Seit einigen Jahren ist im Schach eine Entwicklung zu beobachten, die in immer mehr Ligen um sich greift. Gemeint ist dabei die Reduzierung der Spieleranzahl pro Mannschaft. Nicht mehr die fast schon klassischen acht Spieler bilden eine Mannschaft, immer mehr Ligen gehen dazu über, die Spieleranzahl pro Mannschaft von acht auf sechs oder gar, wie im Viererpokal, auf vier Spieler zu reduzieren. Handelt es sich hierbei um eine Art Patentrezept, um Probleme im Ligabetrieb wirkungsvoll angehen zu können? Diese Frage soll im Folgenden geprüft werden.

Angefangen hat dies zuerst in den unteren Ligen. Im Schachbezirk Bergischland wurde vor etwa 15 Jahren die Spieleranzahl in der untersten Bezirksliga auf sechs Spieler unter dem Gesichtspunkt reduziert, Vereinen die Nominierung einer Mannschaft zu erleichtern. Mittlerweile betrifft diese Regelung im Bergischen Land auch die zweitniedrigste Bezirksliga. Beantragt wurde gar die Anzahl an Spielern in der untersten Bezirksliga auf nur mehr vier Spieler.

Dieses Vorgehen hat also durchaus einen Sinn, auch wenn man dagegenhalten könnte, daß die Nachteile schwerer wiegen. Doch wenn man sieht, daß diese Entwicklung nicht nur von unten her immer stärker in den Ligabetrieb um sich greift, sollte man diesen Sinn neu hinterfragen. Welchen Sinn macht es z. B., daß nun auch die höchste Jugendliga im deutschen Mannschaftssport, nämlich die Staffeln der Jugendbundesliga, die Mannschaften auf sechs Spieler pro Mannschaft reduziert hat? Es ist also ein klarer Trend zu beobachten, und schon jetzt erscheint die klassische Acht im Mannschaftsbetrieb nicht mehr als selbstverständlich.

Doch nicht immer ist alles Gold was glänzt, und manches vermeintliche Gold entpuppt sich bei näherem Betrachten als schnöder Schein. So spüre ich einen Verlust an Atmosphäre bei Mannschaftskämpfen, es ist im Spielsaal nicht mehr so viel los, es gibt weniger, auch an Partien zu verfolgen, das Geschehen an den Brettern und damit die Dramatik des Kampfes verliert an Fülle, und auch ein gewisser Mannschaftsgeist hat es so schwerer, sich zu entwickeln.

Ein weiteres Problem ist logistischer Natur. Bei acht Spielern ist die Wahrscheinlichkeit größer, wenigstens zwei Autofahrer in der Mannschaft zu haben, welche die Mitspieler zu den Auswärtspartien transportieren als bei nur sechs Spielern. Die Anzahl von sechs Spielern ist hier vielleicht die ungünstigste Konstellation, weil bekanntlich ein Auto für gewöhnlich fünf Personen Platz bietet, so daß im Endeffekt eine Person übrigbleibt. Ein anderes Problem richtet sich direkt gegen das für die Reduzierung ausschlaggebende Argument, mehr Mannschaften und damit auch mehr Spielern die Teilnahme am Ligabetrieb zu ermöglichen. Tatsächlich ist es für einen Verein gut möglich, in einer Saison über acht Spieler zu verfügen, die gerne spielen würden, dies bei einer Achtspielerliga auch könnten, aber wo der Verein bei einer Sechsspielerliga nun in die Verlegenheit kommt, zwei Spieler von den Spielen auszuschließen bzw. in den Ersatzspielerbereich abzuschieben.

Diese Argumentation soll dazu dienen, diese Spielerreduzierung in immer mehr Ligen nicht unkritisch zu verfolgen. Neue Probleme gibt es durchaus, die durch diesen Schritt entstehen, und die so gravierend sind, daß eine Liga von diesem Schritt auch guten Gewissens Abstand nehmen könnte. Die Argumentation zeigt zudem auf, daß von einem Patentrezept in keiner Weise gesprochen werden sollte. Wie seht ihr als aktive Schachspieler, die entweder bzw. sowohl in Achtspielerligen spielen oder bzw. als auch in Sechsspielerligen spielen, diese Entwicklung? Und wo würdet ihr lieber spielen? In einer Mannschaft mit sechs oder mit acht Spielern? Die letzte Frage habe ich für mich selbst schon beantwortet. Ich ziehe klassisch eine Mannschaft mit acht Spielern vor.