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Thema: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

  1. #1
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    Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Der Iran beansprucht im Schach für sich Sonderrechte, auf die bislang keine andere Nation gekommen ist oder diese für sich reklamiert. So zwingt der Iran bei internationalen Frauen-Turnieren die Teilnehmerinnen dazu, das im eigenen Land in der Form des Hidschabs vorgeschriebene Kopftuch zu tragen, was wieder bei der diesjährigen Frauen-WM der Fall sein wird. Beim diesjährigen Gibraltar-Open beschwerte sich Frauen-Weltmeisterin Hou Yifan über die Auslosung, weil diese ihr in den ersten neun Runden sieben Gegnerinnen bescherte. Während der Veranstalter in diesem Fall eine Manipulation des automatischen Auslosungssystems zurückwies, so räumte er in einem anderen Fall eine Manipulation durchaus ein. Es ist eine Manipulation der Auslosungen, wie sie in Turnieren leider gängige Praxis ist, auch wenn die Veranstalter nicht gern darüber reden: Das Auslosungssystem wurde dergestalt manipuliert, daß eine Paarung zwischen einem Iraner und einem Israeli nicht möglich ist.

    Der Hintergrund dieser Vorgehensweise ist der, daß der Iran jedem Sportler - also ob Schachspieler oder Aktivist anderer Sportarten - bei Strafe verbietet, gegen Israelis anzutreten. Wer also im Iran gegen Israelis antritt, der riskiert in seinem Land politische Verfolgung. Insofern weisen diejenigen, die eine solche Praxis rechtfertigen, die im übrigen gegen den FIDE-Wahlspruch gens una sumus verstößt, daß die Aufhebung dieser Praxis weniger das Regime in Teheran träfe als vielmehr die Sportlerinnen und Sportler des Irans. Zudem wolle man den durchaus vorhandenen Aufschwung des Schachlebens im Iran unterstützen, das in den ersten Jahren nach der Ayatollah-Revolution eine Ächtung mit Verbot erfahren hatte.

    Das Problem durch dieses Entgegenkommen besteht natürlich in der Unvereinbarkeit dieser Sonderregeln mit den Werten des Sports und in dem Bruch mit den Interessen ausländischer Spielerinnen, die sich ungern dazu nötigen lassen möchten, bei wichtigen Schachturnieren im Iran ein Kopftuch, das immerhin ein religiöses Symbol und Bekenntnis darstellt, zu tragen. Zudem trägt die Zulassung von Sonderregeln immer den Keim der Gefahr in sich, daß nun andere Nationen aus politischen und/oder religiösen Gründen ähnliche Sonderinteressen, zum Teil auch wiederum gegen die Interessen und Bedürfnisse anderer Kulturen, für sich beanspruchen. So wichtig Toleranz auch ist, so darf sie nicht in einer Toleranz der Intoleranz ausarten, da diese dazu geeignet ist, die Toleranz als Wert an sich zu zerstören. Toleranz kann nur funktionieren, wenn sich jeder daran hält.

    Zudem besitzt der Iran in der Gegend rund um den Nahen Osten eine Art Sonderstatus, da hier der im Nahen Osten hohe Grad an Zustimmung der Bevölkerung mit seiner ebenso religiös rigiden Regierung nicht gegeben ist, und die sich im Iran, vor allem in den großen Städten eher fremdbestimmt fühlt und sich nach Freiheit sehnt. Insofern würde eine Verweigerung der anmaßenden Forderungen von Seiten des Teheraner Regimes hier weniger zu einer Solidarisierung von Volk und Regierung führen als vielmehr von breiten Teilen vor allem der gebildeten, aufgeklärten und westlich orientierten Iraner auch verstanden werden, die sehr wohl Bescheid wüßten, wem sie dieses Unbill zu verdanken hätten.

