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Thema: "Schachmaschine" Capablanca

  1. #1
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    "Schachmaschine" Capablanca

    José Raúl Capablanca y Graupera (19.11.1888 – 8.3.1942) war von 1921 bis 1927 der dritte Schachweltmeister und zählt zu den gröβten Spielern aller Zeiten: besonders seine auβergewöhnlich schnelle Auffassungsgabe in Bezug auf Stellungsbeurteilungen, die Leichtigkeit seines Spiels und seine virtuose Endspielbehandlung waren schon zu seinen Lebzeiten legendär.

    Auβerdem galt er als nahezu unschlagbar: Die Internetdatenbank chessgames.com verzeichnet 46 Niederlagen in ernsten Partien (kein Schnellschach, Simultan etc.) für seine gesamte Karriere, der bekannte Schachhistoriker Edward Winter, der auch ein Buch über Capablanca geschrieben hat, kommt nur auf 34 (damals war das Erfassen ernster Partien nicht so leicht wie heute, wo die Auswertung international [Elo] bzw. national [z.B. DWZ] genügt).

    Schon zu Lebzeiten genoss Capablanca den Ruf, eine unschlagbare “Schachmaschine” zu sein.
    Wie ich auch in diesem Forum zu lesen bekommen habe, soll er 10 Jahre lang – von St. Petersburg 1914 (Niederlagen gegen Lasker und Tarrasch) bis New York 1924 (Niederlage gegen Reti) - keine ernste Partie verloren haben.

    Dies trifft nicht ganz zu: Im Februar 1916 verlor er während des Rice-Memorials in New York eine Turnierpartie gegen Oscar Chajes, also handelt es sich in Wirklichkeit um 8 Jahre.

    Auβerdem glaube ich, dass man bei solchen Serien auch den historischen Kontext in Betracht ziehen sollte:

    Am 28.07.1914 brach der 1. Weltkrieg aus, weshalb das internationale Schachleben praktisch zum Erliegen kam.

    Capablanca hatte das Glück, Kubaner zu sein. Der amerikanische Doppelkontinent blieb von dem Krieg nahezu verschont; Kanada war seit 1914 Kriegsteilnehmer, die USA wurden es 1917, doch fanden auf ihren Territorien keine Kampfhandlungen oder Versorgungsengpässe statt, sondern sie schickten ihre Soldaten nach Europa. Europäische Spitzenspieler wie besonders Carl Schlechter, aber auch z.B. Akiba Rubinstein hatten viel mehr unter dem Krieg zu leiden.

    Während dieser Zeit konnte sich Capablanca zwangsläufig nicht mit den meisten Topspielern messen. Er traf auf den Amerikaner Frank Marshall (u.a. die berühmte “Marshall-Angriff-Partie” 1918) und Dawid Janowski, aber hochklassige Turniere konnte Capablanca nicht bestreiten.

    Sein erstes Turnier in Europa nach Kriegsende bestritt Capablanca 1919 in Hastings, das er mit 10,5/11 gewann; allerdings war auch dies kein Spitzenturnier (Zweiter wurde Boris Kostic).

    Capablancas erste groβe Herausforderung seit St. Petersburg 1914 war der WM-Wettkampf mit dem Titelverteidiger Emanuel Lasker, der 1921 in Havanna stattfand.
    Der Wettkampf war ursprünglich auf 30 Partien angesetzt, doch Lasker gab ihn nach 14 Partien beim Stand von 4:0 mit 10 Remisen für Capablanca auf.
    Capablanca ist mit Sicherheit nicht unverdient/glücklich Weltmeister geworden, doch zeigte das Match nicht den “wahren” Lasker, wie er später eindrucksvoll beweisen sollte; u.a. vertrug der 52-jährige Deutsche das tropische Klima nicht und musste sich nach dem Match monatelang in Krankenhauspflege bzw. eine Kur begeben, um seine Gesundheit wieder herzustellen. Capablanca hatte als Kubaner in seiner Heimatstadt keine Schwierigkeiten mit den Bedingungen.
    Nach der 14. Partie bat Lasker Capablanca, den Wettkampf an einen anderen Ort mit einem anderen Klima zu verlegen; Capablanca lehnte ab und Lasker gab das Match auf.

    1922 in London bestritt Capablanca sein erstes hochklassiges Turnier seit St. Petersburg acht Jahre zuvor; alle Topspieler waren anwesend (bis auf Lasker, der sein Comeback erst das Jahr darauf starten sollte).
    Der Kubaner siegte souverän und ohne Niederlage.

    Das nächste groβe Ereignis war das Turnier in New York 1924: Capablanca verlor in der fünften Runde gegen Richard Reti und belegte hinter Lasker den zweiten Platz.

    Das folgende Spitzenturnier war Moskau 1925: Bogoljubow erzielte das beste Ergebnis seines Lebens und gewann das Turnier vor Lasker; Capablanca errang den dritten Platz und verlor 2 Partien (gegen Werlinsky und Iljin-Genewski).

    Capablanca war ein ein groβartiger Schachspieler, der in der Tat nur schwer zu schlagen war, doch ist seine Serie (8 Jahre ohne Niederlage) unter besonderen Umständen zustande gekommen.

  2. #2
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    AW: "Schachmaschine" Capablanca

    Da gebe ich Ihnen in allen Punkten recht,Capablanca war eine echte Schachmaschine....
    Ihr erstes Thema,wo ich keinen Widerspruch finde...Toll,nur weiter so!

  3. #3
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    AW: "Schachmaschine" Capablanca

    Zitat Zitat von Hensman Beitrag anzeigen
    Da gebe ich Ihnen in allen Punkten recht,Capablanca war eine echte Schachmaschine....
    Ihr erstes Thema,wo ich keinen Widerspruch finde...Toll,nur weiter so!
    Das freut mich, wir können uns gerne duzen.

    Tja, der schreckliche 1. Weltkrieg hat Capablanca jahrelang daran gehindert, sich mit den besten Europäern zu messen.
    Zwischen dem Superturnier St. Petersburg 1914 und seinem nächsten sehr starken Turnier (London 1922) sind 8(!) Jahre verstrichen, was in der Karriere eines Spitzenspielers eine sehr lange Zeit ist.

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