Ergebnis 1 bis 12 von 12

Thema: Der seelenlose Carlsen

  1. #1
    Administrator
    Punkte: 111.275, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 36,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrers
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.760
    Punkte
    111.275
    Level
    100

    Der seelenlose Carlsen

    Die Äußerungen von DSB-Ehrenpräsident Robert von Weizsäcker gegenüber dem frischgebackenen Weltmeister Magnus Carlsen hatten im Schachbereich große Wellen geschlagen. Weizsäcker hatte nach Carlsens Sieg gegen Anand in Chennai (Madras) vor allem moniert, Carlsen spiele seelenloses Schach wie eine Engine und sei nicht der bessere Schachspieler, sondern nur der bessere Sportler, der seine Gegner aussitze. In der Schachöffentlichkeit wurden seine Äußerungen vielfach kritisiert. Mir persönlich hat vor allem der Boulevardstil seiner Äußerungen nicht gefallen, und die Äußerungen gegen Carlsen empfand ich in ihrer Pauschalität gegenüber den Leistungen des Rekordeloträgers als respektlos und zumindest als übertrieben.

    Doch mich interessiert die Frage, ob an den Aussagen Weizsäckers etwas dran ist. Robert von Weizsäcker ist im Schach schließlich kein Niemand. Ganz im Gegenteil, der älteste Sohn von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist Fernschach-GM und bekleidet Platz 58 der Fernschachweltrangliste. Naturgemäß befinden sich die Kritiker Carlsens eher in der älteren Generation. Denn im Schachsport befindet sich momentan ein Graben zwischen der jüngeren und der älteren Spielergeneration, weil beide Generationen einen ganz anderen Zugang zum Schach haben. Grob zusammengefaßt mußten sich die älteren Großmeister noch alles selbständig mit Hilfe von Büchern, herkömmlichen Datenbanken und Sekundanten erarbeiten. Die jüngeren Großmeister dagegen sind ganz selbstverständlich mit Schachcomputern, Online-Datenbanken und dem Internet aufgewachsen. Was aber ein gutes Werkzeug sein kann, kann auf der anderen Seite dazu verführen, sich allzu sehr auf die Computerunterstützung zu verlassen. Darunter kann das selbständige Denken leiden; und Phantasie und Kreativität, das, was man gerne als Schöpfertum des Schachsports bezeichnet, werden eingedämmt.

    Großmeister Rafael Waganjan, der seine Hochzeit in den 80er Jahren hatte, gehört der älteren Spielergeneration an. In einem Interview mit dem Kasachen Sergey Kim, das von Chess24 freundlicherweise in Teilen übersetzt worden ist, äußert sich dieser freimütig über ältere und jüngere Schachweltmeister. Auch Waganjan kann der heutigen Art des Schachtrainings und der Turniervorbereitung wenig abgewinnen. Und er relativiert die Carlsen-Skizzierung von dessen ehemaligen Trainer Garri Kasparov, Carlsen, laut Kramnik eine "verbesserte Version von Karpov", spiele subtil wie Karpov und "physisch vorbereitet" wie Fischer. Solch ein Level habe Carlsen noch nicht erreicht, so Waganjan.

    Vielleicht ist bei Waganjans Prognose für das kommende Rematch zwischen Anand und Carlsen: "Anand wird nicht verlieren!" eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Seine Begründung wird sicherlich denjenigen Schachfreunden Mut machen, die sich eine Entthronung Carlsens durch Vishy Anand herbeisehnen. Robert von Weizsäcker hat in seiner Einschätzung bezüglich des nur "besseren Sportlers" Carlsen jedenfalls einen prominenten Bruder im Geiste gefunden. Rafael Waganjan kommt nämlich zu demselben Schluß:

    Er [Carlsen] spielt für sich und erlaubt anderen ebenfalls zu spielen, also sollte man gegen ihn SPIELEN! Außerdem muss man physisch gut vorbereitet sein, dann wird Carlsen nichts neues vorzuweisen haben. Er wird weiterspielen bis der Punkt der Ermüdung einsetzt, wie immer. Er manövriert und manövriert bis sein Gegner einen Fehler macht... Er ist nicht - nicht im geringsten - von derselben Klasse wie Fischer. Denn dieser Typ konnte noch kreieren!
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  2. #2
    Candidate Beginner (CB)
    Punkte: 9.950, Level: 68
    Level beendet: 50%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 300
    Aktivität: 6,7%
    Errungenschaften:
    Tagger Second Class5000 Experience PointsVeteran
    Avatar von zugzwang
    Registriert seit
    04.08.2011
    Ort
    Berlin
    Rating
    schwindend
    Verein
    Ex Feldjäger Freakfeld
    Beiträge
    844
    Punkte
    9.950
    Level
    68

    Carlsens Spielanlage

    Ich kann mit dem Adjektiv "seelenlos" wenig anfangen.
    Carlsen spielt mir manchmal zu "sportlich". Er hatte einmal eine komplizierte Partie gegen Shirov letztlich mit 3 Figuren gegen Dame bei einigen Bauern und damit Vorteil.
    Live verfolgt wirkten seine (recht schnell gespielten) Züge auf mich, als wolle er nach der alten (Sowjet)-Philosophie Shirov müde spielen und dessen ohnehin schon begrenzten Zeitvorrat auf das Inkrement geschrumpft sehen, um dann noch bessere sportliche Chancen zu haben, ohne zwischenzeitlich den schachlichen Inhalt der Stellung auszuloten..
    Ein Ivanchuk (vermutlich auch Grischuk und noch ein paar andere - auch Inaktive G.K. bzw. Legenden R.F., M.T.) hätte zwischendurch seine Bedenkzeit "geopfert", um schachlich zu ergründen, ob und wie Shirovs Stellung einzureißen wäre. Es wirkte auf mich nicht so, als suche Carlsen nach den besten und für den Gegner schwierigsten Aufgaben, sondern er spielte pragmatisch sportlich ohne (Bedenkzeit-)Risiko für sich, um letztlich von der 50-Züge-Regel gestoppt werden.
    Ich weigere mich dieses Spielverhalten als seelenlos anzusehen und etliche Partien und viele Züge Carlsen sind alles andere als seelenlos. Sein sportlicher Ansatz ähnelt tatsächlich dem teilsweise als nüchtern beschriebenen Stil Karpovs, als dieser Weltmeister war.
    Beide haben gezeigt, daß sie etliche Gänge hochschalten können, wenn Stellung und Wettkampfsituation es erfordern.
    Wenn Waganjan meint, Carlsen habe das Niveau eines Fischers oder Karpovs in seiner Spielphilosophie noch nicht erreicht, dann kann man von Carlsen noch einiges erwarten, wenn er derart unvollendet an die Spitze der Schachwelt gestoßen ist und derzeit nur Caruana im nach Elo gemessenen sportlichen Erfolg Anschluß halten kann.