    Ich habe also deutlich gemacht, daß meine Position zu den beiden genannten Sonderregeln für den Iran diejenige wäre, sowohl auf die Juden diskriminierende Manipulation von Turnierauslosungen zu verzichten als auch, die diesjährige Frauen-WM einem anderen Veranstalter zuzuweisen (wo ein Wille ist, ist auch ein Weg). Zwänge und Verbote aus politischen und/oder religiösen Gründen haben an internationalen Sportveranstaltungen nichts zu suchen. Leider hat die FIDE nicht den geeigneten Präsidenten, der willens oder in der Lage dazu wäre, etwas an diesen Zuständen zu ändern. Und natürlich ist hier auch DSB-Präsident Herbert Bastian gefordert, der als einer der Vizepräsidenten im Gremium der FIDE sitzt. Was ist eure Position dazu?
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  2. #2
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Danke für die aufschlussreichen Überlegungen und Zusammenhänge. Sie lassen übrigens auch den “Skandal“ um Hou Yifan in einem anderen Licht erscheinen. Der Skandal scheint mir eher anderswo zu sein, denn in Gibraltar scheint mir grundsätzlich etwas schief gelaufen zu sein:

    Ein Auslosungssystem das dahingehend manipuliert wurde, daß ausgeschlossen wird Israeli und Iraner gegeneinander spielen zu lassen – DAS ist der Skandal. Auch ist es zwingend logisch: Wenn auch nur eine einzige Paarung “umdisponiert“ (manipuliert!) wird, werden zwangsläufig auch andere Paarungen “umdisponiert“ (manipuliert!). In einer Runde also, wo eigentlich ein Israeli gegen einen Iraner hätte spielen müssen, kommt das quasi einer Kettenreaktion gleich!

    Wie will man übrigens verfahren, wenn es in der letzten Runde eines Turniers zwingend erforderlich ist, daß ein Israeli und ein Iraner gegeneinander spielen, weil beide um den ersten Platz spielen? Oder wie will man verfahren, wenn der Weltmeister ein Israeli ist und der Herausforderer ein Iraner? Wie will man dann “umdisponieren“? Im ersten Fall führte dies zu einer Verfälschung des Turnierendergebnisses. Und im zweiten Fall zu einer Verfälschung der Weltmeisterschaftsschachgeschichte. Und in beiden Fällen wären die Lorbeeren nichts wert.

    Handlungsbedarf scheint auch mir geboten. Ich glaube freilich nicht, daß die Erlösung von “oben“ kommt. Veränderungen müssen zunächst immer erst von “unten“ kommen. Solange die Basis nur murrt, duldet und mitmacht, ist jeder einzelne selbst nur eine Schachfigur, die von “oben“ nach belieben hin und her geschubst wird.

    Vielleicht ist der “Skandal“ um Hou Yifan ein erster Aufschrei, Protest: Nicht mit mir! Aber eigentlich ist es ja bereits ihr zweiter Aufschrei, Protest, denn in den Angelegenheiten um den Modus der Frauenweltmeisterschaften, hatte sie bereits einen handfesten “Skandal“ verursacht:

    http://de.chessbase.com/post/warum-h...nd-prix-spielt

    Zur nächsten Frauenweltmeisterschaft im Iran: Hou Yifan wird jedenfalls nicht dabei sein. Ich könnte mir auch nicht vorstellen, daß sie sich zwangsuniformieren läßt und sich das Zaumzeug, in Form eines Kopftuches, umwirft.

    An alle andern Frauen, die dort hin fahren und mitmachen: Die Vorbereitung sollte nicht nur schachlicher Natur sein. Das Training sollte umfassender sein: Bitte nicht mit dem Hintern wackeln!

    Apropos Kopftuch: Um nicht falsch verstanden zu werden – (auch) Frauen mit Kopftuch sind wunderschön. Tragisch und inakzeptabel wird es nur, wenn Frauen, die in den Iran reisen, gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Aber das ist wohl Weiber-, pardon, Frauensache.

    Ich gehe mal davon aus, daß eine Frau, die in den Iran reist und dort ein Kopftuch trägt, das auch will. Denn eine Frau, die in den Iran reist und dort kein Kopftuch tragen will, trägt dort entweder kein Kopftuch oder sie reist nicht in den Iran. Auch nicht zur Frauenweltmeisterschaft. So einfach ist das.

