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Thema: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

  1. #1
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    Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Der slowenische Fernschach-GM und FM Matjaz Pirs unterhält eine nach ihm benannte Schachschule, deren Konzept er auf seiner Internetpräsenz vorstellt: http://www.schachschule-pirs.com/training-und-lernen/

    Ein Schwerpunkt seines Konzeptes ist die Stellungsbeurteilung, womit natürlich die eigene Zugfindung eingeflochten ist. Es ist ein Thema, zu dem Jussupov und Dworetzki in ihren Lehrbüchern schon sehr viel gutes dazu gesagt haben, was auch wichtig ist, weil das rein schematische Zugfindungskonzept von Kotov wegen dessen Inflexibilität längst überholt ist. Für Matjaz Pirs beginnt dieses Thema mit sechs Elementen, er führt aus:

    1. Ist das Kräfteverhältnis gleich ? Falls nicht - welche Kompensation liegt für das Fehlende Material vor ?

    2. Wie ist die Bauernstellung? Weist die Stellung schweche Punkte auf ?

    3. Sind die Figuren aktiv postiert?

    4. Ist die Position der Könige sicher?

    5. Wer hat räumlichen Vorteil ?

    6. Wie steht's mit den Tempi?( Das bezieht sich besonders aufs Eröffnungsstadium und auf scharfe Angrieffe.)
    Doch ist die Zugfindungsphase damit noch lange nicht abgeschlossen, lest selbst, was für Matjaz Pirs noch dazu gehört. Übrigens hat der Mann einen ganz feinen Humor, wie ihr beim Lesen seiner Ausarbeitung sowie in weiteren Artikeln seiner Seite noch feststellen werdet.

    Dank auch an lonny, der mich auf diese interessante Trainingsseite aufmerksam gemacht hat.
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  2. #2
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    Daumen hoch AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    interesant wie ich denke

    mit Vielen netten infos
    Geändert von Mattmonster (23.08.2015 um 17:21 Uhr) Grund: zusatz

  3. #3
    Anonym
    Gast Avatar von Anonym

    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Egal wie gut die Seite gemacht ist - das beste ist immer noch ein Schachtrainer real live. Daß Spieler allerdings eher bereit sind Hunderte von Euros in Schachbücher zu investieren statt in Trainingsstunden zeigt - tut mir leid wenn ich das so deutlich sage - wie dumm Schachspieler sind.
    Hier mal ein paar Gründe - unsystematisch - :

    Die meisten Spieler, die sich verbessern wollen, haben ja bereits Vorkenntnisse bzw. eine eigene Schachauffassung. Wenn sie nun eigene Partien mit ihrem Trainer diskutieren - dabei laut sagen, was sie gesehen haben, wo sie Probleme sahen, was sie zu dem ausgeführten Zug brachte - dann kann ein guter Trainer sofort grundlegende Schwächen erkennen und korrigieren.
    So kann es zB sein, dass jemand weil er mal hörte, dass Doppelbauern nicht so dolle sind - genau dies als Problem bei einem Abtausch sieht - den er vermeidet, um dem "Problem", das in der speziellen Situation gar keines wäre oder durch andere Vorteile hinreichend kompensiert würde ... - Oft werden also Probleme gelöst, die gar keine sind.
    Gute Trainer sind allerdings leider selten. Viele unterscheiden nicht mal zwischen Training und Lernen. Andere wollen nur ein Konzept durchziehen - mehr im Sinne einer Vorlesung und weniger im Sinne eines Seminars.

    Und außerdem: Training, das keinen Spaß macht ist absolut wertlos. Und was in Bezug auf das Lernen oder Üben grade dran ist - das kann kein Schachtrainer wissen - das weiß nur unser Gehirn - somit bestimmt der Schüler stets das anliegende Thema. Das brächte eine enorme Effizenzsteigerung.