    Wie schon mehrfach geschrieben:
    Ich finde es immer wieder verstörend, wenn Carlsen blind "gehypet" oder pauschal "gebasht" wird. Ich gebe zu, daß es mich freut, wenn die (Spitzen)spieler dieser Welt Carlsen auf dem Schachbrett Kontra geben und er für seine Punkte ackern und leiden muß und einige abgibt.
    Seine Ausbeute gegen die Schachelite kann ich nur bewundern und etliche Partiephasen einfach faszinierend finden, ohne mehr als Bruchteile zu verstehen.

    Waganjans Fazit liest sich auch wie eine Ohrfeige gegen die Schachelite:
    Ohne Kreativität reichte es für Carlsen an die Spitze...
    Auch wenn ich der älteren generation die Daumen drücke, sind für mich manche Analysen der "Alten" zu ihren Nachfolgern voreingenommen und lückenhaft.
    Geändert von zugzwang (21.10.2014 um 15:30 Uhr)

  3. #3
    Klarer Fixpunkt
    Punkte: 5.675, Level: 51
    Level beendet: 63%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 75
    Aktivität: 0%
    Errungenschaften:
    Veteran5000 Experience Points
    Avatar von Birliban
    Registriert seit
    06.02.2014
    Ort
    Erde
    Rating
    DWZ 1920
    Verein
    ja
    Beiträge
    421
    Punkte
    5.675
    Level
    51

    AW: Carlsens Spielanlage

    Der Dualismus des Herrn von Weizsäcker oder: Der Akt der Selbstspaltung


    Vorwort

    Erstaunlich und auffallend ist bei Weizsäcker und Waganjan, daß beide Anand in die Ecke des Opfers stellen, während Carlsen als eine Art Übeltäter hingestellt wird. Als wäre die „Schuld“ bei Carlsen zu suchen, daß er WM geworden ist, statt die Fehler bei Anand zu suchen und schonungslos aufzudecken. Anand selbst hatte das durchaus getan, bezeichnete Carlsen als verdienten Sieger und suchte die Gründe für seine Niederlage bei sich. Er wäre ein schlechter Verlierer gewesen, Carlsen für seine Niederlage verantwortlich zu machen. Genau das tun aber Weizsäcker und Waganjan - sie benehmen sich wie schlechte Verlierer, indem sie Carlsen für Anands Niederlage verantwortlich machen...


    Ein Wort zu Anand

    Mangelnde Fitness und mangelnde physische Vorbereitung waren nicht der Grund für Anands Niederlage. Hatte er sich doch schon Monate vor dem Match auch physisch sehr gut vorbereitet: Jogging, Schwimmen etc. und nicht zuletzt hatte er dabei etwa 6 Kg abgenommen. Anand war also „fit wie ein Turnschuh“ wie man so schön sagt.

    Die Gründe für Anands Niederlage reichen viel weiter zurück und bis vor die WM Anand – Gelfand. Streng genommen eine Formkrise, die sich bereits über Jahre hin zog und die vielleicht schon kurz nach der WM Anand – Kramnik begann. Mangelnde Motivation oder hatte er sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht? Letztlich traf beides zu. Hinzu kommt und das scheint mir ein entscheidender Punkt: Mangelnde Turnierhärte und mangelnde Turnierpraxis! Da und dort mal eine Partie pro Saison bei Baden Baden in der Bundesliga und, wenn es hoch kommt, noch zwei, drei Turniere übers Jahr, reichen halt letztlich nicht aus für einen SPIELENDEN WM. Es schien, als wäre der einstige Tiger aus Indien langsam aber stetig zum langweiligsten Schachspieler unter der Sonne mutiert.

    Das kulminierte in der Partie Tivakov – Anand (vor der WM Anand – Gelfand) in der deutschen Bundesliga 2011/12. Wer erinnert sich an diese Partie? Tiviakov überspielte Anand in einem Sizilianer (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.Lb5+...). Tiviakov sprach anschließend vom leichtesten Sieg seit Jahren, der ihm gelungen sei und ließ kein gutes Haar an Anand. Was war passiert? Tiviakov, gestählt von unzähligen gespielten Open, in denen bis zum Umfallen um jeden Punkt gekämpft wird (Frage: Hat Carlsen nicht eben diese Turnierhärte der Open „Kämpfen bis zum Umfallen“ in die Schacharena der Weltelite zurück gebracht?), hatte den trägen (träge geworden im Kopf, wegen mangelnder Spielpraxis) Anand leichter Hand vom Brett gefegt...

    Auch das Weitere wissen wir: WM Anand – Gelfand. Erst in der Verlängerung gelang es Anand seinen Titel zu verteidigen und das alles andere als souverän. Und bis zur WM Anand – Carlsen schien sich der schleichende Niedergang Anands weiter fortzusetzen. Hinzu kam Anands Angst vor Carlsen, man könnte auch sagen, er hatte einen regelrechten Carlsenkomplex entwickelt und verinnerlicht. Schaute man in den Partien von Anand – Carslen, die noch vor der WM zwischen beiden gespielt worden sind, auf die Körpersprache von Anand am Brett (noch bevor die Partie begonnen hatte) – Anand wirkte stets wie ein Häufchen Elend... Man brauchte kein Psychologe zu sein, um zu erkennen, daß Anand eindeutig ein psychologisches Problem mit Carlsen hatte... Und trotz Anands intensiver WM-Vorbereitung, gelang es ihm nicht, dieses psychologische Problem auch nur annähernd zu lösen... Warum nicht?, könnte man fragen. Ich glaube, Anand hatte dieses psychologische Problem nicht einmal für sich (ausreichend) thematisiert und nur mehr recht als schlecht verdrängt...

