Umfrageergebnis anzeigen: Wer gewinnt die WM?

Teilnehmer
7. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Carlsen

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  • Anand

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Ergebnis 1 bis 15 von 65

Thema: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

  1. #1
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    Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II



    Wie schon im Forum erwähnt, hat FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinov seine Beziehungen zum russischen Establishment spielen lassen und die Schach-WM gerade rechtzeitig vor den Wahlen zum FIDE-Präsidenten gerettet. Hätte er es bis zu den Wahlen im Tromso nicht geschafft, einen Ausrichter für die Schach-WM zu finden, wäre er gegen Kasparov in die Bredouille gekommen, da Kasparov ihm nun umso glaubwürdiger hätte Unfähigkeit vorwerfen und der Schachwelt den Glauben an eine Schach-WM zurückgeben können. Gerade Kasparov gilt als ein Mann der Tat, als Mann, der etwas anpacken und bewegen kann, und das durchaus erfolgreich.

    Die Schach-WM 2014, das Rematch zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand, findet in Sotschi statt. Rußland, der Staat dürfte nicht bei jedem Begeisterung auslösen, denn wie kein anderes Land mit Ausnahme von Nordkorea strahlt Rußland eine gewisse Ungemütlichkeit und Unheimlichkeit aus, die sich durch die Krim-Krise sicher nicht gelegt haben dürfte.

    Als die Sowjetunion noch existierte, klangen die Beschreibungen des englischen Großmeisters Daniel King schrecklich:

    Sowjetische Turniere waren berüchtigt; nicht nur waren sie ein strenger Test des schachlichen Könnens, sondern auch was jemand aushalten konnte. Drei Wochen in einer Stadt zu verbringen, wo man abends nichts unternehmen kann, wo es Schaben in Ihrem Hotelzimmer gibt – und wahrscheinlich auch in dem undefinierbaren, eintönigen Essen, das man ihne vorsetzt – ist genug, um jeden fertigzumachen [...]
    Daniel King, Wie gut ist Dein Schach, Beyer-Verlag, Hollfeld 1996, S. 89

    Und auch ein anderer Zeitgenosse, der bekannte Schachpublizist Johannes Fischer, beschrieb ähnliches in der Endphase der Sowjetunion. Seine Zustandsbeschreibungen, übrigens aus Sotschi 1990, behandelten Themen rund um Vetternwirtschaft, Kriminalität, den Mangel an Ablenkungsmöglichkeiten, Schlendrian und Kakerlaken, eine Kostprobe

    Einmal hörten wir, in der Bar unseres Sanatoriums könnte man an diesem Tag Eis bekommen. Rudy und ich gingen hin und bestellten zwei Portionen. Während wir unser Eis aßen, krabbelte plötzlich eine Kakerlake über den Tresen. Ohne eine Miene zu verziehen oder ein Wort zu sagen, griff die Bedienung nach einem Handtuch, fing die Kakerlake und zerquetschte sie.
    Heute gibt es die Sowjetunion zwar nicht mehr, aber noch immer wirken viele Strukturen aus der Vergangenheit des Landes fort. Ich erinnere mich an den Film Vaterland, nach dem gleichnamigen Buch von Robert Harris, in dem die Szenerie in Deutschland in den 60er Jahren beschrieben wurde, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Autos, die in den Straßen herumfuhren, sahen aus wie eine Mischung von westlichen Autos und den berüchtigten Ostblockautos aus den 60er Jahren, und diese symbolisierten damit gewissermaßen die Möglichkeiten einer vom Naziregime ausgehenden wirtschaftlichen Potenz.

