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Thema: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

  1. #1
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    Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Das beliebte Großmeisterturnier in Stavanger geht in sein 4. Jahr. Nach dem Verzicht auf die „Grand Chess Tour“ ist es wieder ein „ganz normales Turnier“, was man sowohl positiv wie auch negativ sehen kann. Im Vorfeld hatte es Probleme gegeben, weil der Sieger des Moskauer Kandidatenturniers, Sergei Karjakin, überraschend von seiner zugesagten Teilnahme absprang, der verlauten ließ, er brauche nach dem anstrengenden Kandidatenturnier eine Pause. Ein Grund für seinen Ausstieg könnte natürlich auch mit seiner Nichtnominierung beim letztjährigen Norway Chess Turnier zu tun haben, wo Karjakin trotz zweifacher Titelverteidigung nicht für das Teilnehmerfeld geladen war, weil er die Kriterien der Grand Chess Tour nicht erfüllte, sondern sich durch ein Qualifikationsturnier hätte quälen müssen, um in den Genuß einer vom Veranstalter ausgelobten Wild Card zu gelangen. Karjakin hatte diese Degradierung im letzten Jahr zurückgewiesen, und beim Interview gegenüber dem russischen Sportexpreß vor kurzem ließ er sich die Spitze nicht entgehen: “Zum dritten Mal hat man mich nicht eingeladen, man hat mir vielmehr vorgeschlagen als zweifacher Sieger ein Qualifikationsturnier zu spielen (er lacht)“, was natürlich trotz gleichzeitigem Dementi, dies habe für seine diesjährige Absage den Ausschlag gegeben, zeigt, daß sich die Veranstalter bei dem frischgebackenen WM-Herausforderer wenig Sympathien geholt haben.

    Letztes Jahr wollten sie ihn nicht, dieses Jahr wollten sie ihn. Daß Sergei Karjakin nicht spielt, trifft das Turnier durchaus, doch ist das Teilnehmerfeld auch ohne Karjakin rund um Weltmeister Magnus Carlsen üppig. Dafür zeugen Namen wie Wladimir Kramnik, Anish Giri, Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronjan, Pavel Eljanov, Pentala Harikrishna, Li Chao und Vesselin Topalov. Das Teilnehmerfeld komplettiert Nils Grandelius aus Schweden.

    Derselbe Anish Giri, der in Moskau beim Kandidatenturnier mit 14 Remisen aus 14 Partien eine Art Rekord für die Ewigkeit aufgestellt hatte, benötigte heute zum Turnierauftakt nur eine Partie zum Sieg, er setzte sich klar gegen den Ukrainer Pavel Eljanow durch. In einem Italiener ließ sich sein Gegner früh zum eigentlich kompromittierenden 9. ...g5 verleiten. Natürlich droht in der vorliegenden Stellung noch nichts konkretes, aber Anish Giri besaß so früh einen Ansatzpunkt für sein Spiel, und tatsächlich konnte er wenig später mit taktischen Mitteln diesen schwarzen Schwachpunkt ausbeuten und mit zwei Leichtfiguren gegen Turm und Bauern an Boden gewinnen. Die Leichtfiguren standen einfach zu aktiv, so daß Giri mit diesem Mehr an Schußkraft den schwarzen Figuren schnell zusetzen konnte. Der Schluß ist witzig, auf a5 hing bereits ein schwarzer Bauer, als Eljanov sich auf offenem Feld seinen Turm einsperren ließ, der gegen den Läufer verlorengegangen wäre.

    Überhaupt war wie schon in Moskau Weiß wieder Trumpf, denn die beiden anderen Tagessieger führten ebenfalls die weißen Steine. Übrigens besaß jeder Weißsieg heute das gewisse Etwas. Für die Großen im Feld ist ein Sieg gegen Nils Grandelius fast schon eine Pflicht, und eben diesen Sieg löste Wladimir Kramnik ein, der dafür für manche vielleicht etwas überraschend das eher ruhige und remisverdächtige Londoner System wählte. Doch sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden, daß viele Schachspieler gegen schwächere Spieler das Rezept haben, diese gerade mit positionellen und technischen Mitteln zu überspielen, weil sie ihnen dort vermutlich am meisten überlegen seien, so daß der gegnerische Fehler früher oder später komme, den es dann auszunutzen gelte. Wladimir Kramnik spielte ganz nach diesem Prinzip, bunkerte sein Zentrum mit dem Stonewallsystem ein und hatte auch keine Bedenken, frühzeitig die Damen zu tauschen. Er sollte mit seiner Strategie Recht behalten. Denn wie Kramnik seinen Gegner, der hier viel Lehrgeld zahlen mußte, in der Folge mit einfachsten Methoden überspielte, ließ viel an die Glanzpartien eines Anatoli Karpovs erinnern. Fast kampflos sickerte Kramnik über die c-Linie ein und behauptete am Damenflügel entscheidendes Stellungsübergewicht, das er mit kräftigen Bauernvorstößen an diesem Flügel zementierte. Dabei ließ sich einer seiner Trümpfe, der Se5 nicht einmal vertreiben, weil nach 24. ...fxe5 25. fxe5 Weiß b7 durchsetzt, den Ba7 erobert und dann den Gegner, dessen Figuren an die Verteidigung gebunden sind, paralysiert, was zusammen mit der Schwäche auf e6 nur schwer zu spielen gewesen wäre. Im Prinzip war das Springeropfer famos, denn es ist eines jener seltenen rein positionellen Figurenopfer. Grandelis verschmähte den Springer, der so über die Route d7 auf c5 einen neuen starken Vorposten fand und den Be6 ebenfalls schwach aussehen läßt. Ein Zentralvorstoß besiegelte das Schicksal des Be6, und am Ende zauberte Kramnik, der diese Partie ganz wie ein Künstler behandelte eine studienartige Stellung aufs Brett. Der Sd5 fällt, weil er nur wegziehen kann, was dann aber Matt in 1 bedeuten hätte.

