Wir haben uns im Forum ja schon einmal über die verschiedenen Stile, die ein Schachspieler haben kann, Gedanken gemacht, und dabei herausgefunden, daß es auf dem Schachbrett weitaus mehr Stile gibt als die beiden Stile, die landläufig immer genannt werden, um die Schachspieler voneinander zu unterscheiden, nämlich den Positions- und den Kombinationsspieler. Yury Markushin stellt auf seiner Webseite thechessworld fünf verschiedene Schachstile vor. Noch wertvoller: er gibt gegen jeden einzelnen Stil ein Rezept heraus:

Gegen den kompromißlosen Angreifer, der um jeden Preis Verwicklungen anstrebt und auch da opfert, wo es nicht Not tut, empfiehlt Markushin, sich Zeit zu lassen und in Ruhe nach den Widerlegungen zu suchen. In "90 Prozent" aller Fälle gelingt es, den Gegner für sein inkorrektes Spiel "zu bestrafen".

Gegen den passiven Spieler, der das Risiko scheut wie der Teufel das Weihwasser, und der nach Markushin "vielleicht der einfachste Gegnertyp" sei, hilft es, einfach einen Plan zu entwickeln und dem Gegner so das Spiel aufzuzwingen.

Gegen den Abtauschspezialisten, der das Mittelspiel nicht mag, das Endspiel aber umso mehr, und für den daher das zentrale Ziel im Spiel der Abtausch von Figuren ist, ist Markushins Rezept erneut logisch. Man läßt einfach Abtäusche zu, die für einen selbst wertvoller sind, etwa schlecht stehende, schwächere Figuren gegen gut stehende, wertvollere Figuren (wie eigener Springer gegen Läufer in besseren Stellungen) und schlägt schließlich aus der besseren Qualität der übriggebliebenen Figuren Kapital (ich selbst würde noch dazunehmen, daß solche Spieler es auch gar nicht mögen, wenn man Abtäusche vermeidet).

Dann kommen wir zum Perfektionisten, den die Russen gerne in Abgrenzung zum Spieler den Forscher nennen. Dieser strebt immer nach dem besten Zug und investiert auch gerne schon einmal "45 Minuten" für eine "einfach scheinende Stellung". An dieser Herangehensweise sieht Markushin zwei Schwächen: 1. in vielen praktischen Stellungen gebe es nicht den einen besten Zug (Grüße auch an Siegbert Tarrasch), und 2. natürlich das Zeitnotproblem. Hier gilt es nun strategisch anzusetzen, denn nach Markushin werden diese Spieler Fehler machen und nicht mehr in der Lage sein, das Spiel aufrecht zu erhalten. Ich möchte noch hinzufügen, daß sich deren Zeitnotproblem vergrößert, das Spiel zu komplizieren. Ein Geheimtip: gerade stille Züge, wo erst einmal nichts offensichtliches droht, irritiert diese Spieler mehr als eine kräftige Drohung, wo sie manchmal schnell die einzige Verteidigung finden. Bei einem stillen Zug in komplizierter Stellung dagegen haben sie wieder scheinbar die Wahlfreiheit und tuen sich schwer daran, eine Entscheidung zu fällen.

Der Stratege "plant alles". Seine strategische Herangehensweise, an der nach Markushin natürlich erst einmal nichts schlecht ist, wird aber da zum Problem, wo es übertrieben wird. Da Strategen keine Vereinfachungen, sondern eher tiefe und komplexe Pläne mögen, helfe es, an der richtigen Stelle Vereinfachungen durchzusetzen und daraus dann Kapital zu schlagen.

Hier kann gerne über die Ideen von Markushin weiter diskutiert und dessen Ideen ergänzt werden.