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Thema: Boris Spasski erinnert sich - Interview mit Sportexpress

  1. #1
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    Boris Spasski erinnert sich - Interview mit Sportexpress

    Interviews mit Schachmeistern, vor allem mit Schachmeistern, welche die Schachgeschichte prägten, haben schachhistorisch einen hohen Wert und werden von Schachhistorikern stets als dankbare Quelle für ihre Studien und Berichte benutzt. In diesem Sinne ist ein geradezu aktuelles Interview mit Boris Spasski, das er dem russischen Sportexpress gegeben hat, besonders ergiebig. Boris Spasski hat über Jahrzehnte hinweg auf dem Schachbrett ausgezeichnete Leistungen vollbracht und gilt als Pate eines sogenannten „Universalstils“, der in den frühen 70er Jahren als der beste aller Stile und sozusagen als Stil der Zukunft angepriesen worden war. Für den Dworetzki der damaligen Zeit, Alexei Suetin, war Boris Spasski das große Vorbild seiner Lehren, der zusammen mit Robert Fischer und Anatoli Karpov den „Hyperdynamismus“ der Vorgängerzeit, die von Spielern wie Bronstein, Keres und Tal geprägt war, überwunden habe. Boris Spasski litt aber nach 1972 daran, von der breiten Masse der Öffentlichkeit auf seine Niederlage im „Jahrhundertkampf“ von Reykjavik 1972 gegen Robert Fischer reduziert worden zu sein. Wenn Spasski etwa mit Sätzen wie: „Sie sind doch der, der gegen Bobby Fischer verloren hat“ angesprochen wurde, so hielt sich seine Begeisterung über eine solche Wiedererkennung in Grenzen. Natürlich nimmt dieser „Jahrhundertkampf“ einen breiten Raum in dem Interview ein, und das, was Boris Spasski sagt, ist schachhistorisch interessant.

    Daß die sowjetische Delegation nach den nie dagewesenen Eskapaden von Robert Fischer Spasski zum Abbruch der Weltmeisterschaft gedrängt hatte, dürfte zwar bekannt sein, aber auch der damalige FIDE-Präsident Max Euwe habe Spasski gestattet, den Kampf jederzeit abzubrechen. Euwe war trotz seiner Erfahrungen mit Aljechin bei WM-Duellen ob des Verhaltens von Fischer erschüttert: „Boris, du kannst das Match jederzeit verlassen - ich verstehe diese Entscheidung. Bobby hat sich schrecklich benommen. Noch nie hat sich ein Herausforderer so etwas erlaubt… “.

    Aber Boris Spasski wollte spielen, und da er zu den Spielern gehört, die den Haß auf den Gegner nicht brauchen, um sich in die richtige Kampfesstimmung zu bringen, ließ er Fischer gewähren. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf verweisen, daß das Vorurteil, Schachspieler seien eher introvertiert, nicht unbedingt zutrifft, weil sich in dem Spannungsverhältnis zwischen dem „Tatmenschen“ und dem „Trägen“ im Schach nach dem Schachhistoriker Wilhelm Junk eher die breite Mitte finde. Junk hatte 1918 in die Philosophie des Schachs behauptet, daß sowohl die „allzu Trägen“ wie auch die „allzu Lebhaften“ vom Schach gleichermaßen abgeschreckt würden, und diese These damit begründet, daß die „allzu Lebhaften“ das „lebendig Bunte“ und das „echte Abenteuer“ „in natura“ und nicht, wie im Schachspiel, als „Substitut“ suchten, während die „allzu Trägen“ von diesem „lebendig Bunten“ und dem „echten Abenteuer“ bereits als Substitut abgeschreckt werden würden (vgl. Jörg Seidel, Metachess, zur Philosophie, Psychologie und Literatur im Schach, Charlatan-Verlag Rostock 2009, S. 63).