    Ich sagte es schon - Anands physische Vorbereitung auf die WM war gut und er war „fit wie ein Turnschuh“. Vielmehr hatten die angesprochenen und über Jahre aufgebauten Defizite (im Verbund mit seinen Carlsenkomlex) letztlich auch zu Anands WM-KO geführt. Die Defizite konnte er in wenigen Monaten nicht einfach aufholen oder reparieren. Schon gar nicht ohne professionelle (psychologische) Hilfe. Die hatte Anand definitiv nicht. Die Einberufung seines eingespielten Beraterstabes zum Trainingslager, ein paar Monate vor der WM, waren nicht ausreichend. Auch nicht das Absolvieren von Joggingmeilen, sowie Schwimmbad- und Saunabesuche.... Gegen Kramnik, Topalov, Gelfand mag das alles und weniger gereicht haben. Gegen Carlsen reichte das nicht...


    Ein Wort zu Weizsäcker

    Zu Weizsäcker. Seine Äußerungen hatten (haben!) viel mehr mit ihm selbst zu tun als mit der WM Anand – Carlsen.! Woher rührt die Sportfeindlichkeit, ja, Körperfeindlichkeit von Herrn Weizsäcker? Woher seine dualistische Denkweise, der Akt der Selbstspaltung? Schon die alten Griechen wußten von der EINHEIT von Körper, Seele, Geist. Weizsäcker will es aber nicht wissen, denn er SPALTET Körper, Seele, Geist voneinander AB. Am liebsten wäre es ihm gewesen, die Köpfe von Carlsen und Anand vom Rumpf zu trennen und die Gehirne beider kurz zu schließen: Dann, ja, dann – wäre Anand Weltmeister geworden!
    Im Fernschach (Weizsäcker ist Fernschachgroßmeister) funktioniert das in etwa ähnlich: Die Körper sind praktisch nicht existent und quasi nur die Gehirne kurz geschlossen (die Computer lassen wir hier mal außen vor). Es ist hier also klar: Das bessere Gehirn wird siegen! Der Körper ist STÖRFAKTOR. Weizsäcker braucht ihn nicht, er braucht nur sein überbordendes Gehirn!

    Weizsäcker selbst ist, gelinde ausgedrückt, nur ein schmächtiges Kerlchen: Ein unterentwickelter Körper und ein überentwickeltes Gehirn. Ärmchen und Beinchen lassen sich vermutlich mit Daumen und Mittelfinger umspannen, während seine ausgerollten Gehirnwindungen wahrscheinlich zehn Mal die Erde umspannen können. Eindeutig liegt ein Diskrepanz von Körper und Geist bei ihm vor: Der Körper unterdurchnittlich und der Geist überdurchschnittlich trainiert.
    Würde Weizsäcker, anstelle von Anand, die WM gegen Carlsen gespielt haben – so um den 20. Zug herum bräche Weizsäcker, genauer: sein Körper, regelmäßig nach einem Schwächeanfall zusammen und müßte per Trage von Sanitätern abtransportiert werden. Würde aber nur das Gehirn von Herrn Weizsäcker mit dem Gehirn von Carlsen kurz geschlossen – stets würde Weizsäcker so um den 10. Zug herum Carlsen wohl schachmatt setzen...

    Bei nur wenigen anberaumten 12 WM-Partien zwischen Anand - Carlsen (von denen letztlich auch nur 10 Partien gespielt wurden), wobei bereits nach je zwei Partien auch noch ein Ruhetag eingeschoben wurde, hält sich die physische Belastung sehr in Grenzen, zumal von den gespielten 10 Partien auch noch einige Kurzpartien darunter waren...
    Vergleicht man dies mit der Marathon-WM 1984/85 (48 Partien) oder der WM 1986 (21 Partien) zwischen Karpov – Kasparov, dann war die physische Belastung ungleich höher, ganz zu schweigen von den vielen Hängepartien. Der WM-Kampf zog sich damals gar über Monate hin...

    Weizsäckers Äußerungen sind also auch aus diesem Blickwinkel einfach lächerlich. Überhaupt haben Weizsäcker und Waganjan das Pferd am falschen Ende aufgezäumt. Ihre WM-Analyse sollte besser mit dem schleichenden Niedergang Anands nach dessen WM gg. Kramnik beginnen...
    Allerdings scheint mir Weizsäcker (auch Waganjan), mit seiner dualistischen Denkweise, dem Akt der Selbstspaltung, sowie seiner ausgeprägten Sport- und Körperfeindlichkeit, der denkbar ungeeignetste Mann dafür zu sein. Am ehesten scheinen mir Karpov und Kasparov, diese Kämpfer vor dem Herrn, dafür die geeignetsten Personen zu sein. Die Zeichen der Zeit indes, haben weder Weizsäcker noch Waganjan erkannt, geschweige richtig gedeutet...

    Weizsäckers Dualismus, seine Sport- und Körperfeindlichkeit wird noch deutlicher und verständlicher, wenn man die Hintergründe kennt, als er noch DSB-Präsident war. Karpov kandidierte damals gerade für den Posten des FIDE-Präsidenten gg. Iljumschinow. Es gab für Weizsäcker auf internationalem Parkett also viel zu tun in vielen Verhandlungen, um die deutschen Interessen zu vertreten. Weizsäcker freilich war das raue Umgangsklima nicht gewohnt und dem rüden Umgangston, im Zuge der anstehenden FIDE-Präsidentenwahlen, nicht gewachsen: Mit seiner eher weibischen körperlichen Konstitution erlitt er einen Schwächeanfall und wurde krank, war also den harten Tatsachen nicht annähernd gewachsen und mußte wieder nachhause fahren...


    Nachwort

    Es ist nicht überliefert, ob Weizsäcker, bereits beim bloßen Verfolgen der WM-Partien Anand – Carlsen, regelmäßig schon um den 20. Zug herum die Schweißperlen von der Stirn tropften und seinen üblichen weibischen Schwäche- bzw. Ohnmachtsanfällen nahe war. Überliefert sind nur seine weibischen Äußerungen zum benannten WM-Kampf.