    Die Nazis vertraten nicht den Klassenkampf, sondern die Volksgemeinschaft unter Inklusion und Versöhnung aller Klassen. Die Wirtschaft im Dritten Reich war keine sozialistische Planwirtschaft. Frei entfalten konnte sie sich dennoch nicht, da das Naziregime die eigene Wirtschaft kontrollierte und bei Bedarf "im Interesse der Nation" dirigierte und zudem Druck auf die einzelnen Unternehmer ausübte, wenn es den Nazis angemessen erschien. In solch einem Klima gedeihen Vetternwirtschaft und Korruption, es werden fähige Personen durch loyale Personen ersetzt, und die ständig drohende Gefahr, der eigene Besitz könne einem jederzeit wieder genommen werden, hemmt die eigene wirtschaftliche Tatkraft. In diesem Sinne ist die Wirtschaftsleistung in einem faschistischen Staat natürlich stärker als in einem Staat mit primitiver, jede Einzelinitiative hemmenden sozialistischen Planwirtschaft, aber schwächer als die Wirtschaftsleistung eines westlichen Landes.

    In diesem Zusammenhang erscheint mir heute die Wirtschaftsleistung in Rußland, das die Westorientierung unter Jelzin in den wilden 90er Jahren nie verstanden hat und folglich tatsächlich ein auch ökonomisches Trauma davongetragen hat. Doch gehört Rußland nach wie vor fast zu den Entwicklungsländern, da die nationale Wirtschaft kaum Kraft besitzt und fast ausschließlich von den hohen Gas- und Ölvorkommen zehrt, was Rußland als de-facto-Rentierstaat fast auf eine Stufe stellt mit diversen ölreichen Ländern in Arabien, ohne aber seinen Reichtum in diesem Umfang auf seine Landsleute verteilen zu können. Die Autoritarisierung der russischen Politik unter Putin, der Personenkult um ihn, und der extreme Druck auf die Wirtschaft, in der fast alle „Leistungsträger“ in kriminelle Machenschaften verstrickt sind und dafür zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie sich gegen das Regime Putin stellen, weist gewisse Ähnlichkeiten mit einem faschistischen System auf. Die Wirtschaft ist nicht mehr auf dem erbärmlichen Stand wie unter der Kuratel der Sowjetunion, aber wirklich befreien kann sie sich nicht, da sie auch im heutigen Rußland in ein enges Korsett gepreßt wird. Auch die Gesellschaft besitzt nun viele Freiheiten, von der sie in Zeiten kommunistischer Totalgleichschaltung nur träumen konnte. Es entstehen erbitterte kulturelle Kämpfe zwischen unterschiedlichen Lagern, die zu Sowjetzeiten mit dessen Informationsmonopol und seinen perfektionierten Kontrollmöglichkeiten allerdings schon im Keime erstickt worden wären. Die neuen Freiheiten werden heute immer wieder bedroht, teils von der russischen Regierung, teils von den eigenen Landsleuten, die sehr genau wissen, was sie von ihren Landsleuten erwarten, was konformes bzw. „traditionelles“ Verhalten betrifft.

    Sonderlich begeistert fiel so auch wenig überraschend die Meinung von Carlsens Manager Espen Adgestein über die Vergabe an Sotschi aus, jenem Sotschi, das von Johannes Fischer bereits wenig erbauend erwähnt worden ist, und in dem bereits die diesjährige Winter-Olympiade stattfand, in der Putin zwar formell den Olympischen Frieden wahrte, unmittelbar nach Schluß der Veranstaltung aber nach den westukrainischen Aufständen in die Krim einmarschierte. Aus chess24:

    Als sie kürzlich erwähnten, dass es wünschenswerte Austragungsorte gäbe, gehörte Sotschi dazu?

    Nein, aber es ist auch nicht die Sache der Spieler einen Ausrichter für den WM-Kampf zu finden, dafür ist die FIDE verantwortlich. Es ist nicht überraschend, dass der aktuelle Präsident Ilyumzhinov im Osten nach einem Ausrichter sucht. Dort haben er die besten Verbindungen. Dementsprechend ist die aktuelle Entwicklung nicht überraschend.
    In diesem Zusammenhang bezog sich Adgestein vor allem auf die politische Lage in Rußland, welche die Schach-WM durchaus überschatten könnte:

    Gleichzeitig ist Russland als Austragungsort etwas unkomfortabel wegen der politischen Situation. Und wir wissen nicht, wie sich die Situation bis zum Match entwickeln wird. Das müssen wir in Betracht ziehen, wenn wir über das Match verhandeln.
    (ebd.)

