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Thema: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

  1. #1
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    Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    Mich hat die Aussage von Viktor Kortschnoi: "nicht schablonenhafte Züge erfordern eine adäquate Antwort" zum Nachdenken gebracht, wird hier doch ein zwar bekanntes, aber womöglich zu wenig reflektiertes Alltagsphänomen der Schachspieler implizit erklärt. Auch wenn nicht schablonenhafte Züge auf keinen Fall mit Fehlern gleichgesetzt werden sollten, wurde mir nun sehr bewußt, woran es liegen könnte, daß z. B. ich in meinen Partien oft ca. fünfzehn Züge ganz ordentlich spiele und auf einen gegnerischen Fehler mit einem eigenen Fehler antworte.

    Tatsächlich können vielleicht die meisten Spieler im 1600er Bereich in Partien, die innerhalb der Schablone bleiben bzw. wenig aus dem Rahmen fallen, ihre Züge recht zielsicher finden. Ein Fehler dagegen, der sich aus der Schablone entfernt, kann für den Gegner also sogar zum Siege führen, weil der entstehende Stellungstyp nun schwerer zu spielen ist und die dahinterliegende Idee des Gegners nicht erkannt wird und sich dem zufolge durchsetzt, egal wie objektiv schlecht der Zug nun war.

    Hier zeigt sich meiner Ansicht nach also das wirkliche schachliche Können, wenn schräg aussehende Züge angemessen beantwortet werden und ggf. in ihrer Fehlerhaftigkeit erkannt und konsequent widerlegt werden. Sollte man dazu in der Lage sein, besitzt die Partie den Charakter eines Spiels zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, wird es nur eine typische Patzerpartie, die anfänglich halbwegs normal verlief, dann aber zu einem Fehlerfestival mutierte, bei dem der vorletzte Fehler gewinnt, um einen der beliebten Tartakowerismen zu gebrauchen. Die Wichtigkeit, aus der Schablone herauszutreten und konkrete und schöpferische Antworten zu finden, wurde auch von so einflußreichen Trainern wie Suetin oder Dworetzki immer wieder betont. Im Prinzip sollte dies ein Konsens der Schachtrainer sein, wobei die Lehrmethode von Silman für mich wieder einen Rückfall in alte Muster einer zu starren Verallgemeinerung bedeutet. Aber seine Trainer kann man sich zum Glück selbst aussuchen, auf dem Büchermarkt findet man genügend Optionsspielraum.
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  2. #2
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    AW: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Mich hat die Aussage von Viktor Kortschnoi: "nicht schablonenhafte Züge erfordern eine adäquate Antwort" zum Nachdenken gebracht...
    Tja, allerdings erfordern auch schablonenhafte Züge eine adäquate Antwort...
    Ergebnis: Jeder gegnerische Zug erfordert eine adäquate Antwort.
    Dann sind wir schnell wieder bei Tarrasch und der Suche nach dem besten Zug in der Stellung.
    Andere Schachmeister, die Vielfältigkeit der (gleichwertigen) Möglichkeiten im Eröffnungsstadium bis ins Mittelspiel sowie die Zugauswahl der "Ängies" lehren uns dagegen, daß es sehr häufig mehrere adäquate Züge gibt.
    Das ändert sich drastisch in besonders taktischen Situationen und in etlichen Endspielsituationen bis hin zu den einzigen Zügen.

    Wertvoll bleibt der Hinweis von Kortschnoj (und anderen), daß bei ungewöhnlichen und überraschenden Zügen einfach mehr Gedankenschmalz zu investieren ist und eine Schablonenantwort hier häufiger eine gute Gelegenheit verpaßt.

    Ein Fehler auf einen Fehler ist gerade unter ähnlich starken Spielern nicht ungewöhnlich. Ihre Einschätzungen beruhen auf ähnlichen Denkmustern und Erfahrungen, die ihre Spielstärke ausmachen.
    Deshalb sind gerade in strategischen Phasen gegenseitige Fehlerketten nicht ungewöhnlich und auch in Berechnungssituationen werden ähnliche Schlüsselzüge nicht erkannt oder gemeinsam falsch bewertet.
    In rechenlastigen Situationen ist die Aufdeckung von Fehlern aber allemal wahrscheinlicher. Deshalb ist es notwendig, nicht zu sparsam (= kaum Berechnung, zuviel allgemeine Erwägungen oder einfach "Gefühl") die schachlichen Entscheidungen anzugehen, sondern auch mal zu investieren.
    Das Auffinden und Bearbeiten der Knackpunkte macht genauso wie ihre Eingrenzung einen Großteil der Spielstärke aus. Übung, Sammlung von Mustern und Erfahrungen helfen hierbei. "Krumme" ( gegnerische, aber auch beabsichtigte eigene Züge) sind ein Klingelzeichen, hier genauer und tiefer einzusteigen.

