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Thema: Carlsen laust der Affe

  1. #1
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    Carlsen laust der Affe

    In der Septemberausgabe der Zeitschrift SCHACH, geht Dirk Poldauf mit seinem nachfolgenden Artikel Carlsens mysteriösem Vorschlag nach, die Zweikämpfe um die Weltmeisterschaft abzuschaffen:

    „ Carslens Vorschlag

    ...kam überraschend. Der sechzehnte Weltmeister will die seit 1886 andauernde Traditionslinie der Zweikämpfe um die Schachkrone kappen. Der Champion soll künftig jedes Jahr in einem K.o.-Turnier ermittelt werden. Für die Verkündigung dieser Botschaft wählte der Nachfolger der Steinitz und Lasker passend ein soziales Medium namens Facebook.

    K.o.-Turniere? Hatten wir das nicht schon? Ja! Und? Das Format wurde wieder abgeschafft! Es sind gerade die WM-Matches – seit Jahrzehnten die EINZIGE FESTE GRÖSSE im Schach – die uns eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit verschaffen. Auch die Zeitschrift SCHACH bemerkt dies regelmäßig an den ansteigenden Verkaufszahlen! Für Schachliebhaber, die nicht selbst aktiv sind, bilden die WM-Kämpfe den roten Faden ihres Interesses. Und mit den Kandidatenturnieren – unvergessen London 2013 – wurde nach vielen Experimenten ein attraktiver Qualifikationsmodus gefunden.

    Warum will Magnus Carlsen gerade jetzt davon abkommen? Fürchtet der Norweger etwa den Verlust des Titels, den er im Herbst 2016 verteidigen muss? Will er ihn deshalb entwerten? So wäre er der gekrönte Abschluss der vor 129 Jahren eingeleiteten Tradition, die in der Geschichte des Sports einmalig ist. Seine Nachfolger wären die Gewinner einer … Lotterie!

    Vom 9.-15. Oktober ist in Berlin die Weltmeisterschaft im Blitz- und Schnellschach angesetzt (wenn auch immer noch nicht offiziell bestätigt). Gehen Sie hin und fragen Sie den Weltmeister nach seinen Beweggründen. Wir sind gespannt!

    Oder nein, eigentlich nicht. “

  2. #2
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    AW: Carlsen laust der Affe

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    ...kam überraschend. Der sechzehnte Weltmeister will die seit 1886 andauernde Traditionslinie der Zweikämpfe um die Schachkrone kappen. Der Champion soll künftig jedes Jahr in einem K.o.-Turnier ermittelt werden. Für die Verkündigung dieser Botschaft wählte der Nachfolger der Steinitz und Lasker passend ein soziales Medium namens Facebook.
    Interessanterweise war diese verfehlte FIDE-Politik des damals neuen Präsidenten Iljumschinov mit der Einführung von KO-Wettkämpfen, die eher zufällig als leistungsgerecht Weltmeister in die Welt spülte, und deren Namen heute nur noch Experten spontan aufsagen können, schon vor Facebook scheinbar zeitgemäß. Aber eben nur scheinbar, denn daß sich Schach nicht so ohne weiteres in die tatsächlich immer schnelllebiger werdende Zeit einfügen läßt und aus sich heraus ein Interesse weckt, das eher unter entschleunigten denn beschleunigten Bedingungen existiert, so daß, praktisch gesprochen, diejenigen angezogen werden, die sich für das Schach ohnehin nicht interessieren, und diejenigen abgestoßen werden, die von ihrer Natur aus prädestiniert für dieses Spiel sind, wurde recht schnell erkannt. So wurden die Weltmeisterschaftskämpfe wieder in den alten Modus eingegliedert, allerdings unter dem Kompromiß einer ungefähren Halbierung der Partieanzahl in den Finalkämpfen, und auch die scheinbar nicht enden wollenden Bedenkzeitkürzungen um die Jahrhundertwende fanden dann doch recht schnell ihr Ende.

    Zu der Philosophie, die hinter diesen Reformen stand, und mit der Iljumschinov doch irrrte, weil eben diese Philosophie nicht mit dem Wesen des Schachs zusammenpaßt, gibt es bis heute keinen besseren Artikel als den zeitgenössischen Artikel von Ernst Strouhal in Karl. Als diese frühen Reformen dann ihr Ende fanden, ging ein kollektives Aufatmen durch die Schachwelt, das verbunden war mit dem Gefühl der Befreiung, weil man nun weiterhin im Schach, das für Schachspieler mehr ist als nur ein Sport, eine Heimat haben kann. Apropos Sport, es mag zwar stimmen, daß die Russen in Carlsen den Spieler- und nicht den Forschertypen sehen. Daß der stärkste Spieler der Welt die Interessen der allermeisten Schachspieler aber entweder nicht kennt oder geflissentlich ignoriert, dürfte ihm wenig Verständnis entgegenbringen, sein Vorschlag wirkt versnobt und kulturlos.
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    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  3. #3
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    AW: Carlsen laust der Affe