    Mit Verhandlungen scheint es Adgestein aber nicht so ernst zu nehmen, da er durchblicken ließ, die Entscheidung zähneknirschend akzeptieren zu wollen (vgl. einen Ausrichter zu finden, sei Sache der FIDE, nicht der Spieler [ebd.]). Eine Gefahr für den neuen Ausrichter droht stattdessen an anderer Stelle. Wie auch Adgestein erwähnte, stellt sich die Frage nach einem Sieg Kasparovs über Iljumschinov bei den kommenden FIDE-Wahlen, ob dieser eine Schach-WM in seinem verhaßten Heimatland akzeptieren wird. Dazu müßte Garri Kasparov zu einer Art von "Realpolitik" bereit sein, und ob er das ist, ist eine spannende Frage, hinter der momentan noch ein Fragezeichen steht. Kasparov gilt als geschickter und diplomatischer als sein Vorgänger, der Kopf-durch-den-Wand-Renner Robert Fischer, aber immer noch als ein großer, wenig kompromißbereiter Idealist.

    Die Nachricht, daß die Chancen für die Ausrichtung der nächsten Schach-WM, welche der Berliner Kurier nach Verstreichung der Bewerbungsfrist bereits scheitern ließ, wieder deutlich gestiegen sind, dürfte aber für viele Schachfreunde eine gute Nachricht sein. Die Erfahrung von vergleichbaren Sportkämpfen hat gezeigt, daß es nach der Phase der Proteste vor dem Turnier während des Turniers kaum noch jemanden interessiert, wo das Sportfest stattfindet. Dann tritt quasi automatisch der eigentliche Wettkampf in den Vordergrund.
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  2. #2
    Anonym
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    toller Artikel !

  3. #3
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Na, findet die Neuauflage nun statt? Das ist nämlich durchaus fraglich: https://chess24.com/de/lesen/news/is...atch-in-gefahr

    Was meint ihr?
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  4. #4
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Bei den vielen Unklarheiten, halte ich es durchaus für möglich, dass die Neuauflage nicht statt findet. Sehe aber mehr Einwände vom Team Carlsens. Seitens der FIDE gibt es keine Dementi und auch bei Anand scheint soweit alles (start)klar.

    Meine Prognose: Die Neuauflage findet statt, selbst wenn sie nicht stattfinden sollte!

  5. #5
    Anonym
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    @Birliban

    "Meine Prognose: Die Neuauflage findet statt, selbst wenn sie nicht stattfinden sollte! "

    Hast Du früher beim Radio Eriwan gearbeitet? : )

  6. #6
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Zitat Zitat von anonym
    @Birliban

    "Meine Prognose: Die Neuauflage findet statt, selbst wenn sie nicht stattfinden sollte! "

    Hast Du früher beim Radio Eriwan gearbeitet? : )

    Weiß nicht, ob es Radio Jerewan auch schon gemeldet hat: Die Neuauflage Carlsen - Anand findet statt! Carlsen hat seinen Vertrag unterschrieben.

  7. #7
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Das Preisgeld "scheint" auch von einer sehr vertrauenswürdigen Person zu kommen, nämlich von Aleksander Tkachev, dem Gouverneur der Region Krasnodar und einer der Anführer der "Volksrepublik Donezk". Dann hoffen wir mal, daß er den Ukraine-Krieg bis zur WM überlebt.
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  8. #8
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Ich bin zwar auch kein Anhänger von Tkachev und einigermaßen irritiert, dass der das Preisgeld zur Verfügung zu stellen "scheint" - aber sollte das ein Grund sein, an dem sich Anand oder Carlsen stören, bleibt ihnen immerhin die Möglichkeit, die 1,5 Millionen der Organisation "Brot für die Welt" oder für andere "gute Zwecke" zur Verfügung zu stellen. Das werden beide aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht tun, ja nicht einmal in Erwägung ziehen.

