Als Emanuel Lasker 1894 in den USA Wilhelm Steinitz entthronte, sollte er über einen ähnlich langen Zeitraum das Weltschach dominieren wie Wilhelm Steinitz seit seinem Sieg über Adolf Anderssen in London 1866. Die jüngeren Generationen griffen die Ideen von Steinitz dankbar auf, befreiten diese von ihren Überspitzungen oder machten diese zur Grundlage von Meinungskämpfen, die das Schach dialektisch weiterentwickelten. Emanuel Lasker selbst sollte später sagen, er habe Steinitz mit dessen eigenen Mitteln bezwungen, und wer hätte damals gedacht, daß aus diesem unscheinbaren Spielertypen, den die Schachwelt erst mit der Zeit richtig schätzengelernt hatte, einmal einer der größten Spieler in die Schachhistorie hervorgehen, und der mit 27 ununterbrochenen Jahren als Weltmeister vielleicht einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen sollte?

1895 war Emanuel Lasker noch nicht richtig in der Weltspitze etabliert. So gab es bspw. Siegbert Tarrasch, der Laskers Erfolg über den, wie er später bemerken sollte, "alternden Steinitz", mit unverhohlener Geringschätzung begegnete und auf seine Siege in Breslau 1889, Manchester 1890, Leipzig 1892 und Dresden 1894 verwies. Es gab Michail Tschigorin aus Rußland, der später als Pate der Sowjetischen Schachschule zur Verfügung stand. Wiewohl dessen Spiel bei Schachfreunden Begeisterung erweckte, war er "weit mehr als ein bloßer Nachkomme der Romantiker" und lehnte dessen Theorien auch nicht "en bloc" ab (Pfleger/Treppner, Brett vorm Kopf, Leben und Züge der Schachweltmeister, Beck´sche Reihe, München 1994, S. 68). Der Gegensatz zwischen seiner schachlichen Weltanschauung und der wissenschaftlichen Weltanschauung eines Steinitz´ beruhte auf den Elementen von Systematik und Schöpfertum und damit auf einem Gegensatz, mit dem sich später die Sowjetische Schachschule vom "formalistischen" westlichen Schach abgrenzen sollte. Für Tschigorin war jede Stellung einzigartig, weshalb er wenig davon hielt, alle Stellungen nach allgemeinen Regeln zu spielen. Sein Credo war deshalb wie folgt:

Überhaupt ist das Schachspiel viel reicher, als daß man es sich aufgrund der bestehenden Theorie vorstellen kann, die bestrebt ist, es in bestimmte, enge Formen zu pressen.
zit. nach ebd.

Und natürlich gab es auch noch den entthronten Weltmeister Wilhelm Steinitz selbst, der seine "Absetzung" durch Lasker nicht als letztes Wort erscheinen lassen wollte, von seinem Gegner Revanche forderte, diese erhielt und sich mit der ihm bekannten Gründlichkeit auf die Revanche vorbereitete. 1894 hatte Lasker im Rahmen seiner Vorbereitung auf die Revanche in New York triumphiert. Das Turnier hatte wenige ausländische Teilnehmer, für die Stärke des Teilnehmerfeldes sprach aber, daß ein gewisser junger Spieler nur den 7. Platz erreichen sollte, sein Name war Harry Nelson Pillsbury...

In der Weltspitze war damals sehr viel Bewegung, und unter dieser Voraussetzung kam den Engländern das Verdienst zu, im Badeort Hastings ein Schachturnier von Weltformat auszutragen, an dem sämtliche vier Führungsspieler ihre Kräfte messen konnten. Am Ende sollten 22 Teilnehmer dem Turnier ihre Ehre geben, neben dem Führungsquartett gab es weitere starke Spieler, so daß die Engländer auf Joseph Henry Blackburne und die Franzosen auf den gebürtigen Polen David Janowski setzen konnten. Es spricht für die Turnierorganisation, daß es in Hastings mit Simon Winawer und Emil Schallopp nur zwei Absagen gab. Zugegen waren die Remisspezialisten der damaligen Zeit, Carl Schlechter aus Österreich und Mitbegründer der Wiener Schachschule, sowie "Richard V.", d. h. Richard Teichmann, wobei Teichmann nach dem Turnier auf moderate 7 Remisen kam, Schlechter dagegen seinem Ruf treu wurde und mit 12 Remisen Remiskönig von Hastings 1895 wurde.

