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Thema: Mannschaftseuropameisterschaften in Reykjavik 2015

  1. #1
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    Mannschaftseuropameisterschaften in Reykjavik 2015

    Derzeit finden ja in der pittoresken isländischen Hauptstadt Reykjavik die Mannschaftseuropameisterschaften statt. So wird es höchste Zeit, dem Ereignis einen eigenen Faden zu widmen. Der Spielort ist kein Zufall, Island hat eine lange Schachtradition, die Schach-WM 1972 zwischen Fischer und Spasski in Reykjavik dürfte jedem Schachspieler ein Begriff sein, Island stellte von 1978-1982 mit Friorik Olafsson den FIDE-Präsidenten, und mit seinen aktuell elf Großmeistern hat die Feuerinsel die höchste Dichte an Großmeistern pro Land. Zum Vergleich: während in Island auf 29.000 Einwohnern ein Großmeister kommt, kommt im vermeintlichen Schachland Rußland erst auf 700.000 Einwohner ein Großmeister (Deutschland 1.100.000 Einwohner pro GM, China 5.000.000 (!) Einwohner pro GM).

    Magnus Carlsen, der für Norwegen das Spitzenbrett bekleidet, hatte zum Auftakt in der Prestigepartie gegen Levon Aronjan den Kürzeren gezogen. Noch schlimmer traf es ihn nun in der Partie gegen die Schweiz. Sein Gegner, Yannick Pelletier, hat fast 300 Punkte weniger, aber ausgerechnet in einem trockenen Endspiel mit ausgeglichener Stellung, also da, wo Magnus Carlsen eigentlich am stärksten spielt, überspannte der Wikinger den Bogen und verlor damit die Partie. Damit erlitt Carlsen, der seit seinem Waterloo beim heimatlichen Turnier in Stavanger seiner Form hinterherläuft, in diesem Jahr schon seine zehnte (!) Niederlage und stellte damit einen unrühmlichen Weltmeisternegativrekord auf.

    Die beiden deutschen Mannschaften stehen indes in Tuchfühlung zur Spitze. Matchwinner im Prestigeduell gegen England war Daniel Fridman, der das einstige Wunderkind und jetzigen Amateur Luke McShane nach einer schönen Abschlußkombination bezwang und damit für den Mannschaftssieg sorgte. Rußland führt mit 9:1 vor Frankreich, der Ukraine und Georgien mit jeweils 8:2. Deutschland liegt auf Rang 7 mit 7:3 in Lauerstellung.

    Bei den Damen konnte Deutschland mit einem Sieg gegen die Niederländerinnen sogar auf Rang 5 vorrücken. Der Punkestand ist mit 7:3 analog zu dem der Herren. Auch bei den Damen führt Rußland (10:0), hier sogar mit zwei Punkten, vor der Ukraine und Georgien.

    Die deutschen Teams vertreten bei den Damen Elisabeth Pähtz (4,5/5), Filiz Osmanodja (0/3), Zoya Schleining (2/4), Melanie Ohme (3/4) und Josefine Heinemann (3/4), und bei den Herren Dieter Liviu-Nisipeano (2/4), Georg Meier (2/4), Daniel Fridman (2,5/4), Rainer Buhmann (2/4) und Dennis Wagner (2,5/4).

    Partien mit Kommentaren aus: http://de.chessbase.com/post/carlsen...teams-gewinnen

    [Event "ETCC 2015 Open"]
    [Site "Reykjavik"]
    [Date "2015.11.17"]
    [Round "5"]
    [White "Fridman, Daniel"]
    [Black "McShane, Luke J"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "D15"]
    [WhiteElo "2627"]
    [BlackElo "2687"]
    [PlyCount "81"]
    [EventDate "2015.??.??"]
    [EventCountry "ISL"]
    [WhiteTeam "Germany"]
    [BlackTeam "England"]
    [WhiteTeamCountry "GER"]
    [BlackTeamCountry "ENG"]

    1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 a6 5. Qc2 $5 {Im Vergleich zu den anderen
    Möglichkeiten eine eher seltene Antwort auf das Chebanenko-System.} b5 (5...
    dxc4 6. e4 b5 7. a4 Bb7 8. e5 Nd5 {hatte McShane schon einmal auf dem Brett:
    Williams,S (2451)-McShane,L (2671) London 2014 (0-1, 52)}) 6. e4 (6. cxd5 cxd5
    7. Bg5 {kam auch schon ein paar mal vor, mit ganz gutem Erfolg für Weiß.})
    6... b4 (6... dxc4 {wäre Zugumstellung zur Variante 5.dxc4}) 7. Na4 dxe4 (7...
    Nxe4 8. cxd5 cxd5 {mit der Pointe} 9. Nb6 Qxb6 10. Qxc8+ Qd8 11. Qb7 Nd7 12.
    Qxd5 $14) 8. Ne5 {[#]} g6 (8... Qxd4 9. Bf4 -- {Mit der Absicht} 10. Rd1 {
    Weiß hat deutlichen Entwicklungsvorsprung.}) (8... e6 9. Bf4 Be7 10. Rd1 $36)
    9. Be3 Bg7 10. Be2 O-O 11. O-O Qc7 12. Bf4 Qb7 13. Nc5 Qb6 14. Rfd1 Nbd7 15.
    Nexd7 Bxd7 (15... Nxd7 16. Nxd7 (16. Na4 $5 Qa5 17. c5 $14) 16... Bxd7 17. Qxe4
    $14) 16. Nxd7 Nxd7 17. Qxe4 Rfe8 18. c5 Qb7 19. Bf3 Rac8 20. Qc2 Nf6 21. a3 a5
    22. Qa4 {[#] Weiß hat eine lästige Initiative am Damenflügel, die ihm einen
    Bauern einbringt. a5 und c5 sind unter Feuer.} Red8 23. Qxa5 bxa3 24. bxa3 Nd5
    25. Be5 Ra8 ({Nach} 25... Bxe5 26. dxe5 Ra8 27. Qe1 $14 {ist der schwarze
    Rückstand geringer als in der Partie.}) 26. Qe1 e6 27. Bd6 Ra4 28. Bxd5 exd5
    29. Rab1 Qa8 30. Rb4 Rxa3 31. Rdb1 {[#] Droht entscheidend Tb8.} Qa5 32. h3 {
    Luftloch!} h5 $2 {Schwächt die Königsstellung} 33. Kh2 Bf6 34. Qc1 $1 {
    Zielfeld h6.} Ra4 35. Rb8 {Schon entscheidend.} Kg7 36. Qf4 {Mit der Absicht
    Le5 und der Tb8 wird entwurzelt.} ({Stark war auch} 36. Rxd8 Qxd8 37. Rb8 Qd7
    38. Bf8+ Kg8 39. Qh6 $18) 36... Rxd4 37. Qf3 Re4 38. Rxd8 Bxd8 39. Rb7 Bf6 {[#]
    } 40. Bf8+ Kxf8 41. Qxf6 1-0