    In dem Vorschlag kann man auch ein interessantes Phänomen sehen:

    Beispiel: Gegeben sei ein Schauspieler. Diese ist Oscar-Preisträger und entsprechend berühmt, anerkannt also erfolgreich. Natürlich ist so ein Mensch mehr als nur ein Schauspieler - er ist auch Familienmensch, Mutter oder Vater, Hobbybastler usw. . Aber in der Hauptsache wird seine Person in der Öffentlichkeit als Schauspieler wahrgenommen. Nennen wir das mal seine spezielle Bedeutung für die Öffentlichkeit. Allerldings steigt auch seine allgemeine Bedeutung für die Allgemeinheit mit dem höhren Grad and Bekanntheit. Da wird eben Bedeutung und Bekanntheit gerne verwechselt. Plötzlich sind ihre persönlichen Meinungen zu allen möglichen Sachthemen gefragt - zu politischen Themen etc. . Und sie beantworten sie - erfahren welches Gewicht sie nun auch allgemein haben und nicht nur als Schauspieler im Speziellen. Muss das Ego ganz schön aufblasen denke ich. Sie sind plötlich "mehr".
    Ein anderes Beispiel ist Bobby Fischer, dessen Äußerungen ebenfalls ein erhöhtes Gewicht von den Medien bekam - er war kein Politiker - er war "nur" Schachspieler - aber eben berühmt - Bekanntheit führte zu Bedeutung - und diese wurde schlichtweg unverhältnismäßig erhöht, wenn es um Belange ging, von denen er womöglich weit weniger verstand als vom Schach.
    ist jemand, der Jahrelang professionell Turnierschach betrieb, besonders talentiert, ein Turnier auszurichten, oder einen Schachverband zu organisieren? Nicht zwangsläufig. Es gibt Menschen, wie den Sponsor des Sinquefield Cups, die gerne etwas von dem erlernen und verstehen wollen, dass sie dann von anderen machen lassen - solche Leute organisieren nicht im selfmade Stil - die überlassen die Dinge jeweils denjenigen, die etwas davon verstehen. Da kommt was gutes bei raus. Leider ist das im Schach eher die Seltenheit - selbst auf höchster Ebene läuft einiges im Vereinsmeierstil ab, wie man auch vor kurzem beim DSB sehen konnte. Da wollen Leute etwas in die Hand nehmen, die einfach keine Ahnung haben und auch nicht deligieren können. Darum steht das Schach auch weit hinter seinen Möglichkeiten - moderne Medien werden nun gaaaaaanz langsam wie beim Sinquefield Cup gut eingesetzt, erwecken mehr Interesse für das Schach etc. .

    Tja und nun haben wir einen Carlsen - viel erreicht - Weltmeister - der wie jeder Mensch sich sicher nicht auf diese Rolle beschränken lassen will - abgesehen davon, dass es witzig ist, dass ihm Attribute angedichtet werden, über die man dann schon schmunzeln muss - nutzt er nun seine Bedeutung im Schach um Vorschläge zu machen, die eher in das Arbeitsfeld von Leuten gehören, die mehr davon verstehen.
    Es sei denn, er hätte ein persönliches Interesse an bzw. eigenen Vorteil durch so eine Änderung.
    So ein Zweikampf macht spezielle Vorbereitung auf einen Gegner nötig - dann kommt die Zeit des Matches - alles in allem wirkt sich das wohl sehr auf das Turnierschach aus. Weniger andere Turniere - und auch Turniere vor dem Match laufen wohl anders, weil man sich weniger in die Karten schauen lassen will und es braucht eine gewisse Zeit nach so einem Match wieder normales Turnierschach zu spielen. Das sind sicher Einschränkungen für einen Titelveteidiger wie Carlsen. is auch ne mental andere Angelegenheit so ein 1:1 Match. Ich denke daher weht der Wind.

    Worauf ich bei Carlsen übrigens sehr neugierig wäre ist, wie es bei ihm weiterläuft, wenn er den Titel verlieren würde.

    Genau so wenig wie ich die Leistung eines Kasparovs im Schach überhaupt bewerten kann - das sehe ich ganz klar - genau so wenig ist es mir sympathisch wenn solche Leute dann zum allgemeinen Großkotz mutieren - und bei Carlsen sieht mir das auch so aus - aber selbst das geht mich natürlich nichts an - aus ihrer eigenen Perspektive - also in ihrer kleinen Welt - sind sie natürlich unbestreitbar ganz groß - aber die Welt ist eben doch n tacken größer - das man das nicht sieht ist vielelicht der Preis dafür, daß man sich sehr auf eine bestimmte Sache konzentriert hat. Und in der Ecke bleiben sie im Zwefel auch am besten.