    Auch der Weltmeister gab sich vor heimatlicher Kulisse keine Blöße und bezwang Indiens Nummer zwei Pentala Harikrishna, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, wenn man sich vergegenwärtigt, wie schwer sich Magnus Carlsen oft tut, sich in Turniere erst einmal einzuspielen. Diesmal war er schon von Beginn an hellwach und wußte dem etwas eigenwilligen Aufbaus seines Gegners, der Damenindisch mit 4. ...La6 und 5. ...Lb4 wählte, zu begegnen. Der Inder hatte sich mit seiner Eröffnung keinen Gefallen getan, denn Carlsen stand von Beginn an besser, gewann früh das Läuferpaar, stand aktiver und beherrschte die halboffene d-Linie. Harikrishnas Versuch, sich mit dem Zentralvorstoß 13. ...d5 zu befreien, führte zu einem taktischen Geplänkel mit anschließender Klärung der Lage, was dem Norweger gewichtige strukturelle Vorteile in die Hand gab, denn er hat die bessere Bauernstruktur und sein Gegner zwei Isolanis auf d5 und a7. Carlsen besetzte mit seinem Springer das Paradefeld d4, sickerte auf der vorletzten Reihe ein und setzte an, die schwarzen Springer an die Ränder zu vertreiben. Um diese große positionelle Überlegenheit, die gleichbedeutend mit einer verlorenen Stellung gewesen wäre, zu verhindern, verschärfte der Inder mit einem Springeropfer gegen drei Bauern das Spiel. In dieser Lage zeigte der Norweger seine ganze Klasse, der seine Mehrfigur zu einem schönen Mattangriff benutzte, den er konsequent zu Ende führen konnte.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.19"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Anish Giri"]
    [Black "Pavel Eljanov"]
    [ECO "C50"]
    [WhiteElo "2790"]
    [BlackElo "2765"]
    [PlyCount "71"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bc4 Bc5 4. O-O Nf6 5. d3 d6 6. c3 O-O
    7. Re1 a5 8. Bg5 h6 9. Bh4 g5 10. Bg3 Ba7 11. Na3 Bg4 12. h3
    Bh5 13. Nc2 Bg6 14. Bh2 Nh5 15. d4 Nf6 16. dxe5 Nxe4 17. Ne3
    Nxe5 18. Nxe5 dxe5 19. Ng4 h5 20. Rxe4 Bxe4 21. Qxd8 Rfxd8
    22. Nf6+ Kg7 23. Nxe4 f6 24. g4 h4 25. a4 c6 26. Kf1 Kg6
    27. Ke2 Rab8 28. Be6 Kg7 29. f3 Re8 30. Bc4 Red8 31. Bd3 Kf7
    32. Nd2 Ke7 33. Nc4 Rd5 34. Be4 Rc5 35. Nd2 b5 36. Bg1 1-0

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.19"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Vladimir Kramnik"]
    [Black "Nils Grandelius"]
    [ECO "A45"]
    [WhiteElo "2801"]
    [BlackElo "2649"]
    [PlyCount "77"]

    1. d4 Nf6 2. Bf4 d5 3. e3 e6 4. c3 c5 5. Nd2 Nc6 6. Bd3 Bd6
    7. Bxd6 Qxd6 8. f4 cxd4 9. cxd4 O-O 10. a3 Ne7 11. Ngf3 Qb6
    12. Qb3 Qxb3 13. Nxb3 b6 14. Rc1 Bd7 15. Ke2 Nc8 16. Ne5 Ba4
    17. Nd2 Nd6 18. b3 Bb5 19. Bxb5 Nxb5 20. a4 Nd6 21. Rc6 Rfd8
    22. Ra1 Nfe8 23. a5 f6 24. axb6 axb6 25. Rxa8 Rxa8 26. Nd7 b5
    27. Nc5 Kf7 28. e4 dxe4 29. Ndxe4 Nxe4 30. Nxe4 Ra2+ 31. Kf3
    Rb2 32. Nc5 g5 33. Rb6 gxf4 34. Rb7+ Kg6 35. Nxe6 Kf5 36. Nc5
    Rc2 37. Ne4 Nc7 38. Rb6 Nd5 39. Rd6 1-0

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:50:33-0:50:33"]
    [Date "2016.04.19"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "1"]
    [Result "1-0"]
    [White "Magnus Carlsen"]
    [Black "Pentala Harikrishna"]
    [ECO "E15"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "81"]

    1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.g3 Ba6 5.Nbd2 Bb4 6.Qa4 c5 7.a3
    Bxd2+ 8.Bxd2 O-O 9.dxc5 bxc5 10.Bg2 Qb6 11.O-O Nc6 12.Be3 Rfc8
    13.Rfd1 d5 14.cxd5 exd5 15.Bxc5 Qa5 16.Qc2 Bxe2 17.Qxe2 Qxc5
    18.Rac1 Qb6 19.b4 h6 20.Qe3 Qb7 21.Bh3 Re8 22.Qc3 Ne7 23.Nd4
    Ne4 24.Qc7 Qa6 25.f3 Ng5 26.Bd7 Red8 27.h4 Nxf3+ 28.Nxf3 Qxa3
    29.Kg2 Qb2+ 30.Rd2 Qxb4 31.Re1 a5 32.Rde2 Ng6 33.h5 Nh8 34.Bf5
    a4 35.Ne5 Qd6 36.Qc2 Re8 37.Bh7+ Kf8 38.Qf5 Re7 39.Bg6 Kg8
    40.Nxf7 Rxf7 41.Bxf7+ 1-0
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  2. #2
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Nur eine entschiedene Partie gab es in der 2. Runde von Stavanger, wobei ausgerechnet der legendäre Remiskönig von Moskau nach seinem Erstrundensieg gegen Eljanov zu einer Achterbahnfahrt ansetzt. Giri, der gegen die Najdorfvariante das System mit 6. Lg5 wählte, fand seinen Meister in Maxime Vachier-Lagrave. Der für seine Kreativität und Kombinationskunst bekannte Franzose setzte nach einem interessanten Sprengzug im 13. Zug seinem Gegner ausgerechnet auf dem Königsflügel zu, wo nach der Theorie eigentlich Weiß dominieren sollte. Der auf f4 etablierte schwarze Bauer sollte sich noch als entscheidend erweisen. Gekrönt mit dem effektiven Zentrumsvorstoß 16. ...d5 überfiel der Franzose seinen Gegner über das Zentrum, wonach Vachier-Lagrave im Prinzip an jedem Brettabschnitt überlegen stand und zu einem Königsangriff ansetzte. Weiß stand mit dem Rücken zur Wand und leistete sich im 24. Zug unter dem Druck den entscheidenden Fehler. Denn nach 24. ...Sxf2 darf Weiß nicht die Figur zurücknehmen, weil er nach 25. Dxf2 d3 entweder Matt geht oder die Dame verliert. Deswegen schlug Giri den Ta8, doch krönte hier der bereits erwähnte Bf4 eine phantastische Mattkombination von Schwarz, der in dieser Partie gekonnt seine Stärken ausspielen konnte.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:19:33-0:11:33"]
    [Date "2016.04.20"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "2"]
    [Result "0-1"]
    [White "Anish Giri"]
    [Black "Maxime Vachier-Lagrave"]
    [ECO "B96"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "56"]

