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Thema: Zur Synthese von Positions- und Kombinationsspiel

  1. #1
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    Zur Synthese von Positions- und Kombinationsspiel

    Bekanntlich bietet sich nach gelungenem und stärkerem Positionsspiel als das des Gegners, quasi als Belohnung, eine Chance in Form eines taktischen Schlages bishin zur Kombination. Wie wichtig es ist, diese Chance zu nutzen, darüber hat schon der erste Schachweltmeister Wilhelm Steinitz aufgeklärt, der gesagt hat, wenn man einen Vorteil hat und nicht entschlossen handelt, dann verfliegt der Vorteil wieder.

    Wie oft haben wir es nicht selbst schon gehabt. Wir haben uns einen großen Stellungsvorteil erspielt, aber irgendwie finden wir den Knock-out nicht und lassen diese Gelegenheit verstreichen, nun schwindet die Initiative und der Gegner, der sich befreit hat, kommt wieder zum Zug. Oft verlieren wir diese Partie sogar noch, weil die Umstellung von Angriff auf Verteidigung den meisten schwerfällt. Später, wenn wir wieder zuhause sind und Fritz oder eine andere Engine eingeschaltet haben, sehen wir dann voller Entsetzen, daß es in unserer Angriffsphase eine tolle Möglichkeit gab, wie wir das Match hätten für uns entscheiden können.

    Die Lehre von Steinitz ist also wahr, und als Konsequenz können wir nur versuchen, unsere Möglichkeiten in solchen Phasen zu erkennen, denn sonst war die ganze Vorarbeit für die Katz und derjenige, der erst nur noch reagieren konnte und nichts vom Spiel gehabt hatte, kassiert am Ende den Punkt. Auch gezieltes Taktiktraining könnte helfen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Denn sich eine überlegene Stellung herausgespielt zu haben, ist das eine. Das andere aber ist sie zu verwerten. Beides sind die Seiten derselben Medaille.
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  2. #2
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    AW: Zur Synthese von Positions- und Kombinationsspiel

    Mir fällt ein, daß ich zur Lehre von Steinitz, wenn man seine Chancen nicht nutzt, der Vorteil wieder verfliegt, eine wunderbar passende Partie aus meinem eigenen Schaffen habe, und zwar vom Paderborner Schachtürkencup von Ende 2006:

    [Event "Paderborn"]
    [Site "Wuppertal"]
    [Date "2007.01.04"]
    [Round "?"]
    [White "Kiffing 1630"]
    [Black "Gegner 1703"]
    [Result "1/2-1/2"]
    [ECO "B33"]
    [WhiteElo "1609"]
    [BlackElo "1703"]
    [PlyCount "55"]
    [EventDate "2007.??.??"]

    1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 e5 6. Ndb5 d6 7. Bg5 a6 8.
    Na3 b5 9. Nd5 Be7 10. Bxf6 Bxf6 11. c3 O-O 12. Nc2 Bg5 13. Nce3 Bxe3 14. Nxe3
    Ne7 15. Bd3 g6 16. a4 bxa4 17. Bc4 Rb8 18. Qe2 Bb7 19. f3 d5 20. exd5 Qb6 21.
    Rxa4 Rfd8 22. Rb4 Qa5 23. Ng4 Nxd5 24. Bxd5 Bxd5 25. Rxb8 Rxb8 26. Nf6+ Kg7 27.
    Nxd5 Qxd5 28. O-O 1/2-1/2



    Es geht nicht darum, daß man gegen den Sweschnikov-Sizilianer 13. Sce3 noch verzögert, wie mich mein Gegner nach der Partie aufklärte. Das war eine Feinheit, die mir damals noch nicht vertraut gewesen ist. Es geht um den 27. Zug:



    Hier gewinnt das wunderschöne Turmopfer 27. Dxe5!! Schwarz ist in allen Varianten verloren, etwa: 27. Dxe5!! Da1+ 28. Kf2 Txb2 + 29. Ke3! (29. Kg3?? läßt nach ...Dxh1 ein Schach auf g3 zu, verliert also ein entscheidendes Tempo) Dxh1 30. Sh5+ Kh6 31. Df4+ g5 (31. ...Kxh5 32. g4 Kh4 33. Dh6#) 32. Df6+ Kxh5 33. g4 Kh4 34. Dh6#

    Noch viel schlimmer ist, daß ich das Motiv durchaus gesehen hatte, mich aber dann doch der Mut dazu verließ. Sicherlich sind die Varianten schwer zu finden. Aber heute weiß ich, daß man solche Opfer auch intuitiv machen kann, wenn man ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterrechnen kann. Da sollte schon soviel Vertrauen in die Stellung drin, die hier einfach nach diesem Opfer schreit.

    Das Ende vom Lied war, daß die Partie nach 27. Sxd5?? schnell Remis wurde. Weil ich meine taktische Chance nach gutem und dynamischem Mittelspiel nicht nutzte, verflog der Vorteil wieder, und die gute Vorarbeit war für die Katz. Macht ihr es besser!
    Alles wartet auf das Licht
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