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Thema: Als Lasker seinen Titel verlor - Schach-WM 1921 in Havanna

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    Als Lasker seinen Titel verlor - Schach-WM 1921 in Havanna



    1921 war ein Weltmeisterschaftskampf überfällig, die Schachwelt lechzte geradezu danach. Elf Jahre hatte es nach Laskers klarem Sieg beim WM-Kampf gegen David Janowski in Berlin, der bei drei Remisen mit der Höchststrafe von 0:8 (!) aus Sicht des Polen endete, keinen Weltmeisterschaftskampf mehr gegeben. Dabei war diese Epoche aus schachlicher Sicht eine günstige Epoche gewesen. Mit Capablanca, Aljechin und Rubinstein traten junge Spieler mit dem ganz besonderen Talent auf, welche die Schachwelt gern in einem WM-Duell gegen Lasker gesehen hätte. Mit Breyer, Reti und Nimzowitsch traten ausgewiesene Theoretiker auf, welche mit ihren hypermodernen Ideen das Schachspiel von Grund auf revolutionierten und das Schachspiel damit in ähnlicher Weise veränderten, wie dies Wilhelm Steinitz und Siegbert Tarrasch eine Generation zuvor getan hatten. Auch Nimzowitsch und Reti, die überdies auch praktisch ausgezeichnete Spieler gewesen waren, wären in einem WM-Match gern gesehene Spieler gewesen, deren WM-Kämpfe für die schachliche Entwicklung produktiv gewesen wären.

    Der Erste Weltkrieg ist sicherlich ein Grund für diese lange Flaute gewesen. Er hatte das internationale Schachleben nahezu vollständig lahmgelegt, und die deutschen Behörden hatten beim Schachturnier in Mannheim 1914 die russischen Spieler rund um Aljechin und Bogoljubow als mögliche „Spione“ interniert, was im Falle von Aljechin dazu führte, daß dieser in den Jahren von Gefangenschaft, Kriegsteilnahme auf russischer Seite im Roten Kreuz und den Wirren von Revolution und Bürgerkrieg erst nach seiner geglückten Flucht aus Rußland 1921 wieder aktiv im Weltschach eingreifen konnte. Auf Vorschlag des Berliner Schachverlegers Bernhard Kagan, der mit zwei Viererturnieren in Deutschland der schachlichen Dürrezeit entgegengewirkt hatte, hatte Aljechin das Büchlein Das Schachleben in Sowjet-Russland herausgegeben und dort über seine Erlebnisse im revolutionären Rußland berichtet. Aljechin firmierte damals übrigens noch als Alexander „von Aljechin“. Den Adelstitel hatte Aljechin später abgelegt.

    Aber der Erste Weltkrieg war dafür nicht der einzige Grund. Was die Motivation von Emanuel Lasker anging, seinen WM-Titel zu verteidigen, so hatte Harold C. Schonberg daran kein gutes Haar gelassen. Zwar sollten bei den drastischen Aussagen Schonbergs, dessen Hang zur Dramatisierung unverkennbar ist, und der, was Schachhistoriker angeht, darin wohl nur von Jacques Hannak übertroffen wird, tendenziell Abstriche gemacht werden. Trotzdem liest sich die Anklage gegen Lasker auch so gewaltig, der die „erhofften Wettkämpfe“ gegen Rubinstein und Capablanca „immer wieder verschoben“ habe, „bis der Krieg ausbrach“, und der eine „Ausrede nach der anderen“ gefunden und „nie dagewesene Bedingungen“ gestellt habe, um „einem Match gegen den Kubaner aus dem Weg zu gehen“, der ihn schon seit 1909 „mit der Forderung nach einem Titelkampf“ „verfolgt“ habe (Harold C. Schonberg, die Großmeister des Schach, Fischer-Verlag 1974, S. 129).

    Tatsächlich hatte Lasker Capablanca auf dessen Forderungen nach dessen Sieg in San Sebastian 1911 einen 17 Punkte umfassenden Forderungskatalog gestellt, von denen der Kubaner nur den Passus akzeptierte, der Herausforderer habe für den Preisfond von 10.000 US-Dollar aufzukommen (für den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Akiba Rubinstein bedeutete der von Lasker diktierte Preisfond aber ein nicht zu bewältigendes Hindernis). Der Rest, den der junge Kubaner nicht akzeptieren konnte, umfaßte dabei in der Tat eine von Schonberg so bezeichnete „nie dagewesene“, und ich möchte hinzufügen, nie wieder vorgekommene Bedingung, um den Weltmeister zu stürzen, habe der Herausforderer den Weltmeister mit mindestens zwei Punkten Differenz besiegen müssen. Der darauffolgende Streit beider Spieler konnte erst beim „Großmeisterturnier“ in St. Petersburg 1914 beigelegt werden, aber der Erste Weltkrieg verhinderte darauf ein Kräftemessen der beiden Spieler.

