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Thema: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

  1. #1
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    WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Das WM-Kandidatenturnier in Moskau, in dem der Herausforderer von Weltmeister Magnus Carlsen in New York City ermittelt wird, beginnt morgen, also am 11. März. Aspiranten sind Fabiano Caruana, Anish Giri, Hikaru Nakamura, Levon Aronjan, Vesselin Topalov, Vishy Anand, Sergei Karjakin und Peter Swidler. Im Prinzip fehlt ein klarer Favorit, was allerdings auch eine gewisse Spannung erzeugen kann. Gespielt wird in Dreierblöcken mit einem Ruhetag dazwischen. Der Gong ertönt in Moskau immer um 15:00, dann ist es bei uns 13:00.

    Modus: http://de.chessbase.com/post/kandidatenturnier-2016
    Einstimmung und Kandidatenvorstellung: http://www.spiegel.de/sport/sonst/sc...a-1081175.html
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  2. #2
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Meine persönlichen Favoriten sind ganz klar: Levon Aronjan und danach Fabiano Caruana.

    Es würde mich sehr freuen, wenn einer von beiden es schafft.
    Levon Aronjan ist in Berlin ja kein Unbekannter und gibt über die Bundesliga häufig sein schachliches Stelldichein vor Ort. Zuerst vor Jahren mit Wattenscheid. In der Saison 2002/2003 konnte ich live erleben, wie er in der Berliner FDP-Zentrale - die passenderweise fast "Am Zirkus" gelegen ist, jedenfalls in unmittelbarer Nähe dieser kleinen Straße in Berlin-Mitte - mit Sergei Movsesian (Sfr Neukölln damals - heute Sfr Berlin) und Zoltan Almasi (SC Kreuzberg) zwei höher "gehandelte" Spieler besiegte.

    Bei Fabiano Caruana bewundere ich seinen aktiven, risikoreichen Stil. Manchmal fast übermütig und anscheinend ohne Angst.
    Die von André Schulz im Spiegel-Artikel genannten Schwächen "Bisweilen nicht aggressiv genug und zu Remis-freudig" kann ich nicht so richtig nachvollziehen.
    Ich hätte Caruanas Schwächen eher so gekennzeichnet: Teilweise zu aggressiv und überoptimistisch einem Remis ausweichend.

    So jedenfalls mein Eindruck aus einigen Caruana-Partien.

    Ich mag seine Art zwar nicht, aber als Schachspieler hat er sich gewaltig verbessert: Hikaru Nakamura. Zwar kann er (bisher) gar nicht gegen Carlsen, aber gegen alle anderen Topspieler der Welt kann er bestehen. Bin gespannt, wie er mit dem Kandidatenformat zurechtkommt.

    Sergei Karjakin, das Wunderkind "lange" (beide "Baujahr" 1990) vor Carlsen, ist ein Vertreter der klassischen russischen Schachschule: Weißes Spiel auf Vorteil, mit Schwarz in soliden Systemen ausgleichen.
    Auch wenn seine Formkurve zuletzt nicht unbedingt für Spitzenplätze in Rundenturnieren ausreichte, glaube ich nicht, daß seine Entwicklung schon abgeschlossen ist. Ich denke, eine Leistungssteigerung ist bei ihm immer noch möglich, auch wenn sie schon länger überfällig erscheint.

    Bei Anish Giri teile ich die Schwächeneinschätzung von Schulz: Riskiert zu wenig und spielt zu oft remis.
    Da aber letztens +3 zum Sieg bei den Kandidaten gereicht haben, ist der sehr sichere und schwer zu besiegende Jungstar da noch in seiner Komfortzone. +3 ist auch ihm zuzutrauen, weniger solche Siegesläufe wie Topalov, Caruana oder ein Aronjan in Bestform sie anbieten können.

    Für Carlsen könnte er der unangenehmste Gegner sein, wie er schon oft bewies.
    Doch auch Aronjan und insbesondere Caruana haben den Weltmeister "klassisch" schon häufiger ausgespielt.

    Den Oldies Anand, Topalov und Svidler traue ich diesmal bei allem Respekt vor ihrer bisherigen schachlichen Lebensleistung keinen Platz an der Sonne zu.
    Aus meiner Sicht sind die Youngster dran und nur für Aronjan hoffe und glaube ich, daß er der Jugend die Hacken zeigen kann.
    Geändert von zugzwang (11.03.2016 um 18:59 Uhr)

  3. #3
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    Anand mit Tagessieg

    Ausgerechnet der Veteran im Feld, Vishy Anand, hat sich mit seinem einzigen Tagessieg gegen Vesselin Topalov an die Spitze gehievt. Die erste Runde von Moskau war von internationalen Übertragungsschwierigkeiten überschattet.

    Vishy Anand führt damit das Teilnehmerfeld gleich zum Auftakt an. Seine zahlreichen Fans vor allem in Indien läßt er so dem Traum von einem „zweiten Wunder“ nach Chanty-Mansijsk wachhalten. Es wäre in der Tat höchst spektakulär, erkämpfte sich der Tiger aus Madras sein drittes Duell gegen Magnus Carlsen in Folge. Es bleibt dabei, Totgesagte leben länger.

    Gegen Vesselin Topalov wählte Anand einen neumodischen Spanier mit d3. Der Trend für die d3-Varianten und damit gegen die klassischen d4-Varianten im Spanier setzt sich fort. Es bleibt die Frage, ob dies lediglich eine Modeerscheinung ist oder eine evolutionäre Weiterentwicklung. Im 18. Zug ließ Topalov Anands Dame auf b7 einen Bauern mitnehmen. Solche Raubzüge mit der Dame waren früher wegen der dynamischen Nachteile nicht gern gesehen und sowohl Tarrasch als auch Nimzowitsch lehnten sie rundweg ab. Heute sehen die Schachspieler so etwas pragmatischer, und mit John Watson wies ein Theoretiker der Postmoderne darauf hin, daß solche Raubzüge auf b2/b7 neben dem Bauerngewinn den Vorteil hätten, den „inneren Verteidigungsring“ des Gegners zu zerschlagen.

    In der Tat kam Anand mit seiner Strategie durch. Dies lag aber nicht nur an den erwähnten allgemeinen Überlegungen, sondern auch an konkreten Gesichtspunkten, denn der Bulgare griff bereits im nächsten Zug fehl. Er hätte den Sc5 unbedingt wegen des Drucks auf den Be4 auf seinem Platz belassen sollen. Vishy Anand kam so zu dem befreienden 21. Tb1, und der darauffolgende Tausch auf c1 führte nur dazu, daß Anand neben dem Mehrbauern Druck auf den rückständigen Bc7 erhielt. Der Bulgare, unter Druck ohnehin nicht der Stärkste, verlor nun die Orientierung über das Spiel und verlor auf a6 noch einen zweiten Bauern. Er profitierte in dieser Phase allerdings von einem spürbaren Nachlassen des Tigers, der z. B. mit 33. b4 unbedingt den Ba6 hätte behaupten müssen. Nachdem der gefährliche Ba6 fiel und Topalov zwischenzeitlich sogar materiell ausgeglichen hatte, nahm der Inder noch einmal alle Kraft zusammen und konnte den sich ungenau verteidigenden Topalov zum 2. Mal überspielen. Es war keine schöne Partie, aber eine mit Symbolcharakter.