  9. #9
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Ehrlich gesagt bin ich sogar froh, daß sich mit Sotschi noch ein Ausrichter für die diesjährige Schach-WM gefunden hat. Man darf eben nicht vergessen, daß es vor Sotschi keine Interessenten gegeben hatte, und so bleibt uns als Schachfreunde die Möglichkeit, wieder eine faszinierende Schach-WM mitzuerleben, die Neuauflage von Anand vs. Carlsen, die wir auf Schachburg wieder würdig begleiten werden. Und Rußland dürfte wegen seiner Tradition natürlich in der Lage sein, eine ordentliche Schach-WM auf die Beine zu stellen. Der politische Hintergrund angesichts der globalen Krise ist aber mindestens interessant, und so bin ich gespannt, was sich da auch in dieser Beziehung bis und bei der WM so entwickeln wird.
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  10. #10
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Dann einmal zum schachlichen Part. Wie ist die Ausgangslage? Was spricht für Carlsen? Was spricht für Anand?

    Für Magnus Carlsen spricht die hohe Elodifferenz der beiden, an der sich im Vergleich zur letzten WM wenig geändert haben dürfte. Die nach dem Sinquefield-Cup nicht mehr ganz so unangefochtene Nummer eins der Weltrangliste liegt bei 2863 Punkten, Anand bekleidet Position sechs und ist 2785 Elopunkte schwer. Das ist eine Differenz von 78 Punkten. Hinzu ist Magnus Carlsen eingespielter. Denn Carlsen hat sich vergangene Saison als spielender Weltmeister erwiesen und an zahlreichen Topturnieren mitgewirkt, während Anand seine Ambitionen wohl ausschließlich auf die Weltmeisterschaftskämpfe beschränkt hat. Carlsen wirkt zur Zeit überspielt, oder er ist schlichtweg in einer Krise, über deren Gründe ich mich nicht auslassen kann.

    Diese Fokussierung Anands auf diese Neuauflage der letztjährigen Schach-WM könnte so auch gewisse Vorteile mit sich bringen, die vom freien Kopf, einer optimalen, auch mentalen Vorbereitung bis hin zu allerlei Geheimnissen in seinen Eröffnungssystemen reichen. Es ist offensichtlich, daß Anand seit Monaten zusammen mit seinen Sekundanten an gefährlichen Rezepten gegen den Norweger braut. Gerade in dem Eröffnungswissen gilt Anand gegenüber Carlsen bei vielen Experten als überlegen. Für Anand wird diese WM etwas Besonderes sein, für Carlsen ist es nur ein Turnier von vielen.

    Für Vishy Anand spricht zudem seine Wiedergeburt beim Kandidatenturnier in Chanty-Mansijsk, das er mit einem Punkt Vorsprung vor Sergei Karjakin gewann. Vor dem Kandidatenturnier hatte Anand wohl nahezu jeder abgeschrieben, und er selbst war auch drauf und dran, seine Teilnahme zugunsten von Fabiano Caruana abzusagen. Doch das Ergebnis von Chanty-Mansijsk hat gezeigt, der Tiger ist wieder da, der Tiger ist wieder heiß, zumindest wenn es um Kämpfe um die Weltmeisterschaft geht.

    Grundsätzlich denke ich, daß Anand aus der letzten WM mehr Erkenntnisse als Carlsen gezogen haben dürfte. Carlsen hatte es ob der zahmen Gegenwehr des Tigers zu leicht, während Anand bereits grundsätzliche Fehler gemacht hat. So schwächelte Carlsen, der später zugab, am Anfang der WM nervös gewesen zu sein, leicht und machte durchaus einige Fehler, die vom Tiger aber nur dergestalt beantwortet wurden, daß er schnell ins Remis abwickelte. So blieb diese Schwächephase zum WM-Auftakt für Carlsen ohne Folgen, und als Carlsen seine Nervosität abgelegt hatte, war er dem Inder deutlich überlegen. Man braucht kein Prophet sein, um vorauszusagen, daß Anand schon direkt am Anfang entschlossener zu Werke gehen und gewillt sein wird, seine Chancen zu nutzen. Es wird wieder eine großartige WM werden. Die Umfrage ist offen. Wen seht ihr nach den Kämpfen auf dem Thron?
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  11. #11
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    http://www.poetron-zone.de/cgi-bin/p...C+Poetron!&C=1