    Jose Raul Capablanca schien der logische Herausforderer von Emanuel Lasker zu sein. Akiba Rubinstein, der bereits sieben Jahre älter als der Kubaner war, hatte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwar mehr Erfolge als dieser vorzuweisen gehabt. In der Schachwelt wurde diese „rätselhafte Krankheit“, unter der Rubinstein zunehmend litt, und die seinen Geist mehr und mehr zersetzte, ohne daß der Pole etwas dagegen tun konnte, aber immer augenfälliger, und natürlich behinderte diese Krankheit auch dessen Karriere, der bereits nach dem Ersten Weltkrieg kaum noch an seine vergangenen Erfolge anknüpfen konnte. Und auch den beiden hypermodernen Theoretikern Reti und Nimzowitsch war Capablanca im praktischen Spiel überlegen. 1909 hatte Capablanca aktiv und erfolgreich am amerikanischen Schachleben teilgenommen und den US-amerikanischen Vorkämpfer Frank Marshall mit einem 8:1 bei 14 Remisen in ähnlicher Weise zertrümmert wie dies Tarrasch und Lasker getan hatten. Schon 1909 sah Emanuel Lasker in Capablanca einen zukünftigen Konkurrenten, der in den USA den schmückenden Beinamen des amerikanischen Morphys erhalten hatte (s. Garri Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 2, Edition Olms 2004, S. 22).

    Garri Kasparov hatte geschrieben, der Zweite Weltkrieg habe für Michail Botwinnik später dieselbe Rolle wie der Erste Weltkrieg für Jose Raul Capablanca gespielt, nämlich ihm den Weg zum „Thron“ freizuräumen (Garri Kasparov, Meine großen Vorkämpfer, Band 3, Edition Olms 2004, S- 9). Denn während die europäischen Meister sich um ihr Überleben kümmern mußten, wie Carl Schlechter verhungerten, wie Akiba Rubinstein verzweifelten, wie Aljechin und Bogoljubow in alle Winde verstreut wurden, wie Emanuel Lasker, der wie viele Deutsche seiner Zeit aus patriotischen Gründen in deutsche Kriegsanleihen investiert hatte, verarmten, und die generell kaum noch zu einer praktischen Ausübung ihrer Kunst kamen, war das bei dem Kubaner anders. Schließlich blieb Amerika von der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, so wie zahlreiche Historiker den Ersten Weltkrieg einordnen, weitgehend unberührt, so daß das Schachleben intakt blieb und Capablanca sich im Gegensatz zu den europäischen Meistern weiter entwickeln konnte. So gewann Capablanca während des Ersten Weltkriegs drei Schachturniere in New York und konnte sich 1919 in Hastings beim ersten internationen Nachkriegsturnier, allerdings bei schwacher Konkurrenz, souverän mit 10,5/11 durchsetzen.

    So nahm der Druck auf Emanuel Lasker zu, der 1918 immerhin schon seinen 50. Geburtstag erlebte, einem Wettkampf mit dem Kubaner nicht länger auszuweichen, und natürlich hatte Capablana in Amerika und dort speziell in Kuba zahlreiche Unterstützer. Für Capablanca und seine Unterstützer sprach die Tatsache, daß Emanuel Lasker nach der deutschen Kapitulation und dem damit verbundenen Verlust seiner Kriegsanleihen, auch in Anbetracht der chaotischen Nachkriegsverhältnisse in Deutschland, zusätzliche Gelder gut gebrauchen konnte. Dem widersprach zwar auf dem ersten Blick die Ankündigung Laskers mitten in den Verhandlungen mit Capablanca über die WM-Modalitäten, auf den WM-Titel kampflos zugunsten des Kubaners zu verzichten. Doch scheint dies in erster Linie ein taktischer Zug gewesen zu sein, um die erschreckten Förderer des so heißersehnten WM-Kampfes zu weiteren, vor allem finanziellen Anstrengungen zu bewegen. Harold C. Schonberg verglich Laskers Verzicht auf den Titel mit einer platzenden Bombe (Schonberg, S. 130), und Lasker erreichte auch, daß der sichtlich erschreckte Capablanca sich insgesamt dreimal nach Den Haag begab, um die schwierigen Verhandlungen mit Lasker weiterzuführen und den WM-Kampf zu retten (vgl. André Schulz, Das große Buch der Schachweltmeisterschaften, New in Chess 2015, S. 72). So gelang es Lasker am Ende, die Börse für den WM-Kampf auf den bisherigen Rekord von 20.000 Dollar hochzutreiben, von der er sich, unabhängig vom Ergebnis, mit 11.000 Dollar den Löwenanteil sichern konnte (Schulz, f.). Nach der 5. Runde des WM-Kampfes gab es für die Spieler noch einmal einen warmen Geldregen, denn das kubanische Tourismusbüro hatte die Börse noch einmal um 5.000 Dollar aufgestockt, von denen 3.000 Dollar für den Sieger bestimmt waren (ebd.). Zudem konnte Capablanca neben dem Zustandekommen des WM-Kampfes erreichen, daß das von Lasker 1911 geforderte WM-Privileg, der Herausforderer müsse, um Weltmeister zu bleiben, zwei Partien mehr gewinnen als der Titelverteidiger, fallengelassen wurde. Interessanterweise sah Lasker sich aufgrund der Dominanz seines kubanischen Rivalen bei dieser WM nicht als Titelverteidiger, sondern als Herausforderer. Er war also selbst der Ansicht, Capablanca habe ihn hinsichtlich der Spielstärke bereits überholt. Auch der Austragungsort, die kubanische Hauptstadt Havanna, war für Capablanca ein Erfolg in den Verhandlungen. Emanuel Lasker, der ob der Wahl des Spielortes, „im Heimatland des Gegners, im subtropischen Havanna“, (Kasparov, Band 2, S. 56) durchaus sein Mißbilligen ausgedrückt hatte, mußte letztendlich diese Kröte schlucken, da es schließlich kubanische Geldgeber gewesen waren, welche die bis dahin höchste Börse bei Weltmeisterschaftskämpfen garantieren konnten. Die Weltmeisterschaft sollte am Ende der Verhandlungen auf 24 Partien angesetzt werden und im Jahre 1921 stattfinden. Falls ein Spieler vor diesem Limit auf acht Siege gekommen wäre, so sollte er vorzeitig den WM-Titel errungen haben.