    Aus der Unsicherheit heraus, Knackpunkte zu übersehen oder falsch zu bearbeiten, verbrauchen viele Spieler zuviel Energie und Zeit, weil sie eben nicht das Gefühl bzw. den Blick für die Stellung haben. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sie später grob zusammenbrechen aufgrund ihrer letztlich unökonomischen Anfangsbemühungen.

    Cecil Purdy (den lese ich gerade) forderte für die Zugauswahl, zuerst eine Suche nach Taktiken voranzustellen und erst danach eine Stellungsbewertung und darauf aufbauend eine Zugauswahl nebst Variantenberechnung durchzuführen.
    Dabei war ihm vollauf bewußt, daß in den allermeisten Situationen auf dem Schachbrett keine taktische Lösung zu finden ist. Anders als Lasker, der vertrat, daß sich Kombinationen allein und logisch aus dem Spielablauf und der Anhäufung von Vorteilen ergeben, fand Purdy genügend Gegenbeispiele, wo gerade ein Fehler, diesen Spielablauf auf den Kopf stellt und eine Taktik zuläßt. Es gibt exemplarische Beispiele, in denen eine Partei positionell klar überlegen steht, aber wegen einer taktischen Besonderheit (zumeist nach grobem Fehler) trotzdem glatt verloren ist. Gerade Verteidigungs/Gegenangriffskombinationen beruhen auf Besonderheiten, die nicht unbedingt logisch sind und dem Spielverlauf entsprechen.

    Alle diese Faktoren zeigen die Komplexität und die hohen Anforderungen an die Spielführung auf dem Weg zur Meisterschaft.

    Nicht selten fahren Spieler besser, wenn sie sich darauf beschränken, einige wenige, wichtige Sachen sehr gut zu machen und deshalb Lücken in anderen Bereichen stehenlassen.
    Leider kann auch ein Zuviel an Wissen und Erfahrungen hinderlich sein, wenn man den Sprung über die Grenze, diese erfolgreich anzuwenden, eben nicht schafft.

    Zur Kunst der Beschränkung:

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...
    Die Wichtigkeit, aus der Schablone herauszutreten und konkrete und schöpferische Antworten zu finden, wurde auch von so einflußreichen Trainern wie Suetin oder Dworetzki immer wieder betont. Im Prinzip sollte dies ein Konsens der Schachtrainer sein, wobei die Lehrmethode von Silman für mich wieder einen Rückfall in alte Muster einer zu starren Verallgemeinerung bedeutet. Aber seine Trainer kann man sich zum Glück selbst aussuchen, auf dem Büchermarkt findet man genügend Optionsspielraum.
    Ich schaue mir gerade Silmans "Reassess" an und kann Deiner Einschätzung nicht folgen.
    Silman bietet einen sehr guten Ansatz, wie ein Schachlaie (= alles unterhalb wirklich starker FM) sich Stellungsproblemen nähern kann und zu Kandidatenzügen, Ideen und Plänen kommen kann. Er weiß auch, daß es keinen Passe-partout gibt und daß nur intelligente (kreative!?) Schemaanwendung eine gute Erfolgsquote verspricht.
    Seine Schlußfolgerungen und Vorschläge basieren auf der Grundlage von Steinitz/Lasker. Mir ist nicht bekannt, daß es ein anderes und besseres Fundament gäbe.
    Silmans Ansatz der "Imbalances" ("Ungleichgewichte", Unterschiede) ist die Ergebniszusammenfassung einer vergleichenden Stellungsbeurteilung, die wohl von Löwenfisch in den 30er Jahren vorgeschlagen wurde. Bei der vergleichenden Stellungsbeurteiung werden alle Figuren und die Bauernkonstellation miteinander verglichen. Das Ergebnis sind Unterschiede.
    Die Unterschiede werden dann bewertet (Vor-, Nachteile, Gewicht) und führen dann zu Schlußfolgerungen (Kandidatenzügen, Plänen).