    [Event "ETCC 2015 Open"]
    [Site "Reykjavik"]
    [Date "2015.11.17"]
    [Round "5"]
    [White "Carlsen, Magnus"]
    [Black "Pelletier, Yannick"]
    [Result "0-1"]
    [ECO "A30"]
    [WhiteElo "2850"]
    [BlackElo "2566"]
    [PlyCount "118"]
    [EventDate "2015.??.??"]
    [EventCountry "ISL"]
    [WhiteTeam "Norway"]
    [BlackTeam "Switzerland"]
    [WhiteTeamCountry "NOR"]
    [BlackTeamCountry "SUI"]

    1. c4 Nf6 2. Nc3 c5 3. Nf3 e6 4. g3 b6 5. Bg2 Bb7 6. O-O Be7 7. b3 O-O 8. Bb2
    d6 9. d4 (9. e3 Nbd7 10. d4 Ne4 11. Qe2 Nxc3 12. Bxc3 Be4 {hatte Carlsen schon
    einmal mit vertauschten Farben auf dem Brett. 0-1 (59) Kramnik,V (2791)
    -Carlsen,M (2802) Moscow 2010}) 9... cxd4 10. Nxd4 (10. Qxd4 a6 11. Rfd1 Nbd7
    12. Rac1 Qc7 13. Ng5 Bxg2 14. Kxg2 Qb7+ 15. f3 b5 16. Nge4 Ne8 17. Nd2 Bf6 $11
    {1-0 (32) Hauchard,A (2512)-Pelletier,Y (2559) France 2009}) 10... Bxg2 11.
    Kxg2 Qc8 12. e4 Nc6 (12... Qb7 13. Qe2 Na6 14. f3 {1/2-1/2 (39) Nimzowitsch,
    A-Colle,E Bad Niendorf 1927}) 13. Rc1 Nxd4 14. Qxd4 Qb7 15. Rfd1 a6 16. Ba3
    Rfd8 17. Qd3 Rd7 18. Qf3 Bf8 19. Rd4 d5 $5 (19... b5 $11) 20. Bxf8 dxe4 21.
    Nxe4 Kxf8 22. Rxd7 Nxd7 23. c5 bxc5 24. Nxc5 Qxf3+ 25. Kxf3 Nb6 26. Ke4 Ke7 27.
    f4 a5 28. Nd3 Nd5 29. Rc5 Kd6 30. Kd4 {[#] Eine Endspielposition mit gleichen
    Chancen. Aber man kann noch spielen.} f6 31. a4 Ne7 32. Rb5 Kc6 33. b4 {
    Weiß bildet einen Freibauern.} ({Die Idee Sd3-b2-c4 mit Angriff auf a5 lässt
    sich nicht verwirklichen.} 33. Nb2 Nf5+ 34. Kc3 Nd6 35. Rh5 h6 $11) 33... Nf5+
    34. Kc3 axb4+ 35. Kxb4 Nd4 36. Rh5 h6 37. Rc5+ Kb6 38. Rc4 Nc6+ 39. Kc3 Rd8 40.
    Re4 Rd6 41. Re2 Ne7 42. Rb2+ Kc6 43. Rb8 Nd5+ 44. Kb3 Kc7 {[#]} 45. Rg8 $2 {
    Ein riskanter Gewinnversuch mit zwei weit entfernten Freibauern oder etwa doch
    ein Figurenensteller?} (45. Rb5 Rb6 $11) 45... Ne7 46. Rxg7 Rxd3+ 47. Kc4 Rd7
    48. Rf7 f5 49. Rf6 Kd6 50. Rxh6 Rc7+ 51. Kb3 ({Oder zum Beispiel} 51. Kb5 Rb7+
    52. Kc4 Nd5 53. a5 Rb4+ 54. Kd3 Ra4 55. h4 Rxa5 56. Rg6 Ra2 57. h5 Rh2 58. h6
    Ne7 59. Rf6 Ng8 $19) 51... Nd5 52. Rh8 Rc3+ 53. Kb2 Re3 54. a5 Kc5 55. h4 Rxg3
    56. h5 Rh3 57. h6 Nf6 58. a6 Kb6 59. Rd8 Ne4 {Game over.} 0-1

    Alles wartet auf das Licht
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  2. #2
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    Platz 6 für deutsche Teams

    Die Europameisterschaften sind heute in Reykjavik zu Ende gegangen. Stand nach fünf Runden waren in beiden Wettbewerben führende russische Teams, während Deutschland mit jeweils 7:3 bei den Herren auf Rang 7 und bei den Damen auf Rang 5 lag. Was ist nun in den letzten vier Runden passiert? Und wie agierte der bislang so enttäuschende Magnus Carlsen?