    Letztendlich wurde der Wettkampf eine klare Sache und bestätigte der Schachwelt die neue Rangordnung in der Schachwelt. Nach vierzehn Partien und vier Siegen Capablancas gab Emanuel Lasker auf, gratulierte Capablanca und würdigte ihn mit den Worten, die zudem noch den Glanz des heute untergegangenen, an die Antike ausgerichteten Bildungsbürgertums erkennen lassen:

    Obwohl mir dieser Wettkampf mehr Schwierigkeiten bereitete als jeder andere, war er für mich dennoch schachlich ein Genuss. Das Spiel Capablancas stellte mir echte Aufgaben. Seine Partien sind klar, logisch und kraftvoll. In ihnen gibt es nichts Undurchsichtiges, Gekünsteltes oder Aufgepropftes. Capablanca ist kein Liebhaber verworrener Situationen oder waghalsiger Abenteuer. Er will stets im voraus wissen, wohin ihn das Spiel bringen wird. Die Tiefe seines Spiels ähnelt der Tiefe eines Mathematikers und nicht der eines Dichters. Er hat die Seele eines Römers, nicht die eines Griechen. Ich denke nicht, dass Capablanca den idealen Schachspieler verkörpert, doch er hat den Weltmeistertitel wahrlich verdient. Sein Spiel überrascht durch seine Logik. Er ist in harter Arbeit an sich selbst entstanden, er ist geschmiedete Zweckmäßigkeit [...].
    Als Steinitz gegen mich die letzte Wettkampfpartie verloren hatte, stand er auf und sagte: „Ein dreifaches Hurra dem neuen Weltmeister!“ Diese Worte haben mich damals tief ergriffen. Es ist mir eine Ehrenpflicht, mich jetzt mit den gleichen Worten an die Schachwelt zu wenden.
    Kasparov, S. 68

    Emanuel Lasker erkannte aber nicht nur die Qualitäten seines Gegners an, sondern gab auch dem Klima in Kuba eine Mitschuld an seiner Niederlage. Wiewohl dieses Lamento an die typischen Ausreden von Schachmeistern nach verlorenen Partien erinnert (Schonberg: „es hat noch kein gesunder Spieler eine Schachpartie verloren“), und dort speziell an die Klimaausrede von Siegbert Tarrasch gegen Lasker bei der ersten Partiephase der Schach-WM 1908 in Düsseldorf ob des ihm nicht bekommenden „Meeresklimas“, so war Laskers Klage in diesem Fall realistischer. Kasparov verweist darauf, daß Lasker das „tropisch-feuchte Klima“ „zusehends zu schaffen machte“, und Lasker „seine wahren Stärken einfach nicht ausspielen“ konnte (Kasparov, S. 60). Er verweist auf die zahlreichen Fehler und Ungenauigkeiten Laskers am Ende zahlreicher Partien, von denen der Springereinsteller am Ende der 5. Partie nur die Spitze des Eisberges gewesen war. Zudem geschah seine Aufgabe nachweislich „auf Anraten seines Arztes“ (ebd. S. 67), Lasker zur Begründung:

    Kurz vor Ablauf der festgelegten Zeitkontrolle fühlte ich mich sehr erschöpft und durch einige klare Fehler machte ich meinen strategischen Plan völlig zunichte. [...] Das Schachbrett schien hinter einem dicken Nebelvorhang verborgen und ich hatte entsetzliche Kopfschmerzen. Mein Körper sandte klare Warnsignale aus, und ich nahm sie sehr ernst.
    Ebd. f.

