Kurz nach der Verhängung von US-Sanktionen wegen angeblicher Beteiligung des Kalmücken an Geschäften in Syrien, war FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow bekanntlich - für mich überraschend - zurückgetreten. Wie geht es nun weiter mit der FIDE und in dem Machtkampf der US-Regierung mit Iljumschinow?

Zunächst einmal handelt es sich bei der Reaktion Iljumschinows strenggenommen um keinen Rücktritt. Iljumschinow selbst hat seine Ämter ruhen lassen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt seien. Gleichzeitig hat er angekündigt, die USA auf 50 Milliarden US-Dollar Schmerzensgeld zu verklagen und bezeichnet die Anschuldigungen als „Fehler oder Provokation“.

Was bedeutet dies nun für die FIDE? Zunächst einmal ist noch ungewiß, wie es mit Iljumschinow innerhalb der FIDE weitergeht. Die FIDE ist, vor allem mit Blick auf die Außendarstellung, geschwächt. Die Reaktion Iljumschinows erleichtert allerdings der FIDE die Vorbereitungen für die kommende Schach-WM in den USA, weil die Vertreter der FIDE nun unbelasteter in die Gespräche mit Vertretern US-amerikanischer Politiker und Vertretern der USCF einsteigen können, und auch die dafür notwendigen Reisen in die USA selbst sollten nun kein Hindernis mehr darstellen.

Gleichzeitig rückt mit dem Griechen Georgios Makropoulos ein Mann in den Fokus, der innerhalb der FIDE als enger Vertrauter Iljumschinows gilt und nach dem „provisorischen Rücktritt“ Iljumschinows als de-facto-Präsident der FIDE auftreten kann, bis durch Wahlen, in denen Makropoulos durchaus seine Chancen besitzt, innerhalb der FIDE klare Verhältnisse geschaffen werden können. Georgios Makropoulos ist ein Funktionär, der aus dem Sport selbst kommt, da er vor seinem Engagement bei der FIDE zu den stärksten griechischen Spielern zählte und es bis zum Internationalen Meister brachte. Seit 1986 bekleidet er, unterbrochen durch ein Intermezzo als FIDE-Generalsekretär, das Amt des FIDE-Vizepräsidenten, das er ununterbrochen seit 1996 inne hat. Das Präsidentenamt wäre für ihn also der letzte logische Schritt in seiner Funktionärskarriere. Makropoulos ist in Deutschland noch im Gedächtnis durch sein bärbeißiges Auftreten gegen den DSB und seinem damaligen Präsidenten Robert von Weizsäcker, der wiederum in Deutschland bekannt ist durch seine auch international wahrgenommene von ihm angestoßene Schachdebatte, Magnus Carlsen sei in der Schachwelt nicht der beste Schachspieler, sondern „nur“ der beste Sportler, und er spiele zudem seelenloses Schach. 2010 hatte der DSB unter Weizsäcker noch einen Oppositionskurs gegen die FIDE gefahren und Iljumschinows damaligen Gegenkandidaten Anatoli Karpov unterstützt. Bei der FIDE-Vollversammlung in der russischen Schachhochburg Chanti-Mansijsk habe Weizsäcker nach dem Schachjournalisten Stefan Löffler auf die Angriffe Makropoulos nicht antworten dürfen. Makropoulos habe ihm das Wort entzogen und aufgrund eines Schwächeanfalls (!) des DSB-Präsidenten, der für die weitere Sitzung ausfiel, nachgelegt, bei einem Träumer, der Karpovs Lügen glaube, sei nichts anderes zu erwarten, als daß er schwach auf den Beinen sei.

Georgios Makropoulos war also der Mann fürs Grobe für den eher smart auftretenden und auf ein System von Abhängigkeiten und Gefälligkeiten setzenden Kalmücken. Sein Auftreten in Chanti-Mansijsk weist ihn somit als Machtmensch der eher klassischen Sorte aus, und es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, daß solch ein Mensch seine Chance nutzt und eine Schwächephase des ersten Mannes dahingehend ausnutzt, ihn von seiner Position zu verdrängen. Das hat schon Stalin mit Lenin gemacht. Von daher ist meine Prognose die, daß Makropoulos Iljumschinow gar nicht erst die Gelegenheit bieten wird, zu einem Zeitpunkt, den Iljumschinow selbst bestimmen möchte, an die Spitze zurückzukehren, so daß er ihn fortan von der Macht fernhalten wird, um nicht nur de facto, sondern auch de jure FIDE-Präsident zu werden. Das Weltschach käme so vom Regen in die Traufe, so daß der Rücktritt Iljumschinows auch für den bekennenden Gegner des Kalmücken und Kasparov-Mitstreiters Nigel Short kein Anlaß dafür sei, die Sektkorken knallen zu lassen. Wie denkt ihr darüber, und was sind eure Prognosen bezüglich der weiteren Entwicklung des Weltschachverbandes?