    Die Damen konnten sich nach einer Niederlage gegen Ungarn und mit Siegen über Griechenland und Serbien für den letzten Spieltag den Sprung ans Spitzenbrett erkämpfen, wo die Deutschen gegen die Russinnen natürlich krasser Außenseiter waren. Rußland gewann das Spiel daraufhin mit 3:1, wobei Elisabeth Paetz und Filiz Osmanodja an den Brettern 1 und 2 immerhin einen Achtungserfolg landen konnten. Mit Rußland, Ukraine und Georgien gelangten am Ende drei ehemalige Sowjetrepubliken aufs Treppchen, Deutschland landet am Ende auf Rang 6. Herausragend im Team war die starke Elisabeth Paetz (7/9), während das bisherige Sorgenkind Filiz Osmanodja nach der ersten katastrophalen Turnierphase immerhin noch zwei Punkte beisteuern konnte. Trotzdem war dieses Turnier für die hochtalentierte Medizinstudentin ein Rückschlag, der evtl. auf ihre Doppelbelastung zurückzuführen ist.

    Auch bei den Herren begann der Spieltag nach der Pause mit einer Niederlage, hier zog Deutschland gegen das starke armenische Team um Levon Aronjan mit 1,5:2,5 denkbar knapp den Kürzeren, denn in den Partien war durchaus mehr drin gewesen. Dafür gewann Deutschland in der 7. Runde gegen Tschechien durch einen Sieg von Daniel Friedman gegen Viktor Laznicke (2665 Elo schwer) und Norwegen mit jeweils 2,5:1,5, wobei Dieter-Liviu Nisipeanu gegen Magnus Carlsen ein Remis gelang. Daniel Fridman vergab gegen Tari Arjan zwar den Gewinn nach vorheriger vorbildlicher Spielführung (Partie, siehe Anhang), aber Rainer Buhmann konnte gegen den Außenseiter Johan Salomon (2458) schließlich den entscheidenden Treffer landen.

    Wie bei den Damen führten die beiden Siege in den letzten beiden Runden dazu, daß Deutschland mit einem attraktiven Gegner in der Schlußrunde belohnt wurde. Diesmal war es Aserbaidschan, wo es um ein Haar zum Wiedersehen mit dem zu Aserbaidschan gewechselten ehemaligen Führungsspieler Arkadij Naiditsch gekommen wäre. Aber tatsächlich kam es dann doch nicht zu diesem Aufeinandertreffen, denn Naiditsch, der bislang 5,5/8 beigesteuert hatte, aber in der letzten Runde verlor, wurde zum ersten Mal im Turnier nicht aufgestellt. Stattdessen spielten Dieter-Liviu Nispeanu gegen Shakhriyar Mamedyarov, Georg Meier gegen Teimour Radjabov, Daniel Friedman gegen Rauf Mamedov und Rainer Buhmann gegen Eltaj Safarli. Die Azeris waren nominell an allen Brettern im Vorteil.

    Dieter-Liviu Nisipeanu ließ gegen Shakhriyar Mamedyarov nach der Spanischen Partie im 20. Zug seinen Springer auf g7 einschlagen. Für die Figur erhielt Nisipeanu zwei Bauern und Angriff, den er mit einem weiteren Figurenopfer auf h6 forcierte. Es entwickelte sich eine wilde Partie, in welcher der Aseri eine Figur im richtigen Moment zurückopferte. Bei komplizierter Lage mit Figur gegen drei Bauern aus der Sicht Mamedyarovs gelang es dem Aseri, durch aktives Gegenspiel einen entscheidenden Konterangriff zu initiieren. Ein letzter wütender Einschlag des Deutschen brachte nichts ein, so daß die Partie am Spitzenbrett an die Aseris ging.

    Dafür erreichten Georg Meier und Daniel Friedman in ihren Partien gegen Teimour Radjabov und Rauf Mamedov respektable Ergebnisse, während an Brett 4 die Paarung Buhmann gegen Safarli anstand.

    Ans Brett kam die Tarrasch-Variante mit 3. Sd2 c5, wo Rainer Buhmann, der die schwarzen Steine führte, rasch Ausgleich erzielte. Nachdem Rainer Buhmann im 20. Zug mit seinem Läufer den Sf3 abtauschte und so klaffende Bauernschwächen im weißen Lager hinterließ, spielte Buhmann auf Sieg. Womöglich hätte Eltaj Safarli die Partie aufgrund seines starken Läufers und generell seines aktiven Figurenspiels noch Remis halten können, aber Rainer Buhmann zeigte in der Folge eine beeindruckende Technik, Nervenstärke und Geduld und gewann so verdient den vollen Punkt und ermöglichte Deutschland gegen den Favoriten die Punkteteilung.