    Bis heute ist diese Schach-WM die einzige gewesen, in der ein Spieler vorzeitig aufgegeben hatte. Und bis zur „Schach-WM“ 2000 in London zwischen Kasparov und den von ihm ausgesuchten Wladimir Kramnik (eigentlich hatte sich Alexei Shirow für die Herausforderung qualifiziert) war es die einzige Schach-WM gewesen, in der dem Titelverteidiger gegen den Herausforderer nicht eine Gewinnpartie gelang. Und noch eine andere Bedeutung hat diese Schachweltmeisterschaft, weil beide Spieler ein Copyrightrecht ihrer Partien durchsetzen wollten. Das Ansinnen scheiterte aber an der normativen Kraft des Faktischen, Kasparov lakonisch: „Doch hielt sich niemand an diese Festlegung“. (ebd. S. 56)

    Capablanca nahm seinem Gegner die Beschwerde über das Klima übel. Noch während des Konflikts zwischen Emanuel Lasker und dem Organisator der Schachturniere in New York von 1924 und 1927 Norbert Lederer, weil Lasker 1924 während seiner Niederlage gegen Capablanca (trotzdem gewann Lasker das Turnier) durch eine parallel laufende Schachuhr 15 Minuten verlorengegangen seien, und der dazu führte, daß Lasker am Nachfolgeturnier in New York 1927 auf seine Teilnahme verzichtete, hatte Capablanca zugunsten Lederers in den Streit eingegriffen und in seiner Beschwerde über seinen WM-Vorgänger, die er über eine Presseerklärung verlauten ließ, Bezug auf Laskers „Ausflüchte“ von 1921 genommen:

    Zweimal seit 1921 habe ich mich gegen ungerechtfertigte Angriffe von Seiten Dr. Laskers verteidigen müssen und habe daraufhin über Jahre hinweg nicht mehr mit ihm gesprochen ... Es scheint, als versuche Dr. Lasker jedesmal, wenn er eine Partie gegen mich verliert, eine Ausrede zu finden. In Havanna war es die selbst in diesen Breiten nie dagewesene Hitze, ganz zu schweigen von der Verpflegung und sogar der Sonne, obwohl wir nachts spielten. In New York diente ihm die Uhr als Ausrede. Zweifellos fände er, wenn wir woanders spielen würden, das Wetter zu kalt. Man könnte meinen, Dr. Lasker sei nach dem Verlust der Schachweltmeisterschaft darauf aus, einen anderen Titel zu erringen. Wenn er so weitermacht, wird er sehr bald Weltmeister im Erfinden von Ausreden, wenn er es nicht schon ist.
    Schonberg, S. 133

    Die Schachweltmeisterschaft von 1921 markiert das Ende einer Ära, denn Emanuel Lasker hatte bekanntlich, allerdings auch mit Hilfe seiner Mauertaktik in Bezug auf mögliche Herausforderer, 27 Jahre seinen Weltmeistertitel behauptet. Insgesamt wurde die Entwicklung des Schachs nach Capablancas Titelgewinn schnelllebiger. Hatte Laskers Vorgänger Wilhelm Steinitz noch durch eine Serie von 26 gewonnenen Zweikämpfen seit 1866 in Folge 28 Jahre seine Spitzenstellung in der Welt behauptet, während Emanuel Lasker daraufhin 27 Jahre den WM-Titel in den Händen hielt, so konnte Jose Raul Capablanca trotz günstigster Voraussetzungen, eine ähnliche Ära wie Steinitz und Lasker zu markieren, sich nur sechs Jahre seines WM-Titels erfreuen, da er seinen Titel 1927 in Buenos Aires an Alexander Aljechin abtreten mußte.

    Jose Raul Capablanca, der zwischen 1916 und 1924 keine einzige Partie verloren hatte und bereits über den Kampfnamen der Schachmaschine verfügte, besaß auf dem Gipfel seines Könners eine Ausstrahlung, die Schonberg mit der von Robert Fischer einige Jahrzehnte später verglich:

    Anfang der siebziger Jahre ist viel von der „Furcht vor Fischer“ geschrieben worden, doch dieses Phänomen ist nicht neu; vor einem halben Jahrhundert schrieb man ebenso viel über die Furcht, die Capablancas Gegner lähmte. Dem Kubaner ging der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus; er strahlte etwas aus, dem sich niemand entziehen konnte, und selbst die stärksten Spielern der Welt beschlich ein schreckliches Gefühl der Minderwertigkeit und Unzugänglichkeit, wenn sie sich ihm gegenübersetzten. Sie kamen sich vor wie behext. Ohne klar erkennbare Fehler zu machen, gerieten sie langsam aber sicher in Nachteil. Die Partien aller anderen Spieler waren voller Dynamik, kampferfüllt und von harter Arbeit geprägt. Capablancas Partien wirkten undramatisch, mühelos und sahen verführend einfach aus. Wie er das machte, darüber rätselte man vergebens.
    Schonberg, S. 164