  4. #4
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    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Das mit den Schachbüchern kann man nicht pauschalieren. Die Anschaffung von Taktikbüchern mit hunderten von Taktikaufgaben ist meiner Meinung nach eine der besten Investitionen, die man machen kann. Selbst wenn man nur 3mal im Jahr reinschaut Bei anderen Büchern ist es in der Tat schwierig. Es ist letzenendes einen Frage des Types, des Geschmacks und der Zeit, ob man das Geld in einer Büchersammlung oder in ein paar Schachseminare inverstiert. Bücher haben den ungemeinen Vorteil, dass man große Mengen von Wissen und Ideen in der Hand hält und immer wieder nachlesen kann. Leider gehen die Dinge aber nicht auf die individuellen Bedürfnisse und Schwächen ein. Antworten tuen sie in der Regel auch nicht, wenn man mal ne Frage hat. Das sind dann die Stärken von Schachseminaren und Schachtrainern. Aber für die muss man halt auch (regelmäßig) Zeit mitbringen.

    Zur Seite: Sehr interessant. Werde ich mir mal in Ruhe ansehen ^^
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  5. #5
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    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Hallo,

    nur eine Info über Schachschule-Pirs
    Matjaz

    Denkprozesse in einer Schachpartie

    Fragen, wenn der Gegner einen Zug gezogen hat
    1. Was droht? Was passiert wenn der Gegner noch einen Zug hat?
    2. Was ist vom Gegner ungedeckt bzw. einmal weniger gedeckt als angegriffen?
    3. Ist eine Regel vorhanden? (Londoner-System, Svechnikov oder Holländisch; egal welche Farbe von Figuren)

    Fragen zur Ausarbeitung eines Plans

    Beim Plan wird erst nicht gerechnet, sondern man sucht nach Zugkandidaten!!

    1.Material
    Überprüfen, ob ich mehr oder weniger Material habe?

    1.1 Taktische Stellung
    Wenn das Material ungleich ist und es droht Materialungleichheit zu bekommen, dann handelt es sich um eine taktische Stellung
    1.1.1 Figurentausch (Als Plan in einer taktischen Stellung)
    Habe ich mehr Material, dann tausche ich Figuren ab
    1.1.2 Bauerntausch (Als Plan in einer taktischen Stellung)
    Habe ich weniger Material, behalte ich meine Figuren und tausche die Bauern um Figur für letzten Bauern zu opfern, da man mit einer Figur kein Matt setzen kann

    2. Bauern und Bauernstrukturen

    Bauernstruktur auf gute und schlechte Bauern bei mir und Gegner überprüfen
    Z.B.: Doppelbauer, rückständiger Bauer, Isolani, Freibauer

    3. Figurenstruktur* Aktivität der Figuren
    Figurenstruktur auf gute und schlechte Figuren bei mir und Gegner überprüfen

    3.1 Wenn eigene Bauern die Figur bei der Bewegung blockieren, ist die Figur schlecht
    3.2 Schlechte Figuren werden abgetauscht

    4. Die Sicherheit des Königs/ Aktivität von Figuren
    Überprüfen von Fluchtfeldern bei eigenem und gegnerischem König
    4.1 Wenn der eigene König 0-1 Felder hat, überprüfen, ob der Gegner einen Königsangriff ausüben kann
    4.2 Wenn der Gegner 0-1 Felder hat, muss ich überprüfen, ob ich für den Königsangriff 2 Figuren mehr zur Verfügung habe als der Gegner zur Verteidigung. Wenn ja, überprüfe ich die taktischen Fragen.

    5. Raum * Der Kampf ums Zentrum

    Raum wird in Verbindung mit Frage 3 (Figurenstruktur) überprüft
    Habe ich mehr Raum, sind meine Figuren beweglicher, deswegen werden dann die Figuren nicht getauscht.
    Habe ich weniger Raum, Figuren tauschen.