  4. #4
    Administrator
    Punkte: 111.275, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 36,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrers
    Themenstarter
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.760
    Punkte
    111.275
    Level
    100

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, daß sich nun der von seinem Freund Waganjan so hochgelobte Anatoli Karpov zu Wort meldet und dessen Aussage, Carlsen besitze noch nicht die Stärke von Fischer und ihm selbst, zustimmt ("Ich glaube, daß Fischer und ich besser waren"). Die wesentlich höhere Elozahl Carlsens ihm gegenüber schiebt er auf die Elo-Inflation, ohne diese These allerdings begründen zu können:

    Zitat Zitat von Karpov
    [...]ich habe mich nicht in die mathematischen Formeln vertieft, um herauszufinden, wieso dies passiert[...]
    Wie chess24 aber zurecht anmerkt, schien Karpov "vergessen" zu haben, daß Carlsen ihn schon mit 13 Jahren bezwingen konnte. Interview hier: https://chess24.com/de/lesen/news/ka...staerker-waren
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  5. #5
    Klarer Fixpunkt
    Punkte: 5.675, Level: 51
    Level beendet: 63%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 75
    Aktivität: 0%
    Errungenschaften:
    Veteran5000 Experience Points
    Avatar von Birliban
    Registriert seit
    06.02.2014
    Ort
    Erde
    Rating
    DWZ 1920
    Verein
    ja
    Beiträge
    421
    Punkte
    5.675
    Level
    51

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Ein brisantes, sehr interessantes Interview. Auf alle Fälle viel Stoff und Anregung, um in Fachkreisen eine sachliche Debatte und Diskussion anzustoßen.

    Mir selbst fällt auch auf dem zweiten Blick nicht sofort etwas ein, worin ich Anatoli Karpov ausdrücklich widersprechen würde oder möchte.

    Zunächst hielt ich sein Statement, Carlsen habe noch nicht die Stärke wie er und Fischer erreicht, für übertriebene Eitelkeit. Ich glaube aber doch, daß durchaus etwas dran sein könnte, nimmt man die Glanzzeiten von Fischer und Karpov zum Maßstab, die Genialität und Schöpferkraft ihrer Spielanlage und ihre ausgereifte Spielerpersönlichkeit. Auch in Hinblick auf Beständigkeit über längere Zeiträume und in Sachen Genauigkeit, was die Partie als Ganzes, also von der Eröffnung, übers Mittelspiel, bis hin zum Endspiel, anbelangt. Richtig überzeugen konnte Carlsen bislang nur mehr im Endspiel, während es in Eröffnung und Mittelspiel noch holpert.

    Ich sehe Karpovs Einschätzung durchaus als Ansporn für Carslen. Letztlich steht Carlsen der zyklische Reifeprozess einer Spielerpersönlichkeit noch bevor, steht der doch noch am Anfang seiner (Weltmeister-)Karriere.

    Interessant auch Karpovs Einschätzung zu Anand und Kramnik - da legt er den Finger auf einige Wunde Punkte. Mal sehen, ob sich evtl. auch noch Kasparov in einem Interview zu Wort melden wird. Neben Karpov wäre er mein zweiter Wunschkandidat, von dem ich glaube, daß er etwas Substantielles beizuragen hätte.

  6. #6
    Administrator
    Punkte: 111.275, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 36,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrers
    Themenstarter
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.760
    Punkte
    111.275
    Level
    100

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    Interessant auch Karpovs Einschätzung zu Anand und Kramnik - da legt er den Finger auf einige Wunde Punkte. Mal sehen, ob sich evtl. auch noch Kasparov in einem Interview zu Wort melden wird. Neben Karpov wäre er mein zweiter Wunschkandidat, von dem ich glaube, daß er etwas Substantielles beizuragen hätte.
    Ich persönlich sehe Magnus Carlsen so, daß mir zwar sein Stil nicht sonderlich gefällt, ich seine Stärke aber anerkenne, der noch vor kurzem fast 100 Punkte vor dem Zweitplazierten in der Weltrangliste postiert war. Er ist einer der absoluten Superstars, von denen es im Schach nach Kasparov gefehlt hat. Anand, Kramnik und Topalov - von diversen anderen FIDE-WMs ganz zu schweigen - waren starke Super-GMs, aber sie waren weit davon entfernt, zu den stärksten Spieler der Schachgeschichte gezählt zu werden, und das lag nicht nur an ihrer fehlenden Lust, sich ähnlich aktiv wie Anatoli Karpov auf den Top-Turnieren zu tummeln, sondern eben auch an ihrer Spielstärke. Mit Magnus Carlsen hat das Weltschach nun wieder einen absoluten Superstar an der Spitze, zu dem man aufschauen und der das Schach nachhaltig prägen kann. Zu seinen Markenzeichen gehört das Kneten, aber hinter seiner Spielstärke muß mehr liegen, als seinen Gegner einfach auszusitzen. Ich kenne viele seiner Partien und denke, daß Carlsen nicht nur auf Fehler wartet, sondern, ähnlich wie Karpov, nur noch einmal eine Prise bissiger, ganz subtil den Druck auf den Gegner erhöht und damit nicht etwa auf Fehler wartet, sondern diese indirekt erzwingt.

    Die Schachseite Chess24 hat in letzter Zeit einige hochkarätige Interviews mit führenden Topspielern gebracht und ins Deutsche übersetzt. Auch Boris Gulko, wieder einmal ein Vertreter der älteren Generation, der übrigens ob seines bewegten Lebens als Refusenik in der UdSSR von mir mit dem Aufhänger des Interzonenturniers 1982 in Moskau bereits vorgestellt wurde, hatte sich schon zu Carlsen zu Wort gemeldet. Wie es sich für einen älteren Spitzenspieler gehört, behagt ihm die Entwicklung des Schachs mit der immer wichtiger gewordenen Rolle des Computers nicht, er nennt die Schachspieler von heute gar Zentauren. Magnus Carlsen nimmt er von seinem Verdikt aber ausdrücklich aus:

    Schach hat sich drastisch verändert und nur wenige der weltbesten Spieler spielen noch authentisch beeindruckendes und interessantes Schach. Sie lösen Probleme, die wir nichtmals kannten - Carlsen, Aronian, jetzt auch Caruana. Sie locken ihre Gegner aus dem "gepflegten Park der Computeranalyse" in die Wildnis des Schachwalds - Carlsen macht das absolut brilliant - ein wunderbarer Psychologe! Sein Gefühl für seinen Gegner und sein Gefühl für die Dynamik des Spiels sind unglaublich. Jetzt ist es viel schwieriger dies zu tun, als es damals für uns war. Je einfacher das Spiel (und Schach ist einfacher geworden, da die Eröffnungsphase verloren ging), desto meisterlicher muss man sein, um zu gewinnen. Es gibt weniger Raum für einen Kampf. Aber schaut - Carlsen spielt totremis-Stellungen weiter und schafft es schließlich, solche zu gewinnen.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  7. #7
    Klarer Fixpunkt
    Punkte: 5.675, Level: 51
    Level beendet: 63%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 75
    Aktivität: 0%
    Errungenschaften:
    Veteran5000 Experience Points
    Avatar von Birliban
    Registriert seit
    06.02.2014
    Ort
    Erde
    Rating
    DWZ 1920
    Verein
    ja
    Beiträge
    421
    Punkte
    5.675
    Level
    51

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Danke für die interessanten Ausführungen, Hinweise und Verknüpfungen. Eine treffende und kluge Einschätzung von Gulko, die sich auch mit der Selbstaussage von Carlsen deckt, der sich ausdrücklich nicht der „Computergeneration“ zugehörig fühlt und ein eher ambivalentes Verhältnis zum Computer hat.

    „Computergeneration“ - Es scheint mir überhaupt ein etwas zwielichtiger Begriff zu sein, denn es scheint mir falsch zu sein, nur die junge Generation dort hinein zu packen. Der immense Aufwand, den bereits Kasparov mit Computeranalysen betrieben hat, natürlich auch Anand, Kramnik & Co, scheint mir sogar höher (gewesen) zu sein, als der der jungen Generation. Die "alten Hasen" treibens also mindestens genauso dolle. Der Unterschied ist einzig der, daß die "alten Hasen" das Schach noch klassisch erlernt haben, während die junge Generation mit dem Computer quasi groß geworden ist.

    Gulko macht den Fehler nicht, nur die junge Generation als Zentauren zu bezeichnen, sondern bezieht die "alten Hasen" durchaus mit ein.

  8. #8
    Candidate Beginner (CB)
    Punkte: 9.950, Level: 68
    Level beendet: 50%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 300
    Aktivität: 6,7%
    Errungenschaften:
    Tagger Second Class5000 Experience PointsVeteran
    Avatar von zugzwang
    Registriert seit
    04.08.2011
    Ort
    Berlin
    Rating
    schwindend
    Verein
    Ex Feldjäger Freakfeld
    Beiträge
    844
    Punkte
    9.950
    Level
    68

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...Anand, Kramnik und Topalov - von diversen anderen FIDE-WMs ganz zu schweigen - waren starke Super-GMs, aber sie waren weit davon entfernt, zu den stärksten Spieler der Schachgeschichte gezählt zu werden, und das lag nicht nur an ihrer fehlenden Lust, sich ähnlich aktiv wie Anatoli Karpov auf den Top-Turnieren zu tummeln, sondern eben auch an ihrer Spielstärke...
    Anand, Kramnik und Topalov sind superstarke GMs und Ex-WM und zählen
    (für mich) zu den stärksten Spielern der Schachgeschichte - ohne Zweifel.

    Wie zieht man die "Schutzmauer", die Spieler überwinden müssen, um in diesen illustren Kreis zu gehören und wie viele Spieler gehören da rein?
    Drei oder mehr? Gar 10 oder 20?

    Alle drei Spieler haben sich mit 2 der stärksten Spieler aller Zeiten - K&K - gemessen und dabei ihre Klasse gezeigt und zählen seit über 20 Jahren zur absoluten Weltspitze - und damitauch schon in der "Vorenginezeit".

    Trotzdem ragt Anand aus diesen noch hervor, besiegte er beide in hochkarätigen WM-Kämpfen.
    Dazu gewann Anand WM-Turniere in allen Formaten (Match, KO, Rundenturnier) und gilt als der ungekrönte Blitz- und insbesondere Rapid-Weltmeister wie die Mainzer Turnierserie nahelegt.
    Einschließlich der Jugend-WM hat Vishy in jedem Format und bei jeder Bedenkzeit die Position 1 innegehabt und in seiner Karriere ein Fülle herausragender Partien gespielt.
    Sein einziger kleiner Makel ist, daß er vermutlich mehr für seine Spielstärke unerklärliche Fehler in seiner Statistik zu stehen hat als Kasparov und Karpov.

    Kramnik?

    Wie sollte man einen Spieler, der den besten aller Zeiten ineinem Match ohne Niederlage besiegte und diesem überhaupt im direkten Vergleich standhielt nicht zu den allerbesten zählen?
    Sind Kramniks Glanzpartien über die Jahrzehnte verblasst?
    Vermutlich sind sie nur zu unbekannt in der Fülle des "Schachmaterials" der Jetztzeit?

    Topalov steht in Sachen Match- und Turniererfolge insgesamt hinter beiden zurück, doch ist die Energie und Dynamik seiner Partien ausreichende Kompensation für eine Platz in den Topten.

  9. #9
    Candidate Beginner (CB)
    Punkte: 9.950, Level: 68
    Level beendet: 50%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 300
    Aktivität: 6,7%
    Errungenschaften:
    Tagger Second Class5000 Experience PointsVeteran
    Avatar von zugzwang
    Registriert seit
    04.08.2011
    Ort
    Berlin
    Rating
    schwindend
    Verein
    Ex Feldjäger Freakfeld
    Beiträge
    844
    Punkte
    9.950
    Level
    68

    AW: Carlsens Spielanlage

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    Ein Wort zu Weizsäcker...
    Es sind einige unnötige und unangemessene Worte zuviel geworden.