    Doch konnte Capablanca die Spannung, die notwendig gewesen wäre, sein hohes Spielniveau zu erhalten, auf die Veränderungen im Turnierschach einzustellen und weiter auszubauen, nicht mehr halten, als er mit dem Weltmeistertitel und der unangefochtenen Stellung als Nummer eins der Schachwelt sein großes Ziel erreicht hatte, auf das er in früher Jugend hingearbeitet und deswegen auch sein Studium frühzeitig aufgegeben hatte. Gerd Treppner und Helmut Pfleger fassen die schleichenden Verschlechterungen in Capablancas Stil zusammen, der zwar noch einmal 1922 in London in glänzendem Stil gewinnen konnte, dafür aber bereits in New York 1924 und Moskau 1925 den Turniersieg verfehlte und insgesamt drei Niederlagen in beiden Turnieren bezog, was für seine Verhältnisse ungewohnt viel gewesen war:

    Mit seinem Schachstil ging eine ungünstige Veränderung vor sich. Er wich immer mehr Komplikationen aus, übertrieb das Vereinfachungsspiel und schreckte vor schnellen Remisen mit starken Gegnern nicht zurück, in der Hoffnung, dank seiner Technik durch eine hohe Erfolgsquote gegen die Schwächeren genug Punkte zu machen. Aljechin kritisierte später mit Recht, daß diese Bequemlichkeit allmählich Capablancas „lebendigen Geist tötete“, den er früher bewiesen hatte.
    Pfleger/Treppner, Brett vorm Kopf, Leben und Züge der Schachweltmeister, Beck´sche Reihe, München 1994, S. 114

    Die Niederlage 1927 gegen Aljechin, an den er den Weltmeistertitel verlor, erschütterte Capablanca aufs Mark und war für ihn ein ernster Warnschuß, daß Erfolge im Schach unter den Besten der Welt keine Selbstläufer sind, und er reagierte darauf durch eine im Vergleich zu seiner Zeit als Weltmeister wesentlich höhere Frequenz an Turnierteilnahmen und die in dieser Zeit vernachlässigte Auseinandersetzung mit den Entwicklungen im Weltschach und dort im Speziellen mit den Ideen der Hypermodernen. Als Weltmeister hatte er in London 1922 in Sitzungen mit den Turnierteilnehmern die in die Schachgeschichte als Londoner Vereinbarungen eingegangenen Regularien für die Herausforderung des Weltmeisters durchgesetzt. Die Londoner Vereinbarungen berührten organisatorische Fragen, Fragen rund um den Modus, wobei Capablanca die Lösung bevorzugte, Weltmeister wird, wer sechs Spiele in dem Weltmeisterschaftskampf gewonnen hat, aber auch Fragen rund um den Preisfond, für den der Herausforderer aufzukommen habe. Die Durchsetzung der Bestimmung, der Herausforderer habe sich um den Preisfond in Höhe von 10.000 Dollar zu kümmern, erwies sich für Capablanca als Boomerang. Zudem verärgerte er den neuen Weltmeister damit, dessen Sieg, den Aljechin immerhin buchstabengetreu nach den von Capablanca durchgesetzten Londoner Vereinbarungen errungen hatte, kleinzureden und auf einmal eine Reduzierung der Dauer von Weltmeisterschaftskämpfen erwirken zu wollen. Zu diesem Zweck hatte Capablanca Anfang 1928 an den FIDE-Präsidenten Alexander Rueb geschrieben:

    Wenn die Partieanzahl nicht begrenzt wird, ist es durchaus möglich, dass der Wettkampf überhaupt nicht beendet wird oder solange dauert, dass der Ausgang schließlich von der körperlichen und geistigen Ausdauer der Spieler abhängt. Mit anderen Worten: Es geht darum, wem früher die Luft ausgeht und nicht darum, wer besser spielt (sic!). Außerdem steigen die Kosten, je länger sich das Match hinzieht.
    Kasparov, S. 130f.

    Die Antwort Aljechins auf dieses Schreiben von Capablanca, aus diesen Gründen die Dauer von Weltmeisterschaftskämpfen unter Anrechnung von Remispartien auf 16 Spiele (ebd. S. 131) zu reduzieren, die Capablanca nach seinem Titelverlust auch gegenüber Aljechin selbst vertreten hatte, ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig:

    Nachdem Sie den Titel verloren haben, wollen Sie die Bestimmungen ändern, die zu unterschreiben Sie in London alle ihre künftigen Gegner nötigten. Sie versuchen dies, obwohl ich bei unserem letzten Zusammentreffen eindeutig erklärte, dass ich Änderungen der bisherigen Bedingungen grundsätzlich nicht zustimmen werde. Sie schlagen vor, die Anzahl der Partien auf 16 zu reduzieren und verweisen dabei auf „Ihre Erfahrungen“ von Buenos Airos. Obwohl ich in unserem Wettkampf, beginnend mit der 12. Partie, faktisch jederzeit der Sieger hätte sein können, glaube ich, dass weder ich noch die gesamte Schachwelt damit zufrieden gewesen wären. Bei der heutigen Technik und Entwicklung der Eröffnungstheorie kann jeder erstklassige Meister immer auf Remis spielen, und daraus ergibt sich die einzige Schlussfolgerung, dass in Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft Punkteteilungen überhaupt nicht angerechnet werden dürfen. Würde man die Anzahl der Partien auf 16 herabsetzen, könnte es leicht passieren, dass ein Spieler, der durch Zufall eine Partie gewinnt, in der Folge nur noch auf Remis spielt.

