Vielleicht kann sich noch der ein oder andere an die Zeit der GMA erinnern, die Garri Kasparov, noch als sowjetischer Staatsbürger, als erstes Konkurrenzgebilde zu der FIDE unter dem verhaßten Präsidenten Campomanes aus der Taufe hob. Zwar war Kasparov noch nicht so weit, direkt mit der FIDE zu brechen und eigene Schachweltmeisterschaften zu organisieren – das Schisma kam erst 1993 -, aber mit dem Schachweltcup veranstaltete die GMA bereits 1988-1989 eine eigene Turnierserie. Diese Turnierserie, bestehend aus Brüssel, Reykjavik, Barcelona, Rotterdam, Skeleftea und Belfort, war in der Schachwelt durchaus populär, um die dreijährige Spanne zwischen den Schachweltmeisterschaften 1987 und 1990 zu überbrücken. Eine so lange Pause zwischen den Schachweltmeisterschaften waren die Schachfreunde nicht mehr gewohnt, schließlich wurde zwischen 1984-1987 jedes Jahr um die Weltmeisterkrone gerungen. Das lag daran, daß der WM-Kampf 1984 zwischen Karpov und Kasparov nach einer umstrittenen Entscheidung von Campomanes nach 48 Partien abgebrochen und ein Jahr später beim Stande von 0:0 fortgesetzt wurde. Weil der Amtsinhaber (Karpov) verlor, erhielt er ein Jahr später nach den damaligen Regularien das WM-Privileg des Revancherechts nach bereits einem Jahr, und 1987 wurde erneut die Schach-WM ausgetragen, weil nach der ersten Schach-WM zwischen K&K wieder drei Jahre vergangen waren. Übrigens paßte das Ergebnis dieser Turnierserie auch sehr gut zum damaligen Kräfteverhältnis zwischen den alle anderen dominierenden K&K. Um ein Haar wäre Karpov der erste Weltcupsieger geworden, aber am Ende hatte dann doch wieder sein großer Rivale Kasparov die Nase vorn. Nach dem Umbruch 1990 rund um die Wende und der Zeit des Schismas erstarb die GMA-Serie schnell wieder. Nach nur einem Turnier in Reykjavik wurde die Turnierserie sang- und klanglos abgebrochen. Heute organisiert die FIDE einen derartigen Weltcup als Teil der Qualifikation für das WM-Kandidatenturnier.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß mit Stavanger, St. Louis und London nun drei Super-Turniere die mit einem Preisfond von einer Millionen Dollar dotierte Grand Chess Tour bilden. Und wieder soll diese Turnierserie ein Gegengewicht zur damals wie heute von ihren Gegnern als russisch dominiert verschriene FIDE werden. Die Macher der Grand Chess Tour, nach dem bekannten Carlsenkritiker Thomas Richter „alle dem Kasparov–Carlsen–Sinquefield–anti-FIDE-Lager zuzuordnen“, proklamieren ihre Serie auch konsequent als „völlig unabhängig von der FIDE“ (Richter). Der Kalte Krieg ist wieder da, und die neue Spaltung in der Schachwelt wird auch daran deutlich, daß mit Sergei Karjakin der zweimalige Titelverteidiger für das nun umgemodelte Stavanger 2015 kein direktes Ticket für das Turnier erhielt, sondern durch die Ochsentour der Qualifikation hätte gehen müssen. Offiziell begründete der Ausrichter dies mit der Tatsache, daß Karjakin nicht zu den Top-8 gehört, die in der neuen Turnierserie automatisch gesetzt sind. Aber Zweifel am Willen, den zweimaligen Titelverteidiger direkt spielen zu lassen, sind durchaus angebracht. Schließlich hätte der Turnierveranstalter noch die Möglichkeit gehabt, Karjakin für das Teilnehmerfeld zu nominieren, entschied sich dann aber anstelle von Karjakin für Maxime Vachier-Lagrave und … den Landsmann Jon-Ludvig Hammer (Elo 2665). Karjakin, der die Okkupation der Krim durch Wladimir Putin enthusiastisch begrüßte, lehnte dankend ab, Carlsen kommentierte auf Twitter giftig:

Peter Heine hätte in diesem Event gespielt, wenn er nicht darauf bestanden hätte, dass er im Ruhestand ist!