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    ...Der Körper ist STÖRFAKTOR. Weizsäcker braucht ihn nicht, er braucht nur sein überbordendes Gehirn!...
    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    Weizsäcker selbst ist, gelinde ausgedrückt, nur ein schmächtiges Kerlchen: Ein unterentwickelter Körper und ein überentwickeltes Gehirn. Ärmchen und Beinchen lassen sich vermutlich mit Daumen und Mittelfinger umspannen, während seine ausgerollten Gehirnwindungen wahrscheinlich zehn Mal die Erde umspannen können. Eindeutig liegt ein Diskrepanz von Körper und Geist bei ihm vor: Der Körper unterdurchnittlich und der Geist überdurchschnittlich trainiert...
    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    Würde Weizsäcker, anstelle von Anand, die WM gegen Carlsen gespielt haben – so um den 20. Zug herum bräche Weizsäcker, genauer: sein Körper, regelmäßig nach einem Schwächeanfall zusammen und müßte per Trage von Sanitätern abtransportiert werden. Würde aber nur das Gehirn von Herrn Weizsäcker mit dem Gehirn von Carlsen kurz geschlossen – stets würde Weizsäcker so um den 10. Zug herum Carlsen wohl schachmatt setzen...
    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    ... Weizsäcker freilich war das raue Umgangsklima nicht gewohnt und dem rüden Umgangston, im Zuge der anstehenden FIDE-Präsidentenwahlen, nicht gewachsen: Mit seiner eher weibischen körperlichen Konstitution erlitt er einen Schwächeanfall und wurde krank, war also den harten Tatsachen nicht annähernd gewachsen und mußte wieder nachhause fahren...

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...
    Es ist nicht überliefert, ob Weizsäcker, bereits beim bloßen Verfolgen der WM-Partien Anand – Carlsen, regelmäßig schon um den 20. Zug herum die Schweißperlen von der Stirn tropften und seinen üblichen weibischen Schwäche- bzw. Ohnmachtsanfällen nahe war. Überliefert sind nur seine weibischen Äußerungen zum benannten WM-Kampf.
    Ich weiß nicht, ob und welche Probleme der Freiherr hat. Probleme liegen hier anderswo.

    Neben den anderen Passagen deuten die abwertenden Vergleiche zu "weibischer Konstitution" und "weibischen Äußerungen" darauf hin, daß der Verfasser - nicht der Freiherr - ein nicht ganz so harmonisches Verhältnis zum weiblichen Geschlecht hat.

    Ansonsten sprechen die Aussagen für sich und sind deshalb viel zu lange und sprachlos auf der Schachburg unkommentiert geblieben.


    Damit nicht alle Welt denkt, daß alle auf der Schachburg und in der Schachszene so ticken, hier meine Riposte:

    Mir mißfällt dieser im Kern gehässige Quatsch, wie er sich in Beitrag #3 in zu vielen Stellen findet.
    Leider ist diese eine Fortsetzung von https://www.schachburg.de/threads/75...ll=1#post23307.

  10. #10
    Administrator
    Punkte: 111.275, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 36,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrers
    Themenstarter
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.760
    Punkte
    111.275
    Level
    100

    AW: Der seelenlose Carlsen

    @zugzwang:

    Du hast die drei Spieler Topalov, Kramnik und Anand angesprochen, die auch ich ohne jede Probleme zu den Großen Drei der 0er Jahre rechnen kann, und ihre Wirkungsweise ist beileibe nicht auf dieses erste Millennium-Jahrzehnt beschränkt.

    Der Schachsport war nach dem allmählichen Verschwinden von K&K aber in einer weltweiten Krise. Das lag zum einen an der Tatsache des die Schachwelt bedrückenden Schismas, das zwar in der ersten Phase des Neuen mit einem starken Kasparov an der Spitze der PCA durchaus für neue Reize gesorgt und dem WM-Kampf zwischen Kasparov gegen Kramnik in London 2000 für einen neuen Höhepunkt gesorgt hatte, danach aber aus dem Ruder lief, so daß sich die negativen Auswüchse des Schismas zeigten. Die WM-Kämpfe des FIDE-Konkurrenten danach konnten nie mehr an die Klasse von London 2000 heranreichen, zudem verlor der FIDE-Konkurrent durch eben diesen WM-Kampf an Legitimation, weil Kasparov sich wie früher zahlreiche Weltmeister in den willkürlichen Prä-FIDE-Zeiten seinen Herausforderer selbst aussuchte und Shirov, der sich nach den Regeln seiner Organisation für den WM-Kampf qualifiziert hatte, überging. Zum anderen trug dazu der FIDE-Präsident Iljumschinov selbst dazu bei, indem er die WM-Kämpfe der FIDE fast zu Beliebigkeitsveranstaltungen degradierte und sich damit unnötigerweise dem immer schneller werdenden Zeitgeist anbiederte. Diese Konzession an den Zeitgeist hatte gravierende Folgen, denn Schach erhält gerade in der schnelllebiger gewordenen Zeit seine Legitimation nicht dadurch, daß es der schnellen (und substanzlosen) Bedürfnisbefriedigung der Massen dient, sondern erhält geradezu durch seine Natur von Verinnerlichung und Kontemplation eine herausragende Rolle in der heutigen Zeit, für die durch Flut an Bildern, Lauten und Effekten gestreßten Menschen einen Fluchtpunkt und ein Korrektiv zu bieten, so daß Schach nicht wider, sondern durch seine Natur der Langsamkeit für viele Menschen seine Attraktivität gewinnt. Jörg Seidel weist z. B. darauf hin, daß bereits 1916 der "erste ernstzunehmende Schachphilosoph" Wilhelm Junk das Schach als "Surrogat für eine verlorene Buntheit" (Jörg Seidel, Metachess, zur Philosophie, Psychologie und Literatur im Schach, Charlatan-Verlag Rostock, S. 45) bezeichnet. An anderer Stelle beschreibt Seidel, daß Schach "eine innere Tendenz zur Schweigsamkeit" (ebd. S. 44) besitze und "mit innerer Notwendigkeit Ruhe erheischt" (ebd.). Seidel weiter:

    Dieses Glück liegt in der Versunkenheit begründet, in der Verzauberung, in der Verinnerlichung, ja selbst - in den am meisten vollendeten Momenten - im Rausch und in der Ekstase. Das starke Vokabular scheint nur auf dem ersten Blick ein Mißgriff zu sein. Es ist traditionellerweise dem theologischen Diskurs vorbehalten und fand zum Teil Eingang in die in die Beschreibung von drogenerzeugten Bewußtseinszuständen (wobei Drogen selbstredend zuerst als Hilfsmittel zur religiösen Verzückung dienten). Aber gerade darin könnte ein weiterer wichtiger Anziehungspunkt des Schachs liegen, da es Zustände - mehr oder weniger intensiv - herbeiführen kann, die höheren Bereichen vorbehalten schienen. Erneut wird deutlich: Die Attraktion speist sich nicht unvermittelt aus dem Spiel als technischen Vollzug selbst, dieses fungiert nur als Katalysator und, wenn man so will, als Droge, Ersatzdroge, besser noch: Drogenersatz. Schach gewährt in dieser Form eine säkularisierte Versunkenheit. Auch wenn das Göttliche - dessen Präsenz sich, von gnostischen Gedanken abgesehen, im religiösen Weltbild in der Wohlgeordnetheit der Welt manifestiert - absent sein sollte, so wird es von einem Quasi-Göttlichen in Form der Wohlgeordnetheit der Konstellation und der sich wohlfügenden Zusammenhänge substituiert.
    Ebd. S. 42

