Johannes Fischer hat für Chessbase das neueste Interview mit dem frischgebackenen Weltmeister Magnus Carlsen ins Deutsche übersetzt. Das Interview fand auf dem norwegischen Fernsehkanal VG-TV statt. Es dürfte in der Schachwelt auf ein großes Interesse stoßen, denn die jüngst zurückliegende WM stieß weltweit auf lange nicht mehr gekannte Aufmerksamkeit. Viele Schachfreunde haben in Chennai mitgefiebert und lebhaften Anteil an den Partien genommen, und nachdem Vishy Anand dem rührigen Zeit-Journalisten Ulrich Stock bereits ein Interview gewährt hatte, wurde es höchste Zeit, daß auch der strahlende Sieger seine Eindrücke von der WM, seine Zukunftspläne und vieles mehr schildert. Das von Chessbase übersetzte Carlsen-Interview ist hier einzusehen: http://de.chessbase.com/post/magnus-...n-offene-worte

Ich persönlich fand interessant, daß Magnus Carlsen viele Gemeinsamkeiten zu Fischer (selbstredend nur als Spieler ) sieht. Er erwähnt seinen Stil, seinen Siegeswillen und seinen Kampfgeist, und seine Fähigkeit, „Dinge, die sehr schwierig sind, sehr einfach wirken zu lassen“. Genau das kennzeichnet ja auch den norwegischen Champion, der selten durch besonders spektakuläre Züge auffällt, sondern eher durch eine Kette an guten und logisch erscheinenden Zügen, die allerdings länger ist als die Kette seiner Gegner. Als ersten Spieler, der ihm momentan noch gefährlich werden könnte, nennt Carlsen allerdings seinen ehemaligen Trainer Garri Kasparov in der Blütezeit seines Könnens, bei dem er vor allem seine „unglaublich[e]“ Dynamik, sein „unglaublich[es]“ Selbstvertrauen und seine Kreativität hervorhebt.

Seinen eigenen Erfolg kann sich Carlsen selbst nicht erklären, was tatsächlich auf sein einzigartiges Talent schließen läßt. Und bei soviel schachlichem Können erklomm Carlsen auch schon die Stufe Sokratischer Weisheit: „Ich werde nie eine perfekte Partie spielen“. Trotzdem sieht Carlsen sein Potential noch lange nicht erschöpft und gab an, sich auch im Schach noch weiter entwickeln zu wollen. Kennzeichnend für seinen Stil ist dabei, daß er Niederlagen nicht als natürlichen Teil seiner Karriere ansieht. Er sagt: „Wenn ich verliere, dann muss etwas schief gegangen sein. Das klingt vielleicht ein wenig arrogant, aber ich glaube, mir hilft diese Einstellung. Ich glaube immer, dass ich der Beste bin, und wenn es mir gelingt, mein bestes Schach zu spielen, dann sollte ich nicht verlieren. Deshalb ist es schwierig, Niederlagen zu akzeptieren, wenn es sie dann doch einmal gibt.“