    Zwar war diese Abkehr von Haß auf den Gegner bei Robert Fischer nicht nur nicht der Fall, sondern er gilt auch durch seine Aussage: „Im Schach nämlich, geht es darum: das Ich des Gegners zu unterwerfen, sein Ego zu zerbrechen und zu zermalmen, sein Selbstbewusstsein zu zertreten - und es zu verscharren, und seine ganze verachtenswerte, sogenannte Persönlichkeit ein für alle Mal zu Tode zu zerhacken - und zu zerstampfen; und dadurch die Menschheit von einer stinkenden Pestbeule zu befreien. Es ist ein königliches Spiel.“ geradezu als der Prototyp des sich von Haß auf den Gegner nährenden Maniacs. Trotzdem erzeugte dieser Gegner bei Spasski eher Gefühle von Mitleid, der in dem Interview bekennt:

    Ich hatte Mitleid mit ihm. Ich konnte sehen, dass der Mann seinen Verstand verlor! Ich hatte eine gute Beziehung zu Bobby. Korchnoi ist derjenige, der seinen Gegner hassen muss, um normal zu spielen. Ich bin absolut nicht so. Mir gegenüber saß ein Kind, das dabei war, seinen Verstand zu verlieren. Was für ein Hass wäre das gewesen?
    In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß Spasski an dem aktuellen Schachfilm Bauernopfer - Spiel der Könige, der bald auch in die Kinos kommt, kein gutes Haar läßt, weil Handlung und Schauspieler das große Ereignis rund um die Schach-WM in Reykjavik nur verfälscht widerspiegelten und auch die Persönlichkeiten der beiden Haupt-Protagonisten nicht richtig getroffen hätten. Boris Spasski muß es wissen.

    In seiner Friedfertigkeit bei dieser WM, der die „Abteilung Attacke und Gegenangriff“ ausschließlich seiner sowjetischen Delegation überlassen hatte, sieht Spasski allerdings auch einen großen Fehler, den er sich vorzuwerfen habe. Denn, wie er einräumt, hatte er damals nicht erkannt, daß hinter dem Verhalten von Fischer, der diesen „Nervenkrieg von Reykjavik“ entfesselt hatte, nicht nur Hilflosigkeit, sondern auch System gesteckt habe, ihn selbst unter „konstanten, psychologischen Streß“ zu setzen. Fischer sei bei dieser psychologischen Kriegsführung von dem „Ideologen“ William Lombary unterstützt worden, der diese Strategie entworfen habe. Lombardy war ein US-amerikanischer Geschäftsmann, Vertrauter von Fischer und in Reykjavik offiziell dessen Sekundant. Nach dem verlorenen Kampf wurde Spasski folgendes Zitat von Lombardy zugetragen: „Wir wollten Spassky um jeden Preis aus dem Gleichgewicht bringen. Er sollte keine Ahnung haben, was gespielt wird…“. Zudem habe es mit dem Esten Livo Nei in seinem Team einen „Spion“ gegeben, der in seiner Rolle als Spasski-Sekundant das Fischer-Team über die Vorbereitung von Spasski auf die jeweiligen Partien auf dem Laufenden hielt.

    Wirklich hassen tut Spasski Fischer trotz dieser Vorfälle in Reykjavik bis heute nicht, und bekanntlich spielte Spasski gegen Fischer das Nostalgie-Match von 1992 in Belgrad, wo er Fischer erneut als wahren König des Geschehens auftrumpfen ließ, der die Spielbedingungen bis ins Detail deklarierte. Seine Antipathie verdient dafür Viktor Kortschnoi, dessen WM-Kämpfe gegen Karpov später nicht weniger grotesk wurden als der von 1972, und seine Vorwürfe sind ungeheuerlich. Lest selbst: https://chess24.com/de/lesen/news/bo...h-fuehre-krieg
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  2. #2
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    AW: Boris Spasski erinnert sich - Interview mit Sportexpress

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ... Zudem habe es mit dem Esten Livo Nei in seinem Team einen „Spion“ gegeben, der in seiner Rolle als Spasski-Sekundant das Fischer-Team über die Vorbereitung von Spasski auf die jeweiligen Partien auf dem Laufenden hielt.
    ...
    .

    Stammt diese Behauptung allein von Spasski?
    Welche Anhaltspunkte hat er dafür und seit wann vertritt er diese These?

    Ich habe bisher nie davon gehört.

  3. #3
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    AW: Boris Spasski erinnert sich - Interview mit Sportexpress

    Keine Ahnung, ich hatte Spasski aus dem Interview zitiert. Mehr weiß ich auch nicht.
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