Mittlerweile ist es auch zu uns vorgedrungen, daß es sogar bei den Schachspielern selbst kritische Stimmen gibt, die vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen, die das Schachspiel erzeugen könne, warnen. Da ist es zum Verbot nicht mehr so ein großer Schritt. Und phasenweise wurde tatsächlich im Mittelalter das Schachspiel verboten. Allerdings war das Schachspiel nicht das einzige Opfer sittenstrenger Moralapostel, in England war etwa lange Zeit das Kegeln als Glücksspiel verboten und wurde deswegen von findigen Untertanen durch das heute längst bekannte Bowling ersetzt. Aber auch in der jüngeren Vergangenheit mußte das Schachspiel dran glauben. Wie Frank Mayer erläuterte, verbat der Ayatollah im Iran das Schachspiel mit der Begründung, daß das Schach das religiöse Erinnerungsvermögen beeinträchtigen und geistige Schäden verursachen könne. Außerdem fürchtete er, daß eine zu Kriegen führende Angriffslust entstünde. Verboten war das Schachspiel noch bei den Taliban und bei den Mormonen in der tiefgläubigen Region um Salt Lake City in den USA. Wem fällt noch ein, wo das Schach verboten wurde oder immer noch wird?

Ich mutmaße, daß die Gründe für das Verbot darin liegen, daß das Schachspielen eine Ablenkung vom frommen Leben bedeutete. Gerade das Christentum mit seinem Hang zur Prüderie hatte vor allem früher eine starke Abneigung gegenüber Spielen allgemein, was auch mit gewissen Verbotspraktiken einherging. Spiele wurden als verderblich angesehen, aber auch die Lebensfreude wurde teilweise mit der Sünde gleichgesetzt. Der Puritanismus läßt grüßen.
Eine weitere Erklärung stelle ich mir darin vor, daß im Schach Könige bekämpft und von Bauern sogar Matt gesetzt werden können. In den Augen von Adel und Klerus, die lange Zeit eine Einheit bildeten, muß dies ein ungeheurer Frevel gewesen sein.