    1.e4 c5 2.Nf3 d6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 a6 6.Bg5 e6 7.f4
    h6 8.Bh4 Qb6 9.a3 Be7 10.Bf2 Qc7 11.Qf3 Nbd7 12.O-O-O b5 13.g4
    g5 14.h4 gxf4 15.Be2 Rg8 16.Rdg1 d5 17.exd5 Ne5 18.Qh3 exd5
    19.Re1 Kf8 20.Nf5 Bxf5 21.gxf5 Bc5 22.Qf1 d4 23.Nb1 Ne4 24.Bf3
    Nxf2 25.Bxa8 Ned3+ 26.Kd2 Nxe1 27.Qxf2 d3 28.Qxe1 Be3+ 0-1
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  3. #3
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Magnus Carlsen scheint weiter an sich gearbeitet zu haben und hat seinen Stil universalisiert. Der neue Carlsen, der früher für seinen technischen Präzisionsstil eines Capablancas, aber mit dem Kampfgeist eines Fischers bekannt war, sucht immer öfter auch nach kreativ-schöpferischen Kampfmethoden, um die Stellungen zu seinen Gunsten aus dem Gleichgewicht zu bringen. Bereits der Königsangriff in der Runde zuvor, war phantastisch, die vorliegende Partie im rein skandinawischen Duell gegen Nils Grandelius hätte auch einem Alexander Aljechin gut zu Gesicht gestanden. Mit einem Talschen Opfer stiftete Carlsen früh für Verwirrkung, seine Intuition hatte ihn aber den Schlüssel für die Stellung gezeigt. Carlsen fand auch in kompliziertesten Stellungen immer Wege, seinen Angriff fortzusetzen. Mit Intuition, Kreativität und Rechenkunst manövrierte er den Gegner vollständig aus. Die abschließende Abwicklung in ein gewonnenes Endspiel war die finale Entscheidung. Momentan spricht alles für Carlsen, der sich selbst neu erfunden hat. Momentan scheint es gut möglich, daß Carlsen auch im Jahre 2035 noch der Weltmeister ist. Doch wissen wir aus Wirtschaftswissenschaften und Soziologie, daß sich in der Zukunft liegende lange Zeiträume aufgrund der zahlreichen Überraschungsmomente von Milliarden an potentiellen Entscheidungsträgern und unabsehbaren Entwicklungen nur schwer diagnostizieren lassen.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:02:33-0:00:33"]
    [Date "2016.04.21"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "3"]
    [Result "1-0"]
    [White "Magnus Carlsen"]
    [Black "Nils Grandelius"]
    [ECO "B29"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "75"]

    1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 3.e5 Nd5 4.Nc3 Nxc3 5.dxc3 Nc6 6.Bf4 Qb6
    7.Qc1 f6 8.Bc4 g5 9.Bg3 g4 10.exf6 gxf3 11.Qf4 fxg2 12.Rg1 Na5
    13.f7+ Kd8 14.Bd5 Bh6 15.Qe5 Rf8 16.Bh4 Rxf7 17.Bxf7 Nc6
    18.Qg3 Qxb2 19.Rd1 Qxc2 20.Bd5 Qf5 21.Rxg2 Bf4 22.Qf3 Kc7
    23.Rg5 Qf8 24.Bg3 e5 25.Rh5 a5 26.Rxh7 Ra6 27.Rf7 Qe8 28.Kf1
    Bxg3 29.hxg3 Qh8 30.Kg2 Nd8 31.Rf8 Qg7 32.Rh1 Rh6 33.Rxh6 Qxh6
    34.Qf6 Qxf6 35.Rxf6 d6 36.Kf3 b5 37.g4 Kd7 38.Rh6 1-0
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  4. #4
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Nachdem die 4. Runde in Norwegen mit jeweils vier Remispartien zu Ende ging, sind derweil zwei weitere Runden gespielt worden, wo es jeweils zwei Sieger gab. Während Vesselin Topalov jüngst in einem Interview bekannt hatte, daß ihm im Schach seine frühere Motivation fehle und er im Schach nun ein wenig kürzer treten möchte, und was manche bereits als stillen Abschied gedeutet hatten, gelang ihm in der 5. Runde immerhin ein Sieg, wenn auch mit der einfachstmöglichen Aufgabe, er hatte Weiß gegen Nils Grandelius.

    Der in der Weltrangliste nach seinem Desaster beim Kandidatenturnier in Moskau auf 2754 Punkte zurückgefallene Topalov (er stand lange Zeit um die 2800), spielte einen modischen Spanier mit Zurückhaltung des d-Bauern, während sein Gegner planmäßig am Damenflügel vorpreschte. Doch ausgerechnet an diesem Damenflügel sollte Topalov Vorteil erzielen, der sich durch seinen umsichtigen Aufbau am Königsflügel keine Blöße gab und auf der a-Linie mit seinem Turm das Feld a7 besetzte. Hier zeigte Topalov seine ganze Klasse, der mit seiner Da1 den Turm unterstützte und in Verbund mit dem Sh5 und später mit dem Tg3 das Feld g7 unter Beschuß nahm. In einem Zweifrontenangriff stürmte Topalov die schwarze Königstellung, indem er einen Königsangriff vom Damenflügel aus mit Aktionen über den linken Flügel kombinierte, was die schwarze Stellung überforderte und nun rasch zusammenbrechen ließ. Das Signal an die anderen Topspieler ist klar: Nils Grandelius kann und muß spielerisch bezwungen werden.