    6. Tempozüge

    Tempozüge und taktische Fragen sehen ähnlich aus, nur dass wir die Tempofragen stellen um Zugkandidaten zu finden, die den Gegner unter Druck setzen können und uns zu einem Plan verhelfen.
    Wenn das Material ungleich ist (Frage 1 bei Ausarbeitung von Plan) oder ein Königsangriff vorhanden ist (Frage 4 bei Ausarbeitung von Plan) handelt es sich um eine taktische Stellung

    Taktische Fragen:

    1. Alle Schach überprüfen, anfangen mit billigster Figur.
    2. Alles schlagen überprüfen, anfangen mit eigener billigster Figur und gegnerischer teuersten Figur.
    3.Angriff auf mehrwertige oder ungedeckte Figuren überprüfen, anfangen mit billigster Figur und gegnerischer teuersten Figur.
    4. Mattangriff überprüfen (Mattangriff in taktischem Sinne ist dann der Fall, wenn man einen Zug macht und mit dem nächsten Zug Matt setzen könnte oder alle folgende Züge bis zum Matt mit Schach geschehen)
    5.Gibt es keine taktische Lösung in einer taktischer Stellung, suche ich nach einer strategischen Lösung  langfristige Wirkung:
    5a. Verbesserung von Bauern (z.B. einen isolierten Bauern abtauschen)
    5b. Verbesserung von Figur (Bauern, die schlechte Figur bei Bewegung blockieren, vorstoßen um Bewegungsmöglichkeiten für schlechte Figur zu verbessern)
    5c. Verbesserung von König (Wenn die Damen getauscht sind ist es wichtig, den König ins Zentrum zu bringen um im Mittelspiel als Deckungsfigur Bauern und Figuren decken und um im Endspiel aktiver zu sein als der gegnerische König)

    Wir haben einen Zugkandidaten ausgewählt. Bevor wir ziehen müssen wir Folgendes überprüfen:
    1.Welchen Zug kann ich vom Gegner als Antwort auf meinen erwarten. Dabei sollte ich folgende 2 Fragen beachten:
    1. Kann mir der Gegner Schach geben und so vielleicht einen Doppelangriff auf ungedeckte Figur machen
    2. Was von mir ist nach der Ausführung von meinem Zug ungedeckt? Was kann der Gegner mir umsonst schlagen
    2.Wenn bei der Überprüfung der oberen Fragen keine negative Antwort kommt, kann man guten Gewissens den Zug ziehen.
    3.Nach gezogenem Zug muss ich mit selber Hand die Uhr drücken
    4.Nach Drücken der Uhr muss ich den Zug im Formular aufschreiben.

    Von erster Frage ,,Was droht?'' bis zur Ausführung meines Zuges auf dem Brett muss ich mit vollen Gedanken bei der Sache sein!

  6. #6
    Anonym
    Gast Avatar von Anonym

    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Mir fällt da noch ein Punkt ein, der für ambitonierte Spieler interessant sein könnte:

    Für Sportarten wie Bogenschießen, Billard, Pool, etc. ist das folgende besonders wichtig, aber ich frage mich, ob es nicht auch für Schach von Bedeutung ist - was meint ihr dazu?

