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Thema: Turmaktivierungen

  1. #1
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    Turmaktivierungen

    Ein sehr wichtiges strategisches Motiv ist das der Öffnung von Turmlinien, insbesondere das der a-/h-Linien.
    Oftmals wird die entsprechende Linie nach dem Abtausch einer Figur auf b6/g6 geöffnet. Eine dadurch bedingte Turmaktivität kompensiert fast immer den entstandenen Defekt in der Bauernstruktur.
    Zum einfacheren Verständnis ein paar (überwiegend eigene) Partiestellungen:

    1) Nach 1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 Lf5 5.Sf3 e6 6.cxd5 cxd5 7.Db3 ist Db6! der beste Antwortzug. Nach 8.Dxb6 axb6 entsteht folgende Stellung:

    Schwarz hat gutes Gegenspiel für die Bauernentwertung.

    2)


    Schwarz spielte nun 1.-Sxb6? und verlor schließlich in passiver Lage. Nach 1.-axb6! hätte Schwarz zum Ausgleich ausreichendes Gegenspiel.

    3)

    Schwarz am Zug

    In dieser Stellung hat Schwarz einen Minusbauern, der aber durch seine Figurenaktivität kompensiert wird. Der weitere Partieverlauf ist recht lehrreich: 1.-a6!! 2.Lxb5? axb5 3.Thf1 Ta4! 4.Tf3?! Lh6 5.Tbf1 Tc4!:



    Nach weiteren starken Zügen gewann Schwarz schließlich überlegen!

    4.) Abschließend noch ein großmeisterliches Beispiel zu diesem Thema:

    http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1044328

  2. #2
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    AW: Turmaktivierungen

    Zitat Zitat von ficus Beitrag anzeigen
    Ein sehr wichtiges strategisches Motiv ist das der Öffnung von Turmlinien, insbesondere das der a-/h-Linien.
    Oftmals wird die entsprechende Linie nach dem Abtausch einer Figur auf b6/g6 geöffnet. Eine dadurch bedingte Turmaktivität kompensiert fast immer den entstandenen Defekt in der Bauernstruktur.
    Zum einfacheren Verständnis ein paar (überwiegend eigene) Partiestellungen:

    1) Nach 1. d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 Lf5 5.Sf3 e6 6.cxd5 cxd5 7.Db3 ist Db6! der beste Antwortzug. Nach 8.Dxb6 axb6 entsteht folgende Stellung:

    Schwarz hat gutes Gegenspiel für die Bauernentwertung.
    ...
    Die vermutlich instruktivste Partie zu der von Dir skizzierten Bauernstellung ist die Partie Janowski-Capablanca 1916.
    Besonders zu beachten ist Capas Spielverständnis im 10. und 11. Zug. Er macht seinen weißfeldrigen Läufer zu einem "schlechten" Läufer - theoretisch-schematisch, aber eben nicht praktisch.
    Link zur Partie:
    http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1064780

  3. #3
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    AW: Turmaktivierungen

    Hach ja, auf diese wunderbare Partie bin ich auch schon im Rahmen meines Schachtrainings gestoßen. Isaak Lipnitzky diente diese Partie als Untermauerung des so wichtigen Theorems, daß es in der Eröffnung nicht primär darum gehe, einfach seine Figuren zu entwickeln, sondern die Entwicklung der eigenen Figuren einem eigenen Plan unterzuordnen. Und gerade, was strategische Pläne angeht, war Capablancas Meisterschaft natürlich nahezu vollkommen. Lassen wir Lipnitzky selbst zu Wort kommen:

    Wenn Schwarz hier allgemeinen Überlegungen folgt und das Prinzip der schnellstmöglichen Figurenentwicklung abstrakt anwendet, müßte er nun e7-e6 spielen. Doch in diesem Fall würde sein Läufer auf f5 vom Damenflügel abgeschnitten, wo er gebraucht werden könnte. Capablanca faßt einen geeigneten Spielplan, der auf einer konkreten Bewertung der Stellungsmerkmale beruht. In seinem Buch Meine Schachkarriere begründet er seine Überlegung wie folgt:

    Der schwarze Plan besteht im Vorrücken des b-Bauern nebst Überführung des Springers nach c4. Weiß ist dann gezwungen, den Springer zu tauschen, und Schwarz nimmt mit dem b-Bauern wieder, womit er sich des Doppelbauers entledigt und den Druck gegen die feindlichen Bauern in der a- und b-Linie erhöht“
    Lasker merkte zu „10. ...Ld7!!“ (Lipnitzky) an:

    Im Interesse seines Plans zieht Schwarz sogar eine bereits entwickelte Figur zurück. Der Plan geht über alles
    Informationen aus Isaak Lipnitzki, Fragen der modernen Schachtheorie, Quality Chess, 2008, S. 112 f.

