In der DDR waren die Erfahrungen der Menschen, was die Computer angeht, andere als in der BRD. Aufgrund der gezielten Abschottung der RGW-Staaten von den wirtschaftlich führenden Ländern des Westens hatte es die DDR ungleich schwerer, leistungsfähige Computer herzustellen; trotzdem hatte sich die DDR-Führung, die Zeichen der Zeit erkennend, das ehrgeizige Ziel gesetzt, das ganze Land zu digitalisieren. Die Mikroelektronik wurde zur Schlüsselindustrie erklärt, und das Land leistete sich sogar einen Elektronikminister. Die bekanntesten Betriebe für Entwicklung und Herstellung von Computern waren der VEB Kombinat Robotron in Sömmerda, der fast 14.000 Mitarbeiter hatte, sowie das Kombinat Mikroelektronik "Karl Marx" Erfurt. Da im Zuge des Aufbaus des Computerwesens der DDR kollektive Interessen Vorrang vor Individualinteressen hatten, wurden vorzugsweise sogenannte Bedarfsträger wie Betriebe, Schulen und Universitäten beliefert, so daß Heimcomputer für den DDR-Bürger nur schwer zu bekommen und zudem nahezu unerschwinglich waren, auch wenn die Preise für Heimcomputer gegen Ende der DDR noch einmal kräftig fielen, so etwa für den KC 85/3 von 3900 M auf 1750 M oder für den KC 85/4 von 4600 M auf 2150 M. Dafür gab es in der DDR keine Verbote, was die Aufstellung von Computern bzw. Spielautomaten an öffentlichen Plätzen angeht, so wie das in der BRD in den 80er Jahren aus "Jugendschutzgründen" der Fall gewesen war. Jüngere Menschen erlebten in der DDR der späten 80er Jahre die Computer in ihrem Alltag eher durch Unternehmungen der Jungen Pioniere bzw. der FDJ oder als Attraktion bei Volksfesten, wo gern der Spielautomat Polyplay aufgestellt wurde. Zudem gab es im Palast der Republik eine großzügig ausgelegte Spielhalle mit 40 Spielautomaten. Auch in der DDR gab es trotz der beschränkten Möglichkeiten eine wachsende Szene an Programmierern, die sich u. a. mit der Entwicklung eigener Spiele befaßte.

Insofern war die Computerindustrie in den späten 80er Jahren durchaus leistungsstärker als es ihrem Ruf entsprach, was für die Entwicklung von Schachcomputern hilfreich war. Computerprogramme für das Schachspiel besaßen für die DDR-Führung einen hohen Stellenwert, zum einen, weil Schach als sinnvolle Freizeiteinrichtung gesehen wurde, und zum anderen aufgrund der großen Nachfrage der Bevölkerung, denn die Anzahl an Schachspielern war pro Kopf deutlich größer als in der Bundesrepublik. Zudem benötigte die DDR dafür Mitarbeiter, die nicht nur technikaffin waren, sondern auch über eine gehobene Spielstärke im Schach verfügten. Der Onkel von Elisabeth Pähtz, Wolfgang Pähtz, war mitverantwortlich für die Realisierung von Video Chess-Master, einem Schachprogramm, das im Gegensatz etwa zu SC 2 oder CM Diamond nicht als Schachcomputer hergestellt wurde, sondern als Computerspielcassette für den KC 85, die aber auch mit dem Vorgängercomputer, dem HC 900, kompatibel war. Das Spiel besaß 10 Spielstärkestufen und auch zwei Funktionen, die den Computer gegen sich selbst spielen lassen. Die Sprache des Spiels ist auf englisch. Das Computerspiel wurde kommerziell betrieben und zudem als Devisenbringer ins westliche Ausland exportiert. Gegen Ende der DDR wurde im Inlandsverkauf der hohe Preis von 89 M noch einmal auf nur noch 17,80 M gesenkt. Der Entwickler selbst hat das Schachprogramm auf seiner Homepage vorgestellt und mit einigen interessanten Bildern versehen: http://www.paehtz.eu/Sammlung/Schachcomputer