Es scheint kaum zu glauben, daß eine Miniatur von gerade einmal 18 Zügen, irgendwo im Wien des Jahres 1872 gespielt, das Zeug dazu hatte, zur vielleicht berühmtesten Remispartie der bisherigen Schachgeschichte zu avancieren. Doch das, was sich dort in eben diesen 18 Zügen abspielte, war derart atemberaubend, daß Begeisterung ein viel zu kleines Wort ist, um das Ausmaß an Bewunderung und Emotionen zu beschreiben, die diese Partie auf den Zeitgenossen ausübte. Sicherlich ist sie ein vortreffliches Dokument der Romantischen Epoche und so reich an höchst komprimiertem Inhalt, wovon Damenopfer und Königsmarsch im Mittelspiel nur zwei der in dieser Partie enthaltenen Schachthemen und –ideen enthalten sind. Diese Partie gleicht einem Kunstwerk von großen Schachkomponisten, und angesichts des Gehalts und der Komplexität dieses Spiels, mutet es Wunder an, daß die beiden Protagonisten der Partie, Philipp Meitner und Carl Hamppe, nach dieser Partie wieder aus dem Rampenlicht der Schachgeschichte fielen. Philipp Meitner spielte in seiner Jugend übrigens viel mit Wilhelm Steinitz in den berühmten Wiener Cafés Schach. Doch sollte Wilhelm Steinitz das Schach später revolutionieren, und auch die positionell strenge Wiener Schule dürfte Art der Spielführung beider Spieler in dieser Partie nicht gutgeheißen haben. Bei nüchterner, wissenschaftlicher Analyse waren manche Züge auch tatsächlich ungenau...

Lange Diskussion der Partie hier: http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1250160

[Event "Vienna"]
[Site "Vienna"]
[Date "1872.??.??"]
[EventDate "?"]
[Round "?"]
[Result "1/2-1/2"]
[White "Carl Hamppe"]
[Black "Philipp Meitner"]
[ECO "C25"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "36"]

1. e4 e5 2. Nc3 Bc5 3. Na4 Bxf2+ 4. Kxf2 Qh4+ 5. Ke3 Qf4+
6. Kd3 d5 7. Kc3 Qxe4 8. Kb3 Na6 9. a3 Qxa4+ 10. Kxa4 Nc5+
11. Kb4 a5+ 12. Kxc5 Ne7 13. Bb5+ Kd8 14. Bc6 b6+ 15. Kb5 Nxc6
16. Kxc6 Bb7+ 17. Kb5 Ba6+ 18. Kc6 Bb7+ 1/2-1/2