    Im deutschsprachigen Internet ist zu diesem Thema immer noch die erste Adresse der online gestellte Artikel der kulturellen Schachzeitschrift Karl, in dem Ernst Strouhal eine phantastische zeitgenössische Kritik an Iljumschinov formulierte, der in dem von diesem selbst losgetretenen Beschleunigungswahn das Wesen des Schachs offenbar überhaupt nicht begriff, und was gerade in dessen Funktion als Präsident des Weltschachs ein Armutszeugnis gewesen war, und unter seinen vielen Fehlern vielleicht sein schwerwiegendster Fehler: http://www.karlonline.org/alt201_1.htm

    Zu der damaligen Krise trug aber auch bei, daß kein Schachspieler das Vakuum, das Karpov und Kasparov schleichend hinterließen, adäquat zu füllen vermochte, so daß in der Schachwelt eine ähnliche Situation auftrat wie in den ersten Jahren nach dem Abgang von Deschapelles, Morphy und auch Fischer. Kramnik, Topalov und Anand haben Großes geleistet, sie waren aber nicht so groß wie Kasparov und Karpov, weil sie niemals deren Dominanz über die restlichen Spieler erreichten und dem Spiel zu wenige eigene Gedanken gaben, was immer ein Gütesiegel starker Schachweltmeister gewesen ist, und woran ein Magnus Carlsen und ein Fabiano Caruana heute wieder anknüpfen. Topalov etwa hat schon in seiner Glanzzeit oft kapitale Böcke geschossen, und zwar weit mehr als ein Fischer oder Kasparov. Die Bilanz zwischen Anand und Kasparov liegt bei 4:16 bei 31 Remisen, und Kramnik konnte schon einmal über Jahre hinweg keine einzige (!) Partie mit Schwarz gewinnen, und zwar gegen jeden Spieler und nicht nur gegen "Seinesgleichen". Diese drei Spieler waren fraglos große Spieler, eine große Bereicherung für das Weltschach, meiner Anschauung nach fallen sie aber ab in der Zeit nach Karpov und Kasparov und vor Carlsen und Caruana.

    Zu Birliban:

    Zitat Zitat von zugzwang
    Ansonsten sprechen die Aussagen für sich und sind deshalb viel zu lange und sprachlos auf der Schachburg unkommentiert geblieben.
    Dieser Gedanke knüpft an das "Qui tacet, consentire videtur" von Bonifatius an. Ich würde diesem Gedanken nicht absolut zustimmen, da mir in diesem Zusammenhang der moderne Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick mit dessen Axiom: "Man kann nicht nicht kommunizieren" näher ist. Dessen Gedanke ist weniger dogmatisch als die des alten frühmittelalterlichen Theologen und Missionars und läßt für ein Schweigen einen ungleich größeren Interpretationsspielraum zu. In diesem Zusammenhang kann Schweigen natürlich durchaus Zustimmung bedeuten, aber eben auch anderes wie Ablehnung, Nachdenken, Belustigung oder Desinteresse.

    Davon abgesehen teile ich Deine Kritik an dem Tenor von Birliban, möchte aber zu seiner Ehrenrettung einwenden, daß seine Grundkritik an Weizsäcker durch die von ihm erkannte und natürlich falsche Trennung von Geist und Körper, die Weizsäcker indirekt geleistet hatte, indem dieser zwischen dem "besseren Sportler", der Carlsen im Vergleich zu Anand sei, und zwischen dem "besseren Spieler", der Carlsen im Vergleich zu Anand nicht sei, tatsächlich eine künstliche Trennung schuf, m. E. im Kern richtig ist. Birlibans weitere Angriffe auf den DSB-Ehrenpräsidenten geben seiner Kritik aber in der Tat eine schaurige Note, die eine an sich gute Kritik zu einer mehr unguten als guten Polemik degradieren.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  11. #11
    Klarer Fixpunkt
    Punkte: 5.675, Level: 51
    Level beendet: 63%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 75
    Aktivität: 0%
    Errungenschaften:
    Veteran5000 Experience Points
    Avatar von Birliban
    Registriert seit
    06.02.2014
    Ort
    Erde
    Rating
    DWZ 1920
    Verein
    ja
    Beiträge
    421
    Punkte
    5.675
    Level
    51

    AW: Carlsens Spielanlage

    Zitat Zitat von zugzwang Beitrag anzeigen
    Es sind einige unnötige und unangemessene Worte zuviel geworden.












    Ich weiß nicht, ob und welche Probleme der Freiherr hat. Probleme liegen hier anderswo.

    Neben den anderen Passagen deuten die abwertenden Vergleiche zu "weibischer Konstitution" und "weibischen Äußerungen" darauf hin, daß der Verfasser - nicht der Freiherr - ein nicht ganz so harmonisches Verhältnis zum weiblichen Geschlecht hat.

    Ansonsten sprechen die Aussagen für sich und sind deshalb viel zu lange und sprachlos auf der Schachburg unkommentiert geblieben.


    Damit nicht alle Welt denkt, daß alle auf der Schachburg und in der Schachszene so ticken, hier meine Riposte:

    Mir mißfällt dieser im Kern gehässige Quatsch, wie er sich in Beitrag #3 in zu vielen Stellen findet.
    Leider ist diese eine Fortsetzung von https://www.schachburg.de/threads/75...ll=1#post23307.
    „ Manchmal möchte man einfach die Klappe halten, vor all der nachwachsenden Dummheit, aber das geht eben doch nicht... “ Christa Wolf, 2007 an Friedrich Schorlemmer

    Tolle Leistung, Zugzwang, nach 14 Tagen hast du es geschafft, sieben mickrige Sätze zusammenzukleistern. Wobei vier Fünftel deines Statements auch noch sechs Zitate sind...