    Bei oben genannten Sportarten lernt man, von der Ausführung zurückzutreten und den gesamten Prozess bis zur Ausführung zu Wiederholen.
    Das macht man genau dann, wenn das Gefühl ungut ist, man sich unsicher fühlt, keine Zuversicht daran hat, dass alles glatt läuft, oder aber die Konzentration schwankt. Man entwickelt quasi eine sensible Kontrollinstanz, die zum Abbruch führt.
    Klar - beim Schach muß nicht alles auf einen kurzen Moment der Ausführung konzentriert sein. Aber wie oft kommt es vor, besonders in kritischen Situationen, daß Zug A in Frage kommt, aber dennoch unklar ist, man Zug B erwägt, der ebenfalls nicht ganz klar ist und man dann einen schlechten Zug C macht oder Zug A ausführt, ohne noch mal durchzukalkulieren.
    Oder wie oft kommt es vor, dass man in der Defensiven ist, oder Drohungen entgegnen muß und dann so reagiert, wie es für den Menschen im Gefühl der Bedrohung normal ist: schnell - zu schnell - voreilig, gerade dann wenn es darauf ankommt, sich Zeit zu nehmen.
    Außerdem kann das komplette "Zurücktreten" vom Brett, sich ganz von der Partie für eine Weile zu lösen, Wunder bewirken. Auch wenn wir nicht bewußt über die Partie nachdenken, ist das Gehirn unterbewußt weiter damit beschäftigt. Dabei fällt so mancher Groschen wie aus dem Nichts.
    Wie oft kommt es vor, dass man sich ärgert oder freut - weil man was übersehen hat, das zum Sieg hätte führen können, oder weil man seine Stellung für gut befindet, oder weil der Gegner etwas übersehen hat? Diese Emotionen können stark beeinträchtigen. Sie zu unterdrücken ist nicht wirklich möglich. Also - Zurücktreten für eine Weile.
    Wenn die Nerven blank liegen zb. durch Bedrängnis - kann außer dem "Zurücktreten" noch etwas sehr hilfreich sein - jedenfalls ist das so bei anderen Sportarten, die ich kenne: Man holt sich Erinnerungen hoch, wie es war, als man aus aussichtsloser Lage doch noch ein Remis rausgeholt hat, oder erinnert sich an den letzten Sieg - kann auch zur Einstimmung vor der Partie hilfreich sein. Darum feiert man Siege auch - nicht nur aus der Freude heraus - es hat sogar einen psychologischen Zweck.
    Bei mir ist es leider so, daß wenn ich irgendwo sitze, auch darauf angewiesen bin, daß mein Gegner etwas tut - nämlich seine Züge macht - sich mir tausend andere Dinge im Kopf aufdrängen - Ideen, ungelöste Probleme etc. so daß ich leider nur selten voll und ganz dabei bin. Das beste wäre es, wenn ich alle Partien der Saison in einer Simultanveranstaltung spielen könnte LOL da hätte ich dann keine "Denklücke" mehr in die sich wie Honig andere Dinge verorten können.
    Mein eigentiches Problem allerdings besteht darin, dass wenn ich mich voll und ganz Stunden in eine Partie reinhänge, ich nach 1,5 Stunden nichts anderes mehr wahrnehme und mich voll und ganz darin verliere - so konnte ich schon starke Spieler schlagen, bin aber danach zwei Tage lang für nichts mehr zu gebrauchen und Träume noch ne Woche später von Varianten in der Partie. Ganz üble Sache. Kennt das einer hier?

  7. #7
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    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    @Benutzername: Du hast sehr interessante Gedanken ausführlich erörtert. Ich erlaube mir einmal, den Gehalt Deiner Anregungen sehr verkürzt wiederzugeben, damit der Leser rasch auffassen kann, auf welchen Gedankengang von Dir ich mich konkret beziehe.

    Zitat Zitat von Benutzername
    Außerdem kann das komplette "Zurücktreten" vom Brett, sich ganz von der Partie für eine Weile zu lösen, Wunder bewirken.
    Du wirst lachen, aber tatsächlich gibt es mittlerweile im Schach einen modernen Ansatz, der genau dieselbe Denkweise, die Du als ideal vorstellst, im Schach anstrebt. Entwickelt wurde diese von Jonathan Rowson, also von dem mit den „Todsünden im Schach“, der diesen Idealzustand als „Gleiten mit dem Strom“ versinnbildlicht. Das Revolutionäre dieser neuen Richtung ist, wie von Jörg Seidel in MetaChess herausgearbeitet, daß man dann selbst wie in den klassischen Sportarten oder auch heute noch für gewöhnlich im Schach nicht mehr selbst Quelle des Handelnden ist, sondern sich von einem fernen Bezugspunkt, etwa wie ein wellenreitender Surfer, antreiben läßt, oder, wie Seidel es formuliert (ebd.):

