Ein schönes Beispiel dafür, wie man den Sieg erzwingen kann, gelang Michail Botwinnik gegen Vsvevolod Alfredowitsch Rauser bei den UdSSR-Einzelmeisterschaften 1933/34. Rauser verzichtete wohl aus Respekt vor dem Theoriewissen seines jungen, aber bereits damals spielerisch reifen Gegners auf seinen Richter-Rauser-Angriff, sondern wählte eine ruhigere Variante, die allerdings Botwinnik dazu brachte, sein Konzept des schwarzen Gegenspiels anzuwenden. Lehrreich und spektakulär ist, wie er quasi aus dem Nichts einen taktisch geprägten Gegenangriff aus dem Ärmel schüttelt. Wie viele Schachspieler wären wohl achtlos an dieser Gelegenheit vorbeigegangen und hätten schematisch den Läuferrückzug 16. ...Le6 gewählt, nachdem allerdings Weiß es wäre, der nach 17. f5! gxf5 18. exf5 Lxf5 19. Sd5 die Initiative erringen kann. Nach dem taktischen Gegenschlag im Zentrum 16. ...d5! dagegen ist es Botwinnik, der die Initiative erlangt. Fortan läßt er seinem Gegner keine Ruhe mehr und peitscht seinen Angriff mit eiserner Entschlossenheit zum siegreichen Ende. Sehenswert dabei ist sein Damenschwenk zum Damenflügel, wo er seine Dame entscheidend am Königsangriff teilnehmen läßt. Weiß gab auf, weil er erkannte, daß die weißen Türme nach der Liquidierung des Bf4 nicht mehr von der Eroberung der e-Linie abgehalten werden können. Zudem band der Bf2 zu viele weißen Figuren.

[Event "USSR Championship"]
[Site "Leningrad (RUS)"]
[Date "1933.08.19"]
[Round "4"]
[White "Vsevolod Rauzer"]
[Black "Mikhail Botvinnik"]
[Result "0-1"]
[ECO "B72"]
[PlyCount "58"]
[EventDate "1933.??.??"]

1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 d6 6. Be2 g6 7. Be3 Bg7 8.
Nb3 Be6 9. f4 O-O 10. O-O Na5 11. Nxa5 Qxa5 12. Bf3 Bc4 13. Re1 Rfd8 14. Qd2
Qc7 15. Rac1 e5 16. b3 d5 17. exd5 e4 18. bxc4 exf3 19. c5 Qa5 20. Red1 Ng4 21.
Bd4 f2+ 22. Kf1 Qa6+ 23. Qe2 Bxd4 24. Rxd4 Qf6 25. Rcd1 Qh4 26. Qd3 Re8 27. Re4
f5 28. Re6 Nxh2+ 29. Ke2 Qxf4 0-1