    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:24:33-0:46:33"]
    [Date "2016.03.11"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Viswanathan Anand"]
    [Black "Veselin Topalov"]
    [ECO "C65"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "97"]

    1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 Nf6 4.d3 Bc5 5.O-O d6 6.c3 O-O 7.Nbd2
    Ne7 8.d4 exd4 9.cxd4 Bb6 10.Re1 Bg4 11.h3 Bh5 12.a4 a6 13.Bf1
    Re8 14.a5 Ba7 15.Qb3 Nc6 16.d5 Nd4 17.Nxd4 Bxd4 18.Qxb7 Nd7
    19.Nc4 Nc5 20.Qc6 Nb3 21.Rb1 Nxc1 22.Rbxc1 Rb8 23.Qxa6 Qh4
    24.Rc2 Rxe4 25.Ne3 Qd8 26.Qc4 Bg6 27.Bd3 Rf4 28.Bxg6 hxg6
    29.g3 Re4 30.a6 Qe8 31.Rce2 Bb6 32.Qd3 Ra8 33.Kg2 Qa4 34.b3
    Rd4 35.bxa4 Rxd3 36.Nc4 Rxa6 37.a5 Bd4 38.Re8+ Kh7 39.R1e7 Rc3
    40.Nd2 Rc2 41.Ne4 f6 42.h4 Rxa5 43.Rf7 g5 44.h5 Rxf2+ 45.Nxf2
    Ra2 46.Rff8 Rxf2+ 47.Kh3 g4+ 48.Kxg4 f5+ 49.Rxf5 1-0
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  4. #4
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Die Tatsache, daß die Schachfreunde weltweit große bis unüberwindliche Schwierigkeiten damit hatten, die Partien aus Moskau live zu verfolgen, lag nicht an technischen Störungen, sondern wohl daran, daß die Übertragungsrechte zu Lasten der breitesten Mehrheit an einen Eigner gingen, der sich so die Exklusivrechte gesichert hat. Genaueres weiß man zu Moskau wohl noch nicht, aber bereits für die kommende Schach-WM gibt es mit dem staatlichen Norwegischen Fernsehkanal NRK eine entsprechende Einigung. Da braucht man kein Prophet zu sein, um für die Internetübertragungen ähnliches zu vermuten. Daß Schach sich damit in Bezug auf die Öffentlichkeitswirksamkeit, gerade, was das Medium der Zukunft, das Internet anbelangt, keinen Gefallen tut, dürfte klar sein. Aber es gibt offenbar Personen, die für Geld auch ihre eigene Großmutter verkaufen würden, oder, wie es Karl Marx einmal auf den Punkt brachte: „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“

    Kommen wir zur zweiten Runde, wo es erneut einen Tagessieger gab. Dieser wurde in der Partie Klassiker vs. Angreifer gekürt, nämlich in der Begegnung Karjakin gegen Nakamura, und mit Sergei Karjakin setzte sich der Klassiker durch. Vielleicht etwas überraschend wählte die H-Bomb die Damenindische Verteidigung, mit ...La6 und schnellem ...Lb4+ ohne Abtausch auf d2 allerdings eine etwas aggressivere Variante. Der nach 5. Ld2 erfolgte Läuferrückzug sieht wie ein Tempoverlust aus, hat aber den Sinn, den Lc1 auf ein ungünstiges Feld zu zwingen. Auf d2 steht er seinen eigenen Figuren im Weg, sein „natürliches“ Feld ist auf b2.

    Insgesamt war es eine feine strategische Partie von Sergei Karjakin. Nakamura hatte sich rund um seinen Vorposten auf e4 zwar ambitioniert aufgestellt und eine optisch stark aussehende Strahlkraft über das Zentrum erscheinen lassen. Die Vernachlässigung des Damenflügels wurde ihm aber spätestens nach 22. ...Txc1? zum Verhängnis, der nun unterbesetzt war und zahlreiche Löcher aufwies, und worauf Sergei Karjakin seine Aktionen nun konzentrierte.

    Damit ist nicht gemeint, daß sich Sergei Karjakin ausschließlich um den Damenflügel kümmerte, das Spiel von Super-Großmeistern ist da wesentlich diffiziler. Gemeint ist vielmehr das Unter-Druck-Setzen des Gegners auf dem Damenflügel in Abstimmung mit den anderen Bereichen auf dem Schachbrett durch Laviertechnik. Ein solches Verfahren war z. B. 29. h4, und ob der Druck schließlich den entscheidenden Fehler erzwang oder ob Nakamura einfach ein Blackout unterlief, darüber kann man trefflich streiten. Für Nakamura vor der Schlüsselszene spricht, daß seine Stellung durch seinen Zentraldruck durchaus Neutralisierungspotential besitzt. Tatsächlich folgte aber nun der entscheidende Fehler, denn die Kombination von Nakamura hatte ein Loch bzw. war nicht weit genug berechnet. Am Ende der forcierten Abwicklung stand mit dem selbstverständlichen 34. Tc7 ein Doppelangriff mit Figurengewinn, was auf diesem Level zum Gewinn reicht.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.12"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "2"]
    [Result "1-0"]
    [White "Sergey Karjakin"]
    [Black "Hikaru Nakamura"]
    [ECO "E15"]
    [WhiteElo "2760"]
    [BlackElo "2790"]
    [PlyCount "75"]

    1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. g3 Ba6 5. b3 Bb4+ 6. Bd2 Be7
    7. Bg2 d5 8. cxd5 exd5 9. O-O O-O 10. Nc3 Nbd7 11. Qc2 Re8
    12. Rfd1 Nf8 13. Ne5 Bb7 14. Bc1 Ne6 15. Bb2 Bd6 16. e3 a6
    17. Ne2 c5 18. dxc5 Nxc5 19. Nd3 Nce4 20. Rac1 Rc8 21. Qb1 Qe7
    22. Bd4 Rxc1 23. Rxc1 b5 24. b4 Nd7 25. a3 Nf8 26. Ba1 Ne6
    27. Qa2 Bc7 28. Nd4 Bb6 29. h4 Nxg3 30. fxg3 Nxd4 31. Bxd4
    Bxd4 32. exd4 Qe3+ 33. Qf2 Qxd3 34. Rc7 f5 35. Rxb7 h6
    36. Bxd5+ Kh7 37. Bg2 Re2 38. Bf1 1-0
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  5. #5
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Moskau bleibt seiner Tradition mit jeweils einem Tagessieger auch in der 3. Runde treu. Diesmal erwischte es erneut Vesselin Topalov, diesmal gar mit Weiß, der gegen Levon Aronjan unterlag und sich damit praktisch früh aus dem Kreise der Bewerber für die Herausforderung an Magnus Carlsen verabschiedet. In einer Englischen Partie gab Aronjan Läuferpaar gegen Druck gegen das Zentrum und bot zudem ein Bauernopfer an, das der Bulgare wegen der Kompensation nach 11. cxd5 Dxd5 12. dxe4 Dxd1+ 13. Kxd1 Td8+ aber verschmähte. Stattdessen opferte nun Topalov einen Bauern für Zentraldruck und einer Fesselungsidee auf der d-Linie. Die Idee war an sich spielbar, wurde aber falsch ausgeführt, nach der Abwicklung erreicht Weiß z. B. Ausgleich nach 17. exd5 Lxd5 18. Td1 De7! und wegen des Grundreihenmatts kann Weiß auf d5 keine Figur gewinnen. Stattdessen verrechnete sich Topalov mit 17. Td1?, womit er einen Bauern einstellt, weil nach 17. ...Sxe4! 18. Lxe4 Df6 die Dame a tempo aus der Fesselung geht, so daß der Le4 daraufhin genommen werden kann. Topalov bemerkte den Lapsus erst, als der Be4 bereits geschlagen war. Anstatt den Materialvorteil im Endspiel zu verwerten, gelang es Aronjan, Topalov allmählich zu überspielen und einen erfolgreichen Königsangriff durchzusetzen, der den Bulgaren zur Aufgabe zwang, als das Matt bereits nicht mehr zu parieren war.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.13"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "3"]
    [Result "0-1"]
    [White "Veselin Topalov"]
    [Black "Levon Aronian"]
    [ECO "A29"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "100"]