    Am Ende erreichte Deutschland mit +5,=2,-2 wie die Damen einen starken 6. Platz, während die Medaillen an Rußland, das damit einen Doppelsieg landen konnte, Armenien und das von Judit Polgar betreute Ungarn gingen. Magnus Carlsen, der sich in diesem Turnier erneut nicht als Teamplayer gezeigt hatte und seine nun schon fast ein Jahr währende Formschwäche beibehielt, erzielte mit 3,5/7 gegen im Schnitt weitaus schwächere Gegner nur eine Performanz von 2670, so daß sein vormals so überwältigender Vorsprung in der Weltrangliste weiter schmilzt. Hat er ein Motivationsproblem, nachdem er in so jungen Jahren bereits alles erreicht hat, laboriert er weiterhin an dem Stavanger-Schock, oder steckt mehr dahinter?

    Partie und Kommentare aus http://de.chessbase.com/post/reykjav...or-doppelsieg:

    [Event "ETCC 2015 Open"]
    [Site "Reykjavik"]
    [Date "2015.11.21"]
    [Round "8"]
    [White "Fridman, Daniel"]
    [Black "Tari, Aryan"]
    [Result "1/2-1/2"]
    [ECO "D85"]
    [WhiteElo "2649"]
    [BlackElo "2521"]
    [PlyCount "82"]
    [EventDate "2015.??.??"]
    [EventCountry "ISL"]
    [WhiteTeam "Germany"]
    [BlackTeam "Norway"]
    [WhiteTeamCountry "GER"]
    [BlackTeamCountry "NOR"]

    1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 d5 4. cxd5 Nxd5 5. Bd2 Bg7 6. e4 Nxc3 7. Bxc3 O-O 8.
    Qd2 c5 9. d5 e6 10. Bc4 Bxc3 11. bxc3 exd5 12. Bxd5 Qf6 13. Nf3 Nc6 14. O-O Bg4
    15. Ng5 Rad8 16. h3 Be6 17. Rad1 h6 18. Nf3 Bxd5 19. exd5 Ne7 20. d6 Nc8 21. d7
    Nb6 22. Qxh6 Qxc3 $2 ({Das kann sich Schwarz nicht leisten. Er musste} 22...
    Rxd7 {spielen und dann behält Weiß nach} 23. Ng5 Qg7 24. Qh4 {wegen der
    latenten Drohungen gegen den schwarzen König eine angenehme Stellung.}) 23.
    Rd4 $1 {[#]Mit diesem schönen Zug versperrt Weiß der schwarzen Dame den
    Rückweg zum gefährdeten Königsflügel und droht vernichtend 24.Sg5. Schwarz
    muss die Dame geben, um das Matt abzuwenden.} Qxd4 24. Nxd4 cxd4 {[#]} 25. Re1
    $2 {Nicht energisch genug.} ({Mit} 25. f4 $1 Rxd7 26. f5 {konnte Weiß den
    Angriff fortsetzen. Die Drohung f6 kostet Schwarz Material - Weiß steht auf
    Gewinn. Nach dem Textzug kann sich Schwarz allmählich konsolidieren.}) 25...
    Nxd7 26. Qg5 Nb6 27. Rd1 Rd5 28. Qg3 Rfd8 {Jetzt hat sich der weiße Angriff
    in Luft aufgelöst und der schwarze d-Freibauer ist so stark, dass Schwarz
    sich ins Remis retten kann.} 29. Qa3 Nc4 30. Qxa7 Nb2 31. Rd2 Nc4 32. Rd1 Nb2
    33. Rb1 d3 34. Qxb7 d2 35. Qxb2 d1=Q+ 36. Rxd1 Rxd1+ 37. Kh2 R1d2 38. Qb6 Ra8
    39. a3 Ra2 40. h4 R2xa3 41. Qf6 R3a6 1/2-1/2


    Partien Deutschland vs. Aserbaidschan (Runde 9e) auf www.chessgames.com:

    [Event "European Team Championship"]
    [Site "Reykjavik ISL"]
    [Date "2015.11.22"]
    [EventDate "2015.11.13"]
    [Round "9.4"]
    [Result "0-1"]
    [White "Liviu Dieter Nisipeanu"]
    [Black "Shakhriyar Mamedyarov"]
    [ECO "C50"]
    [WhiteElo "2683"]
    [BlackElo "2743"]
    [PlyCount "72"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. O-O Nf6 5. d3 d6 6. c3 O-O
    7. Nbd2 a6 8. Bb3 Ba7 9. h3 Re8 10. Re1 Be6 11. Nf1 h6 12. Bc2
    d5 13. exd5 Bxd5 14. Ng3 Qd7 15. b4 Rad8 16. a4 b5 17. axb5
    axb5 18. Nh4 Bb6 19. Nhf5 Ne7 20. Nxg7 Kxg7 21. Rxe5 Ng6
    22. Bxh6+ Kxh6 23. Nf5+ Kh7 24. Qc1 Kg8 25. Qh6 Nh5 26. Rxe8+
    Rxe8 27. Qxh5 Qc6 28. c4 bxc4 29. d4 Be6 30. Ba4 Qa8 31. Nh6+
    Kg7 32. d5 Bd7 33. Nxf7 Bxa4 34. Ra3 Bxf2+ 35. Kxf2 Qa7+
    36. Kf1 c3 0-1

    [Event "European Team Championship"]
    [Site "Reykjavik ISL"]
    [Date "2015.11.22"]
    [EventDate "2015.11.13"]
    [Round "9.4"]
    [Result "0-1"]
    [White "Eltaj Safarli"]
    [Black "Rainer Buhmann"]
    [ECO "C07"]
    [WhiteElo "2657"]
    [BlackElo "2615"]
    [PlyCount "120"]

