So wie Emanuel Lasker seine Autorität durch seinen erworbenen Weltmeistertitel in London 1899 und Paris 1900 eindrucksvoll zementierte, so erreichte Alexander Aljechin dies mit ähnlich beeindruckenden Resulaten in San Remo 1930 und Bled 1931. In Bled spielte er Aaron Nimzowitsch in 19 Zügen an die Wand, was diesen dazu veranlaßte, der Schachwelt seinen bekannten Grünschnabelspruch ("er vernichtet uns wie Grünschnäbel") zu schenken. Es war eine echte Morphy-Partie mit Bauernopfern für Iniative in offenen Stellungen und einem energischen und konsequent vorgetragenen Königsangriff. Sie hatte durch die taktisch-dynamischen Ideen auf der d-Linie sogar Ähnlichkeiten mit Morphys bekanntester Partie gegen Karl von Braunschweig und Fürst Isoard 1858 in Paris. Es wird gesagt, daß viele Schachmeister mit origineller Spielphilosophie wie Bogoljubow und Nimzowitsch durch die Universalität solcher Jahrhundertspieler wie eben Aljechin ihre Grenzen aufgezeigt bekamen. Für diese These gibt es gute Gründe, doch gibt es mit Michail Tal in seinen besten Phasen, der aufgrund gesundheitlicher Probleme (Petrosjan: "Tal hat von uns allen die beste Gesundheit, jeder andere wäre bei seinen Krankheiten längst gestorben") zeitlebens inkonstant agierte, auch ein spektakuläres Gegenbeispiel, zu denen mit einer gewissen Berechtigung auch Lasker selbst gezählt werden kann. Nach seinen beiden Triumphen hatte Aljechin es allen gezeigt und bekam nun ein Motivationsproblem, das typisch ist für zahlreiche Spitzensportler, die in ihrer Sportart alles erreicht und niemanden mehr zu fürchten hatten. Zwar dem Schachspiel weiter treu, begann er sich stark für Alkohol zu interessieren (Euwe: "Aljechin bedeutet Al wie Alkohol, Je wie Jenever, Ch wie Champagner und In wie Ingwerbier") und einem gewissen Weltschmerz hinzugeben, was insgesamt zu einem Leistungsabfall und seinem Titelverlust 1935 gegen Euwe führte. Aljechin zog daraus allerdings seine Lehren und holte sich zwei Jahre später den Titel wieder zurück ("ich habe Euwe den WM-Titel nur geliehen"). Er hatte Glück, daß Max Euwe ein fairer Sportsmann durch und durch war, der frei war von jedem narzißtischen Stardünkel und die Interessen der Schachwelt vor seine eigenen stellte, so daß der Niederländer ihm die Revanche gewährte. Max Euwe hätte bei einem Sieg in diesem Rematch der FIDE künftig die Organisation von WM-Wettkämpfen überlassen, was erst nach dem Zweiten Weltkrieg durchgesetzt werden konnte.

[Event "Bled"]
[Site "Bled SVN"]
[Date "1931.08.30"]
[Round "6"]
[White "Alexander Alekhine"]
[Black "Aron Nimzowitsch"]
[Result "1-0"]
[ECO "C15"]
[PlyCount "37"]
[EventDate "1931.08.23"]

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Bb4 4. Nge2 dxe4 5. a3 Bxc3+ 6. Nxc3 f5 7. f3 exf3 8.
Qxf3 Qxd4 9. Qg3 Nf6 10. Qxg7 Qe5+ 11. Be2 Rg8 12. Qh6 Rg6 13. Qh4 Bd7 14. Bg5
Bc6 15. O-O-O Bxg2 16. Rhe1 Be4 17. Bh5 Nxh5 18. Rd8+ Kf7 19. Qxh5 1-0