    1. c4 Nf6 2. Nc3 e5 3. Nf3 Nc6 4. g3 Bb4 5. Bg2 O-O 6. Nd5 e4
    7. Nh4 d6 8. Nxb4 Nxb4 9. a3 Nc6 10. d3 d5 11. O-O exd3
    12. Qxd3 Ne5 13. Qd4 Nxc4 14. e4 Be6 15. b3 Na5 16. Qa4 Nc6
    17. Rd1 Nxe4 18. Bb2 Qe7 19. b4 a6 20. Qc2 f6 21. Rac1 Rad8
    22. Bf1 Rd7 23. f3 Nd6 24. Re1 Qf7 25. Bd3 g5 26. Ng2 Nc4
    27. f4 Nxb2 28. Qxb2 Bh3 29. a4 h6 30. b5 axb5 31. axb5 Ne7
    32. Qf2 Nf5 33. Qf3 Kg7 34. Kh1 Re7 35. Rxe7 Qxe7 36. Qh5
    Bxg2+ 37. Kxg2 Ne3+ 38. Kg1 f5 39. Qe2 Rf6 40. Qb2 gxf4
    41. gxf4 Kh7 42. Kh1 Qg7 43. Qe2 d4 44. Qf3 c6 45. bxc6 bxc6
    46. h3 Rg6 47. Rb1 Rg3 48. Qh5 Qd7 49. Kh2 Rg2+ 50. Kh1 Qd5
    0-1
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  6. #6
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Auch in der 4. Runde gab es heute in Moskau einen Tagessieger, diesmal war es Sergei Karjakin, der Vishy Anand mit Weiß bezwang. Sergei Karjakin lieferte eine makellose Vorstellung ab. Im besten Karpov-Stil überspielte er Vishy Anand sukzessive durch seine hervorragende Figurenbeherrschung. Wie Karpov bewies er feines Gespür für die maximale Wirkungskraft seiner Figuren. Im Endspiel gab der Inder sich scheinbar zu frühzeitig geschlagen. Doch war die Aufgabe gerechtfertigt, denn durch die ihm aufgezwungene taktische Situation mit drohender Springerfesselung und der Drohung Txe7 fällt am Ende mehr als "nur" ein Bauer.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:52:33-0:51:33"]
    [Date "2016.03.15"]
    [Round "4"]
    [White "Sergey Karjakin"]
    [Black "Viswanathan Anand"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "A06"]
    [PlyCount "85"]
    [EventDate "2016.03.10"]

    1. Nf3 d5 2. e3 Nf6 3. c4 e6 4. b3 Be7 5. Bb2 O-O 6. Nc3 c5 7. cxd5 Nxd5 8. Qc2
    Nc6 9. h4 b6 10. a3 f5 11. Bb5 Bb7 12. Nxd5 exd5 13. d4 Rc8 14. dxc5 bxc5 15.
    O-O Bf6 16. Rfd1 Ne7 17. Bxf6 Rxf6 18. g3 Ba6 19. Bxa6 Rxa6 20. Qc3 Rb6 21.
    Rac1 Qd6 22. Ne5 Rb7 23. Nd3 c4 24. bxc4 Rxc4 25. Qe5 Qxe5 26. Nxe5 Rxc1 27.
    Rxc1 g6 28. Rc5 Kg7 29. Ra5 Kf6 30. Nd3 Rc7 31. Ra6+ Kg7 32. Nf4 Rd7 33. Kf1
    Ng8 34. Ne6+ Kf7 35. Nd4 Ne7 36. Nb5 Nc8 37. a4 Rb7 38. Rc6 Ne7 39. Ra6 Nc8 40.
    Rc6 Ne7 41. Rd6 Rb6 42. Rd7 a6 43. Nc3 1-0

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  7. #7
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Nach zwei Siegen in der heutigen 6. Runde und den vier Remisen am Vortag bleibt uns die Siegpartie pro Tag zumindest als Quote erhalten. Zudem gab es einen Vorfall, der für das Turnier evtl. noch von Bedeutung sein wird. Vishy Anand brillierte.

    Vishy Anand hat gegen Peter Swidler seinen 2. Turniersieg tatsächlich in beeindruckendem Stil geleistet. Seine exzellente Stärke in der Vorbereitung kam ihm zu Gute, denn mit einer der neumodischen d3-Varianten im Spanier gelang ihm durch das eingeschobene 16. axb5 in einer bekannten taktischen Abwicklung eine Verstärkung, weil die Bindung des Ta8 an den Sa5 den Wirkungskreis seines Qualitätsopfers vergrößert. Der Tausch im 16. Zug ermöglichte so den Turmtausch im 19. Zug, als der weiße Turm angegriffen war; ein nicht unwichtiges Detail, denn der daraus resultierende Tempogewinn führte dazu, daß Anands 20. Sg5! bereits unparierbare Drohungen schuf. Um den Widerstand aufrechtzuerhalten, hätte Swidler mit 21. ...Dxg5! 22. Dxg5 Lxe4 seine Dame gegen Turm und Leichtfigur opfern müssen, auch wenn Weiß auch hier die besseren Karten gehabt hätte. Das Auslassen dieser Option entschied stattdessen die Partie sofort, denn Schwarz hat kein Antidot gegen die tödliche Drohung Dg6 mehr. Abgesehen von der feinen Eröffnungsarbeit war der Königsangriff natürlich lehrreich und phantastisch.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.17"]
    [EventDate "?"]
    [Round "6.1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Viswanathan Anand"]
    [Black "Peter Svidler"]
    [ECO "C88"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "47"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O Be7 6. Re1 b5
    7. Bb3 O-O 8. a4 Bb7 9. d3 Re8 10. Nbd2 Bf8 11. c3 Na5 12. Bc2
    c5 13. d4 exd4 14. cxd4 d5 15. e5 Ne4 16. axb5 axb5 17. Nxe4
    dxe4 18. Rxe4 Nb3 19. Rxa8 Bxa8 20. Ng5 Nxc1 21. Qh5 h6
    22. Qxf7+ Kh8 23. Rg4 Qa5 24. h4 1-0

    Den Vorfall gab es dagegen in der anderen entschiedenen Partie zwischen Lewon Aronjan und Hikaru Nakamura. Lewon Aronjan spielte eine klasse Partie, seine Mittelspielbehandlung war druckvoll, ideenreich und virtuos. Er drängte Nakamura peu a peu an die Wand und transformierte seinen Stellungsvorteil in einen Bauerngewinn im Turmendspiel. Wegen seiner verbundenen Bauern und des aktiven Königs kämpfte sein Gegner Nakamura ums Überleben, seine Stellung scheint mir selbst ohnehin kaum haltbar zu sein, und unter dem Druck geschah im 74. Zug der grobe Fehler, der eine kaum haltbare Stellung in eine definitiv verlorene verwandelt. Zu diesem Zug gibt es aber eine Vorgeschichte, denn, wie das Video zeigt, hatte Nakamura beim Berühren des Königs noch gesehen, daß der Zug nicht spielbar ist, natürlich trat hier die Berührt-Geführt-Regel in Kraft, und Aronjan und der Schiedsrichter machten Nakamura darauf aufmerksam, mit dem König nun ziehen zu müssen, was, wie gesagt, zum schnellen Verlust führt.



    Zwar ist es schwer, Nakamura hier eine Unfairness nachzuweisen, da er selbst trotz der Königsberührung nicht mit einer anderen Figur gezogen hatte und das Aufmerksammachen auf Berührt-Geführt hier eher prophylaktischen Charakter hatte. Zudem hatte Nakamura durch seine Berührung kaum etwas verdorben, weil seine Stellung eben auch davor kaum noch zu halten war. Trotzdem wird auf Schachseiten bereits gemunkelt, Nakamura könne sich aus Ärger über die so entstandene Niederlage, natürlich auch in Betracht des Tabellenstandes (er bekleidet nun mit 2/6 zusammen mit Topalov den letzten Platz) aus dem Turnier zurückziehen. Als Anzeichen wird sein "Schwänzen" der obligatorischen Pressekonferenz nach der Partie gedeutet. Wir werden nach dem morgigen Ruhetag sehen, wie sich die Situation entwickelt, ich persönlich glaube nicht daran und sehe hier eher ein den Teufel an die Wand malen.

    Lewon Aronjan hingegen schließt mit seinem Sieg zum Tabellenführer Sergei Karjakin auf und hat wie der Neurusse mit 4/6 bereits zwei Siege und den Status des Ungeschlagenen auf seinem Konto. Es wäre schön, wenn Lewon Aronjan, schon so oft bei Kandidatenturnieren zu einem der Hauptfavoriten gekürt und immer versagend, diesen Bann bricht. Er wäre ein würdiger Herausforderer von Magnus Carlsen, aber auch ein Duell der beiden großen Rivalen aus ihrer Jugendzeit, Carlsen und Karjakin, fände ich höchst reizvoll. Wie denkt ihr darüber?