    PS: http://de.chessbase.com/post/der-ska...ressespiegel-2

  3. #3
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    Handlungsbedarf scheint auch mir geboten. Ich glaube freilich nicht, daß die Erlösung von “oben“ kommt. Veränderungen müssen zunächst immer erst von “unten“ kommen. Solange die Basis nur murrt, duldet und mitmacht, ist jeder einzelne selbst nur eine Schachfigur, die von “oben“ nach belieben hin und her geschubst wird.
    Wer beruflich oder privat mit technischen Systemen arbeitet, der weiß, daß einzelne Abläufe immer nur dann vollzogen werden können, wenn bestimmte Parameter richtig eingestellt sind. Das könnte ich mir für die Turnierpraxis, sei es im Schach oder in anderen Sportarten gut vorstellen, gut vorstellen. Es sollte sich bei der Masse an Spielerinnen und Spielern einbürgern, bei jedem Turnier nachzufragen, wie es denn mit dem Auslosungssystem ist, und wenn klar ist, daß das Turnier dem Iran insoweit entgegenkommt, daß er Iraner und Israelis nicht gegeneinander antreten läßt, dann wird das Turnier eben boykottiert. Wenn das Schule machen würde, dann würde sich ein Veranstalter dreimal überlegen, ob er diese Praxis auch in seinem Turnier weiterführt. Solange Iljumschinow bei der FIDE das Zepter schwingt, müssen solche Veränderungen in der Tat von unten kommen. Die Spielerinnen und Spieler sollten zu solchen Solidarisierungsaktionen auch im eigenen Interesse bereit sein. Das von Dir gut beschriebene Problem mit der Kettenreaktion betrifft zum einen alle, und zum anderen könnten sie selbst einmal Opfer von Diskriminierung werden, wenn man solche Praktiken nicht im Keime erstickt. Ich gebe z. B. zu bedenken, wie unbeliebt der Westen heutzutage geworden ist, oder wie sehr politischer Fanatismus - selbst in Kernländern des Westens selbst - ein Revival feiert.
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  4. #4
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Solange Iljumschinow bei der FIDE das Zepter schwingt, müssen solche Veränderungen in der Tat von unten kommen. Die Spielerinnen und Spieler sollten zu solchen Solidarisierungsaktionen auch im eigenen Interesse bereit sein.
    Konkret bei der Schach-WM der Frauen im Iran, die in einer Woche beginnt, wird deutlich, daß die Spielerinnen ein in sich gespaltenes Völkchen sind. Eine Solidarisierungsaktion gibt es praktisch nicht. Eine Ukrainerin (wegen Kopftuchzwang) und zwei Amerikanerinnen (wegen Spannungen zwischen dem Iran und den USA) haben die WM abgesagt. Alle anderen wollen spielen, übrigens auch Elisabeth Pähtz.

    Zum Nachhören die Radiosendung "Nur mit Kopftuch ans Spielbrett", von Deutschlandradio Kultur, ist hier zu finden:

    http://www.deutschlandradiokultur.de...el.965.de.html

  5. #5
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Wenn es ein Land gäbe, in welchem der Nationalsozialismus regiert und deshalb seinen Sportlern verbieten würde, mit "jüdischen Untermenschen" zu spielen, gäbe es auch dann keinen Boykott?

    Und wo genau ist der Unterschied zum Iran?

    Ich habe für keine Verständnis, die da mitspielt. Ich habe auch für kein feministisches Weibchen Verständnis, welches sich hierzulande für Genderstern, Ampelweibchen, Frauenquote oder ähnlichen dekadenten Nonsens einsetzt und dann aber bei sowas mitmacht.

  6. #6
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Pantau Beitrag anzeigen
    Wenn es ein Land gäbe, in welchem der Nationalsozialismus regiert und deshalb seinen Sportlern verbieten würde, mit "jüdischen Untermenschen" zu spielen, gäbe es auch dann keinen Boykott?
    Wahrscheinlich nicht. Im Nationalsozialismus regierte die Gleichschaltung, daraus folgend das Mitläufertum und das Wegschauen. Und wäre öffentlicher Boykott im Nationalsozialismus nicht einfach dumm? Wer setzt leichtfertig sein Leben und das Leben anderer aufs Spiel?