    Hier ein Link zum Gedichte-Generator. Gedichte werden per Computer erstellt. Auch zum Thema Schach. Man muss nur noch ein paar Substantive, Verben, Adjektive eingeben - und schon kann das Gedicht generiert werden. Mehrfachversuche sind möglich, sollte der erste Wurf doch nicht so gelungen sein.

    Zugegeben, mein erster Versuch, ein Gedicht zur bevorstehenden Weltmeisterschaft zwischen Carlsen und Anand per Computer zu generieren, ist nicht gerade überragend geglückt. Aber amüsant ist es doch. Wer schafft es besser?

    Ode an Carlsen

    Du abwartenes Ding du!
    Carlsen, die aggressive Tulpe.
    Jenseits von Eden in allen Welten!
    Ich spiele!
    Ich wasche!
    Du schachliche Lust!
    Carlsen du,
    Bereit in endloser Nacht.
    Welch Schrecken!
    Carlsen zwischen Murren und Waschen.
    Carlsen meist ach so aggressiv.


  12. #12
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Wo wir gerade bei Carlsen-Parodien sind, hatte dieses Video zwar schon mal gepostet, aber hier paßt es auch gut hin.

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  13. #13
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Bingo! Passt sehr gut zum Text - so richtig Ballaballa! So stelle ich mir immer Schachspieler vor nach Einweisung in die Psychiatrie und nach 50-jähriger Berufserfahrung als Schachprofi.

  14. #14
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    Beitrag AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    Die Karten sind offener gemischt. Psychologisch betrachtet hat Anand unschätzbar viele Vorteile mehr in der Hand. Vergleicht man es mit der Situation in Chennai letztes Jahr. Niemand hat mit ihm gerechnet. Auch der bekannte Kommentator Daniel King hatte Anand nicht als Sieger des vergangenen Kandidatenturniers in Khanty-Mansijsk auf seiner Rechnung gehabt. Die Überraschung war ihm eindeutig gelungen. Denn mit Anand `s Rückkehr rechnete kaum jemand.

    Magnus Carlsen steht stark unter Druck. Er möchte keinesfalls in die Riege der Weltmeister fallen, die es nur für ein Jahr gewesen sind. Nicht in die Falle von Smyslow und Tal kippen. Dies will er unbedingt verhindern. Sein WM-Titel soll eine Erfolgsstory werden. Das geht nur, wenn er ihn lange und unterbrechungsfrei trägt. Das hat zuletzt auch viel mit monetären Gesichtspunkten zu tun. Denn jedes gespielte Match um die Schach-Weltmeisterschaft ist nicht nur prestigeträchtig, sondern generiert auch beträchtliche Einnahmen. So oder so. Der Schachweltmeister gilt nach wie vor als 1. Instanz in Schachfragen.
    Carlsen ist im Rückkampf nun selbst der Gejagte. Anand kann hingegen befreiter aufspielen. In der Vergangenheit hat er unzählige Erfolge für sich verbuchen können. Niemand blickt auf ihn herab, wenn er den Sieg 2014 in Sotschi knapp verpassen würde. Das Blatt hat sich gegenüber dem Vorjahr gewendet.