    Auch Indiens Nummer zwei konnte seine Weißpartie gewinnen. Den Chinesen Li Chao manövrierte er dabei gekonnt mit überaus schwerblütigem Figurenspiel aus. Der schwarze Königsflügel wirkte stets ein wenig verdächtig, und eben dies machte sich Pentala Harikrishna mit einem lehrbuchmäßigen Doppelhebel zunutze, dem so der Durchbruch und die Etablierung eines starken Freibauern auf e6 gelang, der nicht nur aus endspieltechnischen Erwägungen Gold wert ist, sondern der das weiße Angriffsspiel gleichzeitig verstärkt und Material gewinnt, weil ein Wegziehen des angegriffenen Turms mit Se4 beantwortet wird und Weiß kann allmählich in der kaputten schwarzen Stellung die Ernte einfahren. Li Chao hatte den zweiten Bauern schon gar nicht mehr genommen. Vermutlich fürchtete er 25. ...dxe5 26. Se4 Dh6 27. Sxe5, wonach er kaum noch Verteidigungschancen besitzt. Nach dem Textzug sollte ein Figurenopfer Entlastung bringen, für die Figur hat der Chinese nun vier Bauern, inklusive den Be6, auf seiner Habenseite. Doch besitzt Schwarz immer noch zu viele strukturelle Schwächen, so daß, auch mit Hilfe von taktischen Motiven, Bauer um Bauer von Weiß eingesammelt wurde. Nach dem Damentausch gewann Weiß vier Bauern in Folge, so daß unter dem Strich die Mehrfigur übrigblieb und was den Gegner zur Aufgabe zwang, zumal auch seine drei verbliebenen Bauern Isolanis und in der vorliegenden Endstellung Kinder des Todes waren.


    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.24"]
    [Round "5"]
    [White "Veselin Topalov"]
    [Black "Nils Grandelius"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "C78"]
    [WhiteElo "2754"]
    [BlackElo "2649"]
    [PlyCount "83"]
    [EventDate "2016.04.18"]

    1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O Be7 6. d3 d6 7. c3 O-O 8. Re1
    Re8 9. Nbd2 Bf8 10. h3 b5 11. Bc2 Ne7 12. d4 Ng6 13. Nf1 exd4 14. cxd4 c5 15.
    d5 Nd7 16. Ng3 a5 17. Be3 a4 18. Bd3 Rb8 19. Bf1 Nde5 20. Nd2 Be7 21. b3 axb3
    22. axb3 Bg5 23. Nh5 Bxe3 24. Rxe3 Nd7 25. Ra7 Re5 26. Be2 Ndf8 27. Qa1 Qh4 28.
    Ng3 Qd8 29. Bg4 Re7 30. Rxe7 Nxe7 31. Bxc8 Rxc8 32. Nh5 f6 33. Rg3 Neg6 34. Qa6
    Qd7 35. f4 c4 36. bxc4 bxc4 37. Nxc4 f5 38. Nxd6 Rc1+ 39. Kh2 fxe4 40. f5 e3
    41. fxg6 hxg6 42. Nf4 1-0



    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.24"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "5"]
    [Result "1-0"]
    [White "Pentala Harikrishna"]
    [Black "Li Chao"]
    [ECO "D70"]
    [WhiteElo "2763"]
    [BlackElo "2755"]
    [PlyCount "83"]

    1. d4 Nf6 2. c4 g6 3. f3 c5 4. d5 d6 5. e4 Bg7 6. Ne2 O-O
    7. Nec3 e5 8. g4 h5 9. h3 Nh7 10. Be3 h4 11. Qd2 Bf6 12. Rg1
    Bg5 13. Bxg5 Qxg5 14. Nb5 Qe7 15. g5 a6 16. N5c3 Nd7 17. Qg2
    Kg7 18. Nd2 f6 19. gxf6+ Qxf6 20. Nd1 Rf7 21. Nf2 Ndf8 22. Nd3
    b5 23. O-O-O g5 24. f4 exf4 25. e5 Qf5 26. e6 f3 27. Qh2 Bxe6
    28. dxe6 Qxe6 29. Nf2 Qe3 30. Ng4 Qf4 31. Qxf4 Rxf4 32. Nxf3
    bxc4 33. Ngh2 Ne6 34. Rxd6 Nd4 35. Rd7+ Kh8 36. Ne5 Nf8
    37. Rf7 Re4 38. Rxg5 Rd8 39. Rxf8+ Rxf8 40. Ng6+ Kg7 41. Nxf8+
    Kxf8 42. Rxc5 1-0

    Eben dieser Pentala Harikrishna war es auch, der mit Schwarz gegen Anish Giri seinen zweiten Sieg in Folge einfuhr, womit er Anschluß an Magnus Carlsen hält, dem er in der ersten Runde unterlag. In der französischen Steinitzvariante tauschte der Inder, der die schwarzen Steine führte, eröffnungstypisch seinen schwachen Läufer gegen den starken Ld3 und baute sein Gegenspiel auf dem Damenflügel rund um seinen a-Bauern auf, den er im Sinne des Randbauern als Kampfeinheit (Ausdruck von Bronznik und Terekhin) bis nach a3 vorpreschte. Seine Aufrollung am Damenflügel zwang Giri dazu, seine Bauernkette selbst zu sprengen, so daß er sich dazu gezwungen sah, mit seinem Bd4 auf c5 zu nehmen, womit auf e5 ein Isolani verbleibt. Bereits hier stand Schwarz leicht besser, dessen Aktionen am Damenflügel auf c3 einen hervorragenden Stützpunkt für seinen Springer schufen. Nach dem Damentausch sollten seine strukturellen Vorteile den Ausschlag geben, denn er eroberte den e-Isolani des Gegners, eroberte mit seinen Türmen die vorletzte Reihe - den „Siebten Himmel“ (Dworetzki) - , so daß er auf a2 einen weiteren Bauern gewinnen konnte, was gleichzeitig den frühzeitig nach a3 vorgepreschten a-Bauern zu einem gefährlichen Freibauern werden ließ. Nachdem die letzte Falle 36. ...Txd5?? 37. Tff7 mit Remis wirkungslos blieb, war der Sieg für Harikrishna perfekt.

    Den zweiten Tagessieg schaffte Pavel Eljanov gegen Nils Grandelius, dem in diesem Turnier wohl nur die Rolle des Punktelieferanten bleibt. Eljanov bezwang den Schweden mit positionellen Methoden. Sein umsichtiger Zentralaufbau erwies sich als nachhaltig, Eljanov erreichte ein von dem Königsflügelbauern gut unterstütztes semimobiles Bauernzentrum, das der Gegner permanent im Auge behalten mußte. Natürlich hatte Weiß seine beiden Schwerfiguren auf die d+e-Linien postiert, die von hinten den Zentralbauern Kraft gaben. Als sich Grandelius dazu entschloß, mit seiner Dame den abseits gelegenen Ba2 zu schlucken, rückte der Ukrainer seine Zentralbauern nur umso energischer nach vorne und bezwang seinen Gegner mit einer Finte, die gut bekannt ist von genialen Feldherren aus Mittelalter und Altertum. Denn während sich Grandelius auf die weiße Hauptstreitmacht im Zentrum konzentrierte, überraschte Weiß seinen Gegner mit einem Damenschwenk nach h5, womit die Dame eine Region im Handstreich besetzt, die von den schwarzen Figuren verlassen und damit nicht verteidigbar ist. Während der geschockte Grandelius die Fassung verlor, überführte der Ukrainer seinen Turm auf die offene c-Linie, und auf einmal war der schwarze König nur noch unter Damenopfer zu retten.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.25"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "6"]
    [Result "0-1"]
    [White "Anish Giri"]
    [Black "Pentala Harikrishna"]
    [ECO "C11"]
    [WhiteElo "2790"]
    [BlackElo "2763"]
    [PlyCount "72"]