Für Siegbert Tarrasch begann das Turnier mit einem Drama. In einer fast schon technischen Gewinnstellung gegen James Mason verlor Tarrasch auf Zeit. Dabei hatte der ritterliche Engländer Tarrasch vor seinem letzten Zug vor der Zeitkontrolle noch auf den drohenden Plättchenfall hingewiesen. Tarrasch aber überhörte die Warnung in dem Glauben, er habe bereits seinen 30. Zug ausgeführt.



Mason hatte 30. Dc3 gespielt, worauf Tarrasch sein Plättchen fallen ließ.

Am Ende der 21 Runden hatte sich von dem Führungsquartett Michail Tschigorin mit 16,5 Punkten behauptet. Tschigorin folgten Emanuel Lasker (16), Siegbert Tarrasch (14) und Wilhelm Steinitz (13). Doch sind mit diesem Tabellenstand nicht die Plätze 1-4 gemeint, sondern lediglich die Plätze 2-5, denn vor dem berühmten Quartett konnte sich mit dem bereits erwähnten Harry Nelson Pillsbury ein 22jähriger Spieler aus Massachusetts sensationell an die Spitze spielen, den wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Die Schachwelt sah schon einen neuen Paul Morphy gekommen, so daß dem großen Schachturnier in Hastings 1895 die schachhistorische Bedeutung zukommt, eine kurze, aber heftige Epoche der Pentarchie im Schach eingeleitet zu haben. Neben Lasker, Steinitz, Tarrasch und Tschigorin gesellte sich Pillsbury zu den Anwärtern auf den Schachthron, und angesichts des Alters der Matadoren sollte Harry Nelson Pillsbury perspektivisch dafür die besten Chancen haben. Wilhelm Steinitz war bereits 59 Jahre alt, ihm folgten Michail Tschigorin mit 44 Jahren, Siegbert Tarrasch mit 33 Jahren, Emanuel Lasker mit 26 Jahren, während Pillsbury in diesem Bunde mit seinen 22 Jahren der Jüngste war. Ein weiteres Indiz für die kommenden Kämpfe dieser Ausnahmespieler war ihr direkte Vergleich in diesem Turnier. In dieser Wertung führte Tschigorin mit 3:1, während Lasker, Tarrasch und Pillsbury auf jeweils 2:2 kamen.

Die nun eingeleitete Phase der Pentarchie war in der Tat kurz und heftig. Denn schon im nächsten Jahr sollte sich der Älteste im Bunde, Wilhelm Steinitz, aus dem illustren Kreise der WM-Anwärter verabschieden; sein 2:10 gegen Lasker (Remispartien zählten nicht) in der Revanche war zu eindeutig, seine in Hastings gespielte Partie gegen Curt von Bardeleben (Partie, siehe Anhang) sollte der Schachwelt aber ein würdiges Abschiedsgeschenk hinterlassen. Es heißt, Wilhelm Steinitz habe sich in seinen letzten Lebensjahren in geistiger Verwirrung befunden, auf jeden Fall starb er bitter vereinsamt in einer Nervenklinik.

Ein ähnlich tragisches Schicksal sollte auch der Jüngste im Bunde der Pentarchie, Harry Nelson Pillsbury, erleiden. Nach seinem kometenhaften Einschlag in die Schachwelt wollte er in St. Petersburg sein Husarenstück wiederholen. Geladen war in diesem Turnier ausschließlich die Pentarchie; weil Tarrasch aber absagte, verblieben neben Pillsbury Steinitz, der sich noch mit Hoffnung auf seine Revanche gegen Lasker vorbereitete, Tschigorin und Lasker. Die vier Spieler sollten sechs Durchgänge absolvieren. Zunächst lief für Harry N. Pillsbury alles nach Plan. Zur Halbzeit führte er mit 6,5/9 vor Lasker (5,5), Steinitz (4,5) und Tschigorin (1,5). Doch verlor Pillsbury darauf sechs (!) Partien in Folge und sollte in der 2. Turnierhälfte sein Punktekonto nur noch um 1,5 Punkte aufbessern. Solch ein Einbruch eines so hoffnungsvollen, jungen und ehrgeizigen Spielers kann kaum mit rationalen Argumenten erklärt werden. Und in der Tat hatte der Teufel seine Finger im Spiel, Kasparov:

Einige Schachexperten sind zudem davon überzeugt, daß bereits zu diesem Zeitpunkt die ersten Anzeichen jener Krankheit auftraten, an der Pillsbury zehn Jahre später sterben sollte. Der amerikanische Schachspieler hatte angeblich erst am Vorabend dieser schicksalhaften Partie gegen Lasker [zum Auftakt der 2. Turnierhälfte nach 5tägiger Pause, Anm. Kiffing] die niederschmetternde Diagnose [Syphilis, Kiffing] erhalten und stand deshalb verständlicherweise unter Schock. Er klagte immer wieder über quälende Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Angstzustände, weshalb einige Partien sogar verschoben werden mußten.
[...]
Niemand kann erahnen, wie lange Pillsbury noch mit diesem tragischen Tag in St. Petersburg haderte, wie oft er noch an die verpaßten Chancen dachte. Pillsbury konnte sich von diesem Schlag nie mehr erholen. Er, der kometenhaft in die Weltspitze aufgestiegen war, stürzte in nur wenigen Jahren aus dem Schacholymp ab, während Lasker unaufhaltsam zu neuen Gipfeln voranschritt.
Garri Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 1, Edition Olms 2006, S. 146

Trotz dieses Todessterns sollte Pillsbury gegen Lasker mit +5, -5, =4 eine ausgeglichene Bilanz bewahren. Gerade, was seine revolutionäre Art, geschlossene Stellungstypen offensiv anzulegen, angeht, läßt es zu einem Drama werden, daß es nie zu einem WM-Kampf Lasker gegen den Meister der Durchbrüche gekommen ist, was die Schachgeschichte ungeheuer und fraglos mehr befruchtet hätte als die WM-Kämpfe Laskers gegen Marshall oder Janowski. Es darf als ausgeschlossen gelten, daß sich ein Pillsbury auch auf diesem Level als eine Art besseres Fallobst erwiesen hätte.

Das Unterkapitel zu Harry N. Pillsbury hatte Garri Kasparov mit: "Eine amerikanische Tragödie" betitelt. In der Tat ließen sich solche Tragödien, die US-amerikanische Schachgenies ereilten, die sich aufmachten, den alten Kontinent zu erobern, in der Schachgeschichte periodisch feststellen. Als der Redakteur der New York Times unserer Tage, Ben Greenman, seinen Fokus auf Fabiano Caruana legte, sah dieser Fabiano Caruana in der Kette der großen US-Schachgenies wie Paul Morphy, Harry N. Pillsbury und Robert Fischer. Die außergewöhnliche Spielstärke hat Caruana zweifellos, doch fehlt diesem neben dem tragischen Ende eine klare Zusage für die USA, da der Sohn italienischer Großeltern mit der italienischen und der US-Staatsbürgerschaft momentan Italien den Vorzug zu geben scheint (s. ebd.).

Michail Tschigorin indes hatte in Hastings spielerisch durchaus überzeugt, nach Kasparov kürten "zahlreiche Beobachter" den Russen zum "besten Spieler des gesamten Turniers" (s. ebd. S. 115). Doch die Tatsache, daß der zwei Runden vor Schluß Führende in den letzten beiden Runden einbrach und sich von David Janowski regelrecht abschlachten ließ, ist kein Zufall, man denke etwa an den "Bock seines Lebens" in der letzten WM-Partie 1892 gegen Steinitz, als Tschigorin sich in verheißungsvoller Stellung zweizügig Matt setzen ließ, aber auch schon in der Vorgängerpartie auf simple Art und Weise einen Bauern einstellte. Tschigorin hatte nicht die Nerven, um große Titel zu erringen, und da er auch nicht mehr der Jüngste war, sollte er in der Folge von Hastings 1895 gegenüber dem Weltmeister immer mehr an Boden verlieren.