    Und genau so kam es in der Partie ja auch.
    Alles wartet auf das Licht
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  4. #4
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    AW: Turmaktivierungen

    Weitere Techniken zur Aktivierung von Türmen sind in Techniken des Positionsspiels von Bronznik und Terekhin aufgeführt:

    Turmschwenk: Kommt der Turm auf einer Linie nicht mehr weiter, dann kann er einfach über eine andere Reihe, meistens die 3. Reihe, aufs Spielfeld geführt werden. Bekannt ist dieses Motiv vor allem, um einen Königsangriff mit dem Turm zu unterstützen. Ist das noch relativ trivial, so sind die nächsten Motive bereits spezieller:

    Smyslow-Formation: Bei einer offenen c- und a- Linie ist die Konstellation Ta1, Tc1 und Dd1 bzw. Ta8, Tc8 und Dd8 oft besser als die z. B. die typische Gruppierung mittels Ta1, Dd1 und Tf1 oder Ta8, Dd8 und Tf8, weil so die Dame die Wirkungslinie nicht unterbricht, so daß bei einem Abtausch auf der a- oder c-Linie der Turm wiedernehmen kann und nicht die Dame wiedernehmen muß, die im nächsten Zug dann a tempo von der offenen Linie wieder vertrieben wird.

    Blackburne-Rammbock: Die größte Kraft geht von den Linienfiguren durch die Formation von zwei Türmen und einer Dame auf einer offenen Linie aus. Wichtig: die Türme müssen vor der Dame stehen. Urpartie Blackburne - Rosenthal, Paris 1878:

    [Event "Paris"]
    [Site "Paris FRA"]
    [Date "1878.07.16"]
    [EventDate "1878.06.18"]
    [Round "18"]
    [Result "1-0"]
    [White "Joseph Henry Blackburne"]
    [Black "Samuel Rosenthal"]
    [ECO "C45"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "97"]

    1.e4 {Notes by Blackburne.} e5 2.Nf3 Nc6 3.d4 exd4 4.Nxd4 Bc5
    5.Be3 Qf6 6.c3 Nge7 7.Bc4 d6 8.O-O Bxd4 9.cxd4 Qg6 10.Nc3 O-O
    11.f4 Bg4 12.Qd2 Na5 13.Bd3 f5 14.e5 d5 15.Qf2 Nac6 16.Rac1 a6
    17.Na4 b6 18.Rc3 Qe8 19.b3 Qd7 20.Rfc1 Bh5 21.Qf1 Ra7 22.a3
    Nb8 23.R1c2 Qd8 24.Qc1 c6 25.Bf2 Nc8 26.Bf1 Bf7 27.Nb2 Be6
    28.Nd3 Qe8 29.Be2 Qe7 30.Nb4 Bd7 31.Bf3 Qf7 32.Bh4 Ne7 33.Re2
    Qe6 {This opens the way to a pretty combination. Ng6 was a
    better move.} 34.Bxe7 Qxe7 35.e6 Be8 {He cannot take the Pawn
    without decisive loss.} 36.Bxd5 cxd5 37.Nxd5 Qd6 38.e7 Nc6 {If
    he tries to save the Rook, Rc8 is quickly fatal.} 39.exf8=Q+
    Kxf8 40.Ne3 Nxd4 41.Rd2 Qxf4 42.Qf1 Qe5 43.Rcd3 Re7 44.Nc4
    Ne2+ 45.Kh1 Qf4 46.Rf3 Qe4 47.Rxf5+ Rf7 48.Rxf7+ Bxf7 49.Rxe2
    1-0

    Karpovs Linienverstellung: Wenn eine Partei eine offene Linie nicht mit konventionellen Methoden beherrschen kann, weil der Gegner den Druck auf der offenen Linie neutralisiert, dann kann die Linienverstellung mit einer Figur helfen, hinter denen die angreifende Seite ihre Schwerfiguren aufstellen kann, um die verstellende Figur im richtigen Moment wieder abzusehen, wonach die offene Linie gewonnen wird. Die Urpartie war Karpov gegen Unzicker, 1974 bei der Schach-Olympiade in Nizza:

