Island war die letzte Station im Leben von Robert James Fischer. Da Fischer mit seinem Rematch gegen Boris Spasski 1992 in Belgrad gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte, die gegen das damals noch als Torso existierende Jugoslawien im Zuge des jugoslawischen Bürgerkriegs erlassen worden waren, war er seitdem auf der Flucht vor seinem Heimatland gewesen, das ihn mit einem Haftbefehl verfolgte. 2004 in Japan verhaftet, wo er seine Lebensgefährtin Myoko Watai kennenlernte, und von Abschiebung in die USA bedroht, hatte Fischer Myoko Watai viel zu verdanken, denn die heutige Generalsekräterin des japanisches Schachverbandes setzte sich mit einer internationalen Unterstützungskampagne für Fischer ein und erwirkte dadurch, daß Island sich in Anbetracht der Verdienste Fischers für das kleine nordische Land zur Aufnahme der Schachlegende bereiterklärte. Der legendäre WM-Kampf 1972 zwischen Fischer und Spasski hatte die Insel in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gerückt und einen Schachboom ausgelöst, der bis heute in Island nachwirkt. So ist Island heute das Land mit der größten Dichte an Großmeistern weltweit. Myoko Watei folgte ihrem Freund nach Island und lebte bis zu seinem Tod am 17.1.2008 mit ihm zusammen. In den privaten Videomitschnitten ist sie als Frau an Fischers Seite ständig präsent, greift aber nie in die Diskussionen ein. Ab 12:08 ist auch Kari Stefansson zu sehen, ein berühmter Wissenschaftler und Unternehmer, der mit seinem Biotechnologieunternehmen DeCodeGenetics die DNA von ca. 10.000 Isländern vollständig sequenziert hat und somit angesichts der verwandtschaftlichen Beziehungen der Isländer untereinander in einem Land, das von Einwanderung weitgehend freigeblieben ist, über jeden Isländer genetische Informationen zur Verfügung stehen hat. Er befindet sich momentan in einem Rechtsstreit darüber, inwieweit er diese Informationen auch im Sinne seiner Kunden selbst, verwerten darf. Übrigens meint Stefansson, durch seine Forschungen den genetischen Nachweis dafür erbracht zu haben, daß Genie und Wahnsinn in Übereinstimmung mit dem tradierten Volksmund tatsächlich zusammengehörten. In der Unterhaltung mit Stefansson, geführt in einem Restaurant, blitzt Fischer aber mit seinem Versuch ab, den Unternehmer und Wissenschaftler in seinen Judenhaß mit hineinzuziehen ("you are out of control, Bobby Fischer"). Übrigens fällt auf, wie oft Fischer generell in den Sequenzen der Videoaufzeichnungen auf das Thema Juden zu sprechen kommt, auch Garri Kasparov, der ihn nach seinem Tod an seinem Grab besuchte, bezeichnet er als "jüdischen Bastard". Generell finden wir hier eine Quelle vor, die gerade dadurch, daß die Situationen, in denen Fischer zu sehen ist, im privaten Rahmen sind, ihren besonderen Wert hat. Denn so gelangen wir an authentischen und weitgehend ungefilterten Informationen, wie dieser Mann in seinen letzten Lebensjahren wirklich getickt hat und was er wirklich für eine Meinung hat bezogen auf Themen rund um Schach, Weltpolitik und seine eigene familiäre Misere. Wir erinnern uns, daß das Bild, das wir von Fischers letzten Jahren haben, verheerend ist, und so können wir überprüfen, ob Eindruck und Vorstellung wirklich zusammenpassen: