Nach seiner klaren Niederlage gegen Magnus Carlsen bei der WM in seiner Heimatstadt Chennai (Madras), fragen sich viele, wie der Tiger diese Niederlage verkraften kann. Natürlich kann man gegen Magnus Carlsen verlieren, die Art und Weise, wie diese Niederlage zustandekam, sollte einem allerdings bedenklich stimmen, zumal dieses Ereignis allerorten als Wachablösung, Epochenwende und Generationenwechsel interpretiert wird. Magnus Carlsen gehört die Zukunft und Vishy Anand die Vergangenheit? Oder kann man auch in der Zukunft noch einiges von dem indischen Superstar erwarten?

Auch wenn ich schachlich und persönlich sehr viel von Anand halte, dessen Intuition und Rechengeschwindigkeit legendär waren, und der nicht zufällig fünfmal in WM-Titelkämpfen triumphierte, bin ich da leider skeptisch. Zwar ist es gut, daß der Tiger nach seiner Enthronung durch Carlsen einen Rücktritt vom Schach ausgeschlossen hatte, was durchaus einige Schachfreunde befürchtet hatten. Aber Anand wirkte schon in den letzten Jahren spielerisch nicht mehr auf der Höhe, und die Tatsache, daß er längst eine Familie gegründet hat, läßt darauf schließen, daß Schach längst nicht mehr alles für ihn ist. Das ist an sich kein Problem, doch für einen Erfolg in der absoluten Weltspitze kann so eine Einstellung hinderlich sein. Ich persönlich wünsche Anand für die Zukunft weiterhin Erfolg, glaube allerdings, daß der Tiger jetzt eine ähnliche Entwicklung durchmachen wird wie Karpov ab den späten 90er Jahren: einen unspektakulären, aber kontinuierlichen Fall bis ins schachliche Nirgendwo. Doch bis er dort erstmal angelangt ist, sind zum Glück noch einige Jahre zu spielen. Was meinen die anderen zu Anand?