    Zitat Zitat von Jörg Seidel
    Das ist ein ungeheuerlicher Gedanke innerhalb des Diskurses über ein Denkspiel [...]. Denken heißt bei Rowson "gegen den Strom denken", heißt "Anstrengung, Widerstand, mit einem Angelpunkt, einem Hebel", heißt vor allem - was Silman nur andeutete - Wille. Der Wille als Ausgangspunkt ist fast immer falsch, man muss vielmehr seinen Willen, sein Denken lassen und sich dem "Willen der Situation" anschließen, sich mit diesem vereinen und ihn zu dem seinen machen, aber eben immer nur so lange, wie die Situation die gleiche ist.
    Weniger konsequent, aber schon deutlich in diese Richtung gehend ist allerdings bereits der in der Schachwelt längst bekannte Tip, sich gerade bei komplizierten Berechnungen vor der Zugausführung noch einmal zurückzulehnen, erst einmal abzuschalten und sich dann noch einmal kurz frisch auf die Stellung einzulassen. Tatsächlich können einem als Schachspieler dann durchaus einige Dinge noch auffallen, die man im rechenintensiven „Tunnelblick“ nicht auf dem Radar gehabt hat.

    In dem von Dir in diesem Thread leider gelöschten Beitrag schriebst Du:

    Zitat Zitat von Benutzername
    Dann sollte man vielleicht herausfinden was man für ein Denk-typ ist. Es gibt Leute, die niemals in der Lage gewesen wären, die Differenzialrechnung in ihren Basics zu entwickeln, die asber in der Lage sind, die Lösung, die Methoden etc. zu verstehen und anzuwenden - sehr fix. Das sind auch diejenigen die bei IQ Tests häufig gut Ergebnisse haben - aber eben weniger in der Lage sind kreativ etwas zu entwickeln. Laut Studien scheinen die meisten Schachspieler eher zum ersten Typ zu gehören - schnell Zusammenhänge verstehen und anwenden. Da sind Leute bei die in einem IQ Test mit 150 abschneiden aber nicht in der Lage sind freischaffend vier mal hintereinande ein Quadrat mit einem beliebigen Muster zu füllen.
    Hast Du dabei an Garri Kasparov gedacht, bei dem genau diese Schwäche in einem Intelligenztest, vom Spiegel 1987 mit Kasparov organisiert, eklatant auffiel? Der Spiegel damals wörtlich:

    Kasparow versagte völlig bei einer Aufgabe, die jeder quicke Grundschüler recht oder schlecht gelöst hätte:
    Als er ein Blatt mit 24 Ellipsen erhielt und gebeten wurde, binnen drei Minuten so viele mit Mustern zu füllen wie möglich, verging die halbe Zeit, ohne daß irgend etwas geschah. Regungs- und hilflos starrte Kasparow auf das leere Blatt. Dann raffte er sich auf und zeichnete immerhin drei Muster. Bei zwei ähnlichen Aufgaben gab es fast die gleichen Ausfälle.
    Zwei Dutzend Hamburger Schülern und Studenten (Schachspielern des HSV) wurde bei einem Vergleichstest die Ellipsen-Aufgabe auch gestellt, und keinem einzigen fiel so wenig ein wie dem berühmten jungen Mann aus Baku. Einige ihrer Ideen: die Ellipse als Gesicht, Osterei, Pflaume, Bombe, Busen, Uhr, Zellenfenster, Friedhof, Sportstadion Auge, Baseball und Kanaldeckel.
    Kasparovs Gesamtergebnis war übrigens mit, je nach Auswertungsschlüssel zwischen 123 und 135 schwankend (ebd.), sehr gut, aber nicht so überragend, wie es sich viele vielleicht vorgestellt hätten.