  4. #4
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    AW: Carlsen laust der Affe

    Ist alles eine Frage der richtigen Anzahl von Partien. Die "alten" Kandidatenturniere wie z. B. https://de.wikipedia.org/wiki/Schach...didatenturnier müssen ziemlich spannend gewesen sein.

    Die 2 Lang-Partien je Runde wie beim aktuellem WorldCup bzw. bei den KO-Weltmeisterschaften der Jahrtausendwende sind selbstverständlich etwas wenig. Aber je weniger Teilnehmer, desto mehr Partien kann man bei nicht ewiger Dauer des Gesamtturniers spielen. 8 Teilnehmer in einer KO-WM mit ordentlichem Qualifikationsmodus und dem Weltmeister in Runde 1 fände ich auf jeden Fall sehr spannend. Mit 6, 6 und 12 Lang-Partien + 3 Tage für den Schnell- und Blitzschachentscheid und ein paar Ruhetagen würde die WM gut einen Monat dauern.


    Und zur Zufällligkeit:
    "Der Kampf zwischen Smyslow und Hübner stand nach 10 Partien 5:5 unentschieden. Nach vier Extrapartien, die ebenfalls keine Entscheidung brachten, entschied das Roulette zugunsten von Smyslow."
    Ist das weniger zufällig als eine Armageddon-Partie?

  5. #5
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    AW: Carlsen laust der Affe

    Der Unsinn geht weiter. Denn nach seinem Ausscheiden in der 2. Runde beim Weltcup in Baku, hat Levon Aronian gar noch eine ver(schlimm)besserte Version zu Carlsens Vorschlag. Im Interview mit der EXTRA TIME (http://extratime.echo.az/article.php?aid=320244 ), antwortete er auf die Frage:

    „ Es wäre interessant, deine Meinung zu Magnus Carlsens Vorschlag zu einem neuen Modus für die Weltmeisterschaft zu hören. Er schlägt ein K.O.-System wie beim Weltcup vor. Nachdem du die zweite Runde beim Weltcup in Baku verloren hast, bist du vermutlich gegen einen solchen Vorschlag?

    Nein, warum? Generell denke ich schon, dass der stärkste Spieler den Weltcup gewinnen wird. Man kann natürlich nicht bestreiten, dass es einen gewissen Glücksfaktor gibt. Daher sollte man ein System wie bei Pokerturnieren einführen, bei denen man sich nach einer Niederlage neu einkaufen kann. Dadurch kann man zweimal eliminiert werden, wie Alexander Khalifman einst vorgeschlagen hat. Das würde verhindern, dass man durch einen einzigen Fehler ausscheidet. Mit einem solchen System könnte man eine Weltmeisterschaft spielen. “

    Nun sollte man Aronians Statement aber nicht allzu ernst nehmen. Zumal er erst kürzlich vorm Sinquefield-Cup in St. Louis gemeinsam mit Carlsen trainiert hat (und prompt in St. Louis gewann!). Er wird also kaum Interesse daran haben, sich mit Carlsen anzulegen oder dessen Vorschlag infrage zu stellen. Denn Aronian ist zuweilen auch ein Schlitzohr und sagt dann unter keinen Umständen, was er wirklich denkt! Ist also manchmal ein Diplomat ersten Ranges und hängt sein Fähnchen nach dem Wind... Das gehört wohl auch zum Profigeschäft eines Schachspielers, der vom Schach lebt. Schön ist es freilich nicht.
    Der von ihm erwähnte Alexander Khalifman ist übrigens einer jener Glückspilze, die einst bei einer Knockout-Weltmeisterschaft gewonnen haben!

    Aber halten wir hier inne. Und die Zeit und die Schachuhr noch einmal an: Damit dem Schachspiel etwas von der Essenz zurückgegeben werden kann, wie sie auch in dem von Kiffing erwähnten Essay SCHACH IM ZEITALTER DER UNGEDULD von Ernst Strouhal (http://karlonline.org/alt201_1.htm) zum Ausdruck kommt.

    Tja, und was wohl Carlsen machen würde, wenn er seinen Titel verlieren würde, fragst Du, anonym? Na, er geht dann zu seinem Lieblingsfußballverein Real Madrid und wird dort Platzwart. Feiner Job! Oder er geht wieder in die Modebranche und präsentiert mal ganz was Neues: Magnus Carlsen auf dem Laufsteg in Damenunterwäsche! Noch feinerer Job!

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