibt jedoch ganz banal aussehende Stellungen, da holen sich sogar Spieler mit einem Schachschutzfaktor >2500 einen Schachbrand und stellen die Rötung erst zu Hause im Analysespiegel fest.
    Das Produkt "Nordic Carlsen" mit stark erhöhtem Schachschutzfaktor hat die allgemeine Marktreife noch nicht erreicht und wird dem Schachvolk nur als Demowerbeprodukt vorgeführt.

    Woran liegt es, daß selbst erfahrene Schachbräuner mit der Schachstrahlung nicht zurecht kommen?

    Sie haben sowohl das Wissen, die Erfahrung und keine Allergie gegen scheinbar einfache, unscheinbare und wenig inspierende Stellungen, die bei Amateuren neben anderen Schwächen weit verbreitet ist.

    Ein Beispiel findet sich in Kiffings Taktikarbeitsbuch von John Emms (1001 Schachaufgaben) in der Rubrik "Ultimative Herausforderung" mit der Nummer 1000 kurz vor der ultimativen Aufgabe 1001:



    Schwarz am Zug: Was ist wie drin?

    Mir selbst half mal wieder weder Hellsichtigkeit - bei mir legt sich da immer eine "Schonnenschrille" davor - noch Anrechnen oder Motivteilerkennung.

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