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Thema: Endspiele verstehen

  1. #1
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    Endspiele verstehen

    Endspiele verstehen und Endspiele lernen ist nicht immer dasselbe, obwohl es das eigentlich sein sollte. Aus Lust wird Frust, wenn man das Lernmaterial nicht auch versteht. Da hilft die beste Absicht nichts, wenn das Lernmaterial nur unzulänglich ist.

    Frank Zeller, Rezensent und selbst Internationaler Meister, ist fündig geworden und empfiehlt ein Buch, das auf Englisch bereits 2008 erschien, unter dem Titel „100 Endgames You Must Know“. Nun liegt es zum ersten Mal in Deutsch vor. Nachfolgend die Besprechung von Frank Zeller aus SCHACH 8/2017:


    Schonende Grundausbildung

    Jesus de la Villa: 100 Endspiele, die Sie kennen müssen, New in Chess 2017, 268 Seiten, gebunden, 22,80 €

    Endlich ein Endspielbuch, das auch der normal Sterbliche mit Freude durcharbeiten kann!
    Wie wir alle wissen (und zu verdrängen suchen), ist die Kenntnis der Endspiele enorm wichtig. Gerade in der heutigen Praxis, in der am Ende der Partie häufig nur noch wenig Zeit verbleibt. Deshalb macht es unbedingt Sinn, wichtige Endspieltypen bzw. Standardendspiele zu verinnerlichen – Wissen kann viel Bedenkzeit sparen, wenn es gilt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Also auf geht’s, Endspiele üben!
    Doch gute Vorsätze allein zeitigen noch keinen Erfolg – der Knochenjob will durchgehalten sein. Immer wieder habe ich mich an Endspiele herangewagt, doch waren alle Standardwerke von Awerbach über Dworezkie bis zu Müller für mich, so gut und hochgelobt sie auch sein mochten, trockene, schwer verdauliche Kost. Als würde man ein Telefonbuch auswendig lernen, Zahlenkolonnen statt verbalen Erläuterungen…
    Der größte Arbeitsaufwand steckte häufig im Detail. Eine kleine Anmerkung in Klammern schien logisch und verständlich, aber wenn man sich die Mühe machte, genauer hinzuschauen, warfen sich plötzlich Fragen auf – Fragen über Fragen, die die Autoren außen vor ließen. Meist, um zu verhindern, dass ihre ohnehin schon umfangreichen Referenzwerke, die den Anspruch hatten, alles Mögliche systematisch abzudecken, noch mehr aufgebläht wurden.
    Nun also kommt endlich der Ansatz, der für den Turnierspieler geeignet scheint: eine „Beschränkung“ auf die 100 wichtigsten Endspiele! Eine immer noch ordentliche, aber überschaubare Größe, in Klumpen zusammen in einzelne Kapitel gepackt. Alles wird sehr appetitlich serviert – jedes einzelne Endspiel ist verbal ausführlich erläutert! Dabei werden die zentralen Gedanken immer mal wiedergekäut, so dass sich die Essenz gut im Leserhirn, oder, noch besser, -magen festsetzt.
    Auf Englisch erschien 100 Endgames You Must Know bereits 2008 und hat schon vier Auflagen zu verzeichnen, muss also beim Publikum gut angekommen sein. Kein neues Buch somit, aber nun liegt es zum ersten Mal in Deutsch vor – was heutzutage eine Erwähnung wert ist. Sprach- und schachverständig wurde es vom deutschen Verleger Harald Keilhack (Kania) übersetzt.
    Und vor allem: der Stoff ist zeitlos. Selbst wenn die Engines hier und da noch ergänzende Feinheiten entdecken, ist die Essenz der wichtigsten Endspiele seit Generationen bekannt.
    De la Villa (* 1958) versucht den Leser zu einem langsamen Arbeitstempo anzuhalten, seine Erläuterungen kommen eher „bedächtig“ daher. Die Straffung in den gängigen Endspielkompendien verführe die Lernenden, den Stoff schnell „durchzuziehen“. Es sieht kurz und einleuchtend aus, man geht oberflächlich drüber. Haften bleibt da aus eigener Erfahrung oft nicht viel, da einem die Schwierigkeiten, die jedes Endspiel bietet, gar nicht bewusst werden.
    Auch wenn der Autor uns seine Beispiele mundgerecht auftischt, einfach ist die Materie nicht! Zu viel Bequemlichkeit darf man sich beim Endspielstudium nicht leisten. Andererseits ist es auch wichtig, den Lernenden weder zu überfordern, noch zu langweilen, und diesen schmalen Grat meistert de la Villa sehr gut. Es geht ihm um das „warum“. Zitat: „Es ist wichtig zu wissen, warum ein Zug erforderlich ist.“ Auch wird empfohlen, den Stoff in kleinen Dosen zu verarbeiten.
    Nach einem einleitenden Kapitel, in dem die elementarsten Endspiele vorgestellt werden,, darf sich der Leser sogleich an einem der Standortbestimmung dienenden „Eingangstest“ versuchen: Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Wenn ich mich in Springerendspielen unwohl fühle, kann ich mich sogleich dem entsprechenden Kapitel widmen.
    Der Autor geht mit Statistiken der Frage nach, welche Endspieltypen wie oft erreicht werden. Stimmt es wirklich, dass Turmendspiele am häufigsten vorkommen? Laut de la Villa mit mehr als 8 Prozent eindeutig ja! Das ist deutlich mehr als alle anderen Typen, die kaum die 3-Prozent-Hürde überspringen. Dem wird Rechnung getragen: das Gros der 100 Beispiele sind Turmendspiele, aber auch Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern werden in größerer Menge bedacht.
    Ob die Auswahl gelungen ist, also ob es a) genau 100 und b) genau diese Endspiele sein müssen, vermag ich nicht zu sagen. Das Wichtigste hinsichtlich des Praxisbezuges scheint mir zumindest vertreten zu sein. Das Augenmerk liegt ohnehin auf der Art der Wissensvermittlung – und hier ist de la Villa definitiv auf gutem Wege.
    Zum Abschluss des Buches gibt es einen weiteren, schwierigeren Test, in dem Sie überprüfen können, ob Ihr Studium Früchte getragen hat.
    Ein sanfter Einstieg in das schwierige Thema „Endspiel“. Empfehlenswert für jeden Vereinsspieler bis hin (mindestens) zum Internationalen Meister. Ich selbst habe einiges neue gelernt bzw. Vergessenes wieder aufgefrischt und vor allem: ich habe länger durchgehalten als bei allen vorangegangenen Versuchen!
    „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