    Das erfordert einiges an Übung und Wissen und schöpft die geistigen Kräfte ganz schön ab. Mir fällt es bei den Beispielen in "Reassess" nicht so leicht, erstmal alles zu erkennen, geschweige denn zu bewerten und einzuordnen.

    Erschöpft mich schöpferisch ganz ohne Dworetskys und Suetins Schöpfertum (nichts gegen diese beiden sehr, sehr lesenswerten Autoren!).
    Die Lösungen und erläuternden Begründungen, die Silman gibt, sind aus meiner Sicht deutlich über den erläuternden Standards vieler guter Bücher mit ausgezeichneten Variantenkommentaren. Silman gibt hier mehr Futter zum "Warum" der Züge.
    Wo ich nicht auf der Seite Silmans bin, ist seine kategorische Haltung zum Plan ähnlich Kotov. Erstens gibt es selten den Masterplan, sondern viel häufiger den Miniplan und manchmal auch nur den StatusQuo-Plan (=Lavierphase), wo sich erst aus Aktionen des Gegners neue Ansätze ergeben.
    Trotzdem könne Silmans Denkvorschläge auch hier hilfreich sein, gerade beim Auffinden von Miniplänen.

    Du, Kiffing, hast auf der Burg in vielen Beiträgen Beispiele aus der Schachliteratur vorgestellt und zur Diskussion gestellt.
    Mir ist dabei kein Beispiel aus einem Silmanbuch erinnerlich.
    Woran liegt es? Waren seine Themen und Beispiel nicht prägnant genug? Haben sie bei Dir keine Rückfragen ausgelöst oder warst Du mit seinem Vortrag und seinen Ergebnissen einfach unzufrieden?

    Ohne den Silman bisher bisher vollständig durchgelesen zu haben und nur mit einigen an- und nachgearbeiteten Beispielen, bin ich sehr zuversichtlich, daß mir "Reassess" sehr helfen wird, mein Schachniveau im Alter zu halten und hoffentlich nochmal ein Stückchen anzuheben.

    Deshalb folgende Bücherempfehlung von mir zu den Schwerpunkten Stellungsbeurteilung, Zugfindung, Plan:

    Silman "How to Reassess Your Chess"
    (gibt es auch auf deutsch)

    und das sehr anregende (leselastig, aber mit etlichen Beispielen)

    C.J.S. Purdy "The Search for Chess Perfection" (Thinkers' 1997, vermutlich noch nicht ins Deutsche übersetzt).

    NewInChess hatte eine neue (anscheinend erweiterte) Fassung "My Search for Chess Perfection" - jetzt "out of stock".

    http://www.newinchess.com/My_Search_...on-p-6000.html

  3. #3
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    AW: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    Zitat Zitat von zugzwang
    Du, Kiffing, hast auf der Burg in vielen Beiträgen Beispiele aus der Schachliteratur vorgestellt und zur Diskussion gestellt.
    Mir ist dabei kein Beispiel aus einem Silmanbuch erinnerlich.
    Woran liegt es? Waren seine Themen und Beispiel nicht prägnant genug? Haben sie bei Dir keine Rückfragen ausgelöst oder warst Du mit seinem Vortrag und seinen Ergebnissen einfach unzufrieden?
    Der Grund ist etwas banaler. Ich hatte das Buch nach dem Lesen verschenkt, weil es für mich nicht einmal als Nachschlagwerk taugte. Insofern kann ich nur noch aus dem Gedächtnis schöpfen, aber keine konkreten Zitate und Beispiele mehr anbringen. Aber ein Silman-Zitat fällt mir doch noch ein: Spiele das, was die Stellung verlangt. Die dahinterstehende Grundphilosophie klingt wenig schöpferisch, der Rat kann als grobe Richtlinie aber hilfreich sein. Im Schach gibt es bekanntlich eher Richtlinien als Dogmata.