    1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nd2 c5 4. Ngf3 cxd4 5. Nxd4 Nf6 6. exd5
    Nxd5 7. N2f3 Bb4+ 8. Bd2 O-O 9. c4 Bxd2+ 10. Qxd2 Nf6
    11. O-O-O a6 12. Bd3 Qc7 13. Rhe1 b5 14. Qc3 Bb7 15. Kb1 bxc4
    16. Qxc4 Qxc4 17. Bxc4 Nc6 18. Nxc6 Bxc6 19. Rd6 Be4+ 20. Bd3
    Bxf3 21. gxf3 a5 22. Rc1 g6 23. Rc5 Rfc8 24. Rb5 Ra7 25. a3
    Kg7 26. Rd4 h5 27. h4 Nd7 28. Be4 Rcc7 29. Bc2 Kf6 30. Rf4+
    Ke7 31. Rd4 Rc8 32. Be4 Rcc7 33. Bc2 Rc8 34. Be4 Kf6 35. Rd2
    Ne5 36. Re2 Rd8 37. Ka2 Rd4 38. Rc2 Nc4 39. Re2 Nd6 40. Rb3
    Nf5 41. Rd3 Rxd3 42. Bxd3 Nxh4 43. Re4 g5 44. Ra4 Nxf3 45. Be2
    g4 46. b4 Nd4 47. Bf1 Rc7 48. bxa5 Rc2+ 49. Kb1 Rxf2 50. Ba6
    Nb3 51. Bb7 Nc5 52. Rc4 Nxb7 53. a6 g3 54. axb7 g2 55. b8=Q
    g1=Q+ 56. Rc1 Qg6+ 57. Ka1 Kg7 58. a4 h4 59. Qb6 Qf6+ 60. Kb1
    Qf5+ 0-1

    Weitere Partie:

    [Event "European Team Championship"]
    [Site "Reykjavik ISL"]
    [Date "2015.11.22"]
    [EventDate "2015.11.13"]
    [Round "9.13"]
    [Result "0-1"]
    [White "Yannick Pelletier"]
    [Black "Alexander Beliavsky"]
    [ECO "D45"]
    [WhiteElo "2566"]
    [BlackElo "2622"]
    [PlyCount "78"]

    1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 e6 5. e3 Nbd7 6. Qc2 Bd6
    7. Bd3 O-O 8. O-O dxc4 9. Bxc4 b5 10. Bd3 Bb7 11. Ng5 h6
    12. Nge4 Be7 13. a3 a5 14. Rd1 Qb6 15. Qe2 Nxe4 16. Bxe4 b4
    17. Na4 Qc7 18. axb4 axb4 19. Bd2 c5 20. Bxb7 Qxb7 21. Nxc5
    Nxc5 22. dxc5 Bxc5 23. Rxa8 Rxa8 24. Qc4 Be7 25. Rc1 Qa6
    26. g3 Qd6 27. Be1 g5 28. e4 Bf8 29. Kg2 Qe5 30. b3 Rd8
    31. Qe2 Rd4 32. f3 g4 33. Bf2 gxf3+ 34. Kxf3 Qh5+ 35. g4 Qh3+
    36. Bg3 h5 37. Ke3 Rd8 38. Qb5 Bh6+ 39. g5 Qg2 0-1
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  3. #3
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    AW: Mannschaftseuropameisterschaften in Reykjavik 2015

    Eindrücke aus sporadischen Beobachtungen:

    Die Tendenz, daß im Spitzenschach (nach dem Stand der aktuellen Eröffnungstheorie) häufig frühzeitig die Damen abgetauscht werden, ist ungebrochen.

    Weiterhin investieren etliche Spieler/Spielerinnen nach Ende der vorbereiteten Eröffnungsphase sehr viel Zeit in die nächsten Züge, so daß häufig ab Mitte der 20er nur wenige Minuten plus Inkrement übrigbleiben.
    Und in dieser Phase, die mehr Schnellschachcharakter hat, werden dann die Partien sportlich entschieden. Schachlich geht es dabei dann nicht zu tiefsinnig zu und etliche im Eleichgewicht befindliche Endspiele kippen plötzlich und schnell.
    Irgendwie gefällt mir diese Tendenz nicht, aber in Zweikampfsportarten entscheidet ja häufig, wer weniger Fehler macht und nicht, wer die spektakuläreren Aktionen hat.

    Spitzenschach erscheint immer mehr als Abnutzungskampf mit hohen Ansprüchen an Schachkondition und schnellerer und besserer Auffassungsgabe in der "crunch time" bei wenig Bedenkzeit.

    Spektakuläre Partien gab es auch:

    Liviu-Dieter Nisipeanu lieferte in seiner Schwarzpartie gegen Super-GM David Navara ein Bauernopferfestival, das ich unter Spielern dieses Kalibers noch nie gesehen habe. Reichlich Analysestoff und Testobjekt für "Angie"-Analysen.
    Gefallen hat mir, obwohl ich schachlich eigentlich den Franzosen die Daumen drücke (die sind mit ihrer goldenen Generation reif für den großen Wurf und auch bei der letzten EM nur knapp gescheitert!), auch die Gewinnpartie von Grischuk gegen Fressinets Berliner Mauer.
    Beim Durchklicken ein beindruckender Abriss der schwarzen Befestigung.
    Kombinatorisch nett war natürlich auch der Schlußangriff des sehr erfolgreich für Azerbaidschan spielenden Deutsch-Letten Arkadi Naiditsch gegen den türkischen GM Esen Baris.
    An anderer Stelle hier im Forum habe ich dem ehemaligen deutschen Spitzenspieler viel Glück und Erfolg nach seinem Föderationswechsel gewünscht und freue mich, daß er seine schachliche Stärke auch für seinen neuen Verband eindrucksvoll zeigen konnte.
    Daß die Azeris als Spitzenschach fördernder Verband überraschend hinter dem in der schachlichen Breite aber nicht in der Spitze sehr gut aufgestellten deutschen Schachbund landete, ist sicherlich eine positive Überraschung für den DSB. Es zeigt, daß mit (Halb)Profis und engagiertem Trainerstab immer mal Ausreißer nach oben möglich sind, wenn die Stimmung und der Einsatz im Team da sind.
    Von der europäischen und Weltspitze sind die Mannschaften natürlich ein Stück entfernt und bleiben es normalerweise auch, doch einzelne Achtungspunkte wurden und werden auch in Zukunft gesetzt.
    Im Open (reines Männerteam) wurde unglücklich ein sehr chancenreicher Mannschaftskampf gegen den Titelverteidiger und späteren Zweiten Armenien knapp verloren. Dafür gab es im Eröffnungskampf gegen die Schweiz und insbesondere gegen die starken Tschechen 2 knappe Siege, die auch andersherum hätten ausfallen können. Gegen Tschechien nach den "Zwischenständen" sogar müssen.
    Erfolg und Mißerfolg liegen eben häufig einen nur einen Halbzug auseinander.
    Und wenn die Deutschen nach der psychisch schwierig zu verarbeitenden Niederlage gegen Armenien das Match gegen die Tschechen verloren hätten, dann wäre der beachtliche 5:1-Endspurt mit letzlicher Platzierung über Erwartung ausgefallen.
    Diese Leistung gegen Armenien und Tschechien hat mich wirklich beeindruckt. Nie hätte ich geglaubt, daß das deutsche Team den Armeniern so einen Kampf bieten kann und anderntags trotz kritischer Stellungen nicht einbricht nach dem Motto "Es soll eben nicht sein".

    Daß 3 deutsche Spieler und beinahe auch Spitzenmann "Nisi" (erst in der letzen Partie kassierte er für einen wilden Opferangriff die einzige Null) in einem Mannschaftturnier unbesiegt blieben, ist auch eine Rarität.
    Und dazu noch der eher friedliche (mit Weiß gerne +1, +2 und mit Schwarz gerne x mal 0,5) Daniel Fridman, der unerwartet am meisten Niederlagen (2) erlitt, dafür aber auch mit 3 Siegen für 50% der deutschen Gewinnpartien sorgte und überhaupt interessante Stellungsbilder auf dem Brett hatte.
    Rainer Buhmann (Brett 3/4), wie Meier und Fridman Mannschaftseuropameister 2011, war wohl der sicherste deutsche Spieler, stand nie gefährdet und konnte 2x mal vollstrecken.
    Georg Meier (Brett2) spielte auch sehr sicher gegen noch stärkere Gegnerschaft, konnte aber herausgespielte Vorteile nicht "über die Zeit" retten - blieb sieglos, aber was bei Mannschaftskämpfen neuerer Art zumal an Brett 2 wichtiger ist: er blieb ungeschlagen!
    Sein Endspiel gegen Gabriel Sargissian, einen der erfolgreichsten Spieler dieser EM und besonders stark, wenn er für sein Land spielt, wird in die neuere Schachgeschichte eingehen.
    Nur mit Zeitbonus ausgestattet schaffte es Meier mit Turm, Läufer und Springer gegen Turm und Springer eine Musterstellung aufs Brett zu stellen (vielleicht mit kleinen Hilfen des Armeniers), die eine Gewinnführung zuließ. Leider reichten die Kräfte bei begrenzter Bedenkzeit in dieser Mammutpartie nicht aus. Remis.
    Dennis Wagner bewies, daß die Prinzen in der Nationalmannschaft angekommen sind und noch ankommen werden (Blübaum, Donchenko, evtl. Svane). Eröffnungstechnisch war er bis auf die Partei gegen Stocek voll auf der Höhe und konnte sich vielfach Vorteile erspielen.
    In der Partie gegen Grigorian kam es zu ungewöhnlichen und höchst anspruchsvollen Stellungsbildern, die leider zuviel Kraft, Bedenkzeit und damit den Sieg kosteten (Remis).

