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Thema: Das Schachleben in Luxemburg

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    Das Schachleben in Luxemburg



    Luxemburg hat Geld, viel Geld. Und so ist auch die Hauptstadt des einzigen Großherzogtums weltweit nicht in der Verlegenheit vieler deutscher Städte, aufgrund einer drückenden Finanzsituation den Sparhammer einzusetzen. Stattdessen schießen besonders in der Hauptstadt Luxemburg, welche die Bürger des Großherzogtums einfach "die Stadt" nennen, immer prächtigere Bauwerke wie die Pilze in die Höhe, die dafür angetan sind, das kulturelle Niveau der Bevölkerung zu heben und auch die kulturellen Bedürfnisse derselben zu stillen. Die 2005 auf dem weltberühmten Plateau Kirchberg eingeweihte Philharmonie Luxemburg hat sich längst Weltruhm verschafft, und schon viele große Musiker hatten die Ehre, in dem futuristisch anmutenden Bauwerk einem interessierten Publikum ihre Musik vorzuführen, die aufgrund raffinierter Architektonik in dem Bauwerk noch einmal eine ganz besondere akustische Note erhält.

    In eben dieser Philharmonie wird der weltberühmte russische Musiker Nikolai Lugansky im neuen Jahr eine Vorstellung geben, ein Rezital mit dem Klavier. Lugansky, der uns schon als Teilhaber des Kulturprogramms beim Aljechin-Memorial in Paris und St. Petersburg 2013 positiv aufgefallen ist, und der zu diesem Anlaß geäußert hatte, das Leben Aljechins und Rachmaninows weise viele Parallelen auf (ebd.), wird auch hier wieder etwas zum Thema Schach beisteuern. Über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Schach und Musik hatten wir uns bereits Gedanken gemacht. In der Philharmonie Luxemburg finden wir zu der Frage noch mehr Erhellendes:

    Was ist das: Es ist schwarz und weiß, wird abenteuerlich gut von Absolventen des Moskauer Musikkonservatoriums gespielt und verbindet Nikolai Lugansky, Evgeny Kissin, Prokofjew, Skrjabin und Beethoven? Die Rede ist vom Schach – für den 1972 geborenen russischen Klavier-Großmeister Lugansky «das komplette Gegenteil zur Musik. Musik ist nicht planbar, das Logische spielt hier keine Rolle. Und es gibt keinen Sieger oder Verlierer. Beim Schach hingegen steht am Ende immer ein klares Resultat fest: Sieg, Niederlage oder Remis.» Abgesehen davon, dass Lugansky (von der Kritik als «der derzeit beste Rachmaninow-Interpret» gefeiert) auch in der Musik zu den klaren Siegern zählt, gibt es durchaus weitere Gemeinsamkeiten: «Schach hat wie die Liebe, wie die Musik die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen» (Siegbert Tarrasch). Evgeny Kissin wurde ein halbes Jahr vor Lugansky ebenfalls in Moskau geboren und mit zwölf Jahren als «das musikalische Wunderkind unserer Zeit» (The New Yorker) entdeckt. Seine Übersicht über alle musikalischen Details ist atemberaubend: «Er war wie ein Mann, der zehn Schachspiele gleichzeitig spielt» (Washington Post). Auch wenn man sagen kann, dass ihr «feuriges Temperament durch einen analytischen Geist in Schach gehalten wird» (Kölner Stadt-Anzeiger), ist über Mitsuko Uchidas Beziehung zum königlichen Spiel nichts bekannt. Ihre Fähigkeit, mit Musik die Menschen glücklich zu machen, dürfte bei der Interpretation von Beethovens letztem großem Klavierwerk aber außer Frage stehen.
    In diesem Sinne ist es in der Tat nicht so wichtig, ob die Felder des Brettes nun schwarz-weiß sind oder die Tasten des Klaviers. Beides verschmilzt zu einer Symbiose, auf der die Sehnsüchte, die Freuden, die Melancholie, das Schöpfertum und die Geisteskraft des Menschen auf zwei unterschiedlichen, aber eng miteinander verflochtenen Wegen auf höchst sublimierte Weise ihre Ausdrucksform finden. Es ist Kunst, die sich hier Bahn bricht, Kunst durch Musik und Kunst durch Spiel.

    Von den futuristischen Höhen der heutigen Luxemburger Gesellschaft wollen wir hinuntersteigen in die auch in Luxemburg nicht so sonnenverwöhnte Vergangenheit. Das Informationszeitalter hatte noch nicht begonnen, ebenso wenig wie die Europäische Integration, die Luxemburg als eines der Schlüsselländer Handel und Wohlstand brachte. Und nebenbei machten zwei Besatzungen der Deutschen im Ersten und Zweiten Weltkrieg den Einwohnern zu schaffen. Luxemburg war traditionell agrarisch geprägt und aufgrund seiner reichen Kohlevorkommen eines der Kernländer der Industriellen Revolution. So konnte sich in dem Land zwar früh ein gewisser Wohlstand entfalten, doch war das Leben eines Bauern oder eines Bergarbeiters mit Sicherheit nicht schwerelos. In diesem Umfeld konnte sich in Luxemburg eine reiche Schachkultur herausbilden, welche die folgende Ausstellung 100 Jahre Vereinsschach in Luxemburg anspricht, und die mit tollen Bildern rund um diese Epoche aufwartet. In diesem Sinne bietet die Chronik des berühmten Schach-Clubs in Differdingen, Le Cavalier Differdange, interessanteste historische Einblicke in das Schachleben der letzten Jahrzehnte in Luxemburg selbst, aber auch darüber hinaus. Gerade die historischen Bilder mit den berühmtesten Großmeistern aller Epochen können teilweise nur als sensationell aufgefaßt werden.

    Zwischen malerischen Tälern, verwunschenen Burgen, stillgelegten Kohleöfen und einer glänzenden Philharmonie sprießen in Luxemburg jede Menge Schachvereine. Und das Echternacher Open hat sogar internationale Reputation, wobei auch das Kauphting-Open in Differdingen ein Schachtreffen der Extraklasse ist, dessen Spielbedingungen weit über die Grenzen hinaus gerühmt werden. Aber eine Erfolgsstory wie in vergleichbaren kleinen Ländern, wie etwa in Island, Georgien, Estland, den Niederlanden oder Armenien, läßt sich leider noch nicht konstruieren. Der einzige Großmeister, den Luxemburg je hatte, nämlich Alberto David, wechselte 2012 die Föderation und spielt nun für Italien. Das kann sich bei dieser blühenden Kultur, die aller pekuniären Nöte befreit ist, nur ändern.
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    AW: Das Schachleben in Luxemburg

    Ich erinnere mich, wie vor zwei Jahren bei meinem Aufenthalt im Großherzogtum gerade die Olympiade der kleinen Nationen stattfand und im großen Sportzentrum D´Coque ausgetragen wurde. Für die Zuschauer kostenlos, nutzte ich die Gelegenheit, hautnah olympische Atmosphäre einzufangen und ein paar Sportwettkämpfe wie Volleyball oder Tischtennis zu verfolgen. Der Gastgeber hatte die Olympischen Spiele der kleinen Nationen nach dem Medaillenspiegel gewonnen. Offenbar werden auch im Schach Olympiaden der kleinen Nationen ausgetragen, Gastgeber waren die britischen Kanalinseln, (?) und wieder einmal konnte das Großherzogtum triumphieren. Luxemburg gewann am Ende mit zwei Punkten Vorsprung vor Monaco und den Faröer Inseln. Respekt!
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