    In einem guten Buch steckt für mich viel Inhalt drin, ruhig auch einmal etwas komprimierter. Silmans Werk Die Überwindung amateurhaften Denkens ist dagegen im Plauderjargon verfaßt und extrem textlastig, wo seitenweise über eine einzige Aussage geschwafelt wird. Außerdem schätze ich zur Veranschaulichung von Lehrsätzen Meisterpartien. Was soll ich stattdessen mit Partien von Schülern mehr oder weniger im Anfangsstadium? Der Ansatz mag innovativ sein, ist für mich aber nur eine Verschlimmbesserung der traditionellen Konvention in Schachbüchern, sich zur Veranschaulichung Meisterpartien zu bedienen. Kurz und gut, ich konnte mit dem Werk nichts anfangen und habe es deshalb an Personen weitergegeben, die evtl. mehr damit anfangen können.

    Bei dem Ansatz von Cecil Purdy kommt mir übrigens die Intuition zu kurz, die gute Schachtrainer in die Methodik der Variantenberechnung miteinfließen lassen. Aber um mehr zu ihm zu sagen, müßte ich wohl erst ein Lehrbuch von ihm lesen. Du hast ja bereits ein gutes Buch von ihm vorgeschlagen. Um gute und gleichermaßen überraschende Züge zu finden, empfiehlt übrigens Mark Dworetzki in Angriff und Verteidigung, den Kreis an Kandidatenzügen ruhig einmal zu erweitern, wenn man auf herkömmlichem Wege nichts zufriedenstellendes mehr findet. So kann man in schwierigen Stellungen durchaus noch eine schwer zu findende Ressource ausgraben. Hier sein bestes Beispiel für alle, versäumte Gelegenheit aus Najdorf – Kotov 1957:

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  4. #4
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    AW: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Der Grund ist etwas banaler. Ich hatte das Buch nach dem Lesen verschenkt, weil es für mich nicht einmal als Nachschlagwerk taugte. ...
    Bist Du Dir sicher, daß Du

    "Reassess" verschenkt hast ???

    Deine Angaben passen eher zu Amateur's Mind ...

    auf DeineBewertung zu Amateru's Mind gehe ich später mal ein. Jetzt keine Zeit.

  5. #5
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    AW: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    Zitat Zitat von zugzwang Beitrag anzeigen

    Deine Angaben passen eher zu Amateur's Mind ...
    Ich kenne seine Titel nur auf deutsch, aber der von mir genannte Titel: "Überwindung des amateurhaften Denkens" ist auch unter dem Namen: "Schach, aber richtig!" bekannt.

    Link zur deutschen Ausgabe: http://www.amazon.de/Schach-aber-ric.../dp/9056912119
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  6. #6
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    AW: Warum auf Fehler gerne Fehler kommen

    @ Kiffing:

    Wenn Du bei Reassess mitreden willst, dann brauchst Du wohl Schach mit neuem Schwung. Mehr verrate ich nicht.

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...Aber ein Silman-Zitat fällt mir doch noch ein: Spiele das, was die Stellung verlangt. Die dahinterstehende Grundphilosophie klingt wenig schöpferisch, der Rat kann als grobe Richtlinie aber hilfreich sein. Im Schach gibt es bekanntlich eher Richtlinien als Dogmata. ...
    Ich denke man kann aus dem "amateurhaften Denken" mehr herausziehen, als das bei Dir hängengebliebene Zitat. Dieses ist mir auch zu dürftig.

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...
    In einem guten Buch steckt für mich viel Inhalt drin, ruhig auch einmal etwas komprimierter. Silmans Werk Die Überwindung amateurhaften Denkens ist dagegen im Plauderjargon verfaßt und extrem textlastig, wo seitenweise über eine einzige Aussage geschwafelt wird...
    Ja er wiederholt sich, sogar recht wortreich.
    Dies ist eine Methode, die im Lehrbetrieb häufiger angewandt wird. Wiederholungen in einigen Variationen, bis es sitzt. Das ist für diejenigen langweilig, die es schnell verstehen und behalten.
    Erstaunlicherweise ist die Rückfallquote und das "Entfallen" selbst unter guten Schachspielern nicht zu gering.
    Dein Fall sind diese Wiederholungen nicht, mein Fall nur in Maßen, aber ich glaube, für etliche Spieler sind sie notwendig wie erst denken, dann ziehen bzw. auf den Händen sitzen. Muß anscheinend eingeschliffen werden.

