Monitoring meint ein systematisches Verfahren zum erfassen, protokollieren, beobachten und überwachen von Vorgängen, das in vielen gesellschaftlichen Bereichen angewendet wird. Das Monitoring ist mehr als bloßes Protokollieren, denn mit dem Begriff des Monitorings ist gleichzeitig die Möglichkeit und Funktion verbunden, bei einem beobachteten Ablauf bzw. Prozess steuernd einzugreifen, sofern dieser nicht den gewünschten Verlauf nimmt bzw. bestimmte Schwellwerte unter- bzw. überschritten sind.

Vor allem diese Möglichkeit der Steuerung, die nach dem Erkennen von Fehlentwicklungen besteht, ist es, die in der heutigen modernen Gesellschaft dem Schachspieler mit den gegebenen technischen Möglichkeiten das Monitoring zum Zwecke der Steigerung der Spielstärke und damit der Erweiterung des eigenen schachlichen Horizonts attraktiv machen kann. Der Computer ist kein Trainer, aber er kann dem Schachspieler, sofern die Computertechnik richtig angewendet wird, ein gutes Werkzeug zur Hand geben. So hat ein Philosophie-Doktorand, der im Schach ein willkommenes Korrektiv für den von ihm übrigens kritisch gesehenen "grauen Universitätsalltag" fand, in seinem Blog www.entgrenzen.de Methodik und Vorzüge der Monitoring-Methode für den Schachspieler beschrieben. Der Philosophie-Doktorand hatte auf einem anderen Blog bereits anhand eines Anand-Interviews in der Zeit, kurz vor dessen WM gegen Magnus Carlsen, die Vorzüge des digitalisierten Lernens beschrieben. Alleine das Internet bezeichnete er in der Überschrift seines eigenen Artikels als "sozialer Verstärker". Der Philosophie-Doktorand faßte die Antwort Anands, ob sich die Schachwelt seit den letzten 20 Jahren verändert habe, wie folgt zusammen:

"Vollkommen anders. Schon wegen der Computer-Revolution. Der Ansatz ändert sich ständig",

In allen Phasen des Spiels verdränge demnach der Computer traditionelle Konzepte, so Anand. Dass Computer hierfür verantwortlich wären, können wir daran sehen dass “so viele starke Spieler aus Ländern ohne Schachtradition” kämen. Anand fügt hinzu:
“Computer eröffnen den Zugang zum Spiel. Sie liefern die Informationen und erleichtern das Lernen. Was das Internet bewirkt, sieht man besten an der Zahl junger Spieler in den Top Ten.”
Auf Anands Position zu den neuen Medien zurückgreifend, grenzt sich der Philosophie-Doktorand von den Kulturpessimisten um Manfred Spitzer ab, die in der modernen Technik Gefahren sehen, und richtet den Fokus seiner Betrachtung stattdessen auf die Vorzüge der neuen Medien:

*Jene Computerrevolution, die Anand hier anspricht, zeigt, dass Computer oder das Internet einen wesentlichen Beitrag zum Lernen leisten können. Es sind nicht nur neue Medien, die in der Form der “digitalen Demenz” uns nur neue Formen des Vergessens und der Prokrastination bescheren.
Auf der anderen Seite kommt es auch darauf an, die Vorteile dieser neuen Technik sichtbar zu machen und dies ist häufig schwieriger.
Ich gebe zu, ein auch geübter und wissenschaftlich geschulter Schachspieler wird erst einmal wenig an Monitoring denken, wenn er über die Möglichkeiten nachdenkt, die modernen Techniken in sein Schachtraining bestmöglich zu integrieren. Doch vielleicht kann der Philosophie-Doktorand, der sich zum Zwecke des Monitorings, welches die Schachseite www.chess.com bietet, auf eben dieser Seite einen Bezahlaccount mit allen Privilegien eingerichtet hat, den ein oder anderen ehrgeizigen Eleven auf den Geschmack bringen. Der Philosophie-Doktorand führt aus:

www.chess.com gibt uns also die Möglichkeit, unsere Fortschritte einem Monitoring zu unterziehen. So hat Chess.com beispielsweise ein Monitoring für Taktik. Taktikaufgaben im Akkord. Wenn ich mich konzentriere, erreiche ich dort eine gute 1900-1950. Am Abend sinke ich dann ab.*Insgesamt aber hat diese Methode einen entscheidenden Vorteil als im Buch zu studieren. Chess.com dokumentiert meine Fortschritte und zeigt, in welchen Bereichen ich Schwächen habe. Diese Methode fehlt für viele Bereiche .
Im Übrigen kann ich meine Wertzahl auch vergleichen. Im Bereich einer Wertzahl von 1850-1950 bin ich unter den besten 3500 Spielern von 90.000 Mitgliedern. Damit gehöre ich zu den besten fünf Prozent. Da nun aber sicher viele mal nur aus Neugier reingeschaut haben, können wir diese Zahl vielleicht auf die Hälfte von Nutzern reduzieren. Ich schätze mich selbst dennoch zu den besten 15 Prozent. An Duquesne bin ich womöglich bin ich selbst der zweitstärkste Spieler meiner Universität, was aber nicht viel zählt.
Um die nationale Meisternorm anzupeilen, müsste ich wohl im taktischen Bereich eine 2200 erreichen und ebenso im Wertzahlbereich. Das wird sehr schwer werden, aber ich wäre sehr froh, wenn ich dies erreichen könnte und es ist gut, Dinge mit einem Ziel zu spielen.
Motivation, Erkennung des eigenen Leistungsstandes und gezielte Steuerung nach Erkennen von Mißständen scheinen mir bei dieser Methode also die Schlüsselgedanken zu sein, die das Monitoring bietet. Wer als Schachlernender das Monitoring wie der Philosophie-Doktorand etwa für das Taktiktraining nutzt, der hat hier gewisse Vorteile gegenüber demjenigen, der Taktikaufgaben noch ganz traditionell mit Brett und Buch löst. Zwar bin ich selbst da eher noch der altmodische Typ, der lieber mit Taktikbuch lernt als mit einem Taktikprogramm (für mich ersetzt auch keine Online-Zeitung eine Zeitung in traditioneller Auslieferung). Für denjenigen, der mit dem Computer weniger Berührungsängste hat, kann die Monitoring-Methode aber gerade wegen des stärkeren Grads an gegebener Wissenschaftlichkeit die bessere Alternative sein. Mit Monitoring am Computer lernt man besser seinen Leistungsstand einschätzen als mit dem Buch, man kann so besser auf die eigene Leistung, die hier präzise mit einem Leistungsbalken abgebildet ist, reagieren, und eben diese präzise Wiedergabe der eigenen Leistungen erhöht die Motivation zum systematischen Training.