Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Die Krux mit der krummen Zahl - und warum Seirawan doch 13 WM-Partien haben möchte

  1. #1
    Administrator
    Punkte: 75.788, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 100,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrersActivity Award
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.510
    Punkte
    75.788
    Level
    100

    Die Krux mit der krummen Zahl - und warum Seirawan doch 13 WM-Partien haben möchte

    GM Yasser Seirawan mag offenbar keine WM-Entscheidungen mit reduzierter Bedenkzeit. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft, denn auch Anatoli Karpov konnte den New Yorker Tiebreak bereits vor Beginn nichts abgewinnen. So könne man einen Meister im Hinterhof ausspielen, aber nicht den Weltmeister.

    Für Yasser Seirawan kommen Losentscheid und WM-Privilegien (hier: ein Unentschieden reicht dem Weltmeister zur Titelverteidigung) als Alternativen nicht in Frage. Er schlägt stattdessen eine Matchdauer von 13 Partien vor. Dem Spieler, der einmal mehr Schwarz hat, reicht als Ausgleich ein Unentschieden, so wird es also spätestens nach der letzten Partie eine Entscheidung geben.

    Der Vorschlag von Seirawan wird von dem Wunsch getragen, den klassischen Weltmeister ausschließlich in klassischen Partien zu ermitteln. Die Vermeidung eines "35-Minuten-Schocks", womit Seirawan die letzte klassische Partie der WM meint, als beide Spieler nur noch in den Tiebreak wollten und jedes Risiko vermieden, ist ein weiterer nicht unwesentlicher Grund für den Vorschlag. Die Herleitung von Seirawan ist dabei m. E. anfechtbar:

    Man stelle sich vor, Viswanathan Anand würde von einem Journalisten interviewt, der nichts über Schach weiß:* "Mr. Viswanathan, 2012*wurden Sie in einem Wettkampf gegen Boris Gelfand Weltmeister im klassischen Schach. Wie haben Sie das gemacht?" Antwort: "Als das Match nach den klassischen Partien Unentschieden stand, habe ich ihn im Tie-Break im Schnellschach besiegt." Natürlich ist diese Antwort richtig, aber auch verwirrend für ein Laienpublikum.
    Ich kann mich noch erinnern, wie mich 1991 beim Turnier in Wimbledon, dem „deutschen Turnier“, die Tennisbegeisterung packte. Fortan ließ ich kein übertragenes Tennisturnier aus. Dabei mußte ich erst einmal einiges lernen, neben den Spielern und der Tennisgeschichte die Spielregeln, warum es zwei Grundlinien auf einem Tennisplatz gibt, die ausgefallene Zählweise, Begriffe wie Lob, Stop, Slice, Smash, Tiebreak, Break, Return, As und vieles mehr. Doch die Aneignung dieser Besonderheiten, um so die Tenniswelt zu verstehen, ging schnell. Jede Sportart stellt für sich einen eigenen Kosmos dar, und jeder, der sich zum ersten Mal für eine Sportart interessiert, weiß, worauf er sich einläßt. Entweder ist er bereit, in diese neue Welt einzutauchen, was auch bedeutet, sich mit den jeweiligen Besonderheiten vertraut zu machen (was durch das Internet heute übrigens schneller geht als früher), oder er ist es nicht. Dann ist er aber auch kein richtiger Fan dieser Sportart.

    Das Argument, zu einer klassischen Weltmeisterschaft gehören klassische Partien, weil es hier um den Titel des klassischen Weltmeisters gehen soll, ist da schon stichhaltiger, wobei ich das Problem mit der mangelnden Trennung nicht so eng sehe. Kern des Wettkampfes sind die klassischen Partien geblieben, Fertigkeiten im Schnell- und Blitzschach gehören zu einem kompletten Schachspieler, und das Finale am Mittwoch war der würdige Abschluß einer packenden WM, die noch einmal zahlreiche Schachspieler elektrisiert hat. Der Tiebreak war für mich nicht Schande, sondern Bereicherung des Turniers, der dem Wettkampf, auch durch Carlsens schönen Schluß mit dem Damenopfer, zusätzlich die Krone aufgesetzt hat.

    Probleme des Vorschlags von Seirawan sind ferner mögliche Bedenken, ob der Vorteil, bei einem Unentschieden den WM-Titel zu gewinnen, den Nachteil einer zusätzlichen Schwarzpartie exakt aufwiegt, die also ähnlicher Natur sind wie die Kritik am Konzept des Armageddons, und ästhetische Gründe. Man muß nicht abergläubisch sein, um sich an einer krummen Wettkampfzahl wie der 13 zu stören.

    Fazit: nicht perfekter, aber brauchbarer Vorschlag für alle diejenigen, die Partien mit reduzierter Bedenkzeit aus einer klassischen Schachweltmeisterschaft heraushalten wollen (es gibt auch Schachfreunde, die von dem Tiebreak so begeistert waren, daß sie den Weltmeister nur noch im Schnellschach ermitteln wollen). Wie denkt ihr darüber?