    Widerstand sollte klug sein. Wer morgen tot ist, kann übermorgen keinen Widerstand mehr leisten. Wem wäre damit geholfen? Den Nationalsozialisten. Deshalb begann der Widerstand im Nationalsozialismus - im Untergrund. Anders geht es nicht. Und von dort aus kann man gut agieren, sich mit der Welt vernetzen: Ein Verbund aus Widerstandskämpfern und Widerstandskämpferinnen. Und man kann - in Tarnkappen schlüpfen! Im Nationalsozialismus gab es Widerstandskämpfer in SS-Uniform!

    Im Falle Iran: Es mag absurd klingen: Manchmal ist es besser, ein Kopftuch zu tragen, statt es nicht zu tragen. Widerstand, der nicht klug und flexibel ist, wird sein Ziel nicht erreichen.

  7. #7
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Wieso setzt man beim Boykott einer Veranstaltung, die in einem anderen Land stattfindet, sein Leben aufs Spiel? Angst um mein Leben hätte ich eher im Iran als hier.

    Die Alternativen sind auch nicht "Kopftuch tragen" oder "Kopftuch nicht tragen", sondern "In den Iran zu einer fragwürdigen Veranstaltung reisen" und "zu Hause bleiben". Wenn das genug Spielerinnen machen, fällt die Veranstaltung aus und der Boykott hat sein Ziel erreicht. Ein Land, in dem solche Zustände herrschen, ist eben nicht für das Austragen einer internationalen Veranstaltung geeignet.
    http://musescore.com/tobefree

    Zitat Zitat von derair
    also ich hab jetztd en internet explorer 9 und der ist toll
    der ist viel übersichtliger geworden und íst viel besser als fire fox
    "Alle aussteigen, wir klauen jetzt einen A380."

  8. #8
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Ich schließe mich ToBeFree an, ich verstehe nicht ganz, wie man mich zwingen soll, in ein nationalsozialistisches Land zu reisen, um - sagen wir mal rein hypothetisch - an den Olympischen Spielen 1936 teil zu nehmen?

  9. #9
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von ToBeFree Beitrag anzeigen
    Wieso setzt man beim Boykott einer Veranstaltung, die in einem anderen Land stattfindet, sein Leben aufs Spiel? Angst um mein Leben hätte ich eher im Iran als hier.
    Da hatte ich wohl Äpfel mit Birnen vermengt und den Beitrag von Pantau irgendwie falsch verstanden. Sorry.

  10. #10
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von ToBeFree Beitrag anzeigen
    Wieso setzt man beim Boykott einer Veranstaltung, die in einem anderen Land stattfindet, sein Leben aufs Spiel? Angst um mein Leben hätte ich eher im Iran als hier.

    Die Alternativen sind auch nicht "Kopftuch tragen" oder "Kopftuch nicht tragen", sondern "In den Iran zu einer fragwürdigen Veranstaltung reisen" und "zu Hause bleiben". Wenn das genug Spielerinnen machen, fällt die Veranstaltung aus und der Boykott hat sein Ziel erreicht. Ein Land, in dem solche Zustände herrschen, ist eben nicht für das Austragen einer internationalen Veranstaltung geeignet.
    Dem stimme ich genau zu! Die Frage ist, ob die die Schachspielerinnen in den Iran reisen um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen, oder ob sie dieser Veranstaltung fernbleiben (= Boykott).

    Babylonia

  11. #11
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Babylonia Beitrag anzeigen
    Dem stimme ich genau zu! Die Frage ist, ob die die Schachspielerinnen in den Iran reisen um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen, oder ob sie dieser Veranstaltung fernbleiben (= Boykott).