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:25:33-0:02:33"]
    [Date "2016.03.17"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "6"]
    [Result "1-0"]
    [White "Levon Aronian"]
    [Black "Hikaru Nakamura"]
    [ECO "E15"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "166"]

    1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.g3 Ba6 5.Qc2 c5 6.d5 exd5 7.cxd5
    Bb7 8.Bg2 Nxd5 9.O-O Nc6 10.Rd1 Be7 11.Qa4 Nf6 12.Nh4 O-O
    13.Nc3 g6 14.Bg5 Rb8 15.Bf4 Rc8 16.Bh6 Re8 17.Qf4 Na5 18.Nf5
    Bxg2 19.Nxe7+ Qxe7 20.Kxg2 Qe5 21.e3 d5 22.Bg5 Ne4 23.Rxd5
    Qxf4 24.gxf4 Nxc3 25.bxc3 Kg7 26.Rd7 h6 27.Be7 Nc4 28.Rad1 a5
    29.R1d5 Rc6 30.Ra7 Re6 31.Rdd7 Kg8 32.h4 Kg7 33.Bd8 Kg8 34.Be7
    Kg7 35.Rab7 Kg8 36.Rbc7 Na3 37.Bd8 Nc4 38.Be7 Na3 39.Rb7 Nc4
    40.Kf3 a4 41.Rbc7 Nd2+ 42.Rxd2 R6xe7 43.Rc6 Re6 44.Rxe6 Rxe6
    45.c4 Kg7 46.e4 Re8 47.e5 Rb8 48.Rd7 Kf8 49.f5 gxf5 50.Kf4 b5
    51.cxb5 Rxb5 52.Kxf5 a3 53.f4 Rb4 54.Ra7 c4 55.Rxa3 Rb2 56.Ra6
    Kg7 57.a4 c3 58.Ra7 c2 59.Rc7 Rb4 60.a5 Ra4 61.Rxc2 Rxa5
    62.Rc4 Ra1 63.Rc7 Kf8 64.Rd7 Ra4 65.Rd3 Rc4 66.Re3 Ke7 67.Re4
    Rc1 68.Rb4 Kf8 69.Rb6 Kg7 70.Rb7 Kf8 71.Rb8+ Kg7 72.Rb4 Ra1
    73.Rd4 Ra2 74.Rd7 Kf8 75.Kf6 Ra6+ 76.Rd6 Ra8 77.h5 Kg8 78.f5
    Rb8 79.Rd7 Rb6+ 80.Ke7 Rb5 81.Rd8+ Kh7 82.Kf6 Rb6+ 83.Rd6 Rb7
    1-0
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  8. #8
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Während das Gipfeltreffen zwischen Sergei Karjakin und Levon Aronjan mit einem Remis beendet wurde, konnte Hikaru Nakamura im Kellerduell gegen Vesselin Topalov seinen ersten Sieg feiern. Es war ein attraktives Duell, in dem, wie man so schön sagt, das Brett in Flammen stand. Zuerst eroberte Nakamura sich im slawischen Damengambit unter Tempoverlust das Läuferpaar, was auch durch die Tatsache, daß der Lf5 stark wirkt, gerechtfertigt wird. Deswegen wird 6. Sh4 in der Theorie auch 6. Ld3 vorgezogen und scort besser. Er setzte seinen Gegner mit kraftvollem Spiel am Damenflügel früh unter Druck, während sein Gegner auf dem Königsflügel aktiv wurde. Veselin Topalov spitzte die Situation durch ein Figurenopfer zu. Der Druck auf Nakamura, der auch seinen König verteidigen mußte, stieg gefährlich an. Doch Nakamura hielt dem Druck stand, und es war sein Gegner, der in kompliziertester Stellung, wo alles am seidenen Faden bzw. an einem Zug hängt, den Faden verlor. Anstatt Nakamura mit 31. ...Df5! (Mit der Doppeldrohung 32. ...Td3 nepst 33. ...Dh3 -+ und 33. ...Txh5!) 32. Te3 Tf8 33. Txf3 Dxc5 34. Da2 Dd6 35. Tb7 Tf8 weiter zuzusetzen, übersah er diese Ressource, und aus weiteren Verwicklungen ging Nakamura als Sieger hervor, weil sein Gegner das für seinen Angriff investierte Material nicht zurückgewinnen konnte.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.19"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "7"]
    [Result "1-0"]
    [White "Hikaru Nakamura"]
    [Black "Veselin Topalov"]
    [ECO "D12"]
    [WhiteElo "2790"]
    [BlackElo "2780"]
    [PlyCount "77"]

    1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. e3 Bf5 5. Nc3 e6 6. Nh4 Bg6
    7. Nxg6 hxg6 8. Rb1 Nbd7 9. c5 a5 10. a3 Be7 11. g3 e5 12. Bg2
    e4 13. b4 axb4 14. axb4 Nf8 15. b5 Ne6 16. Bd2 O-O 17. Na4 Ng5
    18. h4 Nf3+ 19. Bxf3 exf3 20. bxc6 bxc6 21. Nc3 Bxc5 22. dxc5
    d4 23. exd4 Qxd4 24. O-O Qg4 25. Re1 Rfd8 26. Rb2 Rd4 27. Re7
    Rad8 28. Qb3 Rf8 29. Qd1 Rfd8 30. Qb3 Rf8 31. Nd1 Nd5 32. Re5
    Kh7 33. Kh2 Nf6 34. Be3 Rb8 35. Qxb8 Rxd1 36. Rb1 Qd7 37. Rg5
    Ne4 38. Rxd1 Qxd1 39. Qf4 1-0
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  9. #9
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Einen schönen Sieg konnte Fabiano Caruana gegen Hikaru Nakamura landen. In einer stark asymetrisch geprägten Partie mit weißer großen und schwarzen kleinen Rochade, wo also beide Spieler den gegnerischen König an den unterschiedlichen Flügeln unter Beschuß nahmen, war Caruana erfolgreicher darin, seinen Königsangriff mit der gebotenen (aktiven) Verteidigung zu verbinden. Während Nakamura die Ideen ausgingen, so daß er ungenau spielte, wußte Caruana genau, was er tat. Nach der Öffnung der g-Linie okkupierte er zudem die h-Linie, so daß er für seinen Königsangriff über genügend Operationsspielraum verfügte. Das schwarze Verteidigungssystem brach zusammen, und am Ende war Nakamura an die Wand gespielt worden. Nichts ging mehr, was die Variante 32. ...Le7 33. Txg7+! Kxg7 34. Dg4+ zeigt.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.20"]
    [Round "8"]
    [White "Fabiano Caruana"]
    [Black "Hikaru Nakamura"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "C65"]
    [WhiteElo "2794"]
    [BlackElo "2790"]
    [PlyCount "65"]
    [EventDate "2016.03.10"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 Nf6 4. d3 Bc5 5. Bxc6 dxc6 6. Nbd2 O-O 7. Qe2 Re8 8.
    Nc4 Nd7 9. Bd2 Bd6 10. O-O-O b5 11. Ne3 a5 12. Nf5 a4 13. Bg5 f6 14. Be3 Nc5
    15. g4 Be6 16. Kb1 b4 17. g5 b3 18. Rhg1 bxa2+ 19. Ka1 Bxf5 20. exf5 a3 21. b3
    Na6 22. c3 Bf8 23. Nd2 fxg5 24. Rxg5 Nc5 25. Rg3 e4 26. Bxc5 Bxc5 27. Nxe4 Bd6
    28. Rh3 Be5 29. d4 Bf6 30. Rg1 Rb8 31. Kxa2 Bh4 32. Rg4 Qd5 33. c4 1-0

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  10. #10
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Bei seinen Ambitionen, Magnus Carlsen herauszufordern, hat Lewon Aronjan einen Dämpfer erhalten. Er verlor gegen Vishy Anand, der nun seinerseits zu Sergei Karjakin aufschließt und darum kämpft, zum dritten Mal in Folge gegen Magnus Carlsen um den WM-Titel zu kämpfen.