Auch Siegbert Tarrasch war kein holdes Schicksal beschert, der es, da er sich Lasker hochüberlegen wähnte, Jahre lang unter seiner Würde hielt, den amtierenden Weltmeister zum Titelkampf herauszufordern. Als er schließlich dazu bereit war, verletzte er sich 1903 beim Eislaufen schwer, so daß die Verhandlungen "schon im Anfangsstadium" (Pfleger/Treppner, S. 88) scheiterten, und als es 1908 endlich zum WM-Kampf der beiden ewigen Rivalen kam, war Tarrasch bereits zu alt, um Lasker ernsthaft Paroli zu bieten. Garri Kasparov urteilt:

Tarrasch war fraglos einer der wichtigsten Vertreter des klassischen Schachs und hatte sowohl das Format als auch die Begabung eines wahren Weltmeisters. Doch er hatte vor allem einige Schwierigkeiten, die nicht unbedingt im sportlichen Bereich lagen. In den entscheidenden Momenten der Schachgeschichte, das heißt in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts, scheute Tarrasch die direkte Auseinandersetzung mit dem Gegner. Auch war sein Nervenkostüm wie einst bei Tschigorin der enormen psychischen Belastung einfach nicht gewachsen.
Kasparov, S. 173

Hastings 1895 war nicht nur als eines der stärksten Turniere der Schachgeschichte, welches das Zeitalter der Pentarchie im Schach einleitete, interessant, sondern auch, weil mit diesem Turnier die Tradition der Schachturniere an Kurorten begründet wurde. Damit wurde nach der Tradition in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Schachturniere mit Weltausstellungen zu verknüpfen, eine neue Tradition, was die Organisation und Durchführung von Schachturnieren angeht, begründet. Schachpraline erläutert:

Waren bis 1895 grosse internationale Schachturniere meist in grossen Städten wie Paris, Berlin, London und Wien durchgeführt worden, so eröffnete Hastings 1895 den Reigen der Kur- und Hafenstädte wie San Remo, Bled, Margate, Karlsbad, San Sebastian, Marienbad und Rohitsch-Sauerbrunn, die wie in neuerer Zeit Palma de Mallorca und Santa Monica Schauplatz grosser Turniere wurden.
Diese mit Hastings 1895 begründete Tradition mag für die Spieler höchst reizvoll gewesen sein, Siegbert Tarrasch, der nach 15 Runden nur auf Platz 9 gelegen war, schien die Seeluft aber nicht ganz bekommen zu sein, wie der SC Böblingen, der übrigens auch einen lebendigen Turnierbericht liefert, nachweist:

Er rechtfertigte sein unbefriedigendes Spiel damit, dass die Seeluft auf ihn ermüdend wirke. Im übrigen lieferte er dafür auch den Beweis: Während der Partie gegen Richard Teichmann schlief er tatsächlich ein und ... überschritt die Zeit. Auf einem Bankett, das am 22. August, einem spielfreien Tage, stattfand, meinte Tarrasch diplomatisch, dass das schlechte Abschneiden einiger Teilnehmer durchaus entschuldbar sei:
,,Die Stadt ist zu bezaubernd, sie beschert zu viele beglückende Eindrücke." Über dieses Bankett schrieben die Zeitungen, dass sich die Speisekarte ,,durch Erlesenheit auszeichnete und von der kulinarischen Kunst der viktorianischen Epoche geprägt war. Am Abend herrschte Ausgelassenheit, es wurden Toaste ausgebracht und einige seriöse Reden gehalten. Lasker sprach über den Nutzen von Schachveranstaltungen und teilte dann mit, er werde seinen ständigen Wohnsitz nach England verlegen, das er als seine zweite Heimat ansehe. Steinitz erklärte, dass dieses Turnier eine neue Ära des Schachs einleite. Tschigorin dankte dem Komitee für das aufmerksame Verhalten und nutzte die Gelegenheit, ein bevorstehendes Turnier in Petersburg anzukündigen."
So fügte Siegbert Tarrasch seiner langen Kette an skurrilen Ausreden während seiner Karriere in Hastings eine besonders reizvolle Perle hinzu. Tarrasch wandte sich unmittelbar nach Turnierende in der Schachspalte des Frankfurter Generalanzeigers an die Öffentlichkeit und ließ eine langatmige Erklärung folgen:

