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Thema: Geschichte der Schachuhren

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    Geschichte der Schachuhren



    Bekanntlich war die unbegrenzte Bedenkzeit in viel früheren Schachzeiten ein ständiges Ärgernis. Ausdauernde Spielernaturen konnten die Partie unnötig in die Länge ziehen, um den Gegner zu ermüden oder sogar zur Verzweiflung zu bringen. Eine Partie des bekannten Wettkampfes zwischen La Bourdonnais und McDonnell dauerte vor allem wegen des ausdauernden MdDonnels drei volle Tage. Auch wenn im Schach, in einem Spiel, das der Wahrheit verpflichtet ist, eine Bedenkzeit als hemmendes Ärgernis wahrgenommen wird, wurde ein Kompromiß unumgänglich. Vor allem nach dem ersten Schachturnier 1851 in London wurde das Thema in der Schachwelt akut. Die exzessive Länge der Partien, die schon für einen Zweikampf problematisch war, schien angesichts der Menge an zu spielenden Partien erst Recht nicht zu einem Turnierformat zu passen. Doch die Bemühungen, dafür einen Kompromiß zu finden, waren erschwert wegen im Vergleich zu heute schwierigeren technischen Möglichkeiten zwecks Zeiterfassung eines jeden Spielers.

    Zu der Geschichte der Schachuhren gibt es bis heute vier Epochen, und zwar die Epoche der Sanduhren, die Epoche der Stoppuhren, die Epoche der mechanischen Uhren und die Epoche der digitalen Uhren. Nach dem Schachturnier in London 1851 wurden zunehmend Sanduhren eingesetzt, die so konstruiert waren, daß zwei Sanduhren in einer Apparatur eingebaut waren, so daß jeder Spieler, der am Zug war, seine eigene Sanduhr in die Waagerechte und die Sanduhr des Gegners in die Horizontale setzen konnte, so daß der Sand bei diesem zu rieseln beginnt. So war immerhin eine erste praktikable Lösung dafür gefunden, daß eine Schachpartie zwei unterschiedliche Zeitfenster zu berücksichtigen hatte.

    Doch auch diese Lösung hatte noch ihre Schattenseiten. Zum einen war diese Apparatur relativ ungenau und auch unhandlich und wurde deswegen nur bei größeren Schachturnieren eingesetzt (die Masse litt weiterhin an dem Problem möglicher überlanger Partien), und zum anderen konnte nur die Zeit eines Spielers als Ganzes gemessen werden, obwohl zu dieser Zeit bereits Lösungen vorgeschlagen wurden wie zwei Stunden für jeden Spieler für jeweils 24 Züge. Die nächste Lösung in Form von Stoppuhren für jeden Spieler kam bereits 1866 bei der "inoffiziellen Weltmeisterschaft" zwischen Wilhelm Steinitz und Adolf Anderssen (8:6 für den Österreicher) zur Anwendung. Die Stoppuhr mußte vom Schiedsrichter während der Partien bedient werden. Sie war zwar wesentlich genauer als eine Sanduhr (aber immer noch nicht ganz genau, da es zwischen Zugende und Uhrbetätigung des Schiedsrichters zu Differenzen kommen kann), aber das Problem lag auf der Hand. Mit dieser Form der Bedenkzeitüberwachung für eine Schachpartie mußte es für jede Partie einen Schiedsrichter geben. Insofern konnten nur Zweikämpfe mit einer Stoppuhr begleitet werden.

    Der erste Durchbruch geschah dann 1883 beim Schachturnier in London (mit dem Polen Johannes Zukertort als strahlenden Sieger), als zum ersten Mal in der Schachgeschichte mechanische Uhren eingesetzt wurden. Diese Schachuhr war eine Erfindung des Uhrmachers Thomas Bright Wilson, der Sekretär des Manchester Chess Clubs war, der sie in Zusammenarbeit mit Joseph Henry Blackburne entwickelte. Es war der erste Prototyp der mechanischen Schachuhr, so wie wir sie heute noch gut kennen. Ich selbst bin z. B. mit diesen Schachuhren aufgewachsen und kannte lange Zeit nichts anderes. Natürlich wurden diese Uhren mit der Zeit immer weiter entwickelt, als größte Veränderung sei etwa der Übergang vom Pendel- hin zum Analogsystem festgehalten. Aber zum ersten Mal in der Schachgeschichte hatte sich, was Schachuhren anging, ein System entwickelt, das alle Probleme mehr oder weniger zu lösen schien. Nicht zuletzt deshalb haben sie sich auch so lange erhalten und sind auch heute trotz der moderneren Konkurrenz der Digitaluhren noch lange nicht im Schach verschwunden.

    Die Digitaluhren wiederum werden heute ausschließlich bei Spitzenturnieren eingesetzt und beginnen schon seit Jahren, die mechanischen Schachuhren mehr und mehr zu verdrängen. Auch wenn das Problem des mehrstufigen Zeitsystems durch die mechanischen Uhren immer gut gelöst werden konnte, sind die diesbezüglichen Einstellungen der Digitaluhren natürlich eleganter. Außerdem ermöglichen sie differenziertere Zeitmodi wie etwa den Fischer-Bonus. Auch haben diese den Vorteil, daß sie mitten in der Partie nicht einfach stehenbleiben können, was besonders in hektischen Phasen, z. B. in Blitzschachpartien, immer wieder zu Ausbrüchen des Zorns der dadurch benachteiligten Spieler geführt hat. Sie sind lautlos, was einige positiv sehen, aber viele auch wiederum nicht. Diese Spieler bemängeln den Verlust an ursprünglicher Atmosphäre, ein Topos, der bei nahezu allen technischen Weiterentwicklungen auftaucht...

    Ich persönlich denke, daß die Digitaluhren sich im Schach noch sehr lange halten werden, bis sie irgendwann von einer noch moderneren Technik abgelöst werden. Wir sind in diesem Punkt ja erst noch am Anfang dieser neuen Epoche.
    Geändert von Kiffing (06.01.2014 um 21:35 Uhr) Grund: Ergänzung Fischerbonus
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  2. #2
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    AW: Geschichte der Schachuhren

    Schöner Artikel! Sehr lehrreich

    Ich habe mir irgendwann mal über Sanduhren als Ersatz für die damals noch nicht existierenden Schachuhren Gedanken gemacht, bin aber nicht auf die Idee mit der waagerechten Sanduhr gekommen. Ich dachte, die hatten eine einzige Uhr und hätten die immer umgedreht...*


    Zitat Zitat von Kiffing
    […] im Schach, in einem Spiel, das der Wahrheit verpflichtet ist, […]
    ?^^

    Einen "Übergang vom Pendel- hin zum Analogsystem" kann es übrigens nicht geben, das Pendelsystem ist selbst analog. Was man stattdessen schreiben könnte, wäre aber auch eine gute Frage... Ich habe nach mehreren Google-Anläufen irgendwann Informationen zu "Räderuhren" gefunden, aber die scheint es auch mit Pendeln zu geben.

    *(auf die Idee kam ich durch den "Sanduhr"-Modus bei unseren Digitaluhren)
    http://musescore.com/tobefree

    Zitat Zitat von derair
    also ich hab jetztd en internet explorer 9 und der ist toll
    der ist viel übersichtliger geworden und íst viel besser als fire fox
    "Alle aussteigen, wir klauen jetzt einen A380."

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