    Ich fügte mich den von Ihnen gestellten Bedingungen und gewann gegen Sie sechs Partien. Bilden Sie sich wirklich ein, dass ich für den Revanchekampf Bedingungen akzeptieren werde, die das Schach zu einem Glücksspiel machen - ähnlich dem Roulette?
    Kasparov, S. 219

    Damit wenden wir uns ab von dem bekannten Streit der beiden Weltklassespieler nach dem Titelgewinn Aljechins gegen Capablanca, wobei bekannt ist, daß es Capablanca nie mehr gelingen sollte, Aljechin zu einem Revanchekampf herauszufordern, und wo sich beide Spieler bis zu ihrem Aufeinandertreffen in Nottingham 1936 bei Schachturnieren, wie es früher schon Lasker und Tarrasch taten, gegenseitig boykottieren sollten. Das Verhalten der drei Weltmeister nach Wilhelm Steinitz: Lasker, Capablanca und Aljechin (die an sich positive Regentschaft von Max Euwe von 1935 - 1937 war zu kurz, um in dieser Angelegenheit ihre Spuren zu hinterlassen), was ihre Bereitschaft angeht, ihren Titel gegen fähige Konkurrenten zu verteidigen, führte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer neuen Schachordnung. Generell hatte in der Weltpolitik angesichts der apokalyptischen Erfahrungen in diesem Weltkrieg der Wunsch nach verbindlichen Regularien und Strukturen sowie die Stärke von supranationalen Institutionen wie die der Vereinten Nationen als Reaktion auf unberechenbare Einzelakteure, die dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen, stark zugenommen. Und in diesem Zusammenhang steht auch die neugewonnene Stärke der FIDE, die nun in der Lage war, Weltmeisterschaftskämpfe nach allgemein verbindlichen Regularien durchzusetzen und somit der Gefahr egoistischer und willkürlich agierender Weltmeister Herr zu werden. Zwar konnten damit, wie die Erfahrungen mit Robert Fischer, aber auch mit der nun sowohl politischen als auch schachlichen Supermacht Sowjetunion gezeigt haben, nicht alle Gefahren ausgemerzt werden. Die neue Rolle der FIDE sollte aber dazu führen, daß die Weltmeisterschaftskämpfe für einen langen Zeitraum für alle berechenbar und transparent wurden, und daß auch wirklich die stärksten Spieler der Welt zeitgerecht um den Titel kämpften. Die Weltmeisterschaftskämpfe der FIDE waren eine Konstante in einer an sich unberechenbaren und fragilen Welt im Zeitalter des Kalten Kriegs. Emanuel Lasker sollte trotz seiner klaren Entthronung durch Capablanca als 52jähriger im Turnierschach noch lange Zeit eine ganz besondere Rolle spielen.


    Partien auf www.chessgames.com:

    [Event "Habana, WCH"]
    [Site "Habana WCH"]
    [Date "1921.03.29"]
    [EventDate "?"]
    [Round "5"]
    [Result "1-0"]
    [White "Jose Raul Capablanca"]
    [Black "Emanuel Lasker"]
    [ECO "D63"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "91"]

    1.d4 {Notes by J.R. Capablanca} d5 2.Nf3 Nf6 3.c4 e6 4.Bg5
    Nbd7 5.e3 Be7 6.Nc3 O-O 7.Rc1 b6 8.cxd5 exd5 9.Qa4 c5
    {Considered up to now the best answer for Black, but I believe
    to have had the pleasure of finding over the board in this
    game the one way to knock it out.} 10.Qc6 Rb8 11.Nxd5 Bb7
    12.Nxe7+ Qxe7 13.Qa4 Rbc8 14.Qa3 {This move might be said to
    be the key of White's whole plan. The main point was to be
    able to play Ba6.} Qe6 15.Bxf6 {This exchange had to be made
    before putting the plan into execution.} Qxf6 16.Ba6 Bxf3
    {Dr. Lasker thought for over half an hour before deciding on
    this continuation. It is not only the best, but it shows at
    the same time the fine hand of the master. An ordinary player
    would never have thought of giving up the exchange in order to
    keep the initiative in this position, which was really the
    only reasonable way in which he could hope to draw the game.}
    17.Bxc8 Rxc8 18.gxf3 Qxf3 19.Rg1 Re8 20.Qd3 g6 21.Kf1 {The
    play here was extremely difficult. I probably did not find the
    best system of defense. I can not yet tell which was the best
    defense here, but it is my believe that with the best play
    White should win.} Re4 22.Qd1 Qh3+ 23.Rg2 Nf6 24.Kg1 cxd4
    25.Rc4 {The move with which I counted upon to check Black’s
    attack.} dxe3 26.Rxe4 Nxe4 27.Qd8+ Kg7 28.Qd4+ Nf6 29.fxe3 Qe6
    30.Rf2 g5 31.h4 gxh4 {This was Lasker's sealed move. It was
    not the best. His chance to draw was to play Kg6.Any other
    continuation should lose.} 32.Qxh4 Ng4 33.Qg5+ Kf8 34.Rf5 {Not
    the best. Rd2 would have won. The text move gives Black a
    chance to draw the game.} h5 35.Qd8+ Kg7 36.Qg5+ Kf8 37.Qd8+
    Kg7 38.Qg5+ Kf8 39.b3 Qd6 40.Qf4 Qd1+ 41.Qf1 Qd7 42.Rxh5 Nxe3
    43.Qf3 Qd4 44.Qa8+ {Not the best.Kh1 offered better chances of
    success.} Ke7 45.Qb7+ Kf8 {A blunder, which loses what would
    otherwise have been a drawn game. It will be noticed that it
    was Dr. Lasker's forty-fifth move. He had very little time to
    think and, furthermore, by his own admission, he entirely
    misjudged the value of the position, believing that he had
    chances of winning, when, in fact, all he could hope for was a
    draw.} 46.Qb8+ 1-0