Kurz vor dem Beginn dieses großen Turniers schrieben wir: "Dieses Turnier ist das Bedeutendste, das jemals stattgefunden hat; wer aus ihm überlegen als Sieger hervorgeht, muß als der stärkste Spieler der Welt anerkannt werden." Nun wohl, überlegen ist der junge amerikanische Meister Pillsbury nicht als Sieger hervorgegangen ... Wenn ich zum Schluß etwas pro domo sprechen darf, so möchte ich den Schachfreunden erklären, warum ich während des größten Teil des Turniers mit so ganz anderem Resultat spielte als gewöhnlich. Mir hatte es die See angetan. Ich war zum ersten Male in einem Seebade, und von meinen Berufsstrapazen abgespannt, gedachte ich Erholung und Schachvergnügen zu vereinigen. Jeden Morgen, bis kurz vor Beginn der Spielzeit, war ich am Strande und genoß die Reize der See und des entzückenden Strandlebens in vollen Zügen. Kaum hatte ich jedoch eine halbe Stunde die balsamische Seeluft eingeatmet, so war ich wie berauscht, wie in Schlummer eingelullt und zu einer intensiveren geistigen Anstrengung umso unfähiger, je mehr ich mich körperlich erfrischt fühlte. So passierten mir am Brett derartige Fälle von Schachblindheit, wie sie bei normalem Geisteszustand mir niemals passieren können. Endlich, aber zu spät, merkte ich, woher die Veränderung meines Spiels kam. Ich blieb nun jeden Morgen bis zum Beginn der Spielzeit zu Hause, mit dem Erfolge, daß ich von da an sämtliche Partien, leider nur sechs an Zahl, gewann. Schade, daß das Turnier so schnell zu Ende ging! Nun, bei Philippi sehen wir uns wieder!
Milan Vidmar, Goldene Schachzeiten, Gruyter-Verlag, Berlin 1961, S. 16f.

Folgt man den Ausführungen Siegbert Tarraschs, so schien Siegbert Tarrasch in dem englischen Seebad eine ähnliche Verhexung erlitten zu haben, wie Thomas Manns semibiographische Figur des Gustav von Aschenbachs in Venedig, konnte sich aber im Gegensatz zu Letzterem von den Sirenen des Strandlebens befreien und damit seine eigene bleibende Fratzenhaftigkeit in ihrer Reinform vermeiden. Diese Parallelität erscheint mir umso gewichtiger, als daß in den vergleichenden Wissenschaften Siegbert Tarrasch als das schachliche Synonym von Thomas Mann in der Literatur gilt, die beide für den Stolz, aber auch für den Niedergang des deutschen Bildungsbürgertums vor der Katastrophe des Ersten Weltkriegs stehen. Die Vorboten der Zukunft waren schon um die Jahrhundertwende zu spüren.

[Event "Hastings"]
[Site "Hastings, England"]
[Date "1895.08.17"]
[EventDate "1895.08.05"]
[Round "10"]
[Result "1-0"]
[White "Wilhelm Steinitz"]
[Black "Curt von Bardeleben"]
[ECO "C54"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "49"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. c3 Nf6 5. d4 exd4 6. cxd4
Bb4+ 7. Nc3 d5 8. exd5 Nxd5 9. O-O Be6 10. Bg5 Be7 11. Bxd5
Bxd5 12. Nxd5 Qxd5 13. Bxe7 Nxe7 14. Re1 f6 15. Qe2 Qd7
16. Rac1 c6 17. d5 cxd5 18. Nd4 Kf7 19. Ne6 Rhc8 20. Qg4 g6
21. Ng5+ Ke8 22. Rxe7+ Kf8 23. Rf7+ Kg8 24. Rg7+ Kh8 25. Rxh7+
{And black resigned at this point. As Steinitz demonstrated
immediately afterward, there is a mate in ten moves which can
only be averted by ruinous loss of material; analysis follows:
...Kh8 25. Rxh7+ Kg8 26. Rg7+ Kh8 27. Qh4+ Kxg7 28. Qh7+ Kf8
29. Qh8+ Ke7 30. Qg7+ Ke8 31. Qg8+ Ke7 32. Qf7+ Kd8 33. Qf8+
Qe8 34. Nf7+ Kd7 35. Qd6#} 1-0

[Event "Hastings"]
[Site "Hastings, England"]
[Date "1895.08.06"]
[EventDate "1895.08.05"]
[Round "2"]
[Result "1-0"]
[White "Harry Nelson Pillsbury"]
[Black "Siegbert Tarrasch"]
[ECO "D63"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "103"]