    Babylonia
    Da wollen wir die Männer gleich mit einschließen, die ja auch von der STRENGEN Kleidungsvorschrift betroffen sind, wie ich gerade dazugelernt habe: http://de.chessbase.com/post/frauen-...t2017-runde1-2

    " Wussten Sie, liebe Leser, dass auch männliche Besucher des Irans von den strengen Kleidungsvorschriften im Land betroffen sind? Dies kann man der "Information" auf Turnierseite entnehmen, wo die Herren dazu angehalten werden, lange Hosen zu tragen... "

    Da geht doch glatt ein Aufschrei des Protestes durch die Männerwelt! Diese Diskriminierung lassen wir uns nicht gefallen! Männer aller Länder vereinigt Euch!

  12. #12
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Birliban Beitrag anzeigen
    Da geht doch glatt ein Aufschrei des Protestes durch die Männerwelt! Diese Diskriminierung lassen wir uns nicht gefallen! Männer aller Länder vereinigt Euch!
    Jawoll, laßt euch nichts gefallen und zeigt her eure Beine!

    Aber mal im Ernst, so langsam könnten die Jungs da drüben wirklich mal auftauen. Himmel, wir haben bald das Jahr 2020.. warum sind die bloß so verbohrt in ihre Religion??

  13. #13
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Kampfkeks
    Aber mal im Ernst, so langsam könnten die Jungs da drüben wirklich mal auftauen. Himmel, wir haben bald das Jahr 2020.. warum sind die bloß so verbohrt in ihre Religion??
    Der auch im Westen zu beobachtende Trend geht ja eher weg von Aufklärung und Fortschrittsglaube, so wie er in den 80er, aber auch in den 90er Jahren noch präsent war, und hin zu Nietzsches Ewigen Wiederkehr. Der Glaube an die Utopie des Fortschritts hin zu einer besseren Welt für alle, wo wir friedlich und solidarisch zusammenleben und Computer und Technik uns die Arbeit abnehmen ist ja heute dem Gedanken gewichen, schon längst in einer Dystopie zu leben und jede Selbstbestimmung verloren zu haben. Als jemand, der nicht in dieser Zeit aufgewachsen bin, sondern seine Prägung in den 80er Jahren erfuhr, kann ich diese Vergleiche ziehen. Was den Nahen Osten angeht, so erleben wir dort leider keinen sinkenden religiösen Einfluß, sondern ein Erstarken der Religion. Das daraus erwachsene Problem ist spätestens seit dem sogenannten „Arabischen Frühling“ bekannt: wird ein sich auf das Militär stützender eher säkularer Diktator gestürzt und es kommt zu einer Demokratie, dann kommt ein Islamist an die Macht, was u. a. zu einem Bürgerkrieg führen kann. Und daß nicht alles demokratisch ist, was demokratisch gewählt wird, wissen wir ja auch aus den letzten US-Präsidentenwahlen.

