Bevor sich Robert Fischer von seiner Mutter Regina entzweit hatte, unterstützte diese seine Schachkarriere nach Kräften und heuerte mit Bent Larsen aus Dänemark sogar einen Weltklassespieler an. Dieser sollte den 18jährigen auf sein zweites WM-Kandidatenturnier in Curacao vorbereiten. Doch für Bent Larsen entpuppte sich das Engagement als alles andere als ein gewöhnlicher Job, wie Peter Münder auf Chessbase zu berichten weiß:

Larsen, damals 24, nahm das Angebot an, sich mit dem 18jährigen Fischer in Venedig zu treffen und Eröffnungen vorzubereiten. Doch dann gibt es eine für Bobby Fischer so typische Episode: Larsen trifft in Venedig ein, doch Bobby war gleich nach München weitergefahren, weil ihm Venedig nicht gefiel. Erst nach einer Woche trafen sich die beiden und dann wollte Bobby sofort nach New York zurück, was der Mutter nicht gefiel... Im slowenischen Bled litt Fischer während des Turniers an einer starken Grippe, er weigerte sich jedoch, einen Arzt zu konsultieren, obwohl Larsen ihm immer wieder dazu riet. „Seine antikommunistischen Gefühle und Überzeugungen waren so beherrschend, dass er sich nicht vorstellen konnte, die Ausbildung in einem solchen Land könnte einen kompetenten Arzt hervorbringen“, bemerkt Larsen zu dieser Episode aus der Blütezeit des Kalten Krieges. Als Fischer sich nach langem Zögern dann doch entschließt, heiße Dämpfe zu inhalieren, musste Larsen ihm während dieser 10-Minuten-Prozedur aus einem Buch vorlesen, damit diese Zeitverschwendung wenigstens sinnvoll genutzt wurde. „So kam es, dass ich einem Anwärter auf den Weltmeistertitel „Tarzans neue Abenteuer“ vorlesen musste!“ notiert Larsen in seinem Buch. Diese Reminiszenzen sind insofern bemerkenswert, als sie Larsens analytischen Scharfblick und seine arglose, mit großartigem Sinn für Humor gesegnete Freundlichkeit erkennen lassen.
Wie sehr diese Episode dazu beitrug, daß Larsen Jahre später beim WM-Interzonenturnier in Sousse auf seinen kampflos gewonnenen Punkt gegen den mit der Turnierleitung im Dauerclinch liegenden Fischer bestand, was zu Fischers Disqualifikation führte, weil dies der dritte Vorfall dieser Art gewesen war, darüber kann spekuliert werden. Bent Larsen selbst charakterisierte Fischer als trotziges Kind, dem man auf keinen Fall nachgeben dürfe, da es sonst immer weitere Forderungen stellen würde...