    Von den deutschen Damen habe ich ehrlich gesagt keine großen Überraschungen erwartet.
    An Position 7 gesetzt ist der nominelle Abstand zu den führenden Europäerinnen Russland, Georgien, Ukraine sowie den starken Polinnen und Französinnen einfach nach Elo und Altersstruktur zu deutlich.
    Hier galt es die jungen Spielerinnen Osmanodja und Heinemann gut zu etablieren, was zu 75% gelang.
    Josefine Heinemann, erprobt und bewährt von der letzten Jugend-WM, setzte fort, wo sie dort aufgehört hatte und steuerte wichtige Siegpunkte zum Anfang des Turniers bei. Nachher wurde sie von den elo-stärkeren und erfahreneren Spielerinnen der Gegner noch "eingefangen", ohne allerdings schachlich einzubrechen oder zu enttäuschen. Sie hat ihr Potential auch in den Verlustpartien gezeigt.
    Bei Filiz Osmanodja, die ihr Zeitnotprobem nach meiner Beobachtung nach wie vor nicht beherrscht und vielfach in den 20ern schon am Inkrementtropf hängt, hätte das Turnier zu einer Katastrophe werden können. Die junge Griechin Pavlidou lieferte den schon bestellten Audi mit den zweifelhaften Abgaswerten nicht aus, gewährte einen Quallennachlaß und, im Bestreben ihrer Mannschaft das 2:2 gegen die Deutschen zu sichern, überschritt die schachlich zulässigen Grenzwerte im Endspiel Läufer gegen Turm bei beiderseitgen Freibauern.
    Derart zerrupft aus den Qualitätskontrollen der ersten 4 Einsätze entronnen, gelangen Filiz zwar nicht ohne Bangen 2 beachtliche Remis gegen die Serbin Vojinovic (eine der erfolgreichsten Spielerinnen dieser EM) und gegen Großmeister Katerina Lagno, deren Meriten nicht weiter aufgezählt werden müssen.
    Stützen der Mannschaft waren Elli Pähtz und Melli Ohme, wobei Pähtz an 1 noch herausragte, unbesiegt blieb und wohl ihr bisher bestes Ergebnis am Spitzenbrett für Deutschland erzielte.
    Sie gehört auch zu den erfolgreichsten Spielerinnen dieser EM und kann den Schwung hoffentlich mitnehmen und den letzten Schritt zum Großmeister-Titel machen.
    Zoya Schleining paßt von der Spielstärke natürlich in das Team und scheint von den etwas älteren Spitzenspielerinnen (Kachiani-Gersinska, Michna, Melamed) noch die größte Bereitschaft zu haben, für den Schachbund aufzulaufen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Perspektivfrage nicht im Sinne von Namen wie Judith Fuchs, Sarah Hoolt, Maria Schöne, Elena Levushkina entscheidet.
    Ich vermute aber, daß vorgenannte Spielerinnen ebenso wie Mathematikstudentin Hanna Marie Klek Leistungsschach in der Nationalmannschaft weniger mit ihren beruflichen und privaten Verpflichtungen kombinieren können oder wollen.

    Als herausragendes Ergebnis möchte ich noch das 2:2 der österreichischen Damen ohne Eva Moser aber mit Ex-Europameisterin (Mannschaft Batumi 1999) Regina Pokorna (-Theissl) gegen Georgien in der Schlußrunde sowie den exzellenten 9. Platz des Teams in der Endabrechnung erwähnen.
    Das dürfte die höchste Mannschafts-Platzierung österreichischer Schachsportler seit langem gewesen sein.

    (Beste österreichische Platzierung war: 1. Platz Olympiade 1939 mit ein wenig Unterstützung der Deutschen)

  4. #4
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    AW: Mannschaftseuropameisterschaften in Reykjavik 2015

    Zitat Zitat von zugzwang
    Eindrücke aus sporadischen Beobachtungen:

    Die Tendenz, daß im Spitzenschach (nach dem Stand der aktuellen Eröffnungstheorie) häufig frühzeitig die Damen abgetauscht werden, ist ungebrochen.
    Danke für den Hinweis, werde mal bei Spitzenturnieren drauf achten. Liegt vielleicht auch an der Modeeröffnung mit der Berliner Mauer. Aber ich habe irgendwie den Eindruck, daß der Rausch der Vorjahre ein bißchen abgeklungen ist. Von daher ist Hoffnung angesagt.

    Die Partie Navara gegen Nisipeanu war wirklich faszinierend. Im Prinzip sah man bei dem eher als solide geltenden Nisipeanu dieselbe Unternehmungslust, wie er sie später gegen Mamedyarov gezeigt hatte und dafür leider nicht belohnt wurde. Ich denke hier, daß seine Opfer am Damenflügel aus dynamischen Gesichtspunkten begründet sind, man betrachte den unterentwickelten weißen Damenflügel und das schwarze Figurenübergewicht am Königsflügel, wo Nisipeanu unter Opfern themengerecht seine Figuren zusammenballte. Wegen des unterentwickelten Damenflügels hatte Navara es schwer, Truppen zur Verteidigung auf den Königsflügel zu konzentrieren. Aber irgendwie konnte der Tscheche seinen Laden zusammenhalten. Hier ist die Partie:

    [Event "European Team Championship"]
    [Site "Reykjavik ISL"]
    [Date "2015.11.20"]
    [EventDate "2015.11.13"]
    [Round "7.7"]
    [Result "1/2-1/2"]
    [White "David Navara"]
    [Black "Liviu Dieter Nisipeanu"]
    [ECO "A20"]
    [WhiteElo "2730"]
    [BlackElo "2683"]
    [PlyCount "82"]

    1. c4 e5 2. g3 c6 3. Nf3 e4 4. Nd4 d5 5. cxd5 Qxd5 6. Nc2 Nf6
    7. Nc3 Qh5 8. Ne3 Bc5 9. Qc2 Bxe3 10. fxe3 Bf5 11. Bg2 Qg6
    12. Qb3 O-O 13. Qxb7 Nbd7 14. Qxc6 Ne5 15. Qc7 Rfe8 16. O-O
    Rac8 17. Qxa7 Qh5 18. Qa4 Bd7 19. Qd1 Bh3 20. Rxf6 Bxg2
    21. Rf4 Bh3 22. Rh4 Qf5 23. Nxe4 Ng4 24. Rxh3 Rxe4 25. d3 Qf2+
    26. Kh1 Re6 27. e4 Qb6 28. Qg1 Nf2+ 29. Kg2 Nxh3 30. Qxb6 Rxb6
    31. Kxh3 Rc2 32. a4 Rbc6 33. Bf4 Rxb2 34. a5 Rcc2 35. a6 Ra2
    36. Rxa2 Rxa2 37. a7 Rxa7 38. Kg2 Ra2 39. Kf3 Kf8 40. h4 h5
    41. Be5 g6 1/2-1/2

