In einer bemerkenswerten Partie gegen Hans Zollner fiel die großdeutsche Nachwuchshoffnung Klaus Junge durch einen bemerkenswerten schöpferischen Ansatz auf. Im 16. Zug ließ er im Interesse eines eigenen Spiels in Zentrum und am Damenflügel den Einschlag auf f7 und Qualitätsgewinn zu (die gespielte Variante ist forciert, da Schwarz gleichzeitig ...Sd3+ droht), um sich mit seinem König umgehend in den wesentlich geschützteren Damenflügel zu begeben. Junge triumphiert aufgrund seinen gefährlichen Bauernmassen, wegen seiner starken Läufer und seiner Zentrumsbeherrschung trotz drückenden Materialnachteils. Sein Spiel ist zwingend, kreativ und geistreich. Zug für Zug wird Weiß weniger Luft zum Atmen gelassen. Am Ende entscheidet eine forcierte Abwicklung. Diese Partie ist auch eine Musterpartie zum Thema Kampf auf beiden Flügeln. Hier herrscht das Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und man darf keinerlei Verwicklungen scheuen, da hier der Zaghafte ziemlich sicher verliert. Klaus Junge starb noch als Soldat am Ende des Zweiten Weltkriegs und steht damit auch im Schach für den furchtbaren Aderlaß Deutschlands, auch bezogen auf seine Geistesgrößen, aufgrund Kriegs und Nazibarbarei. Er wurde schon als kommender Weltmeister gehandelt.

[Event "Lublin/Warsaw/Cracow"]
[Site "Lublin/Warsaw/Cracow"]
[Date "1942.??.??"]
[EventDate "1942.??.??"]
[Round "?"]
[Result "0-1"]
[White "Hans Zollner"]
[Black "Klaus Junge"]
[ECO "D44"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "72"]

1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. c4 e6 4. Nc3 c6 5. Bg5 dxc4 6. e4 b5
7. e5 h6 8. Bh4 g5 9. Nxg5 hxg5 10. Bxg5 Nbd7 11. Qf3 Bb7
12. Be2 Qb6 13. Bxf6 c5 14. Ne4 Rg8 15. Qf4 cxd4 16. Bh5 Nc5
17. Bxf7+ Kd7 18. Nxc5+ Bxc5 19. O-O-O Bd5 20. Bxg8 Rxg8
21. h4 c3 22. bxc3 Qa5 23. Rd2 dxc3 24. Rxd5+ exd5 25. Qf5+
Kc7 26. Qh7+ Kb6 27. Qc2 Qb4 28. g3 Qd4 29. h5 Ba3+ 30. Kb1
Qb4+ 31. Ka1 d4 32. Rd1 Rc8 33. Bg5 d3 34. Qb3 Bb2+ 35. Kb1
Qxb3 36. axb3 c2+ 0-1