    Der Tiger von Madras überraschte den hochgebildeten Aseri mit der Italienischen Partie und konnte im Zentrum und am Damenflügel langsam Raum gewinnen. Nach dem 27. Zug sah Aronjans Stellung schon sehr gedrungen aus, seine Figuren litten an Platzangst, und es fehlte ihnen an Manövrierspielraum. Der Damentausch sorgte nicht für die erhoffte Erleichterung, stattdessen schuf Anand auf g7 eine neue Schwäche, der mit seinem Turm auf g6 den Bg7 fixierte. Im 38. Zug kam es zu einem Bauerntausch, so daß Aronjan seine Türme befreien konnte; dafür waren seine Bauern am Königsflügel nach dem Fall des Bg7 zersplittert, was womöglich schwerer wog, weil dieser Nachteil chronisch und von daher dauerhafter Natur ist. Tatsächlich konnte sich Anand beide Bauern abholen, es handelte sich zwar erneut um Abtäusche und damit um keine Bauerngewinne; die sowohl verbundenen wie auch entfernten Freibauern auf g3 und h2 waren aber für den Sieg ein wichtiges Faustpfand, und Anand hatte keine Schwierigkeiten, diesen gewaltigen Vorteil zu verwerten.

    Für sein Nichtantreten bei der Pressekonferenz nach der 6. Runde verliert Hikaru Nakamura 10 Prozent seines Preisgeldes; diese Strafe war den Spielern vorher vertraglich bekannt.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:54:33-0:17:33"]
    [Date "2016.03.21"]
    [Round "9"]
    [White "Viswanathan Anand"]
    [Black "Levon Aronian"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "C50"]
    [PlyCount "131"]
    [EventDate "2016.03.10"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. O-O d6 5. d3 Nf6 6. c3 a6 7. a4 Ba7 8. Na3
    Ne7 9. Nc2 Ng6 10. Be3 O-O 11. Bxa7 Rxa7 12. Ne3 Ng4 13. Qd2 a5 14. d4 Ra8 15.
    dxe5 N4xe5 16. Nxe5 Nxe5 17. Bb3 Nd7 18. Bc2 Re8 19. f3 b6 20. Rfd1 Nc5 21. b4
    Nd7 22. Bb3 Nf6 23. Qd4 Qe7 24. Nd5 Nxd5 25. Bxd5 Ra7 26. b5 Bb7 27. c4 Qe5 28.
    Rac1 Qxd4+ 29. Rxd4 Kf8 30. Kf2 Ke7 31. f4 f6 32. Rc3 Kd7 33. Rh3 h6 34. Rg3
    Re7 35. Rg6 Bxd5 36. cxd5 Ra8 37. Kf3 Rae8 38. Kg4 Rxe4 39. Rxg7+ Kc8 40. Rd2
    Kb8 41. Rc2 Rc8 42. Ra2 Rd4 43. Kf5 Rxd5+ 44. Kxf6 Rf8+ 45. Rf7 Rxf7+ 46. Kxf7
    Rf5+ 47. Kg6 Rxf4 48. g3 Rc4 49. Kxh6 d5 50. Kh5 d4 51. g4 d3 52. h4 Rd4 53.
    Rd2 Kc8 54. g5 Kd7 55. Kg6 Rxh4 56. Rxd3+ Ke8 57. Ra3 Rc4 58. Kg7 Kd7 59. g6 c6
    60. Kf6 cxb5 61. g7 Rg4 62. axb5 Rg1 63. Rd3+ Ke8 64. Re3+ Kd7 65. Re5 Rxg7 66.
    Rd5+ 1-0

    Geändert von Kiffing (22.03.2016 um 11:22 Uhr) Grund: Überarbeitung
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  11. #11
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Während sich Sergei Karjakin nach seinen beiden frühen Siegen weiter durchs Turnier remisiert, nutzte Fabiano Caruana die Gunst der Stunde und schlug mit Vishy Anand den mit Karjakin Co-Führenden in dem Turnier in einer Glanzpartie. Damit schiebt sich Caruana mit seinen zwei Siegen in die Spitzenposition, die er nun mit Karjakin teilt.

    In einem Englischen Vierspringerspiel gab es einen Läufereinschlag auf h6 zu bewundern. Vorher hatte Caruana klug die f-Linie geöffnet und das Feld f7 unter Druck gesetzt. Nach dem Läuferopfer und der Sprengung des Königsschutzes versuchte Anand den Druck durch ein Gegenopfer abzumildern, der Druck nach dem daraus resultierenden Damentausch reichte aber zu einem Qualitätsgewinn aus, wonach das Endspiel für Anand nicht mehr zu halten war.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:08:33-0:23:33"]
    [Date "2016.03.23"]
    [Round "10"]
    [White "Fabiano Caruana"]
    [Black "Viswanathan Anand"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "A29"]
    [PlyCount "65"]
    [EventDate "2016.03.10"]

    1. c4 e5 2. Nc3 Nf6 3. Nf3 Nc6 4. g3 Bb4 5. Bg2 O-O 6. O-O e4 7. Ng5 Bxc3 8.
    bxc3 Re8 9. f3 exf3 10. Nxf3 d5 11. d4 dxc4 12. Qc2 h6 13. Bf4 Ne4 14. Rad1 Bf5
    15. Ne5 Nd6 16. e4 Bh7 17. Qe2 Ne7 18. Bxh6 gxh6 19. Qh5 Nef5 20. exf5 Qg5 21.
    Qxg5+ hxg5 22. f6 Ne4 23. Rfe1 Nxc3 24. Rc1 Nb5 25. Bxb7 Rad8 26. Bc6 Nxd4 27.
    Bxe8 Rxe8 28. Kf2 Nc2 29. Red1 Be4 30. Nxc4 Re6 31. Rd8+ Kh7 32. Kg1 Rxf6 33.
    Rf1 1-0

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  12. #12
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    In das Kandidatenturnier ist weiter Bewegung gekommen, das Turnier nähert sich drei Runden vor Schluß seinem Spannungshöhepunkt. Lewon Aronjan scheitert erneut an seinen schwachen Nerven, seine Weißniederlage gegen Peter Swidler macht seine WM-Ambitionen kurz vor Toreschluß abermals zunichte. Dafür zeigte sich Vishy Anand von seiner zweiten Niederlage gegen Caruana unbeeindruckt. Er schlug den Co-Führenden Sergei Karjakin, dem er gleichzeitig seine erste Turnierniederlage zufügte. Er selbst hat mit seinen vier Siegen bereits doppelt so viele Siege wie die in dieser Kategorie Zweitplazierten. Er ist in diesem Turnier eine positive Überraschung und positive Erscheinung, und er würde seiner so reichen und großen Karriere einen weiteren Zacken in seiner Krone hinzufügen, würde es ihm tatsächlich gelingen, sich zum dritten Mal in Folge bei einem WM-Kandidatenturnier durchzusetzen. Wer weiß, vielleicht würde es dann beim 3. Mal klappen, Magnus Carlsen zu schlagen, seine Erfahrung sollte ihm dabei helfen, diesmal die beste Matchstrategie gegen den jungen Norweger zu entwerfen. Mit Caruana führt er mit 6,5/11 zusammen das Teilnehmerfeld an.