    [Event "Habana, WCH"]
    [Site "Habana WCH"]
    [Date "1921.04.08"]
    [EventDate "?"]
    [Round "10"]
    [Result "0-1"]
    [White "Emanuel Lasker"]
    [Black "Jose Raul Capablanca"]
    [ECO "D61"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "136"]

    1.d4 {Notes by J. R. Capablanca} d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5
    Be7 5.e3 O-O 6.Nf3 Nbd7 7.Qc2 c5 8.Rd1 Qa5 9.Bd3 h6 10.Bh4
    cxd4 11.exd4 dxc4 12.Bxc4 Nb6 13.Bb3 Bd7 14.O-O {The
    development is now complete. White has a lone d Pawn, but, on
    the otherhand, Black is somewhat hampered in the manoeuvering
    of his pieces.} Rac8 15.Ne5 Bb5 {With this move and the
    following, Black brings about an exchange of pieces, which
    leaves him with a free game.} 16.Rfe1 Nbd5 17.Bxd5 Nxd5
    18.Bxe7 Nxe7 19.Qb3 Bc6 {Not Ba6 because of Nd7, followed by
    Nc5.} 20.Nxc6 bxc6 21.Re5 Qb6 22.Qc2 Rfd8 23.Ne2 {Probably
    White's first mistake. He wants to take a good defensive
    position, but he should instead have counter-attacked with Na4
    and Rc5.} Rd5 24.Rxd5 cxd5 {Black has now the open file and
    his left side Pawn position is very solid, while White has a
    weak d-Pawn. The apparently weak Black a Pawn is not actually
    weak because White has no way to attack it.} 25.Qd2 Nf5 26.b3
    {In order to free the Queen from the defense of the b-Pawn and
    also to prevent Rc4 at any stage.} h5 { In order to prevent g4
    at a later stage. Also to make a demonstration on the king’s
    side, prepatory to further operations on the other side.}
    27.h3 {Weak, but White wants to be ready to play g4.} h4 {To
    tie up White's King side. Later on it will be seen that White
    is compelled to play g4 and thus further weaken his game.}
    28.Qd3 Rc6 29.Kf1 g6 30.Qb1 Qb4 31.Kg1 {This was White's
    sealed move. It was not the best move, but it is doubtful if
    White has any good system of defense.} a5 32.Qb2 a4 {Now Black
    exchanges the pawn and leaves White with a weak, isolated
    b-Pawn, which will fall sooner or later.} 33.Qd2 Qxd2 34.Rxd2
    axb3 35.axb3 Rb6 {In order to force Rd3 and thus prevent the
    White rook from supporting his b-Pawn by Rb2 later on. It
    means practically tying up the White rook to the defense of
    his two weak pawns. } 36.Rd3 Ra6 37.g4 hxg3 38.fxg3 Ra2 39.Nc3
    Rc2 40.Nd1 {The alternative Na4, was not any better. White’s
    game is doomed. } Ne7 41.Nc3 Rc1+ 42.Kf2 Nc6 43.Nd1 Rb1 {Not
    Nb4 because of 44. Rd2 Rb1 45. Nb2 Rxb2 46.Rxb2 Nd3+ 47.Ke2
    Nxb2 48.Kd2, and Black could not win. } 44.Ke2 {Not a mistake,
    but played deliberately. White had no way to protect his
    b-Pawn.} Rxb3 45.Ke3 Rb4 46.Nc3 Ne7 47.Ne2 Nf5+ 48.Kf2 g5
    49.g4 Nd6 50.Ng1 Ne4+ 51.Kf1 Rb1+ 52.Kg2 Rb2+ 53.Kf1 Rf2+
    54.Ke1 Ra2 {All these moves have a meaning. The student should
    carefully study them.} 55.Kf1 Kg7 56.Re3 Kg6 57.Rd3 f6 58.Re3
    Kf7 59.Rd3 Ke7 60.Re3 Kd6 61.Rd3 Rf2+ 62.Ke1 Rg2 63.Kf1 Ra2
    64.Re3 e5 {This was my sealed move and unquestionably the best
    way to win.} 65.Rd3 {If 65.Ne2 Nd2+ 66.Kf2 e4 67.Rc3 Nf3
    68.Ke3 Ne1 69.Kf2 Ng2. and White would be helpless. If 65.Nf3
    Nd2+ exchanging knights wins.} exd4 66.Rxd4 Kc5 67.Rd1 d4
    68.Rc1+ Kd5 {There is nothing left. The Black pawn will
    advance and White will have to give up his Knight for it. This
    is the finest win of the match and probably took away from
    Dr. Lasker his last real hope of winning or drawing the
    match.} 0-1