    1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Nf6 4. e5 Nfd7 5. f4 c5 6. Nf3 Be7
    7. Be3 O-O 8. Qd2 b6 9. Nd1 a5 10. c3 a4 11. Bd3 Ba6 12. O-O
    Nc6 13. Bxa6 Rxa6 14. f5 b5 15. fxe6 fxe6 16. Qe2 Qb6 17. Nf2
    a3 18. b3 b4 19. dxc5 Bxc5 20. Bxc5 Nxc5 21. c4 Ne4 22. cxd5
    exd5 23. e6 Ne7 24. Kh1 Nc3 25. Qd3 h6 26. Nd1 Qb5 27. Qxb5
    Nxb5 28. Nf2 Rxe6 29. Nd3 Nc6 30. Rfc1 Nc3 31. Nxb4 Nxb4
    32. Rxc3 Re2 33. Rc7 Ra8 34. Nd4 Rxa2 35. Rf1 Rd2 36. h3 a2
    0-1

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.25"]
    [Round "6"]
    [White "Pavel Eljanov"]
    [Black "Nils Grandelius"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "D73"]
    [WhiteElo "2765"]
    [BlackElo "2649"]
    [PlyCount "79"]
    [EventDate "2016.04.18"]

    1. Nf3 d5 2. g3 g6 3. Bg2 Bg7 4. d4 Nf6 5. c4 dxc4 6. Na3 c3 7. bxc3 O-O 8. O-O
    c5 9. e3 Nc6 10. Bb2 Bf5 11. Nd2 Qc8 12. e4 Bg4 13. f3 cxd4 14. cxd4 Bh3 15.
    Rc1 Bxg2 16. Kxg2 Qd8 17. Nb3 Nb4 18. Nc2 Nxc2 19. Rxc2 Rc8 20. Qe2 Rxc2 21.
    Qxc2 Qd7 22. Rc1 Bh6 23. f4 Qa4 24. Rd1 Qd7 25. Qe2 Rc8 26. d5 Bg7 27. Rd2 Qa4
    28. Nd4 Qxa2 29. Nf5 gxf5 30. Bxf6 Qa3 31. Bxg7 Kxg7 32. e5 Rd8 33. d6 Qb4 34.
    Kh3 exd6 35. Qh5 Rd7 36. Qg5+ Kf8 37. Rc2 Re7 38. Qf6 Re8 39. exd6 Kg8 40. d7
    1-0

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  5. #5
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Die 7. Runde könnte für eine Art Vorentscheidung gesorgt haben, denn Magnus Carlsen gelang ein Sieg, übrigens im besten Stile, gegen Wladimir Kramnik. Der Norweger liegt damit mit 5/7 Punkten einen vollen Punkt vor Maxime Vachier-Lagrave und Pentala Harikrishna.

    Magnus Carlsen gelang dabei eine Demonstration in Sachen Positionsspiel auf allerhöchstem Niveau. Im Damengambit entschieden sich beide Spieler für eine Variante mit frühem Damentausch, wo Weiß die schwarze Bauernstruktur am Königsflügel schwächt und Schwarz dafür das Läuferpaar behält. Magnus Carlsen kam mit diesen Ungleichgewichten wesentlich besser zurecht als der russische Altmeister. Er besetzte das Feld f5, auf dem er fortan manövrieren konnte, und er konnte durch das dadurch entstandene Übergewicht einen Bauern gewinnen, was in der Stellung gleich doppelt zu Buche schlägt, denn die so entstandenen Freibauern auf der h-Linie waren brandgefährlich und wurden von den Springern gut unterstützt. Überhaupt dürfte diese Partie dafür sorgen, daß dieser Aufbau mit Schwarz an Beliebtheit einbüßt, denn tatsächlich hat Schwarz hier zu viele Felderschwächen, was ein starker Spieler ausnutzen kann. Carlsen ließ seinen Gegner bis zuletzt nicht ins Spiel kommen, die Partie war bis zuletzt Einbahnstraßenschach; nachdem Carlsen einen weiteren Bauern gewinnen konnte, setzte er taktisch die Bauernumwandlung durch.

    Auch der zweite Tagessieger führte die weißen Steine. Levon Aronjan gewann seine Partie gegen Pavel Eljanov, wobei Eljanov mich in meiner grundsätzlichen Entscheidung, den Katalanen niemals zuzulassen, bestätigte. Denn Weiß stand von Beginn an besser und besaß Raumvorteil. Schwarz hielt zwar im hypermodernen Sinne rund um die Da8 dagegen, allerdings fehlte ihm im Mittelspiel der Lb7, und das ist hier kein unwichtiges Detail. Trotzdem schien Schwarz lange Zeit trotz gedrungener Stellung dieselbe im Gleichgewicht halten zu können. Doch steter Tropfen höhlt den Stein, und als Weiß im 36. Zug sich nach einem Zentralvorstoß einen gedeckten Freibauern schuf, hatte er einen gewichtigen Spielvorteil, den er themengerecht bzw. lehrbuchmäßig mit einem Königsangriff kombinierte, was den Gegner überfordern sollte. Schwarz gab auf, als das Matt durch Txh6+! nicht mehr zu verhindern war.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "1:25:33-0:41:33"]
    [Date "2016.04.27"]
    [Round "7"]
    [White "Magnus Carlsen"]
    [Black "Vladimir Kramnik"]
    [Result "1-0"]
    [ECO "D35"]
    [PlyCount "99"]
    [EventDate "2016.04.18"]