    Gegen Sergei Karjakin lieferte der Tiger aus Madras eine fabelhafte Positionspartie ab. In der Spanischen Partie triumphierte seine Spielbehandlung rund um seinen starken Sc5, durch den er seinen Gegner zum Abtausch zwang, dadurch ein wichtiges Tempo gewann und durch den Bc5, der an dessen Stelle rückte, das starke Feld d6 eroberte. Dadurch stand Vishy Anand früh besser, und er beherrschte das Spiel. Natürlich verdoppelte er nach der Einsickerung eines Turmes auf d6 seine Türme auf der offenen d-Linie. Zudem besaß er durch die mit diesem Strategem verbundene Abwicklung die Majorität auf dem Damenflügel, dessen Vorteil, für John Nunn generell ein Mythos, in diesem Fall sehr konkret war. Denn natürlich rückte Anand diese zwecks Bildung eines Freibauern vor, was insbesondere durch die reichhaltige Turmunterstütznng für den völlig in die Defensive gedrängten Neurussen extrem gefährlich war. Anand besetzte die vorletzte Reihe mit einem Turm und schuf sich auf c7 einen Freibauern. Er hatte richtig gerechnet, denn zwar konnte Karjakin diesen schlagen, aber dies bedeutete für ihn nur die Transformation eines Vorteils des Gegners in einen anderen (41. ...gxf5? 42. Lf4 +-). Denn nun besaß der Inder auf dem Königsflügel die Oberhand, der seinen Gegner am Ende vollends überspielen und ausmanövrieren konnte. Diese Partie wird in die Lehrbücher als Glanzpartie strategischer Billianz eingehen, sie wird für ewig mit dem Namen des großen indischen Schachmeisters verbunden werden und ist Inkarnation der spielerischen Klasse des großen Inders.

    Lewon Aronjan hingegen, wie schon erwähnt ein hochgebildeter und hochintelligenter Mann aus der kleinen Bildungs- und Kulturnation Armenien, mag zwar ähnliche Begabungen wie Anand aufweisen; um das zu leisten, was ein Vishy Anand geleistet hat, muß er aber seine Nervenschwäche in den Griff bekommen, die ihn immer wieder an der Erreichung von noch Größerem hindert. Gegen Peter Swidler mit Weiß sollte natürlich ein Sieg her, und so wählte Aronjan gegen das slawische Damengambit einen Aufbau mit dem bekannten d-Isolani, der für eine gewisse Zweischneidigkeit des Spiels sorgt. Mit aller Kraft wollte Aronjan den Sieg erzwingen, er schob seinen Springer nach e5 und setzte bereits im 17. Zug durch einen Turmlift nach g3 auf Königsangriff. Die Aktion riecht natürlich nach Brechstange, doch war diese noch vertretbar, denn Aronjan behauptete durch seine aktive Stellung, während sein Gegner bereits sehr passiv stand, Stellungsübergewicht, und die Schwäche des Feldes f7 ließ seine Anhänger noch an einen späteren Triumph Aronjans glauben. Swidlers Königsstellung wurde in der Folge kräftig durchgerüttelt. Trotz starker optischer Überlegenheit fehlten Aronjan aber die Ideen für den finalen Durchbruch, während sich Swidler zäh verteidigte und nach und nach den Abtausch sämtlicher Leichtfiguren erreichte, so daß Aronjan in dem „Schwerfigurenendspiel“ die Optionen ausgingen. Der Begriff des Schwerfigurenendspiels deutet die Veränderung der Lage auf dem Brett bereits an, aber natürlich war Aronjan noch in den Strukturen des Mittelspiels verhaftet, und daran lag nun auch der Keim der Niederlage, denn er war bereits nicht mehr in der Lage, sich demgemäß strategisch umzustellen und den Spatz in der Hand in Form des Remis´ zu sichern, sondern suchte weiterhin die Entscheidung durch Königsangriff. Swidler spürte das. Er opferte einen Bauern für einen Gegenangriff, der bekanntlich für einen Spieler, der vorher die ganze Zeit angegriffen hatte, psychologisch schwierig anzugehen ist. So fehlte Aronjan die nötige Ruhe, um mit dem prophylaktischen 35. h3! seinen nun materiellen Vorteil zu wahren. Der Verzicht auf das Schlupfloch ließ Swidlers Gegenangriff zum Erfolg kommen, der mit seiner Dame eindrang, den weißen König nach f2 zwang und auf f4 einen Bauern a tempo gewann. Der geschockte Aronjan, der in dieser Partie alle Chancen für einen Sieg in der Hand gehabt hatte, brach daraufhin schnell ein, während Swidler am Ende Matt oder Damengewinn erzwang.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.24"]
    [EventDate "?"]
    [Round "11.1"]
    [Result "0-1"]
    [White "Levon Aronian"]
    [Black "Peter Svidler"]
    [ECO "D16"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "96"]

    1. d4 d5 2. c4 c6 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 dxc4 5. a4 e6 6. e3 c5
    7. Bxc4 Nc6 8. O-O cxd4 9. exd4 Be7 10. Be3 O-O 11. Qe2 Nb4
    12. Ne5 Bd7 13. Rad1 Nbd5 14. Bc1 Bc6 15. Rd3 Nxc3 16. bxc3
    Bd5 17. Rg3 Bxc4 18. Nxc4 g6 19. Ne5 Nd7 20. Bh6 Re8 21. f4
    Bf8 22. Bg5 Be7 23. Ng4 h5 24. Bxe7 Qxe7 25. Ne5 Kh7 26. Qc2
    Rg8 27. Rg5 Kh8 28. Rf3 Nxe5 29. Rxe5 Qd6 30. Qd2 Kg7 31. Rg3
    Rh8 32. Qb2 Rac8 33. Qxb7 Rb8 34. Qe4 Rhc8 35. Rb5 Rxb5
    36. axb5 Qa3 37. Qc2 Rb8 38. Qe2 Qc1+ 39. Kf2 Qxf4+ 40. Kg1
    Qc1+ 41. Kf2 Qf4+ 42. Kg1 Kg8 43. Qb2 a6 44. c4 axb5 45. c5
    Qe4 46. Qd2 Qb1+ 47. Kf2 Ra8 48. Qe1 Qb2+ 0-1

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:19:33-0:45:33"]
    [Date "2016.03.24"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "11"]
    [Result "1-0"]
    [White "Viswanathan Anand"]
    [Black "Sergey Karjakin"]
    [ECO "C65"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "139"]

    1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 Nf6 4.d3 Bc5 5.c3 O-O 6.O-O d6 7.h3
    Ne7 8.d4 Bb6 9.Bd3 d5 10.Nxe5 Nxe4 11.Nd2 Nd6 12.Nb3 c6 13.Nc5
    Ng6 14.Qh5 Bxc5 15.dxc5 Ne4 16.Bxe4 dxe4 17.Rd1 Qe7 18.Nxg6
    hxg6 19.Qg5 Qxg5 20.Bxg5 f6 21.Be3 g5 22.Rd6 Re8 23.Rad1 Be6
    24.b3 Kf7 25.R1d4 Bf5 26.a4 Re7 27.g4 Bh7 28.b4 Bg8 29.b5 Rc8
    30.Rd7 Re8 31.b6 a6 32.Rc7 Kf8 33.c4 Be6 34.Rxe4 Kf7 35.f4
    Rxc7 36.bxc7 Rc8 37.f5 Bd7 38.h4 g6 39.Rd4 Rxc7 40.hxg5 fxg5
    41.Bxg5 Be8 42.f6 Kf8 43.Bf4 Rh7 44.Kg2 Bd7 45.Bg5 Be6 46.Rd8+
    Kf7 47.Rb8 Bxc4 48.Rxb7+ Kg8 49.Rb8+ Kf7 50.Kg3 Ke6 51.Re8+
    Kf7 52.Rc8 Bd5 53.Kf4 Ke6 54.Re8+ Kd7 55.Ra8 Ke6 56.Re8+ Kd7
    57.Re3 a5 58.Kg3 Rf7 59.Kf4 Rh7 60.Re1 Kc8 61.Kg3 Rf7 62.Re8+
    Kd7 63.Ra8 Kc7 64.Kf4 Rd7 65.Bh4 Kb7 66.Re8 Bf7 67.Re4 Bd5
    68.Re3 Bf7 69.Kg5 Ka6 70.Re7 1-0
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  13. #13
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Die zwölfte Runde in Moskau gestaltete sich für Vishy Anand zur Katastrophe. Ausgerechnet gegen den bislang so enttäuschend aufspielenden Hikaru Nakamura erlitt er in nur 26 Zügen eine fürchterliche Niederlage. Nakamura hatte es geschafft, seinen Gegner nach dem Englischen Vierspringerspiel in waghalsige und hochgradig taktische Auseinandersetzungen zu zwingen, wo er in seinem Element war und auch den Überblick behalten sollte. Anand war ob diesen Entwicklungen nicht unschuldig, denn er spielte den seltenen und von der Theorie als schlecht eingestuften Zug 7. ...d6 statt den soliden Fortsetzungen 7. ...Te8 oder 7. ...Lc5. In der Folge stand Anand bereits im 13. Zuge kritisch. Vielleicht hätte er sich auf die Variante 13. ...Se5 14. f4 Sc4 15. fxg6 Dxg5 (15. ...Sxb2?? 16. Dh5 +-) 16. Lf6 einlassen sollen, aber natürlich ist diese Variante trotz des Bauerngewinns auf d5 psychologisch schwer zu spielen. Anands 13. ...Sd4? führte aber nur schnell in die Katastrophe, denn nach 14. d3! steckt sein Springer in Schwierigkeiten und kann, wie Anand recht schnell bemerkte, nicht mehr ohne Schwierigkeiten ins Freie eskortiert werden (z. B. 14. ...Sf5 15. Sxf5 Lxf5 16. dxe4 Lxe4 17. Lxe4 Txe4 18. Df3 Te8 19. Lf6 +-). Anand gab den Springer widerstandslos her, das Fallen des gegnerischen Springers auf h4 war kein gleichwertiger Tausch, denn nun war seine Königsfestung zersplittert, und wegen der ständigen Drohung, auf b2 und c3 eine Dame-Läufer-Batterie gegen den schwarzen König in Stellung zu bringen, kam Anand nicht dazu, sich weiter zu entwickeln. Nakamura legte sofort seinen Finger auf die Wunde und eroberte die d-Linie, was insbesondere aufgrund des unterentwickelten schwarzen Damenflügels verheerend war. A tempo gelangte der Turm nach d5 und nach ein paar weiteren wuchtigen Zügen war die Stellung Anands kläglich in sich zusammengebrochen.