    Anders für Carlsen. Eine Niederlage wäre für ihn sehr schmerzhaft. Deshalb vermute ich, das er viele Dinge im Kopf hatte, bevor er seinen WM-Vertrag exakt am Frist-Ablauftag unterzeichnete. Die Gründe des langen Hinauszögerns kennt nur er selbst und sein Team. Ich denke nur, dass einiges mehr an Überlegungen dahintersteckte als offiziell bestätigt wurde. Die TV-Rechte zu regeln - gut, vielleicht war es einer der Gründe. Dennoch vermute ich, das es in Wirklichkeit weit mehr waren. Die Angst vor einem Imageschaden, würde er das Match gegen Anand wider Erwarten verlieren, könnte ein solch weiterer Grund gewesen sein. Seine 2 Verlustpartien während der Olympiade in Norwegen haben ihm gezeigt, das er verwundbare Stellen hat.

    Für Magnus Carlsen wäre es angenehmer gewesen, wenn ein anderer Spieler sein Herausforderer geworden wäre (mit Ausnahme von Kramnik vielleicht). Natürlich ist das Spekulation, es liegt aber auch auf der Hand. Für Anand ist das eine komfortable Situation. Carlsen muss sich hingegen beweisen. Erstens, das er tatsächlich besser spielt als sein Herausforderer, zweitens um seine Erfolgsserie fortzusetzen, das Schach über lange Zeit dominieren zu können.
    Denn würde Magnus verlieren, wäre er erneut mit der hochkarätigen Weltelite konfrontiert. Weitere harte 14 Runden in einem Rundenturnier, dessen Ausgang auch für ihn unwägbar sein würde. Setzt man diesen emotionalen Aspekt fort, müsste er wiederum gegen Anand im Kampf um die Weltmeisterschaft antreten. Den entsprechenden Siegeswillen dann unter Beweis zu stellen, wäre für Carlsen eine ausgesprochen harte Prüfung. Vorstellbar, aber ein gewaltiger Drahtseilakt mit den Nerven, vor allem da Fabiano Caruana ein weiterer Mitbewerber sein wird.

    Anand dürfte dieses Mal nur sehr knapp verlieren, wenn er verliert. Er kann den Ball teilweise ins andere Lager spielen. Er sollte sehr darauf achten, wie er seine Partien aufbaut. Sich auf seine Stärken besinnen, mehr Risiko gehen, denn eine abwartende Haltung gegen Carlsen ist tendenziell ein schlechtes Rezept. Letztes Jahr hat er sich zu oft auf feindlichen Boden ziehen lassen - und Magnus Carlsen nutzte diese Gelegenheiten und schlug zu. Ich vermute, Anand hat hieraus seine Lehren gezogen.

    Hält er Carlsen auch im psychologischen Sinne stand? Ist Anand mental in der Lage, ein Match gegen ihn von der 1. Partie an positiv zu gestalten? Eine Linie in die Zukunft zu legen, in der er sich am Ende als Sieger sieht? Das hat viel mit Nervenstärke und Glauben an sich selbst zu tun. Technisch sehr gut spielen zu können ist wichtig, aber das ist es nicht alleine.

    Carlsen wird nur dann wieder souverän aufspielen, wenn er sich nicht irritieren lässt und das wird gar nicht so einfach sein. Wenn er hochklassiges Schach spielt, wird er vermutlich das Match gegen Anand knapp gewinnen - aber auch eben nur dann.

    Meine Prognose - gewagt oder nicht, lautet: 50:50
    www.schach-blog.de
    Geändert von mvallon (02.11.2014 um 11:34 Uhr)

  15. #15
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    AW: Schach-WM 2014 Carlsen gegen Anand Teil II

    " Hält er Carlsen auch im psychologischen Sinne stand? Ist Anand mental in der Lage, ein Match gegen ihn von der 1. Partie an positiv zu gestalten? " mvallon


    Solange sich diese Fragen nicht eindeutig positiv für Anand beantworten lassen, glaube ich nicht an ein ausgeglichenes Match. Aber - je stärker Anand sein wird/kann, umso besser, spannender und weniger einseitig wird diese Weltmeisterschaft.

    Meine Stimme (obige Umfrage) habe ich gerade für Carlsen abgegeben.

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