    1. d4 d5 2. c4 e6 3. Nc3 Nf6 4. cxd5 exd5 5. Bg5 c6 6. e3 Bf5 7. Qf3 Bg6 8.
    Bxf6 Qxf6 9. Qxf6 gxf6 10. Nf3 Nd7 11. Nh4 Be7 12. Ne2 Nb6 13. Ng3 Bb4+ 14. Kd1
    Na4 15. Ngf5 Kd7 16. Rb1 Ke6 17. Bd3 Rhc8 18. Ke2 Bf8 19. g4 c5 20. Ng2 cxd4
    21. exd4 Bd6 22. h4 h5 23. Ng7+ Ke7 24. gxh5 Bxd3+ 25. Kxd3 Kd7 26. Ne3 Nb6 27.
    Ng4 Rh8 28. Rhe1 Be7 29. Nf5 Bd8 30. h6 Rc8 31. b3 Rc6 32. Nge3 Bc7 33. Rbc1
    Rxc1 34. Rxc1 Bf4 35. Rc5 Ke6 36. Ng7+ Kd6 37. Ng4 Nd7 38. Rc2 f5 39. Nxf5+ Ke6
    40. Ng7+ Kd6 41. Re2 Kc6 42. Re8 Rxe8 43. Nxe8 Nf8 44. Ne5+ Bxe5 45. dxe5 Kd7
    46. Nf6+ Ke6 47. h5 Kxe5 48. Nd7+ Nxd7 49. h7 Nc5+ 50. Ke2 1-0



    [Event "Norway Chess 2016"]
    [Site "?"]
    [Date "27.4.2016"]
    [Round "7"]
    [White "Levon Aronjan"]
    [Black "Pavel Eljanov"]
    [Result "1-0"]
    [PlyCount "89"]

    1. c4 e6 2. g3 d5 3. Bg2 dxc4 4. Qa4+ Nd7 5. Qxc4 c5 6. Nc3 Ngf6 7. d3 Be7 8.
    Nf3 b6 9. Ng5 Rb8 10. O-O Bb7 11. Bf4 Bxg2 12. Kxg2 Rb7 13. Nf3 O-O 14. e4 Qa8
    15. a4 Rd8 16. Nb5 Qc8 17. Rac1 Nf8 18. d4 Ng6 19. Bg5 a6 20. Nc3 b5 21. axb5
    axb5 22. Qe2 c4 23. Rfd1 h6 24. Bxf6 Bxf6 25. h4 Qb8 26. Ra1 Be7 27. h5 Nf8 28.
    Ne5 Rc8 29. Ra6 Rb6 30. Rxb6 Qxb6 31. Qf3 f6 32. Ng6 Nxg6 33. hxg6 b4 34. Ne2
    Qd6 35. d5 e5 36. g4 Bf8 37. Qf5 Rb8 38. Rc1 Qa6 39. Ng3 Kh8 40. Qe6 Qa2 41.
    Nf5 c3 42. Rh1 Qa7 43. d6 Qb7 44. d7 Qxe4+ 45. f3 *

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  6. #6
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Wohl ein wenig voreilig hatte ich nach der gestrigen 7. Runde von einer Art Vorentscheidung gesprochen. Allerdings machte Magnus Carlsen, der mit Kramnik umging wie mit einem Grünschnabel, um einen vielzitierten Ausdruck von Aaron Nimzowitsch ob Aljechins Zertrümmerungssieg in nur 19 Zügen gegen ihn selbst 1931 in Bled zu gebrauchen, nicht gerade den Eindruck, er sei in Stavanger gefährdet, eine Partie zu verlieren. Doch genau dies ist ihm in der Vorschlußrunde passiert, und ausgerechnet gegen Verfolger Levon Aronjan, der gegen ihn die weißen Steine führte und nun mit Carlsen aufschließt.

    Levon Aronjan wählte einen schönen Reti-Aufbau mit den typischen zwei Fianchetti gegen den Weltmeister. Carlsens Spiel wirkte dagegen ein wenig gekünstelt, womit er sich keinen Gefallen tat. Denn durch sein freies, druckvolles und harmonisches Figurenspiel konnte Aronjan mit einer taktischen Wendung die schwarzen Streitkräfte ausmanövrieren und früh einen Bauern gewinnen. Auch danach stand Aronjan positionell besser. Die Entscheidung gelang ihm, als er mit dem Turm auf d8 eindrang und taktisch sogar eine Figur gewinnen konnte. Es blieb ein spektakulärer Sieg in 31 Zügen. Gestern spielte Carlsen weltmeisterlich gegen Kramnik, diesmal war es Aronjan gegen ihn selbst.

    Ansonsten konnte Wladimir Kramnik wieder einen schönen Positionssieg landen. Sein Opfer war diesmal Pentala Harikrishna, der auf schwachen Felderkomplexen zugrunde ging und im späten Mittelspiel konsequent ausmanövriert wurde. Die Folge waren drei Bauernverluste, die der Inder nach und nach hinnehmen mußte, und der nach dem 3. Bauernverlust die Waffen streckte.

    Ansonsten gab es noch einen in diesem Turnier raren Schwarzsieg zu bewundern, den Li Chao gegen Pavel Eljanov perfekt machte. Eljanov wählte das Londoner System, wobei es dem Chinesen gelang, den so starken „Londoner Läufer“ einzumauern, der so erst einmal aus dem Spiel zu sein schien. Doch nutzte Eljanov diesen Läufer dazu, um mit dessen Hilfe einen Zentralvorstoß durchzusetzen, der zu einem Generalabtausch führte. In dieser Situation nahm Eljanov endlich das Bauernopfer auf b7 an, was aber immer noch nicht ungefährlich war. Chao hat immer noch zwei Schwerfiguren, die potentiell drohen, auf der nun geöffneten b-Linie gegen den weißen König zu wirken. Eljanov verteidigte sich deshalb mit 25. b3, was allerdings den Nachteil hat, daß Dame und Läufer des Chinesen eine Mattdrohung aufstellen konnten. Nach dem erzwungenen Läuferabtausch setzte der Chinese seine Bauernmasse am Königsflügel in Bewegung. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Pavel Eljanov hatte die schwarzen Aktionen mit der Vorpreschung des h-Bauern bis nach h6 beantwortet und seinerzeit potentielle Mattdrohungen aufgestellt, so daß nun beide Könige gefährdet standen. Dafür besaß Li Chao bereits zwei isolierte Freibauernpaare auf e3 und g5, was nebenbei bemerkt, die Regel des wandernden Quadrates als Angriffsverfahren attraktiv macht. Dennoch hatte Eljanov hier die Chance zu 34. Dc4+!, was nun Schwarz dazu zwingt, mit einer Schwerfigur dazwischenzuziehen. 34. ...Kf8?? scheitert natürlich an 35. Tf1+ +-, während 34. ...Kh8?? mit 35. Td8+ Te8 36. Dc7!! und Matt in 2 beantwortet wird. Nun bekommt Weiß in allen Varianten großen Vorteil, weil 34. ...De6 35. Dc5! die Wegnahme des Bg5 mit Schachs erzwingt, und nach 35. ...e2 36. Dxg5+ ist Weiß einen Schritt schneller, der nun mit Dame und Turm Mattdrohungen schafft, Schwarz zu Damentausch zwingt, wonach der Be2 nicht mehr durchlaufen kann und Weiß mit seinem Materialvorteil beste Chancen auf den Sieg hat. Auch 34. ...Te6 ist nicht besser, sondern führt zu einem ähnlichen Spielverlauf. Der 34. Zug war also eine Schlüsselszene in dieser Partie. Eljanov verpaßte seine Chance, und nun konnte Li Chao der Partie seinen Stempel aufdrücken. Er opferte die Dame gegen Turm, um die gegnerische Dame auf e1 festzunageln und mit seinem wandernden Quadrat vorzupreschen. Er erzwang die Umwandlung, so daß Weiß die Dame geben mußte und nun mit Dame und zwei Mehrbauern gegen Dame und Turm auf verlorenem Posten stand. Eljanov setzte den Widerstand fort, bis er seinen König gegen die feindliche Übermacht nicht mehr adäquat verteidigen konnte.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:45:33-0:04:33"]
    [Date "2016.04.28"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "8"]
    [Result "1-0"]
    [White "Levon Aronian"]
    [Black "Magnus Carlsen"]
    [ECO "A00"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "61"]