    Vorschlag: http://de.chessbase.com/post/seirawa...016-new-york_d
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  2. #2
    Administrator
    Punkte: 75.788, Level: 100
    Level beendet: 0%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 0
    Aktivität: 100,0%
    Errungenschaften:
    Three FriendsRecommendation First ClassOverdriveYour first GroupCreated Album pictures
    Auszeichnungen:
    Posting AwardFrequent PosterDiscussion EnderUser with most referrersActivity Award
    Themenstarter
    Avatar von Kiffing
    Registriert seit
    06.07.2011
    Ort
    Wuppertal
    Rating
    1722/1854
    Verein
    SC Tornado Wuppertal
    Beiträge
    4.510
    Punkte
    75.788
    Level
    100

    AW: Die Krux mit der krummen Zahl - und warum Seirawan doch 13 WM-Partien haben möcht

    Jetzt ist ihm die "ominöse" 13 tatsächlich zu krumm, er schlägt nun 15 WM-Partien vor, um in seinem Denkgebäude zu bleiben. Darüberhinaus konkretisiert Yasser Seirawan seinen Vorschlag und erläutert, warum er mit dem aktuellen WM-Modus unzufrieden ist: http://de.chessbase.com/post/yasser-...ge-wcc-2016-de
    Alles wartet auf das Licht
    Oh, ihr Menschen, fürchtet euch nicht

  3. #3
    am Forum interessiert
    Punkte: 2.237, Level: 30
    Level beendet: 37%, Punkte für Levelaufstieg benötigt: 63
    Aktivität: 47,0%
    Errungenschaften:
    1 year registered1000 Experience Points
    Avatar von Qf3
    Registriert seit
    12.06.2014
    Beiträge
    41
    Punkte
    2.237
    Level
    30

    AW: Die Krux mit der krummen Zahl - und warum Seirawan doch 13 WM-Partien haben möcht

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    ...Wie denkt ihr darüber?
    Ich denke, dass Karpov es genau getroffen hat: Hinterhof-Schach.
    Es gibt extra eine Blitz- und eine Schnellschachweltmeisterschaft; der Weltmeister im klassischen Schach sollte auch im klassischen Schach ermittelt werden.
    Seirawans Idee ist eine von vielen Möglichkeiten, wie man das gestalten könnte. Ich finde seine Idee gut. In seinem Statement sagt Seirawan aber, dass per Los entschieden werden soll, wer eine zusätzliche Schwarzpartie spielt. Das finde ich ungünstig. Aber das sind ja nur Detailfragen. Vom Grundsatz stößt Seirawan in die richtige Richtung.
    So radikal finde ich seine Lösung aber gar nicht. Es ist einfach eine Rückkehr zum Modus, als der Weltmeister bei Gleichstand den Titel behalten hat. Nur dass bei Seirawan derjenige bei Gleichstand gewinnt, der eine Schwarzpartie mehr hat. Also ein deutlich abgeschwächter Vorteil, aber an sich das gleiche Prinzip.


    Das Hauptproblem ist m.E. aber nicht irgendein Modus, sondern die momentane Spielermentalität. Mit Spielern wie Fischer oder Spielern seiner Mentalität gäbe es immer einen spannenden Wettkampf. Da ist der Modus unerheblich. Es wird gekämpft und auf Sieg gespielt. Heute hat sich leider das vorschnelle Remisieren durchgesetzt.
    Bemerkenswert auch Topalov. In seinem WM-Match 2010 gegen Anand hat Topalov vor dem WM-Kampf gesagt, kein Remis anzubieten und die Partien auszuspielen. Als Ergebnis gab es bei 5 der 12 Partien einen Sieger und die Remis-Partien waren ausgespielte Partien mit bis zu 80 Zügen.
    2012 kam es dann zum WM-Match zwischen Anand und Gelfand. Gleicher Modus wie 2010.
    Aber Gelfand ist einstellungsmäßig eben nicht vom Kaliber eines Topalovs. Ergebnis war das schnelle Aufsuchen des sicheren Remis-Hafens in den meisten Partien. In der entscheidenen 12ten Partie gabs dann auch wieder Remis nach 22 Zügen.

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 26.09.2016, 11:56
  2. Wo haben Schachcomputer noch Schwächen?
    Von Kiffing im Forum Computerschach und Schachsoftware
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 04.12.2014, 17:10
  3. Wie haben die Computer das Schach verändert?
    Von Kiffing im Forum Schachgemunkel
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 15.05.2014, 13:52
  4. Dragon und SeeFree haben Geburtstag
    Von Kiffing im Forum Gratulation und Glückwünsche
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 22.09.2013, 12:39
  5. [gelöst] Da muß doch was drin sein
    Von Kiffing im Forum Schachaufgaben
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 05.12.2012, 11:37

Lesezeichen

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
. . . . .Email address contact imprint