1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nc3 Nf6 4. Bg5 Be7 5. Nf3 Nbd7 6. Rc1 O-O
7. e3 b6 8. cxd5 exd5 9. Bd3 Bb7 10. O-O c5 11. Re1 c4 12. Bb1
a6 13. Ne5 b5 14. f4 Re8 15. Qf3 Nf8 16. Ne2 Ne4 17. Bxe7 Rxe7
18. Bxe4 dxe4 19. Qg3 f6 20. Ng4 Kh8 21. f5 Qd7 22. Rf1 Rd8
23. Rf4 Qd6 24. Qh4 Rde8 25. Nc3 Bd5 26. Nf2 Qc6 27. Rf1 b4
28. Ne2 Qa4 29. Ng4 Nd7 30. R4f2 Kg8 31. Nc1 c3 32. b3 Qc6
33. h3 a5 34. Nh2 a4 35. g4 axb3 36. axb3 Ra8 37. g5 Ra3
38. Ng4 Bxb3 39. Rg2 Kh8 40. gxf6 gxf6 41. Nxb3 Rxb3 42. Nh6
Rg7 43. Rxg7 Kxg7 44. Qg3+ Kxh6 45. Kh1 Qd5 46. Rg1 Qxf5
47. Qh4+ Qh5 48. Qf4+ Qg5 49. Rxg5 fxg5 50. Qd6+ Kh5 51. Qxd7
c2 52. Qxh7# 1-0

[Event "Hastings"]
[Site "Hastings, England"]
[Date "1895.08.05"]
[EventDate "1895.08.05"]
[Round "1"]
[Result "1-0"]
[White "Mikhail Chigorin"]
[Black "Harry Nelson Pillsbury"]
[ECO "C30"]
[WhiteElo "?"]
[BlackElo "?"]
[PlyCount "101"]

1. e4 e5 2. f4 Bc5 3. Nf3 d6 4. Bc4 Nc6 5. Nc3 Nf6 6. d3 Bg4
7. h3 Bxf3 8. Qxf3 Nd4 9. Qg3 Nxc2+ 10. Kd1 Nxa1 11. Qxg7 Kd7
12. fxe5 dxe5 13. Rf1 Be7 14. Qxf7 Kc8 15. Bg5 Rf8 16. Qe6+
Kb8 17. Bh6 Re8 18. Qxe5 Nd7 19. Qh5 Nb6 20. Bd5 a6 21. Kd2
Nxd5 22. Nxd5 Rg8 23. g4 Bb4+ 24. Nxb4 Qd4 25. Nc2 Nxc2
26. Kxc2 Rg6 27. Bd2 Rd6 28. Rf3 Qa4+ 29. Kc1 Qxa2 30. Bc3 Rc6
31. Qxh7 b5 32. Qe7 Qb3 33. Kd2 a5 34. Rf5 Kb7 35. Rc5 Raa6
36. g5 Rxc5 37. Qxc5 Rc6 38. Qd5 Qa4 39. g6 b4 40. g7 bxc3+
41. bxc3 Qa3 42. g8=Q Qxc3+ 43. Ke2 Qc2+ 44. Kf3 Qd1+ 45. Kg3
Qg1+ 46. Kh4 Qf2+ 47. Kh5 Qf3+ 48. Qg4 Qf6 49. Qgf5 Qh6+
50. Kg4 Qg7+ 51. Qg5 1-0

Aus dem Turnierbericht des SC Böblingen:

Das Turnier begann am 5. August 1895. In der ersten Runde gewann Lasker ziemlich schnell - bereits im 29. Zuge - gegen Georg Marco. Er beeilte sich indes nicht, den Turniersaal zu verlassen. Seine Aufmerksamkeit galt der scharfen Auseinandersetzung zwischen Tschigorin und Pillsbury. Nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass drei weiße Freibauern im vorliegenden Fall stärker waren als der gegnerische Turm und einen baldigen Sieg garantieren mussten, begab sich Lasker in den Nebenraum, wohl um eine andere Partie zu betrachten oder ... Inzwischen rückte Tschigorin einen der Freibauern auf die 8. Reihe vor und stellte auf das Feld g8 einen umgedrehten Turm, was in der Sprache der Schachspie1er eine Dame(!) bedeutete. Dann eilte er ins Nachbarzimmer. um sich eine entsprechende Originalfigur zu holen. Ihm entgegen kam Lasker mit drei weißen Damen in den Händen. Sie dem erstaunten Meister entgegenstreckend, fragte er mit ernster Miene:

,,Ich hoffe, sie werden Ihnen reichen. Gospodin Tschigorin!"

Lasker war nicht ohne Humor und liebte einen Spaß. In der zweiten Runde führte das Los Lasker mit Tschigorin zusammen. Dies war ihre erste Partie und ... der Weltmeister zog den kürzeren.