    1.c4 Nf6 2.g3 c6 3.Bg2 d5 4.Nf3 g6 5.b3 Bg7 6.Bb2 O-O 7.O-O
    dxc4 8.bxc4 c5 9.d3 Nc6 10.Ne5 Na5 11.Qc1 Qc7 12.Nd2 Ne8 13.f4
    Nd6 14.Bc3 Rb8 15.Qa3 b6 16.Bxa5 bxa5 17.Nb3 Nb7 18.Bxb7 Qxb7
    19.Nxc5 Qc7 20.d4 Rd8 21.Rfd1 f6 22.Nf3 e5 23.fxe5 fxe5
    24.Nxe5 Bxe5 25.dxe5 Rxd1+ 26.Rxd1 Qxe5 27.Rd8+ Kf7 28.Qf3+
    Bf5 29.Rxb8 Qxb8 30.g4 Qb4 31.Nd3 1-0

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:41:33-0:45:33"]
    [Date "2016.04.27"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "8"]
    [Result "1-0"]
    [White "Vladimir Kramnik"]
    [Black "Pentala Harikrishna"]
    [ECO "A00"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "93"]

    1.Nf3 e6 2.g3 b5 3.e3 a6 4.Bg2 Bb7 5.O-O Nf6 6.b3 c5 7.c4 Be7
    8.Nc3 O-O 9.d4 d5 10.cxd5 Nxd5 11.Nxd5 Bxd5 12.dxc5 Bxc5
    13.Qe2 Nd7 14.Rd1 Qe7 15.Bb2 Rac8 16.Rac1 Bb7 17.Ng5 Bxg2
    18.Kxg2 f5 19.e4 h6 20.Nf3 Nf6 21.exf5 exf5 22.Qxe7 Bxe7
    23.Nd4 Rxc1 24.Rxc1 Nd5 25.Ne6 Rf7 26.Rc8+ Kh7 27.Ra8 f4
    28.Rxa6 fxg3 29.hxg3 Bf6 30.Bc1 Re7 31.Rd6 Nc3 32.a3 Kg8
    33.Bb2 Ra7 34.Rc6 Nd5 35.Bxf6 Nxf6 36.Rc7 Rxa3 37.Rxg7+ Kh8
    38.Rg6 Ne4 39.Rxh6+ Kg8 40.Rh4 Nd2 41.b4 Nc4 42.Nc7 Ra2 43.Re4
    Nd6 44.Rd4 Nf5 45.Rd8+ Kf7 46.Nxb5 Rb2 47.Rd3 1-0

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "Stavanger NOR"]
    [Date "2016.04.28"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "8"]
    [Result "0-1"]
    [White "Pavel Eljanov"]
    [Black "Li Chao"]
    [ECO "D02"]
    [WhiteElo "2765"]
    [BlackElo "2755"]
    [PlyCount "114"]

    1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. Bf4 Bf5 4. e3 e6 5. Bd3 Ne4 6. Nbd2 Bd6
    7. Bxe4 dxe4 8. Ne5 f6 9. g4 fxe5 10. dxe5 Be7 11. gxf5 exf5
    12. Rg1 g6 13. Qe2 Qd5 14. O-O-O Nc6 15. Nb3 Qe6 16. Qb5 O-O
    17. Kb1 a5 18. Nd4 Nxd4 19. exd4 c6 20. Qb6 Rfd8 21. a4 Rd7
    22. d5 Rxd5 23. Rxd5 Qxd5 24. Qxb7 Re8 25. b3 Ba3 26. h4 Qd4
    27. Bc1 Bxc1 28. Rxc1 f4 29. h5 g5 30. h6 Qxe5 31. Rd1 Re7
    32. Qxc6 e3 33. fxe3 fxe3 34. Rd5 e2 35. Rxe5 Rxe5 36. Qa8+
    Kf7 37. Qa7+ Re7 38. Qf2+ Ke8 39. Qe1 g4 40. Kc1 g3 41. Kd2 g2
    42. c3 Re6 43. b4 Kd7 44. b5 Rd6+ 45. Kc2 Rg6 46. Qd2+ Kc8
    47. Qxe2 g1=Q 48. Qe8+ Kb7 49. Qe7+ Kb6 50. Qd8+ Kc5 51. Qf8+
    Kd5 52. Qf5+ Kd6 53. Qf4+ Ke7 54. Qe4+ Re6 55. Qxh7+ Ke8
    56. Qh8+ Kd7 57. Qh7+ Kc8 0-1
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  7. #7
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Letztendlich hat Magnus Carlsen seinen Ausrutscher gegen Levon Aronjan, mit dem übrigens seine Serie von 42 ungeschlagenen Partien in Folge gerissen war, wieder gutmachen können. Denn er gewann in der letzten Runde als einziger Teilnehmer seine Partie, er schlug den Ukrainer Pavel Eljanov und siegte damit in Stavanger mit 6/9 mit einem halben Punkt vor Levon Aronjan. Damit hat Magnus Carlsen gleichzeitig auf zwei Feldern glänzen können, auf denen er bislang keinen guten Ruf gehabt hatte. Zum einen kam der sonstige „Spätzünder“ famos ins Turnier, zum anderen konnte er endlich dem Druck trotzen und vor heimatlicher Kulisse den Turniersieg in Stavanger erringen. Seine in diesem Turnier erspielte Performanz von 2884 reicht zwar nicht ganz an die 2900+-Ergebnisse, die er vor etwa zwei Jahren vor seiner Krise in Serie ablieferte, ist aber dennoch eine Hausnummer.