    Dafür konnte sich Sergei Karjakin, begünstigt durch die Niederlage Anands und dem Remis Caruanas gegen Aronjan, wieder aufrappeln und mit seinem Sieg gegen Vesselin Topalov zur Spitze mit Caruana aufschließen. Serviert wurde die Najdorfvariante mit 6. h3 e6, gegen die i. d. R. ein scharfes 7. g4 gespielt wird. Topalov hatte offenbar keine Befürchtungen gegenüber einem typischen weißen Königsangriff, denn er rochierte trotz dieser Aufstellung frühzeitig kurz, während Karjakin die Einladung sofort annahm und seine Bauern gegen den schwarzen König marschieren ließ. Nach dem 18. Zug standen seine Bauern bereits spektakulär auf g6 und h6. Insgesamt hatte Topalov seine Spielanlage zu sorglos behandelt und seiner Stellung zu viel zugemutet, denn bedeutete dies bereits den Qualitätsverlust für ihn, während die Gefahren um seinen König durch die Öffnung der h-Linie noch lange nicht ausgestanden waren. Zudem besaß Karjakin den Vorteil, daß er dem Sieg mit jedem Figurenabtausch einen Schritt näher kommt, weswegen, wie die Partie zeigt, das Angebot eines Figurentausches für den Gegner fast gleichbedeutend mit dem Angriff auf seine Figur ist. So konnte Karjakin seinen Gegner in die Defensive drängen und die schwarzen Abwehrkräfte überfordern, denn, um den Königsangriff abzuwehren, verlor Topalov auf dem Damenflügel weiter an Material, was angesichts seines bereits vorhandenen Qualitätsrückstandes natürlich zu viel des Guten war.

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "0:49:33-0:30:33"]
    [Date "2016.03.25"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "12"]
    [Result "1-0"]
    [White "Hikaru Nakamura"]
    [Black "Viswanathan Anand"]
    [ECO "A29"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "51"]

    1.c4 e5 2.Nc3 Nf6 3.Nf3 Nc6 4.g3 Bb4 5.Nd5 e4 6.Nh4 O-O 7.Bg2
    d6 8.a3 Bc5 9.O-O Re8 10.e3 g5 11.b4 Bb6 12.Bb2 Nxd5 13.cxd5
    Nd4 14.d3 gxh4 15.dxe4 Ne6 16.dxe6 Rxe6 17.e5 hxg3 18.hxg3 Qg5
    19.exd6 Rxd6 20.Qb3 h5 21.Rad1 Rh6 22.Rd5 Qe7 23.Qc4 Bg4
    24.Qf4 Rg6 25.Re5 Qd6 26.Be4 1-0

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.25"]
    [EventDate "2016.03.10"]
    [Round "12"]
    [Result "1-0"]
    [White "Sergey Karjakin"]
    [Black "Veselin Topalov"]
    [ECO "B90"]
    [WhiteElo "2760"]
    [BlackElo "2780"]
    [PlyCount "69"]

    1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. h3 e6
    7. g4 Nfd7 8. Be3 Be7 9. g5 b5 10. a3 Bb7 11. h4 O-O 12. Qd2
    Nb6 13. h5 N8d7 14. g6 Ne5 15. O-O-O Nbc4 16. Bxc4 Nxc4
    17. Qe2 Rc8 18. h6 fxg6 19. Nxe6 Qd7 20. Nxf8 Bxf8 21. hxg7
    Bxg7 22. Bd4 a5 23. Bxg7 Qxg7 24. Qg4 Re8 25. Qg5 Bc6 26. Qh6
    Qh8 27. b3 Nxa3 28. Rh3 Bd7 29. Rg3 Qf6 30. Rh1 Re7 31. Qh4
    Qg7 32. Nd5 Rf7 33. Qd8+ Qf8 34. Qxa5 Nxc2 35. Qc3 1-0
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  14. #14
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Jetzt, wo das Kandidatenturnier seinem Ende zu geht, wollen es die Teilnehmer noch einmal wissen. In der vorletzten Runde wurde bis zur letzten Patrone gekämpft. Zwei Seeschlangen zeugen davon. Lewon Aronjan versuchte in einer 101 Züge andauernden Partie gegen Sergei Karjakin vergebens, ein Endspiel mit Figur gegen zwei Bauern zum Sieg zu verwerten, während die Partie zwischen Caruana und Swidler sogar methusalemhafte 116 Züge dauerte, wo sich Swidler erfolgreich in einem Endspiel mit Turm gegen Turm und Läufer verteidigen konnte. Das Remis zwischen Anand und Giri ist deswegen interessant, weil Anish Giri mit nunmehr dreizehn Remisen aus dreizehn Partien die „Chance“ hat, als Remiskönig bei Kandidatenturnieren einen Rekord für die Ewigkeit zu kreieren.

    Durchsetzen konnte sich hingegen Hikaru Nakamura gegen Vesselin Topalov. Während das Turnier für Vesselin Topalov komplett mißlungen ist, konnte sich Nakamura im Verlauf des Turnieres immerhin deutlich steigern. Gegen Nakamura wählte er im Damengambit den Tarrasch-Aufbau und erhielt den d-Isolani, den er maximal früh auf d4 vorpreschte. Ein Mittelspiel fiel in dieser Partie komplett aus, nach der direkten Abwicklung ins Endspiel ging er allerdings verstärkt aus der Eröffnung hervor, denn er hatte dem Gegner eine Schwäche auf e3 zugefügt, während Topalov an Entwicklungsrückstand litt, was sich Nakamura durch die Besetzung des Feldes e3 durch den Springer und durch Turminvasion auf die vorletzte Reihe zunutze machte. Am Ende standen gar beide Türme auf der vorletzten Reihe, so daß für Nakamura, der sich zudem den starken Vorposten auf c4 gesichert hatte, der Sieg bereits in greifbare Nähe gerückt war. Topalov versuchte, sich von dem Druck durch ein Bauernopfer freizukaufen, mit genauen Zügen konnte der weiße Gegenangriff allerdings schnell abgeschlagen werden. Als Topalov in den Verwicklungen eine Figur verlor, streckte er die Waffen.