    Ansonsten dürftest Du als Iwantschuk-Fan seine Niederlage gegen Bologan in der letzten Runde mit Bestürzung wahrgenommen haben. Hier verlor er durch einen bösen Patzer im 18. Zug, der selbst für Spieler im 1600er Bereich nicht passieren sollte:

    [Event "European Team Championship"]
    [Site "Reykjavik ISL"]
    [Date "2015.11.22"]
    [EventDate "2015.11.13"]
    [Round "9.5"]
    [Result "1-0"]
    [White "Viktor Bologan"]
    [Black "Vassily Ivanchuk"]
    [ECO "C42"]
    [WhiteElo "2630"]
    [BlackElo "2720"]
    [PlyCount "37"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nf6 3. Nxe5 d6 4. Nf3 Nxe4 5. Nc3 Nxc3 6. dxc3
    Be7 7. Be3 Nc6 8. Qd2 O-O 9. O-O-O Bf5 10. h3 Qd7 11. Bd3 Rae8
    12. Rhe1 Bxd3 13. Qxd3 Bf6 14. Qb5 Qc8 15. g4 a6 16. Qf1 b5
    17. Qg2 Qa8 18. g5 Bd8 19. Nd4 1-0

    Außerdem habe ich noch etwas für Carlsen-Hater. Man betrachte folgendes Bild aus der Begegnung Norwegen gegen Deutschland:



    Folgendes Bild war in einem Schachticker-Artikel zu der Mannschafts-EM in Reykjavik zu sehen. Kommentar dazu von dem für seine Zuneigung zum Norweger bekannten Thomas Richter:

    Die einzige Dame im offenen Turnier(?), Nisipeanu mit seinem Pferdeschwanz, kann man leicht erkennen. Judit Polgar ist ja inaktiv, aber hatte am Ende in neuer Rolle als ungarische Kapitänin ein Erfolgserlebnis. Aber wer ist der flegelhaft stehende Herr? Sieht so ein Weltmeister aus? Naja, Carlsen darf das – egal ob er weltmeisterlich spielt oder nicht.


    Zitat Zitat von zugzwang
    (Beste österreichische Platzierung war: 1. Platz Olympiade 1939 mit ein wenig Unterstützung der Deutschen)
    Nach meinen Informationen waren Paul Michel, Ludwig Engels und Heinrich Reinhardt gebürtige Deutsche, während Erich Eliskases und Delegationsleiter Albert Becker Österreicher waren. Aber natürlich spielt hier auch die Qualität der Spieler eine Rolle. Schach hat eben hier den Vorteil, daß selbst bei Mannschaftswettbewerben immer noch jeder Spieler für sich spielt. Beim Fußball ist es etwa schwerer, zwei völlig unterschiedliche Spielphilosophien unter einen Hut zu bekommen. Nach dem Anschluß Österreichs fiel das „Großdeutsche Reich“ im Fußball zurück, anstatt an Kräften dazuzugewinnen, Höhepunkte die 0:2-Niederlage gegen Norwegen im Olympischen Fußballturnier 1936 im Viertelfinale vor den Augen des „Führers“ und 55.000 Zuschauern im Berliner Poststadion, und das frühe Aus gegen die Schweiz bei der Fußball-WM 1938. In Spanien, wo der Nationaltrainer angesichts der unterschiedlichen Philosophien der beiden Übermannschaften Barca und Real immer vor ähnlichen Aufgaben stand, zeigten sich ähnliche Probleme. So mußte das spanische Nationalteam bis zur EM 2008 warten, bis der erste Titel heraussprang (dann aber gab es bekanntlich drei in Folge).

    Ansonsten danke für die vielen Eindrücke aus diesem Turnier. Ich selbst habe hier bei weitem nicht so viele Spiele verfolgt, so daß ich froh bin, wenn hier im Forum aus erster Hand berichtet werden kann.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  5. #5
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    AW: Mannschaftseuropameisterschaften in Reykjavik 2015

    Zu Ivanchuk:

    Patzer auf Amateurlevel passieren GM eben ab und zu, aber aus anderen Gründen als beim Amateur.
    Nur eben recht selten, dazu meistens unter Druck gegen andere starke Spieler und höchst selten gegen "Patzer".
    Chucky hat bei diesem Zug laut chessbomb gar nicht nachgedacht, sondern sofort gezogen. Er hat g4-g5 wohl erwartet und sich darauf vorbereitet.
    Daß 18. ... Ld8 zu einer LPDO-Situation der sD führt, ist nach dem Partieverlauf ungewöhnlich und recht selten ist es auch, daß eine Figur im recht frühen Partiestadium von der Dame an eine Dame gefesselt wird.
    Amateure könnten in der Stellung tatsächlich wachsamer als der Profi sein, der die profanen Dinge über die anderen Stellungsprobleme eben vergißt.
    So ein Typ ist leider Chucky, vergißt die tickende Uhr und anderes.
    Im Turnier hatte Chucky die letzten Partien irgendwie mit einer leichten Interessenlosigkeit gespielt, so wirkte es auf mich. Gegen Leko z.B. für seine verhältnisse sehr schnell und ohne Schaffung von Komplikationen, allerdings mit Schwarz.


    Zu Österreich 1939:

    Der Delegationsleister Becker spielte damals selbst tüchtig mit. Ist also anders als heute. Er erzielte 7,5 aus 12 (63%).
    1. Brett Eliskases (Ö) 9,5 aus 14 (68%)
    2. Brett Paul (Pablo) Michel 8,5 aus 14 (61%)
    3. Brett Ludwig engels 14/16 (!) (88%)
    4. Brett Becker (Ö)
    5. Brett Reinhardt 6,5/12 (54%)

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