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...
    Außerdem schätze ich zur Veranschaulichung von Lehrsätzen Meisterpartien. Was soll ich stattdessen mit Partien von Schülern mehr oder weniger im Anfangsstadium? Der Ansatz mag innovativ sein, ist für mich aber nur eine Verschlimmbesserung der traditionellen Konvention in Schachbüchern, sich zur Veranschaulichung Meisterpartien zu bedienen...
    Silmans Ansatz, Amateur- und Schülerpartien zu besprechen, ist der positive Unterschied zu vielen anderen Lehrbüchern.
    Dieses sind die Stellungen, die Junioren und Amateure in der Lehrlingsphase ihrer Karriere selbst aufs Brett zaubern.
    Zugegeben mich reizt es auch mehr, eine Meisterpartie anzuschauen, als meine eigenen Kreationen mit den Einsprengseln meiner Gegner.
    Es führt aber kein Weg daran vorbei, den eigenen Kram zu bearbeiten, wie es schon Botwinnik eintrichterte. Damit der Frust nicht zu groß wird, ist das amateurhafte Lehrmaterial anderer genau so eine Herausforderung wie das eigene. Und Silman sucht geeignete Beispiele heraus und zeigt sehr gut fehlerhafte Denkprozesse: total falsche Richtung wegen fehlerhafter Grundeinschätzung, guter Ansatz, aber schlechte Ausführung, zu kurz gedacht und gesprungen.
    Seine von Schülern inspirierten Stellungseinschätzungen und Zugvorschläge zeigen amateurhafte Denkvorgänge mit Ursachen und Wirkungen auf.
    Hier kann man als Spieler etwas höherer Spielstärke etwas mitnehmen und als Trainer erhält man Hinweise, was bei Schülern sofalschläuft und wie man es entdecken und ansprechen kann.

    [QUOTE=Kiffing;21889]...
    Kurz und gut, ich konnte mit dem Werk nichts anfangen und habe es deshalb an Personen weitergegeben, die evtl. mehr damit anfangen können. ...

    Du kannst es Dir in der Stadtbücherei wieder ausleihen. Es ist keine "Bückware" und braucht nicht heimlich mit Taschenlampe gelesen zu werden.
    Vielleicht findest Du dann auch den deutschen Titel zu "Reassess".


    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...
    Bei dem Ansatz von Cecil Purdy kommt mir übrigens die Intuition zu kurz, die gute Schachtrainer in die Methodik der Variantenberechnung miteinfließen lassen...
    Purdy sagt: Zuerst Taktikprüfung der Stellung.
    Wie diese erfolgen kann und mit welchem Intuitionseinsatz, kannst Du bei Ihm oder anderen nachlesen. Es schadet ja nichts, wenn Du Deine bei anderen geschärfte Intuition in Purdys "Zugfindungsalgorithmus" anwendest. Im Gegenteil.

    Die schachlichen Prozesse der Zugfindung, die von verschiedenen Trainern und Autoren vorgeschlagenwerden, empfinde ich nicht sklavisch einengend, wenn man sich von Kotovs Grundmodell mal lossagt.
    Die Ausarbeitung von Marcel Hug auf den Trainingsseiten der SG Zürich sind gute Richtschnur, die Dir Deine Kreativität nicht abschnürt.
    Es gibt aber noch keinen Schachzaubertrunk, der Dir Deine Flausen bei der Zugfindung ausredet oder der Dir gar in den Arm greift, wenn Du gerade hyperkreativ im neomodernen Stil zurückangreifst.

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ... Um gute und gleichermaßen überraschende Züge zu finden, empfiehlt übrigens Mark Dworetzki in Angriff und Verteidigung, den Kreis an Kandidatenzügen ruhig einmal zu erweitern, wenn man auf herkömmlichem Wege nichts zufriedenstellendes mehr findet. So kann man in schwierigen Stellungen durchaus noch eine schwer zu findende Ressource ausgraben...
    Eigentlich sagt Dworetsky doch nichts anderes, als daß man mal wild rumphantasieren soll, wenn die eigene Intuition nicht ausreichte, um den Knüllerzug in die Kandidatenliste aufzunehmen. Kein schlechter Vorschlag.
    Man kann aber auch Deinen Kreativitäts- und Intuitionsansatz aufnehmen.
    Je mehr man seine Kreativität und Intuition schult (=Mustererkennung durch viele nachgespielte (Meister)partien), desto häufiger wird man überraschende Ressourcen aufspüren und durcharbeiten.

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