    [Event "Nice"]
    [Site "Nice"]
    [Date "1974.??.??"]
    [EventDate "?"]
    [Round "?"]
    [Result "1-0"]
    [White "Anatoly Karpov"]
    [Black "Wolfgang Unzicker"]
    [ECO "C98"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "87"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O Be7 6. Re1 b5
    7. Bb3 d6 8. c3 O-O 9. h3 Na5 10. Bc2 c5 11. d4 Qc7 12. Nbd2
    Nc6 13. d5 Nd8 14. a4 Rb8 15. axb5 axb5 16. b4 Nb7 17. Nf1 Bd7
    18. Be3 Ra8 19. Qd2 Rfc8 20. Bd3 g6 21. Ng3 Bf8 22. Ra2 c4
    23. Bb1 Qd8 24. Ba7 Ne8 25. Bc2 Nc7 26. Rea1 Qe7 27. Bb1 Be8
    28. Ne2 Nd8 29. Nh2 Bg7 30. f4 f6 31. f5 g5 32. Bc2 Bf7
    33. Ng3 Nb7 34. Bd1 h6 35. Bh5 Qe8 36. Qd1 Nd8 37. Ra3 Kf8
    38. R1a2 Kg8 39. Ng4 Kf8 40. Ne3 Kg8 41. Bxf7+ Nxf7 42. Qh5
    Nd8 43. Qg6 Kf8 44. Nh5 1-0

    Übrigens, gegen deutsche Großmeister hat Karpov gut ausgesehen. Viele seiner Klassiker entstanden gegen deutsche GMs. Beispiele:

    [Event "Madrid"]
    [Site "Madrid ESP"]
    [Date "1973.12.11"]
    [EventDate "1973.11.26"]
    [Round "12"]
    [Result "1-0"]
    [White "Anatoly Karpov"]
    [Black "Wolfgang Uhlmann"]
    [ECO "C09"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "83"]

    1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nd2 c5 4. exd5 exd5 5. Ngf3 Nc6 6. Bb5
    Bd6 7. dxc5 Bxc5 8. O-O Nge7 9. Nb3 Bd6 10. Bg5 O-O 11. Bh4
    Bg4 12. Be2 Bh5 13. Re1 Qb6 14. Nfd4 Bg6 15. c3 Rfe8 16. Bf1
    Be4 17. Bg3 Bxg3 18. hxg3 a5 19. a4 Nxd4 20. Nxd4 Nc6 21. Bb5
    Red8 22. g4 Nxd4 23. Qxd4 Qxd4 24. cxd4 Rac8 25. f3 Bg6
    26. Re7 b6 27. Rae1 h6 28. Rb7 Rd6 29. Ree7 h5 30. gxh5 Bxh5
    31. g4 Bg6 32. f4 Rc1+ 33. Kf2 Rc2+ 34. Ke3 Be4 35. Rxf7 Rg6
    36. g5 Kh7 37. Rfe7 Rxb2 38. Be8 Rb3+ 39. Ke2 Rb2+ 40. Ke1 Rd6
    41. Rxg7+ Kh8 42. Rge7 1-0

    Oder hier sein weltberühmtes Läuferopfer gegen den Doc:

    [Event "Tilburg"]
    [Site "Tilburg"]
    [Date "1982.??.??"]
    [EventDate "?"]
    [Round "1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Anatoly Karpov"]
    [Black "Robert Huebner"]
    [ECO "B19"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "73"]

    1. e4 c6 2. d4 d5 3. Nd2 dxe4 4. Nxe4 Bf5 5. Ng3 Bg6 6. h4 h6
    7. Nf3 Nd7 8. h5 Bh7 9. Bd3 Bxd3 10. Qxd3 Ngf6 11. Bf4 e6
    12. O-O-O Be7 13. Ne5 O-O 14. c4 c5 15. d5 Nxe5 16. Bxe5 Ng4
    17. Bxg7 Kxg7 18. Qe2 Bg5+ 19. Kb1 Nf6 20. dxe6 Qc8 21. e7 Re8
    22. Rd6 Qg4 23. Qe5 Kg8 24. Re1 Nd7 25. Rxd7 Qxd7 26. Nf5 f6
    27. Qd5+ Qxd5 28. cxd5 Bf4 29. g3 Bc7 30. Kc2 b5 31. Nxh6+ Kh7
    32. Nf5 Rg8 33. d6 Ba5 34. Re6 Rg5 35. Rxf6 Rxh5 36. d7 Rh2
    37. Ne3 1-0

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