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Thema: Schach und Rating

  1. #1
    Anonym
    Gast Avatar von Anonym

    Schach und Rating

    Mir kam da heute morgen ein Gedanke - mal sehn was ihr dazu meint:

    Wenn die Spielstärke einer Person stetig steigt, oder stetig fällt, dann hinkt die Rating quasi hinterher und erreicht niemals die tatsächliche Spielstärke. Vergessen wir mal temporäre Schwankungen, die eine Tagesform nach unten oder oben anheben.
    Wenn wir nun davon ausgehen, daß jemand, der konstant spielt (damit meine ich keine jahrelangen Pausen einlegt), sich verbessert, dann tut er das aus biologischen Gründen bis zu einem Zeitpunkt x, der den Zenit seiner Leistungsstärke darstellt.
    Das ist natürlich alles alter Kaffee - worauf ich hinaus will ist was anderes:
    Wenn nun jemand in einem einzigen Turnier, das einer einzelnen Auswertung zugrunde liegt, gegen 100 Leute gespielt hätte, und dabei auch gegen Leute, die 500 Punkte unter und über ihm liegen - oder mehr - dann wäre der Angleich an seine tatsächliche Spielstärke doch logischerweise viel eher gegeben bzw. würde sich das Rating viel schneller angleichen. Nicht praktikabel - ist schon klar. Aber nun der Punkt:
    Darus ergibt sich für mich: Wenn Turniere ohne Gruppenzuordnung oder sagen wir mal Einschränkung über 9 Runden gespielt würden, könnte jemand, der sich verbessert, sein Rating ebenfalls schneller an seine tatsächliche Leisungsfähigkeit anpassen, als wenn er in Gruppen spielt und nur 5 Runden. Der Witz dabei ist doch auch noch der folgende: Wenn wir vermuten sollten, wo der durchschnittliche Zenit auf der Rating Skala liegt, dann liegt er doch im Zweifel im oberen Bereich. Genau dort aber tummeln sich eben auch all diejenigen, die bereits viel schlechter sind, als ihre Rating aussagt, da sie bereits am abfallen sind - während sich im "unteren Bereich" all die schnell besser werdenden jugendlichen Spieler selbst behindern, aber eben in ihren Gruppen gebunden sind und keinen Vergleich mit den anderen erzielen können - die Rating aber ein Vergleichswert ist, aber eben nicht wirklich darstellt.

    Was den Zenit und den unterstellten Zyklus angeht, liege ich aber womöglich total falsch - vielleicht gibt es den so generell gar nicht. Da gibt es zum Beispiel in meinem Schachbezirk jemanden, der mit über 70 Schach lernte, sich das allerdings von einem ausgezeichneten Schachtrainer zeigen ließ von Anfang an - und inzwischen ein paar Jahre später schon Leute mit 1800 zum Schwitzen brachte, nur leider Konditionsschwächen hat, aber in beachtlicher Weise auch sein Rating ständig verbessert. Dann wieder gibt es den 65-jährigen Russen, dessen Namen ich leider leider nicht mehr weiß, dessen Fall ich aber recherchiert habe, der in Rente geht, anfängt Turnierschach zu spielen und dann noch IM wird.

  2. #2
    Administrator
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    AW: Schach und Rating

    @anonym:

    das, was Du da beschreibst, ist der zweite Frühling, der sich nach Eintritt ins Rentenalter bei so manchem Schachspieler einstellt. Diese Schachspieler waren zuvor von ihrem Beruf eingespannt und haben das Schach eher als Hobby wahrgenommen. Denn Zeit, sich ernsthaft der Entwicklung der eigenen Spielstärke zu widmen, haben diese Spieler nicht gehabt.
    Diese Zeit haben sie aber nun, und so können erst einmal neue Ambitionen entstehen, wie man die viele freie Zeit nun ausfüllt. Und bis zum Eintritt in die Senilität, die natürlich die Spielstärke wieder zurückfallen läßt, ist es bei den Jungrentnern, die sich einer guten Gesundheit erfreuen, noch lange hin. Ich kenne einen ähnlichen Fall aus der Universität Wuppertal. Dort hat eine Frau, die gerade das Rentenalter erreicht hat, noch Karriere gemacht. Sie nahm ein Seniorenstudium auf und arbeitete sich bis zur Professorin hoch.

    Wirkliche Unterbewertung tritt aber eher bei hochtalentierten Jugendspielern auf, deren Ratingzahl oft ihrer rasanten Spielstärkeentwicklung hinterherhinkt, auch weil diese sich gegenseitig oft die Punkte abnehmen. Dort kann es allerdings auch zu einem kurzfristig entgegengesetzten Effekt kommen. Nehmen wir an, Talent XY spielt bei einem Erwachsenenturnier mit, ist in der Form seines Lebens und gewinnt aufgrund des Jugendbonus 200 Punkte dazu. Beim nächsten Turnier ist dieses Talent allerdings nicht mehr in Form, und nun ist das Talent überbewertet.

    Ansonsten berührt das, was Du ansprichst, die elementaren Fragen der Wahrscheinlichkeit. Als wir das Thema in der Schule behandelten, hat uns der Lehrer Karten ausgeteilt. Die Wahrscheinlichkeit, Karo zu ziehen, betrug natürlich 25 Prozent. Doch nachdem wir jeweils viermal Karten aus dem Stock zogen, lag das Ergebnis für Karo bei teilweise 75 Prozent. Erst mit steigender Menge, etwa, als wir 50 Karten aus dem Stock gezogen hatten und das dann auswerteten, näherte sich der Wert für Karo der vorgegebenen Wahrscheinlichkeitserwartung an. Das war eine sehr plastische Demonstration.

    Das DWZ- oder Elosystem basiert im Wesentlichen auf Wahrscheinlichkeiten. So kann alleine aufgrund des Wertes ermittelt werden, wie hoch die Wahrscheinlich eines Spielers mit z. B. 1300 DWZ ist, gegen einen Spieler mit z. B. 1700 DWZ ist zu siegen, zu remisieren oder zu verlieren. Ein Blick in die DWZ-Datenbank sorgt für Klarheit. Beim Turnier: „Sekt oder Selters“ in diesem Jahr hatte ich bei den Gegnern einen Erwartungswert von 3,330 Punkten. Am Ende kam ich auf 4,5 Punkte, und so erzielte ich eine Performanz von 1776 und machte einen Gewinn von 32 Elopunkten (ohne U20- und U25-Bonus, d. h. +100 bzw. +50 Prozent). Deshalb stimmt es natürlich, daß die eigene Zahl umso aussagekräftiger ist, je mehr Turniere man gespielt hat. Bei einem Einsteiger, der nur eine Turnierauswertung hat, ist die eigene DWZ-Zahl bei weitem nicht so aussagekräftig wie bei einem Spieler mit 100 Turnierauswertungen.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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