    Nach geschlossenem Aufbau konnte Carlsen dabei im 18. Zug das Läuferpaar gewinnen. Mit einem Bauernvorstoß am verschachtelten Damenflügel konnte Carlsen seine Figuren ins Spiel bringen und mit seiner Dame ins gegnerische Lager eindringen, mit welcher der Norweger den Tausch der schwarzfeldrigen Läufer durchsetzen konnte, wonach er mit seinem Springer den so wichtigen Vorposten auf e5 besetzte. Nach dieser Vielzahl an positionellen Errungenschaften war die Partie im Prinzip schon gelaufen, denn Schwarz konnte seine Stellung nicht mehr zusammenhalten. So fiel der Bb6, so daß Weiß auf b5 einen wichtigen Freibauern bekam, der nicht mehr aufzuhalten war, was Schwarz logischerweise zur sofortigen Aufgabe veranlaßte. Glückwunsch an den von einer Ausnahme abgesehen durchweg souveränen Weltmeister.

    [Event "Norway Chess"]
    [Site "0:22:33-0:01:33"]
    [Date "2016.04.29"]
    [EventDate "2016.04.18"]
    [Round "9"]
    [Result "1-0"]
    [White "Magnus Carlsen"]
    [Black "Pavel Eljanov"]
    [ECO "D30"]
    [WhiteElo "?"]
    [BlackElo "?"]
    [PlyCount "69"]

    1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nf3 Nf6 4.g3 Bb4+ 5.Bd2 Be7 6.Bg2 O-O 7.O-O
    c6 8.Qc2 Nbd7 9.a4 a5 10.Rc1 Ne4 11.Be1 f5 12.Nbd2 Bd6 13.e3
    Ra7 14.Qd1 b6 15.cxd5 cxd5 16.Nb1 Ba6 17.Na3 Qa8 18.Nb5 Bxb5
    19.axb5 Rc8 20.Bf1 Rxc1 21.Rxc1 Rc7 22.Rxc7 Bxc7 23.Qa4 Qb8
    24.b4 axb4 25.Bxb4 h6 26.Qc2 Bd6 27.Qc6 Ndf6 28.Bxd6 Qxd6
    29.Qc8+ Kh7 30.Ne5 Qe7 31.Qc6 Ng4 32.Nxg4 fxg4 33.Bd3 g6
    34.Bxe4 dxe4 35.Qxb6 1-0
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  8. #8
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Danke für die ausführlichen und interessanten Berichte zum Turniergeschehen!

    Was war bloß mit Carlsen los, in seiner Partie gg. Aronjan? Da hat er in etwa so hilflos und überfordert gespielt, wie tags zuvor Kramnik, als er diesen regelrecht zerlegt hat. Dasselbe hat anderntags Aronjan mit Carlsen gemacht und den Weltmeister völlig entblößt...

    Ansonsten hat Carlsen aber einen guten Job gemacht und seine Siegpartien waren ausnahmslos beeindruckend. Gratulation auch von mir .

  9. #9
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    Ich könnte mir vorstellen, daß er nach seiner tollen Serie und nach seinem tollen Sieg gegen Kramnik übermütig wurde und damit ein zuviel an Selbstvertrauen an den Tag legte, was wie ein zuwenig an Selbstvertrauen problematisch sein kann. Dann meint man, im Prinzip alles spielen zu können und läßt sich zu sehr von seinen eigenen Ideen leiten, so daß man den rationalen Kern des Schachs aus dem Auge verliert. Aljechin ist dasselbe passiert nach seinen großartigen Turniersiegen in San Remo 1930 und Bled 1931 als Weltmeister. Auch er begann bis zu seiner kurzfristigen Entthronung durch Euwe 1935 fahrlässig zu werden und zunehmend ungesunde Züge zu spielen (der Schachstil ist eben ein Spiegelbild der Seele, denn bekanntlich gilt dies auch für Aljechins Lebenswandel danach). Er zog aus der Entthronung gegen Euwe allerdings dann die richtigen Lehren. Aljechin konnte allerdings so lange seine "ungesunden" Züge spielen, weil seine Gegner es i. d. R. zuließen und wie ein Kaninchen vor der Schlange auf ihre Hinrichtung warteten. Das gilt im Spitzenschach in der heutigen Zeit nur noch sehr bedingt.
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  10. #10
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    AW: Norway Chess Turnier Stavanger 2016

    " ...weil seine Gegner es i. d. R. zuließen und wie ein Kaninchen vor der Schlange auf ihre Hinrichtung warteten. " - Das schien auch eine Weile auf Carlsen zu zutreffen, als er in seiner Hoch-zeit schon beinahe an der 2900-Elo-Marke kratzte. Allmählich schien sich dann aber "herumzusprechen", daß Carlsen auch nur ein Sterblicher ist und Schwächen hat.

    Karjakin wird es sicher registriert haben. Es lohnt sich, all die Niederlagen, die Carlsen, seit dem Kanditatenturnier in London 2013, bezogen hat (auch aus psychologischer Sicht) auszuwerten. Und im Kontrast dazu, dann all seine Glanzpartien bzw. typischen Carlsenpartien. Da wird man schon fündig, in der ganzen Spanne zwischen Hoch und Tief.

    "Schachstil ist eben ein Spiegelbild der Seele." - Ja. Und es ist nicht leicht, den Gegner auf dessen (Seelen-)Grund zu schauen, um dies für sich selbst zu nutzen. Karjakin hat ja schon angekündigt, einen Psychologen in sein Team zu holen, für sein Match gg. Carlsen. Keine schlechte Idee. Aus meiner Sicht ist das im modernen Schach auch unabdingbar, wenn es um die Krone der Weltmeisterschaft geht. Ein Schachpsychologe sollte es aber dann schon sein. Mit Röntgenblick für die Schwächen des Gegners. Nötigenfalls aber auch, und nicht zuletzt, für die eigene Stabilität.

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