    Es ist Zeit, am Tag der Entscheidung innezuhalten. Da die Favoriten jeweils Remis spielten, hat sich an der Spitze nichts geändert. Fabiano Caruana und Sergei Karjakin liegen jeweils mit 7,5/13 in Führung. Heute um 14:00 MEZ kommt es zum großen Showdown, denn beide WM-Anwärter treffen aufeinander, Karjakin hat Weiß und auch dadurch die wesentlich bessere Ausgangslage, daß ihm nach den im Turnier geltenden Feinwertungsregeln ein Remis reicht, um im Turnier vor Caruana zu stehen, sollte Anand nicht (allerdings mit schwarz) gegen Swidler gewinnen. In diesem Fall hätten Anand, Caruana und Karjakin jeweils 8 Punkte, und weil dann der direkte Vergleich des Spitzentrios in der Summe zählt, würde Caruana auf einmal das Turnier für sich entscheiden, denn er käme im direkten Vergleich gegen die jeweils beiden anderen auf 2,5 Punkte (Karjakin 2 und Anand 1,5 Punkte). Wer wird also als Herausforderer von Magnus Carlsen aus dem Turnier gehen - Karjakin oder Caruana?

    [Event "World Championship Candidates"]
    [Site "Moscow RUS"]
    [Date "2016.03.27"]
    [Round "13.3"]
    [White "Veselin Topalov"]
    [Black "Hikaru Nakamura"]
    [Result "0-1"]
    [ECO "D37"]
    [PlyCount "80"]
    [EventDate "2016.??.??"]

    1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 d5 4. Nc3 Be7 5. Bf4 O-O 6. a3 c5 7. dxc5 Bxc5 8. e3
    Nc6 9. cxd5 exd5 10. b4 d4 11. exd4 Bxd4 12. Nxd4 Nxd4 13. Be3 Nf5 14. Qxd8
    Rxd8 15. Be2 Nxe3 16. fxe3 Ng4 17. e4 Be6 18. O-O Ne3 19. Rfc1 Rd2 20. Bf3 Rad8
    21. e5 b6 22. Ne4 Rb2 23. Re1 Nc4 24. Ng5 h6 25. Nxe6 fxe6 26. Rac1 Rd4 27. h3
    b5 28. Rc3 Rdd2 29. a4 a6 30. Bb7 Nb6 31. axb5 axb5 32. Be4 Nc4 33. Rg3 Re2 34.
    Ra1 Nxe5 35. Ra8+ Kf7 36. Bh7 g5 37. Bg8+ Kf6 38. Rf8+ Kg7 39. Re8 Ng6 40. Bxe6
    Nf4 0-1

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  15. #15
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    AW: WM-Kandidatenturnier Moskau 2016

    Das Kandidatenturnier in Moskau ist Geschichte, und fest steht der neue Herausforderer. Es ist Magnus Carlsens früher kongenialer Rivale aus seinen Jugendzeiten, gleicher Jahrgang wie der Norweger, mit 12 Jahren und 6 Monaten jüngster Großmeister aller Zeiten, mit 12 Jahren jüngster WM-Sekundant aller Zeiten, der „Carlsen des Ostens“, ihr wißt, wovon ich spreche, Sergei Karjakin!

    Peter Swidler und Vishy Anand hatten recht schnell ein Remis vereinbart, so daß es für Fabiano Caruana schnell klar war, daß ihm mit Schwarz gegen Karjakin nur ein Sieg zum Turniersieg ausreichen würde. Wahrscheinlich war es diese Situation, die Caruana später sehr zu seinen Ungunsten das Spiel verschärfen ließ. Sergei Karjakin hatte zuvor Caruana in der Najdorfvariante mit 6. Lg5 unter Druck gesetzt, und war mit dem Vorstoß des f-Bauern gegen den in der Mitte verhafteten schwarzen König vorgegangen. Wie in dieser Variante üblich, bestand das schwarze Gegenspiel auf dem Damenflügel, wo Caruana nun seinerseits seine Bauern gegen den groß rochierten König in Bewegung setzte. Karjakin verpaßte mit 23. Sf4 a4 24. Sd3 (24. Td5!?) ein schönes Manöver, das ihm Druckspiel und eine gute Stellung verschaffen hätte. Stattdessen befand sich die Partie nun lange im Gleichgewicht, bis es ab dem 30. Zug wieder interessant wurde. Das von Karjakin angewandte Bauernopfer hätte man in einer solchen Situation eher Caruana zugetraut. Allerdings handelte Karjakin mit seiner Entscheidung wahrscheinlich richtig, der als erfahrener Profi natürlich weiß, daß sich Remisen nicht erklammern lassen und man auch, wenn man das Remis braucht, nicht zu vorsichtig spielen sollte (wer auf Remis spielt, der stets verliert), denn gerade bei diesem Niveau werden Ungenauigkeiten schnell bestraft, und wittert der Gegner die eigene Angst, gibt ihm das psychologisch Auftrieb. Mit dem Bauernopfer hatte Weiß nun sämtliche Zentrallinien gegen den König geöffnet und versuchte, mit seiner Dame den königlichen Bauernschutz zu umgehen. In dieser Situation kam im 36. Zug der schwarze Fehler, der Sergei Karjakin eine Kombination mit Turmopfer ermöglichte. Angesichts der Turniersituation hätten andere Spieler vielleicht tatsächlich das Turmopfer aus Angst, etwas übersehen zu haben und damit kurz vor dem Ziel noch zu fallen, vermieden, doch Karjakin zeigte keine Angst und spielte recht schnell das Turmopfer, wonach die weißen Figuren dem schwarzen König den Garaus machen. Dieser Mut, diese Intuition und diese Rechenkunst zeigen, daß Sergei Karjakin, der am Ende mit 8,5/14 über die Ziellinie geht, den Turniersieg verdient hat. Es wird ein interessantes Duell Carlsen gegen Karjakin geben.

    Ansonsten hat es Anish Giri mit 14 Remisen aus 14 Partien tatsächlich geschafft, einen Rekord für die Ewigkeit zu kreieren. Der bisherige Rekordhalter aus einem vergleichbaren Turnier, allerdings einem Interzonenturnier (aus Angst vor sowjetischen Absprachen wurden lange Zeit die Kandidatenturniere im KO-System ausgetragen), heißt Alexander Tschernin, der 1985 auf 13 Remisen in 15 Partien kam. Die an der Turnierspitze ständig wechselnde Situation hat gezeigt, daß die Erwartungshaltung, in Ermangelung eines klaren Favoriten werde es niemanden geben, der sich frühzeitig absetzen kann, sich als richtig erwiesen hat.

    [Event "WM-Kandidatenturnier Moskau"]
    [Site "?"]
    [Date "28.3.2016"]
    [Round "14(e)"]
    [White "Sergei Karjakin"]
    [Black "Fabiano Caruana"]
    [Result "1-0"]
    [PlyCount "83"]

    1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 d6 6. Bg5 e6 7. Qd2 a6 8.
    O-O-O Bd7 9. f4 h6 10. Bh4 b5 11. Bxf6 gxf6 12. f5 Qb6 13. fxe6 fxe6 14. Nxc6
    Qxc6 15. Bd3 h5 16. Kb1 b4 17. Ne2 Qc5 18. Rhf1 Bh6 19. Qe1 a5 20. b3 Rg8 21.
    g3 Ke7 22. Bc4 Be3 23. Rf3 Rg4 24. Qf1 Rf8 25. Nf4 Bxf4 26. Rxf4 a4 27. bxa4
    Bxa4 28. Qd3 Bc6 29. Bb3 Rg5 30. e5 Rxe5 31. Rc4 Rd5 32. Qe2 Qb6 33. Rh4 Re5
    34. Qd3 Bg2 35. Rd4 d5 36. Qd2 Re4 37. Rxd5 exd5 38. Qxd5 Qc7 39. Qf5 Rf7 40.
    Bxf7 Qe5 41. Rd7+ Kf8 42. Rd8+ *

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