  2. #2
    Klarer Fixpunkt
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    AW: Endspiele verstehen

    Das Endspielbuch von Jesus de la Villa ist ein anspruchsvolles Buch, auch sehr umfangreich. Ich habe im anderen Forum gelesen, wie es einem User empfohlen wurde und wurde neugierig.

    Daher hatte ich dieses Buch unserer Mediothek zur Anschaffung empfohlen und es wurde tatsächlich angeschafft. Es ist ständig ausgeliehen, also das Buch hat in Krefeld seine Leser gefunden.

    Eigentlich ist es für mich zu anspruchsvoll. Ich will ja auch mit meiner Schachschülerin Endspiele durchnehmen und dafür ist es einfach vom Level zu hoch.

    Babylonia

  3. #3
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    Avatar von Kampfkeks
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    AW: Endspiele verstehen

    Danke für den Tipp! Hab eine Leseprobe zum Reinschnuppern gefunden:

    https://www.schachversand.de/buecher/15256.html

    Mein erster Eindruck: Sehr ausführlich geschrieben, es scheint dem Autor tatsächlich darum zu gehen, dass man die Stellungen auch wirklich versteht und verinnerlicht.
    Bin absolut kein Fan von Endspieltheorie, aber mit dieser "häppchenweisen Verabreichung" des Stoffs könnte ich mich anfreunden und mich vielleicht doch mal an die Theorie heranwagen. Irgendwann. Vielleicht.
    Ist auf jeden Fall vorgemerkt, also danke nochmal für den Tipp!

  4. #4
    Nah dran am Geschehen
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    AW: Endspiele verstehen

    Danke, Kampfkeks, die Leseprobe rundet das Bild schön ab und gibt einen überzeugenden Einblick in das Buch selbst.

    In einer der Rezension von dort ist zu finden, daß in etwa ELO/DWZ 1600 mitgebracht werden sollten, um von dem Buch zu profitieren. Für Babylonia wäre es also tatsächlich etwas zu anspruchsvoll. Aber die Chance zum Ausleihen in der Bibliothek, besteht natürlich weiterhin, zumal - ausgestattet mit Leserinnenausweis.

    Ich werde mir die deutsche Ausgabe kaufen. In der englischsprachigen fühle ich mich eher verloren und fremd. Wer aber Appetit auf die englische Fassung hat, hat sogar noch die Chance, ein letztes Exemplar zum Schnäppchenpreis und portofrei zu ergattern:

    https://www.medimops.de/buecher-C018...us+De+la+Villa
    „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten.“ Karl Kraus

  5. #5
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    AW: Endspiele verstehen

    Ich habe das Buch (auf Englisch) durchgearbeitet, und finde es sehr gut gemacht. Leider habe ich die hälfte schon wieder vergessen und muss das buch wohl noch ein 2tes, und dann ein 3tes, und dann ein Ntes mals durcharbeiten.

    Nörgeln muss ich aber an 2 stellen:
    (a) Wieso wird Läufer + falsche Randbauer nicht durchgenommen? In der Einleitung sagt er das sei so einfach das kenne eh jeder. Nein, das ist nicht der fall, verschiedene Club-mitglieder von mir kennen es nicht!
    (b) Wieso wird Dame gegen Turm + Bauer durchgenommen, aber nicht Dame gegen Turm? Zweiteres ist relativ wichtig weil gewisse Turmendspiele darüber rüberleiten und bereits sehr schwierig, das Endspiel Dame gegen Turm + Bauer habe ich dankend gar nicht erst angeschaut, das ist einfach zu kompliziert.
    Zitat Zitat von Sam Collins
    I think people need to emphasise skills over knowledge. It's no good playing 30 moves of Dragon theory if you blunder on move 31. The fact that modern tournaments can be watched with engines creates a false impression that chess is easy, and players often forget to work on basic skills like calculation.

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