    Der intellektuelle Gehalt dieser sieben Sätze scheint außerdem dabei in keinerlei Verhältnis zu stehen. Ich gehe einfach mal davon aus, zugzwang, du hast einen rabenschwarzen Tag erwischt...

    " Ich bitte zwei Mal gelesen zu werden. " ( Robert Musil ). Mir scheint, zugzwang, dann könnte es klappen, daß du möglicherweise auch inhaltlich meinen Beitrag erfassen kannst. Allerdings ist dafür auch etwas Vorbildung nötig. Mir scheint, die ist bei dir nicht vorhanden. Auch scheint mir, daß es dir eine lieb gewordene Gewohnheit ist, Ursache und Wirkung zu vertauschen.


  12. #12
    Anonym
    Gast Avatar von Anonym

    AW: Der seelenlose Carlsen

    Ich stelle ein paar Behauptungen auf, bei denen ich von mir auf andere schließe : ):
    Wer in einem Zweikampf um einen Weltmeistertitel alles gibt, nach jahrelanger oder sogar jahrzehntelanger Erfahrung bei äußester Motivation und dann verliert - der fällt erst mal. Ob es nun ein Patzer war, wodurch der Verlust einer Partie leicht erklärbar ist, dafür aber widerum weniger, was zu dem Patzer führte, oder ob das Ergebnis tiefgründiger war - es ist eine enorme Frustration, die eine tiefsitzende negative Erfahrung sein kann. Es ist daher extrem schwierig, Zuversicht erneut aufzubauen, wirkliche Gewinnmotivation erneut gegen denselben Gegner aufzubringen - nicht nur weil es weh tat sondern weil das Gefühl mit dem Latein am Ende gewesen zu sein, da man ja alles gab und dennoch scheiterte - das is schon ein Hammer.
    Und wer bereit ist einiges zu Opfern - denn bei Zielen, die nur bei extremer Leistung, Disziplin, Hingabe, Arbeit und Talent möglich ist, um im weltweiten Vergleich die Nummer eins zu werden - der nimmt natürlich auch in Kauf, dass dabei einiges andere auf der Strecke bleibt. - Und so lange der Erfolg da ist, wiegt das weniger - um so schwerer, wenn man scheitert.
    Dies betrifft wahrscheinlich einen Caruana, Carlsen, ... . Und diese Leute - auch wenn sie andere Betätungsfelder haben sollten - setzen sich wahrscheinlich nicht ans Brett und kämpfen, damit andere ihre Wahl der Schuhe bewerten oder darüber hinaus eine Bewertung der Person abgeben. Wenn wir das hier im Forum machen - in einem Schachforum - dann geschenkt - normal - aber jemand, der prominent ist und sei es weil er die Prominenz geerbt hat und darum mehr gehört wird und dessen Äußerungen leider mehr Bedeutung beigemessen wird - leider - weil die Presse mit der Verwechslung von Bekanntheit und Bedeutung spielt, damit die Brisanz ihrer Berichte steigt, der sollte etwas vorsichtiger sein. Leichtfertige Frechheit nenn ich sowas.
    Dann - durch andere Sportarten ist mir eines klarer, als beim Schach: Der dumme Amateur sag ich mal - sieht etwas und glaubt es zu verstehen und beurteilt es entsprechend. Ob nun ein Spitzenvertreter einer Sportart seine Fans darum hat, weil diese einschätzen können, wie genial er ist, wage ich zu bezweifeln - in vielen Fällen ist das rein emotional und hängt von anderen Faktoren ab. Darum wäre jeder an der Spitze total verloren, wenn er es wegen der Anerkennung anderer machte - zumal es an der Spitze nur sehr wenige gibt, die es wirklich einschätzen können - und das sind dann meistens auch noch die Konkurrenten. Also - man kann nun freundlich ignorieren, sie Dilettantisch Kommentare zur eigenen Leisung sind, wenn man vorgeführt und interviewt wird und gute Mine dazu machen - was schon manchmal an Heuchelei grenzt - oder man gibt sich die Blöße erst gar nicht und wirkt auf andere arrogant. Letzten Endes sind es nicht Idioten wie Weizi - sondern all diejenigen, die damit beschäftigt sind, die Rotze möglichst breit zu verteilen. Auf die Weise generieren Leute wie Carlsen, irgendwelche Terroristen etc. unglaublich viel Geld, ohne viel davon zu haben - Schauspieler und Politiker ziehen daraus wenigstens noch einen Nutzen - auch wirtschaftlich. Aber das Schach lebt nun mal nicht von Boulevardrotze.
    Leider trifft es nicht nur für Weizi zu, dass viele Clowns, Komödianten, Schenkelklopferspinner auf Teufel komm raus Rummwitzeln, Parolen ablassen, oberflächliche Bewertungen abgeben, dumme Fragen stellen wenn es um Leistungen geht, die auch seriös dargestellt werden könnten - aber die Qualifizierten, die besser Deutsch sprechen als ich (wozu es eben nicht viel braucht), die gibt es an den Schlüsselstellen gar nicht mehr - wer auf sich hält, dem ist das Theater zu doof - darum kommen immer mehr Weizis zu Wort - eben auch in der richtigen Presse.
    Klar - ich bin auch nur ein Mensch - oberflächlich - mein Wort hat kein Gewicht - darum darf ich mir vielleicht mehr erlauben lol - und könnte jetzt über Carlsen ablästern - aber dann würde ich mich noch kleiner machen, als Weizi.

Ähnliche Themen

  1. Carlsen oder Anand?
    Von Blitzmeister im Forum Schachspieler
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 15.11.2016, 17:34
  2. Carlsen laust der Affe
    Von Birliban im Forum Schachgemunkel
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 19.09.2015, 11:12
  3. Norwegen vs. Carlsen, live
    Von DailyChess im Forum Schachturniere
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 08.05.2014, 18:25
  4. Carlsen - Nakamura (Tata Steel)
    Von Kiffing im Forum Meisterpartien
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 28.01.2013, 20:25
  5. Wem gehört Magnus Carlsen?
    Von Kiffing im Forum Schachgemunkel
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 12.12.2012, 22:35

Stichworte

Lesezeichen

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
. . . .