    @Birliban: an Deinem verlinkten Artikel stört mich der Relativismus, der hier zum Ausdruck kommt:
    Und wenn man ehrlich ist, dann muss man ja zugeben, dass ständig irgendwo auf der Welt Schachturniere in Ländern stattfinden, deren Regierungen auf eine für den Europäer irritierende Art agieren.
    Es gibt nicht nur Weiß und Schwarz auf dieser Welt, sondern die meisten Staaten auf der Welt befinden sich auch aus unserer Perspektive eher im Mittelfeld unseres Werte-Koordinatensystems. Daß man also nicht bei jedem Abweichen eines Staates von diesem Koordinatensystem nach einem Boykott von Sportveranstaltungen schreien sollte, versteht sich dabei von selbst. Nur stellt der Iran sowohl außen- als auch innenpolitisch eine besondere Dimension dar, befindet sich eben nicht in diesem breiten Mittelfeld der Staaten auf der Welt. Der Iran ist seit der Revolution der Ayatollahs 1978 eine Theokratie, die den internationalen Terrorismus gefördert hat, mittelalterlich anmutende Strafen von Auspeitschungen bis Steinigungen im Repertoire hat, bis auf die Zähne bewaffnet ist und sowohl in Syrien als auch im Jemen einen innermuslimischen Stellvertreterkrieg gegen die nicht minder schlimme sunnitische Allianz führt (ich hätte auch keine Fußball-WM an den Katar vergeben, aber die FIFA ist nicht nicht weniger schlimm und korrupt als die FIDE). Und mir ist kein anderes Land auf der Welt bekannt, daß seine Teilnehmerinnen dazu verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen. Das ist eine Nötigung, das Kopftuch ist entweder ein religiöses Bekenntnis oder, wenn dies von der Frau nicht freiwillig getragen wird, ein Symbol der Unterdrückung. Deswegen, aber auch, weil die daraus resultierenden Absagen vorhersehbar gewesen waren, hätte diese Frauen-WM nie an den Iran vergeben werden dürfen, der ja gerade in diesen wichtigen Punkten keine Verhandlungsbereitschaft zeigte, sondern stur auf seiner isolierten nationalen Position beharrte. Das erinnert mich an Nordkorea, wo Besucher aus dem Ausland dazu gezwungen werden, den Gesslerhut zu grüßen bzw. einen Kotau vor der voluminösen Kim-Il-Sung-Statue in Pjöngjang zu machen, und ich bewundere jede/n dafür, sich diesem Kotau zu verweigern. Toleranz sollte in der Tat immer beidseitig sein.
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  14. #14
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    Zitat Zitat von Kiffing Beitrag anzeigen
    Und mir ist kein anderes Land auf der Welt bekannt, daß seine Teilnehmerinnen dazu verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen. Das ist eine Nötigung, das Kopftuch ist entweder ein religiöses Bekenntnis oder, wenn dies von der Frau nicht freiwillig getragen wird, ein Symbol der Unterdrückung. Deswegen, aber auch, weil die daraus resultierenden Absagen vorhersehbar gewesen waren, hätte diese Frauen-WM nie an den Iran vergeben werden dürfen,
    So ist es. Dennoch bleibt der Sachverhalt: Die Nötigung, ein Kopftuch zu tragen, ist das eine. Das andere ist - niemand hat die Teilnehmerinnen genötigt, in den Iran zu reisen. Es ist, wie es ist: Der Boykott und auch ein Girlkott hat NICHT stattgefunden. Nur eine handvoll Frauen haben sich dem Kotau verweigert. Der große Rest, von 63 Teilnehmerinnen, nicht.

    Es ist schon bizarr: 63 Teilnehmerinnen reisen freiwillig in den Iran, um sich der Nötigung zu unterwerfen, ein Kopftuch zu tragen. Aber noch ist die Frauenkopftuchweltmeisterschaft ja nicht zu Ende. Insgeheim hoffe ich noch auf einen weiteren Skandal, vielleicht beim Finale:

    Zwei Frauen reißen sich das Kopftuch vom Kopf, falten es zusammen, legen es neben das Brett, lächeln einander noch kurz an und beginnen dann ihre WM-Finalpartie. Dann wird aus einer Frauenkopftuchweltmeisterschaft vielleicht doch noch eine Frauenschachweltmeisterschaft. Auch wenn diese Partie wohl nie zu Ende gespielt werden wird. Es sei denn, beide Frauen einigen sich nach 4 oder 5 Zügen Remis, bevor die Sicherheitskräfte anrücken, die Frauen abführen und den Saal räumen.

    Bleibt mir noch zu sagen: Ein "Boykott" hat eh nur in den Medien und den Foren stattgefunden. Und auch dort haben sich meist nur Männer (inklusive meiner Wenigkeit) echauffiert. Kaum eine Frau. Nun wird es mir langsam zu öde und langweilig. Denn alles ist inzwischen gesagt. Und nichts getan.

    Mir reicht's. Ich geh' schaukeln.

  15. #15
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    AW: Die Sonderrechte des Irans im internationalen Schach

    PS: Elisabeth Pähtz hat's übrigens hinter sich und ist gegen Pia Cramling ausgeschieden. Und darf nun wieder freiwillig nachhause reisen. Immerhin: Sie war mal im Iran und hat eine fremde Kultur kennengelernt. Live is live. Und live is life. Und immerhin: Eine Erfahrung ist eine Erfahrung. Und eine neue Erfahrung ist manchmal besser als keine Erfahrung. Wer wollte das verteufeln?

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