    Zitat Zitat von Benutzername
    Mein eigentiches Problem allerdings besteht darin, dass wenn ich mich voll und ganz Stunden in eine Partie reinhänge, ich nach 1,5 Stunden nichts anderes mehr wahrnehme und mich voll und ganz darin verliere - so konnte ich schon starke Spieler schlagen, bin aber danach zwei Tage lang für nichts mehr zu gebrauchen und Träume noch ne Woche später von Varianten in der Partie. Ganz üble Sache. Kennt das einer hier?
    Ich kann mich da an drei Situationen erinnern. Sportpsychologen sprechen hier vom Flow. Im Prinzip ist das auch eine Art Idealzustand, weil man hier sportlich seine besten Leistungen erzielen kann. Damit verwandt ist ja die Redewendung, er/sie spielte wie im Rausch. Nach der Partie war ich allerdings recht schnell wieder „nüchtern“.
    Geändert von ToBeFree (22.02.2016 um 21:24 Uhr) Grund: Benutzername entfernt :)
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  8. #8
    Anonym
    Gast Avatar von Anonym

    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Das mit den Elipsen wußte ich nicht - aber das paßt dann ja.

    Es haben sich auch einfach mal irgendwann Leute gewundert, wieso jemand, der geniale Arbeiten vollbracht hatte, bei einem IQ - Test so schlecht abschnitt, während andere sehr gute Ergebnisse erzielten, aber kaum kreative Leistungen vorzuweisen hatten. Es scheint da eine Art "Spezialisierung" bzw. grundlegende Unterschiede zwischen Gehirnen zu geben. Immer mehr Firmen in USA gingen auch schon darin über weniger klassische IQ Aufgaben beim Test zu stellen, sondern eher kreative Sachen abzufragen. Also biste entweder n Porsche oder n Panzer lol.
    Was die Zahlen angeht - ob 123 oder 135 - scheint es eh eine gewisse Inflation zu geben lol. So mancher ist einfach gerne genial und dann reichen 150 nicht - da setzt man dann noch einen oben drauf - das machen andere Narzisten genau so und irgendwann hört man ne Mutte rufen: aber mein Sohn hat einen von 190 - ja und inzwischen gibt es auch einen Club der Intelligenten, die nur Leute mit 200 aufnehmen. Totaler Quatsch. Zufällig konnte ich mich mal mit einem aus diesem Club messen - und - ich meine 200 LOLOLOL - wenn 150 schon genial ist - davon hab ich bei dem nicht viel gemerkt.
    Trotzdem froh, dass es IQ Tests gibt, weil es mir geholfen hat aus der Sonderschule zu kommen.
    Es gibt inzwischen Schulen für Sonderbegabte, die auch einen Test fordern - das Ergebnis danach aber nicht genau bekanntgeben - nur ob man bestanden hat oder nicht. ich find es gut, wenn man den Kindern nicht schon in frühem Alter ne Zahl vorwirft und sagt: Du bist 123 - oder 135 - oder was auch immer.
    Vielleicht sollte man auch mal das DWZ System bei Kindern überdenken.

  9. #9
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    AW: Systematisches Schachtraining der Schachschule Pirs

    Zitat Zitat von anonym
    Vielleicht sollte man auch mal das DWZ System bei Kindern überdenken.
    Die eigene DWZ-Zahl kann aber auch motivierend und damit leistungsfördernd wirken. Und vor allem ist die aktuelle DWZ-Zahl ja kein unwiderruflich fest stehendes Urteil, sondern jeder Schachspieler, gleich welchen Alters, hat die Chance, sich DWZ-mäßig weiterzuentwickeln. Als ich in die 3. Klasse kam, habe ich mich gefreut, daß es endlich Noten gab. Was die Intelligenz angeht, gibt es übrigens nicht nur Spezialbegabte, sondern auch Universalbegabte. Das sind dann diejenigen, die ein Abitur mit besser gleich 1,0 abschließen und es damit in die Zeitung schaffen.
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