    [Event "Habana, WCH"]
    [Site "Habana WCH"]
    [Date "1921.04.13"]
    [EventDate "?"]
    [Round "11"]
    [Result "1-0"]
    [White "Jose Raul Capablanca"]
    [Black "Emanuel Lasker"]
    [ECO "D63"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "95"]

    1.d4 {Notes by J. R. Capablanca} d5 2.Nf3 e6 3.c4 Nf6 4.Bg5
    Nbd7 5.e3 Be7 6.Nc3 O-O 7.Rc1 Re8 8.Qc2 c6 9.Bd3 dxc4 10.Bxc4
    Nd5 11.Bxe7 Rxe7 12.O-O Nf8 13.Rfd1 Bd7 {I do not consider the
    system adopted by Dr. Lasker in this game to be any good.}
    14.e4 Nb6 {...Nxc3 would have simplified matters somewhat, but
    it would have left Black in avery awkward position. The text
    move, by driving back the bishop, gains time for the defense.}
    15.Bf1 Rc8 16.b4 {To prevent c5, either now or a later
    stage. There is no Black bishop and White’s whole plan is
    based on that fact. He will attempt, in due time, to place a
    knight on d6.} Be8 17.Qb3 {White might have played a4 at once,
    but wanted at first to prevent the Black Queen from coming out
    via d6 an f4.} Rec7 18.a4 Ng6 19.a5 Nd7 20.e5 b6 21.Ne4 Rb8
    22.Qc3 {Qa3 at once was best. The text move gives Black a
    chance to gain time.} Nf4 23.Nd6 Nd5 {Had the White Queen been
    at a3 Black could not have gained this very important tempo.}
    24.Qa3 f6 25.Nxe8 {This Bishop had to be taken, since it
    threatened to go to h5, pinning the Knight.} Qxe8 26.exf6 gxf6
    {To retake with either Knight would have left the e Pawn
    extremely weak.} 27.b5 {With this move White gets rid of his
    Queen's side Pawns.} Rbc8 28.bxc6 Rxc6 29.Rxc6 Rxc6 30.axb6
    axb6 31.Re1 {Bb5 was better.} Qc8 32.Nd2 {This was my sealed
    move and unquestionably the only move to keep the initiative.}
    Nf8 {...Rc3 would have been met by Qa1.} 33.Ne4 {The White
    Knight stands now in a very commanding position. Black's game
    is far more difficult than appears at first glance and I
    believe that the only good system of defense would have to be
    based on ...f5, after ...h6, driving back the White Knight.}
    Qd8 34.h4 Rc7 {This might be said to be the losing move. Black
    had to play ...h6 in order to be ready to continue with ...f5,
    forcing the White Knight to withdraw.} 35.Qb3 {White's plan
    consists in getting rid of Black's powerfully posted Knight at
    d5, which is the key to Black's defense.} Rg7 36.g3 Ra7 37.Bc4
    Ra5 38.Nc3 Nxc3 39.Qxc3 Kf7 40.Qe3 Qd6 41.Qe4 Ra4 {Neither one
    of us had very much time left at this stage of the
    game. Black's alternative was ...Ra7, which would have been
    met by d5, leaving Black with what in my opinion is a lost
    position.} 42.Qb7+ Kg6 {If 42...Qe7 43.Qc6 wins.} 43.Qc8 Qb4
    44.Rc1 Qe7 {Black's game was now hopeless; for instance
    44...Qa3 (best) 45.Bd3+! f5 (best) 46.Qe8+ Kh6 47.Re1 Ra8
    48.Rxe6+ Nxe6 49.Qxe6+ Kg7 50.Qe5+, etc. In practically all
    the other variations the check with the Bishop at d3 wins.}
    45.Bd3+ Kh6 {..f5 would have prolonged the game a few moves
    only. 46.Rc7 would always win.} 46.Rc7 Ra1+ 47.Kg2 Qd6
    48.Qxf8+ 1-0
    Geändert von Kiffing (22.02.2016 um 06:08 Uhr) Grund: Aussage zum Copyright angepaßt
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

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