In diesem kinetischen Kunstspiel werden die Stärkeverhältnisse der Spitzenspieler in der Schachgeschichte von 1809 an, musikalisch untermalt, in nur sechs Minuten komprimiert dargestellt. Das Schauspiel beginnt mit dem im Forum bereits dargestellten Alexander Petrow, dem „russischen Philidor“, der seinen Beinamen deshalb erhielt, weil er das Schacherbe Philidors als einer der wenigen in einer Epoche, wo wildromatisches Schach das Schönheitsideal war und Philidors Bauernlehre deshalb eher verachtet, denn geschätzt wurde, verarbeitet und sogar produktiv weiterentwickelt hatte (siehe Link). Wir sehen den kometenhaften Höhenflug von Spielern wie Paul Morphy, Harry N. Pillsbury, Rudolf Charousek, aber auch einen kometenhaften Anstieg von Robert Fischer in seinem letzten WM-Zyklus, als er, von einer gewissen stabilen Basis aus als Fast-30jähriger noch einmal zu einem wahren Sturmlauf auf den Schachthron anhob und diesen, begleitet von einer Siegesserie von 20 Partien in Folge, gegen Boris Spasski besiegelte, aber dann auf Schach keine Lust mehr hatte. Wir erfahren einen Einblick in die Zeit der Pentarchie um 1895 herum, wir erleben die langen Ären von Steinitz und Lasker, wir sehen, wie kometenhaft auch Capablanca die Weltspitze erreichte, dann zwar nicht auf einmal mit dem Schach aufhörte wie Morphy und Fischer, aber früh zu „stalaktieren“ (Ausdruck von G. Kasparov) begann, was damals nicht unbemerkt blieb und was vor allem sein Nachfolger Aljechin stets kritisierte, dessen Ära wir in dem mitreißenden Schauspiel ebenfalls mitverfolgen können. Wir bekommen die Bestätigung davon, daß es in der Ära K&K in der Schachwelt tatsächlich eine klare Nummer eins und zwei gegeben hatte und dann lange Zeit nichts, und wir erleben nach den Diadochenkämpfen nach Kasparov den Aufstieg Carlsens zum Weltmeister, dessen Höhenflug in seiner Krise von 2015 endete, die dieser zum Glück oder Pech, was eine Frage des Standpunktes ist, der Schachfreunde mittlerweile überwunden hat.

Ohne damit den Anspruch zu erheben, die Vielzahl an Entdeckungen, die dieses Schauspiel dem Schachfreunde anbietet, das übrigens an den Trend der Museen weltweit anknüpft, das Wissen nicht mehr nur zu protokollieren, sondern auch durch das Herstellen einer interaktiven Atmosphäre so zur Schau zu stellen, daß Museen den Ruch des Verstaubten loswerden, und das Wissen so erleb- und erfahrbar gemacht wird, daß es gleichzeitig eine Lust ist, sich dieses zu erarbeiten, erschöpfend zusammengefaßt zu haben, meine ich, daß es gleichsam für jeden an Schach und Schachgeschichte interessierten Schachfreund in diesem Schauspiel vieles interessante zu entdecken gibt, was dieser noch nicht wußte. So bietet sich jedem durch dieses Schauspiel die Möglichkeit, nach Interessantem weiter zu recherchieren, um so offene Fragen zu klären und sein Wissen zu vervollkommnen. Aber natürlich hat auch ein jeder Schachfreund die Möglichkeit, dieses Schauspiel einfach nur kontemplativ auf sich einwirken zu lassen und zu sehen und zu staunen. Viel Spaß dabei!

PS.: Dem Graphen liegen das Edo-Bewertungssystem von Rod Edwards (1809-1920), die CMR-Chessmetrics Performance des Statistikers Jeff Sonas (1915-2005) und die Elozahlen ab 2000 zugrunde.